Todsichere Rezepte für die moderne Hausfrau

Roman
 
 
Penguin Verlag
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 13. September 2021
  • |
  • 416 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-26409-3 (ISBN)
 
Zwei enttäuschte Ehefrauen, ein Kochbuch aus den 1950er-Jahren und ein bitterböser Plan .Alice, frisch verheiratet, zieht mit ihrem Mann in einen schicken Vorort im Norden New Yorks. Doch die viel zu große, adrette Villa ist ihr von Anfang an unbehaglich. Als sie im Keller ein mit persönlichen Kommentaren gespicktes Kochbuch aus den 1950er-Jahren auffindet, beginnt sie sich für Nellie, die Vorbesitzerin des Hauses, zu interessieren. Alice kocht sich - zunächst nur aus Langeweile - in die Vergangenheit zurück. Bis sie anhand von Briefen entdeckt, dass Nellies Leben (und ihre Rezepte) ein düsteres Geheimnis bergen. Mit fatalen Folgen für Alice und ihren Mann ... Der Penguin Verlag dankt dem Canada Council for the Arts für die Förderung der Übersetzung. We acknowledge the support of the Canada Council for the Arts. Nous remercions le Conseil des arts du Canada de son soutien.
  • Deutsch
  • München
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  • Deutschland
Penguin
  • 1
  • |
  • 1 s/w Abbildung
  • 1,19 MB
978-3-641-26409-3 (9783641264093)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Karma Brown, kanadische Journalistin und Autorin mehrerer Romane, ist begeisterte Köchin, was sie zu ihrem neuesten Roman »Todsichere Rezepte für die moderne Hausfrau« inspirierte. Das Buch wurde in Kanada unmittelbar zu einem Nr.-1-Bestseller und erhielt grandiose Kritiken. Karma Brown lebt mit ihrem Mann, ihrer Tochter und einem Labradoodle in der Nähe von Toronto.

2


Männer mögen ein sauberes Haus, aber wenn ständig darin herumhantiert, das Haus auf den Kopf gestellt wird, um es sauber zu halten, treibt das einen Mann aus dem Haus und woandershin.

William J. Robinson, Married Life and Happiness (1922)

Alice


5. Mai 2018

Als Alice Hale das Haus zum ersten Mal sah - von beeindruckender Größe, wenn auch vernachlässigt und daher heruntergekommen und trostlos -, konnte sie unmöglich ahnen, was es für sie noch in petto hatte. Zuerst kam ihr der Gedanke, wie gigantisch es war. Die Hales wohnten in einer winzigen Zweizimmerwohnung in Murray Hill, in der man sich seitlich am Bett vorbeiquetschen musste und wo man mit den Kniescheiben die Badezimmertür berührte, wenn man auf dem Klo saß. Verglichen damit war dieses Haus ein ansehnlicher Würfel aus symmetrischen Backsteinen mit Fensterläden zu beiden Seiten einer roten Tür, die sich in einen Steinbogen schmiegte und deren Farbe sich schälte wie Haut nach einem schlimmen Sonnenbrand. Alice verspürte eine Abneigung, als sie sich vorstellte, durch die Tür zu treten: Willkommen in Greenville, Nate und Alice Hale, konnte sie das Haus durch den Briefschlitz beinahe flüstern hören, in einem Ton, der alles andere als einladend klang. Yuppies kommen hierher, um zu sterben.

Der Vorort war ausgesprochen zauberhaft, aber er war nicht Manhattan. Greenville lag nur wenige Autominuten von dem bekannteren und exklusiveren Scarsdale entfernt, die Zugfahrt nach New York City dauerte keine Stunde, und doch war es eine völlig andere Welt. Breite Rasenflächen. Lattenzäune, viele von ihnen weiß, was vorhersehbar war. Gehwege so sauber, dass man von ihnen essen könnte. Keine Verkehrsgeräusche, was Alice irritierend fand. Ihr linkes Auge zuckte, was wahrscheinlich darauf zurückzuführen war, dass sie in der Nacht zuvor kaum geschlafen hatte. Sie war in dem schuhkartonkleinen Apartment in Murray Hill im Dunkeln auf und ab gegangen, fest davon überzeugt, das hier - das Haus, Greenville, das alles - würde sich als furchtbarer Fehler erweisen. Doch mitten in der Nacht fühlte sich alles immer schrecklich an, und am Morgen kamen ihr die Schlaflosigkeit und ihre Sorgen albern vor. Dies war das erste Haus, das sie besichtigt hatten, und niemand kaufte das erste Haus.

Nate nahm ihre Hand und führte Alice den Gehweg entlang, damit sie sich das Haus von der Seite ansehen konnte. Sie drückte seine Finger und folgte beim Gehen seinem Blick. »Es ist hübsch, stimmt's?«, sagte er, worauf sie lächelte und hoffte, dass ihm nicht auffiel, wie ihr Auge zuckte.

Als sie die Vorderseite des Hauses betrachtete - die tiefen Risse im Beton des Fußwegs, den grau werdenden und windschiefen Lattenzaun -, wurde Alice klar, warum das Haus zu diesem Preis zu haben war, obwohl selbst der beinahe ihr Budget sprengte. Zumal sie jetzt von einem Gehalt lebten, wofür Alice verantwortlich war und was ihr immer noch vor lauter Schuldgefühlen Magenschmerzen bereitete, wenn sie daran dachte. Das Haus erforderte einiges an Arbeit. Eine Menge Arbeit. Und sie hatten es noch nicht einmal betreten. Alice seufzte, drückte die Fingerspitzen gegen ihre Augenlider. Das geht schon, dachte sie. Das wird schon irgendwie.

»Das ist ein Haufen Geld«, sagte sie. »Bist du dir sicher, dass wir es uns leisten können?« Sie war in einem Haushalt ohne Reserven aufgewachsen, und manchmal hatte es nicht mal genug für das Nötigste gegeben; der Gedanke an eine Hypothek machte ihr Angst.

»Das können wir, versprochen«, antwortete Nate. Er kannte sich mit Zahlen aus und konnte gut mit Geld umgehen, doch sie zögerte immer noch.

»Die Bausubstanz ist hervorragend«, ergänzte er, und Alice musterte ihn kurz, fragte sich, warum sie beide die Dinge so unterschiedlich sahen. »Und es ist ein Klassiker. Findest du nicht toll, wie solide es aussieht?« Solide. Das hatte man davon, wenn man einen Aktuar heiratete, einen Versicherungsmathematiker.

»Glaubst du, die Maklerin hat uns die richtige Adresse gegeben?« Wenn Alice den Kopf ganz leicht schräg hielt, sah es so aus, als neige sich das Haus nach rechts. Vielleicht waren sie ja in der falschen Wohngegend und woanders stand ein Vetter dieses Haus, aber in einem viel besseren Zustand. Stimmt, sie hat Greenwich gesagt, nicht Greenville, würde Nate vielleicht sagen, wenn er die E-Mail ihrer Maklerin noch mal las.

Alice runzelte die Stirn über den Schandfleck von einem Vorgarten, über das farblos wuchernde Gras, und fragte sich, was wohl ein Rasenmäher kosten mochte. Doch während alles andere ungepflegt aussah, waren die Blumen entlang des Zauns - üppige rosa Blüten, die aussahen, als bestünden sie aus Schichten zarten Seidenpapiers - prachtvoll und zahlreich, als hätte man sich erst an diesem Morgen um sie gekümmert. Alice schob die Finger unter eine der Blumen und beugte sich vor, ihr Duft war berauschend.

»Hunderteinundsiebzig.« Nate hob den Blick von seinem Handy auf das matte Messingschild mit der Hausnummer. »Ja, das ist es.«

»Im Kolonialstil erbaut«, hatte ihre Maklerin Beverly Dixon erklärt, als ihr Nate und Alice am Vorabend beim Telefonieren am Lausprecher lauschten. »Es wurde in den Vierzigern erbaut, hat also ein paar Macken, ist aber hinreißend im Detail. Warten Sie nur, bis Sie den steinernen Türbogen und den klassischen Grundriss sehen. Glauben Sie mir, das bleibt nicht lange auf dem Markt, zumal bei dem Preis.« Nate wirkte aufgeregt, während Beverly fortfuhr. Alice wusste, dass er in ihrem winzigem Apartment mit den wenigen Fenstern, dem fehlenden Grün und der erschreckend hohen Miete Beklemmungen verspürte.

Schon seit sie ihn kannte, zog es Nate fort aus der Stadt. Er wollte einen Garten haben, in dem er mit seinen Kindern Ball spielen konnte, so wie er es mit seinem Dad gemacht hatte. Er wollte jeden Morgen von Singvögeln und Zikaden geweckt werden statt von Lieferwagen. Eine Bruchbude, der er seinen Stempel aufdrücken konnte. Da er in einem Vorort in Connecticut mit immer noch solide verheirateten Eltern - von denen die Mutter Hausfrau war - und zwei Geschwistern aufgewachsen war, die genauso perfekt waren wie er, hatte das Familienleben für Nate etwas naiv Rosiges.

Alice mochte ihr ausgesprochen gemütliches Apartment, dessen Vermieter sich um tropfende Wasserhähne, frische Farbe und einen neuen Kühlschrank kümmerte, als ihrer im letzten Frühling den Geist aufgegeben hatte. Sie wollte weiterhin zehn Straßen von ihrer besten Freundin Bronwyn Murphy entfernt wohnen, zu der Alice floh, wenn sie vom Zusammenleben mit einem Mann in einer Schuhschachtel mal eine Pause brauchte. Zugegeben, Nate war ordentlicher als Alice und mehr darauf bedacht, dass alles einen Platz hatte und es für alles einen Platz gab, aber er hatte dennoch kleine Defizite. Er trank Saft direkt aus dem Getränkekarton; er verwendete ihre sündhaft teure, vergoldete Pinzette, um sich Nasenhärchen auszureißen; er erwartete, vom Leben genau das zu bekommen, was er sich wünschte, einfach weil er es verlangte.

Alice rief sich in Erinnerung, dass sie ihm versprochen hatte, unvoreingenommen zu sein, und sie wollte besser darin werden, ihre Versprechen zu halten. Ganz zu schweigen davon, dass Alice es einzig und allein sich selbst vorwerfen musste, falls sie wirklich nach Greenville zogen.

Ein paar Minuten vor dem vereinbarten Zeitpunkt hielt ein Lexus am Straßenrand, und Beverly Dixon sprang heraus. Nachdem sie ihre Handtasche und einen Ordner vom Beifahrersitz genommen hatte, zeigte die Art, wie sie die Tür sanft zustieß, Alice, dass der Wagen nagelneu war. Beverly verschloss die Tür mit ihrem Schlüsselanhänger - zweimal -, und Alice schaute sich um, sah aber niemanden in der Nähe, abgesehen von einer Frau, die einen Kinderwagen über die Straße schob, und einem älteren Herrn, der ein paar Häuser weiter einen Strauch stutzte. Alice fiel ein, was Beverly früher mal über diese Wohngegend gesagt hatte: »Da gibt es keine Verbrechen. Wenn Sie wollen, müssen Sie die Türen nicht abschließen!«

Beverly näherte sich ihnen auf acht Zentimeter hohen High Heels, ihr Körper unter dem beigen Rock und passendem Blazer stramm und kugelrund. Sie lächelte breit und freundlich, die Hand schon lange ausgestreckt, bevor sie die beiden erreichte, schwere goldene Armreifen klimperten. Als Beverly sie anlächelte, bemerkte Alice einen rosa Lippenstiftfleck auf einem ihrer Vorderzähne.

»Alice. Nate.« Beverly bewegte ihre Hände auf und ab, dabei klirrten die Armreifen wie ein Windspiel. »Sie mussten hoffentlich nicht zu lange warten?«

Nate versicherte ihr, dass sie noch nicht lange da waren; Alice lächelte und starrte auf Beverlys Zahn.

»Ein echtes Kleinod.« Beverly war außer Atem, ein leichtes Schnaufen begleitete ihre Worte. »Wollen wir reingehen?«

»Packen wir's an«, sagte Nate und nahm wieder Alices Hand. Sie ließ sich Richtung Haus ziehen, obwohl sie eigentlich nur in die Stadt zurückfahren, in ihre Yogahose schlüpfen und sich in dem winzigen Apartment verkriechen wollte. Vielleicht etwas zu essen bestellen und über ihren vorübergehenden Wahnsinn lachen, einen Umzug ins Umland auch nur erwogen zu haben.

Auf dem Weg ins Haus wies Beverly auf einige Details hin (»prachtvolle Steine im Türbogen . so etwas findet man heutzutage gar nicht mehr . original Bleiglas .«), als Alice aus den Augenwinkeln eine Bewegung bemerkte. Ein Vorhang zitterte am Fenster im ersten Stock links, als schöbe ihn jemand beiseite. Alice...

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