ABNORM

Ein Hannover-Krimi
 
 
Niemeyer C.W. Buchverlage
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 21. November 2011
  • |
  • 401 Seiten
 
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978-3-8271-9610-1 (ISBN)
 
Der Oktober wird ein blutiger Monat für die Landeshauptstadt Hannover. Im Bereich von Fußgängerzone und Eilenriede werden ausgedehnte Blutlachen entdeckt. Die Ermittlungen der Polizeidirektion Hannover ergeben, dass es sich bei dem Sekret um menschliches Blut handelt. Es fehlen jedoch die dazugehörigen Opfer, niemand wird vermisst, kein Zeuge kann sachdienliche Angaben machen. Nachdem die Ermittlungen vorerst im Sande verlaufen, wird Tarek Neumann auf den Fall angesetzt. Der ehemalige Zielfahnder des LKA genoss aufgrund seiner unkonventionellen Ermittlungsmethoden einen guten Ruf. Der durch private Krisen und dienstliche Entgleisungen gebrandmarkte Mittvierziger irakischer Herkunft wurde aus disziplinarischen Gründen zum Zentralen Verkehrsdienst versetzt. Jetzt scheint er der einzige Hoffnungsträger zur Lösung dieses Falles zu sein. Die erschütternde Mordserie bedeutet für ihn die Rückkehr in seine dienstliche Heimat und das Eintauchen in die unendlichen Tiefen menschlicher Abgründe.

Björn Brocks wurde 1967 geboren und lebt mit seiner Familie in einer niedersächsischen Kleinstadt. Nach dem Abitur begann er seine berufliche Laufbahn als gebürtiger Niedersachse bei der Polizei des Nachbarlandes Nordrhein-Westfalen. In 27 Dienstjahren lernte er den Polizeiberuf in all seinen Facetten kennen. Nach verschiedenen Einsätzen bei der Bereitschaftspolizei sowie den Polizeibehörden in Köln, Detmold und Minden absolvierte er das Masterstudium für den höheren Dienst an der Deutschen Hochschule der Polizei in Münster-Hiltrup. Nach unterschiedlichen Anschlussverwendungen leitet er aktuell die Direktion Verkehr bei der Kreispolizeibehörde Herford. Seine umfangreichen Detailkenntnisse und die erlebte Innenansicht unterschiedlichster Polizei-Einheiten, ergänzt mit den Erfahrungen aus dem Engagement in verschiedenen Gremien, ermöglichen ihm einen tiefen Einblick in die Abläufe komplexer Verfahren. Diesen Erfahrungsschatz nutzt Björn Brocks als Hintergrund für seine spannenden Kriminalromane. Sein Haupt-Protagonist Tarek Neumann erscheint daher trotz seiner bewegten Vergangenheit als ein engagierter und zuverlässiger Ermittler. Die Leidenschaft für das Schreiben entdeckte er bereits in seiner Jugend. Nach mehreren Kurzgeschichten und einer Veröffentlichung im Rahmen der Anthologie 'Bückeburg mordet' stellte der Autor mit dem Roman 'Abnorm' 2011 sein erstes Buch vor. Nach den positiven Rückmeldungen zum ersten Tarek Neumann-Fall folgte mit 'Grob' schon im September 2012 der zweite Krimi des LKA-Ermittlers. Derzeit schreibt Björn Brocks am dritten Fall der Serie.
  • Deutsch
  • 5,86 MB
978-3-8271-9610-1 (9783827196101)
3827196108 (3827196108)
weitere Ausgaben werden ermittelt

Kapitel 1


Exakt um 3:30 Uhr klingelte der Wecker. Ein ohrenbetäubender Lärm durchbrach die harmonische Stille ihrer nächtlich dahinschlummernden 2-Zimmerwohnung im Lindhorster Ortskern. Nach einem kurzen, aber beherzten Schlag auf den geschwungenen Bügel zwischen dem eifrig und pflichtbewusst in betriebsamer Hektik mal zur rechten und mal zur linken Glocke ausschlagenden Hämmerchen, stellte sich urplötzlich wieder absolute Ruhe ein.

Ruhe … Ruhe, nur noch ein Minütchen schlafen, sanft aus dem Traum erwachen, ein Kännchen Kaffee aufgießen, Weißbrot in den Toaster, Milch für den Kakao aufwärmen und Nele wecken … Nele wecken, Nele wecken!!!

Nele war gar nicht da! Babsi hatte ihre Tochter am Sonntagabend zur Großmutter nach Stadthagen gebracht, um heute in aller Frühe ungestört aufstehen zu können. Heute war doch ihr Tag, sie war verantwortlich für die gesamte Dekoration, ihr war es vorbehalten, die Boutique mit den neuen Winterartikeln zu verzieren.

Der Schreck, der ihr von dem brüllenden Wecker in die Glieder gefahren war, verflog so schnell wie er gekommen war.

Nach einem ausgedehnten Seufzer und einem weiteren tiefen Atemzug in ihre noch müde Lunge wusste sie, wie sie hieß, wer sie war und was heute geschehen sollte.

Sie, das war bürgerlich Babette Schmidt, kurz Babsi, 38 Jahre alt, alleinerziehende Mutter einer sechsjährigen Tochter und Mitarbeiterin einer auf kurzlebigen Modeschmuck und überflüssige Accessoires spezialisierten Boutique in der Hannoveraner Passerelle.

Zwei Jahre lang durfte sie schon dort arbeiten. Nach unzähligen Absagen und endlosen fadenscheinigen Umschreibungen ihres doch sehr üppig geratenen Äußeren hatte sie die Hartz-IV-Zeit mit einem blauen Auge und der Unterstützung ihrer Mutter einigermaßen würdig überstanden.

Ihre Tochter Nele sollte aufgrund einer Entwicklungsverzögerung erst nächstes Jahr eingeschult werden.

Außer ihrer Einfalt war sie aber ein liebenswertes Mädchen und das beste Enkelkind, das sich Oma jemals vorstellen konnte.

Einen Mann gab es in Babsis Leben nicht. An Gelegenheiten hatte es nie gemangelt, man traf sich, fand sich sympathisch, und dann wollten die Kerle so rasant mit ihr ins Bett, dass der Duft ihres Aftershaves noch in der Luft klebte, als sich die Tür bereits hinter ihnen ins Schloss gelegt und damit die Erinnerung an sie schon längst aufgelöst hatte.

Wer Neles Vater war, konnte Babsi nicht so genau sagen, sie vergaß auch relativ schnell die Namen derer, die ihr für eine Nacht die ewige Treue schworen.

Babsi hatte einfach Pech, kaum einer der Don Juans, die so auf ihre pralle Auslage fixiert waren, blieb länger als eine Nacht.

„Mit so viel Weiblichkeit können die gar nicht umgehen“, hatte ihre Mutter stets behauptet und machte sich insgeheim Sorgen um ihre alternde Tochter, deren beste Jahre immer mehr vergingen.

Babsi wusste das, sie war sich über ihre Situation vollkommen im Klaren.

Aber heute, heute war es soweit. Dagmar, ihre Chefin vom Bijou Celine, hatte ein gewisses Organisationstalent bei ihr entdeckt. Klar, Babsi war übergewichtig, blond, grell geschminkt und sah ein wenig einfältig aus, aber einen untrüglichen Sinn für die Bedürfnisse der zumeist weiblichen Kundschaft, den besaß sie.

Mit ihrer unbändigen Fröhlichkeit und dem Charme einer emsigen Honigbiene umgarnte sie die Rat suchenden Konsumenten und konnte ihrem Gespür folgend genau den Artikel ausmachen, welcher den Kundinnen zu ihrer Glückseligkeit gerade noch fehlte.

Diese Gabe war ihr Kapital und heute war der Tag, an dem sie honoriert werden sollte.

Nach den ersten Startschwierigkeiten kam ihr Motor immer besser auf Touren. Sie tänzelte leicht beschwingt ins Bad, stellte einen Kaffee an, gönnte sich eine heiße Dusche und trank dann von dem schwarzen Gebräu, das Tote hätte wecken können. Die Kaffeetasse eng umklammert, malte sie sich aus, wie sie die ersten Auslagen dekorieren und die neue Ware in Szene setzen würde.

Jetzt aber schnell wieder ins Bad, das „Gesicht aufsetzen“, wie sie zu sagen pflegte.

Gemeint war damit eine Prozedur, die in knapp dreißig Minuten eine übergewichtige Enddreißigerin zu einem grell geschminkten Super-Vamp mutieren ließ. Dieser wartete nur darauf, unschlüssigen Kundinnen kompetente Kaufentscheidungen zu ermöglichen.

Zwei Brote geschmiert, ein paar Süßigkeiten für zwischendurch eingepackt, schnell noch in den Fummel geschmissen, die Handtasche umgehängt und schon machte sie sich auf in den dunklen Morgen zum Lindhorster Bahnhof.

Es war Montag, der 10. Oktober.

Normalerweise nahm sie die S-Bahn zwei Stunden später. Aber heute war eben eine Ausnahme. Sie wollte ganz sichergehen. Sie wollte genug Zeit haben, um ihren kreativen Ideen freien Lauf lassen zu können und sie wollte … sie musste es allein schaffen. Dagmar sollte stolz auf sie sein, sie wollte ihr Vertrauen nicht enttäuschen!

Mit einem markanten, spitztönigen Surren glitt die S-Bahn aus Richtung Minden kommend an den Bahnsteig heran. Seit der Expo 2000 gelangte man nun fast im Halbstundentakt von dem liebenswerten Ort Lindhorst in die Landeshauptstadt Niedersachsens, Hannover. Diese Anbindung war für Pendler, die die Lebensqualität in der Kleinstadt mit den beruflichen Möglichkeiten einer Großstadt kombinieren wollten, ein wahres Geschenk.

Babsi konnte sich sowieso kein Auto leisten und die Zuganbindung bedeutete für sie eine Rückkehr in ein selbstbestimmtes Arbeitsleben.

Sie stieg ein, setzte sich auf die Bank direkt neben der Tür und hing ihren Gedanken nach, als der Zug über Haste, Wunstorf, Dedensen, Seelze, Letter und die Nordstadt schließlich im Hauptbahnhof Hannover pünktlich um halb sechs eintraf.

Sie hasste diesen Weg. Am letzten Gleis angekommen, musste sie quer durch die gesamte Bahnhofspassage in Richtung Passerelle. Jeden Morgen das gleiche Prozedere. Wie oft war sie schon von besoffenen Männern angepöbelt oder bekifften Jugendlichen angegrabscht worden. Meistens lungerte dieses Volk an der Treppe zu einem rund um die Uhr geöffneten Schnellrestaurant herum, darauf vertrauend, dass ein starker Kaffee ihre Arbeitsfähigkeit wiederherstellen und die Spuren der durchfeierten Nacht verblassen lassen würde. Viele dieser Discogänger hatten nicht geschlafen und begaben sich direkt von der Partymeile zur Arbeit.

Den Jackenkragen hochgeschlagen, die Handtasche sicher im Griff, den Blick starr geradeaus, marschierte sie beschleunigten Schrittes geradewegs in Richtung Passerelle. Die Bundespolizei und die Bahnsicherheit hatten gerade Schichtwechsel und vor halb sieben war mit kompetenter Hilfe nicht zu rechnen, wenn man sich in Not befand. Immer das Gleiche!, dachte sie, wenn man die Polizei mal braucht, ist sie nie da und wenn man sie absolut nicht brauchen kann, dann belästigt einen der Freund und Helfer in den unmöglichsten Lebenslagen, weil die Kinder zu laut, das Fahrrad zu alt oder die … „Hey Schnalle! Wo wackelst du denn mit deinem fetten Arsch hin? Is‘ wohl ein bisschen früh für ein paar Mettwürste auf Stilettos. Die Freier warten am Steintor!“, brüllte es aus Richtung Zeitungskiosk zu ihr herüber. Nein, sie ließ sich dieses Mal nicht einschüchtern, heute war ihr großer Tag und sie wollte sich ihre Chance nicht von anderen Blödmännern nehmen lassen.

„Fick dich ins Knie, Arschloch!“, platzte es aus ihr heraus. Sie war selber erstaunt, wie stark und bestimmt ihr der Kommentar über die Lippen glitt. So viel Mut hätte sie sich selbst gar nicht zugetraut. Wow, jetzt geht es mir schon besser, fiel es von ihr herab. Ein kurzer, kontrollierender Blick – nein – es folgte ihr niemand, ihr kraftvoller Kommentar hatte seine Wirkung nicht verfehlt. Sie fühlte sich wieder ein bisschen sicherer.

Geschafft! Bahnhof hinter sich, Passerelle vor sich, die Hälfte des Weges war erledigt. Ihr schlug unvermittelt feuchte Kälte ins Gesicht. Für Anfang Oktober war es ungewöhnlich kühl und der Morgendunst schob sich in wabernden Schlieren durch den unwirtlichen Untergrund, der vor ihr lag. Knapp 200 Meter, die musste sie noch zurücklegen, dann den Laden aufschließen, Tür zu und sie würde mit sich und ihren Accessoires allein sein und hätte alle Ruhe, zu dekorieren, was das Zeug hält! Nur ankommen musste sie noch. Sie blieb kurz stehen, atmete tief durch und setzte ihren Weg fest entschlossen fort. Aufgrund ihrer Erfahrungen mit Besoffenen, Kiffern und Obdachlosen waren ihre Sinne immer hellwach, man musste auf alles gefasst sein!

In einiger Entfernung vor sich hörte sie plötzlich ein leises Scharren, konnte aber aufgrund des Dunstes nichts erkennen. Sie versuchte ihren Blick zu schärfen – war da nicht was? Nein, nichts, sie hatte sich wohl geirrt. Oder doch?

Überfallartig durchbrach ein metallenes Scheppern die Stille und riss sie aus ihren Gedanken. Unmittelbar danach krachte es wieder – Stille – dann noch ein drittes Mal, diesmal etwas leiser. Alle Geräusche kamen aus Richtung Kröpcke.

Nach einer kurzen Pause hörte sie das Starten eines Motors und etwas schien mit quietschenden Reifen in einiger Entfernung davonzufahren. Schon wieder einer dieser Anlieferungs-Rowdies, kam es ihr in den Sinn. Die Anlieferung zur Passerelle gestaltete sich stets etwas kompliziert. Die Lieferwagen mussten in der Regel über die Georgstraße durch die Fußgängerzone anfahren, beim Kröpcke halten, die Ware ausladen und dann mit Sackkarren in die daruntergelegene Passerelle schaffen. Ein sehr anstrengender Job, wie Babsi fand, aber ihr wurde auch nichts geschenkt, dann können sich auch die Lieferanten mal ins Zeug...

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