Gefallen 2

 
 
Books on Demand (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 30. März 2020
  • |
  • 408 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7504-8976-9 (ISBN)
 
Fast vier Jahre ist es her, seit Aris Emily verlassen hat, dennoch hat sie nur schwer im Alltag Fuß gefasst. Doch die Vergangenheit will sie nicht loslassen, als sie zu Weihnachten zu ihren Eltern fährt. Ehe sie sich versieht, steht Michael ihr zur Seite und beide geraten in eine Falle, landen in der Welt der Lichtwesen und Emily wird mit Aris konfrontiert. Doch der hat noch weitaus größere Beschwernisse und finstere Geheimnisse am Hofstaat als zuvor.
Zwischen Intrigen und Hinterhalten, Flüchen und unerwarteten Feinden liegen auch noch die Trümmer der Vergangenheit, die Emily von Aris trennen.
Kann das Band zwischen ihnen dennoch neu geknüpft werden?
1. Auflage
  • Deutsch
  • 0,56 MB
978-3-7504-8976-9 (9783750489769)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Kathi Breuer, geboren 1999, lebt mit ihrer Familie und Hund nahe bei Berlin. Sie schreibt eigene Geschichten, seit sie den Füller richtig halten kann. Gefallen ist ihr erstes selbst veröffentlichtes Buch gewesen. An deren Fortsetzungen arbeitet sie schon, doch auch an anderen Fantasy-Geschichten, die nicht nur ihren Alltag versüßen sollen.

Kapitel eins


Emily

Die Tage waren vergangen und es war wieder Zeit, meine Eltern zu besuchen. Am liebsten wäre ich von diesem Ort fern geblieben, doch meine Eltern hätten dies nie verstanden. Noch zehn Minuten Autofahrt und ich wäre da.

In der Straße, wo alles begonnen hatte. Ich bog mit meinem Fiat 500 ein und atmete zitternd aus. Der Schnee glitzerte überall und es tat mir schon fast in den Augen weh. Die beißende Kälte veranlasste mich, selbst für die letzten Meter, mir meinen Schal höher ins Gesicht zu ziehen.

Kaum hatte ich geklingelt, riss meine Mutter schon die Tür auf und ich zwang mich zu lächeln.

"Emily! Wie ich dich vermisst habe, Liebling! Komm rein, wir warten schon alle auf dich." Ich trat ein, klopfte mir meine neu gekauften Halbstiefel auf der Matte ab, zog mir den Mantel aus. Zögerlich ging ich ins Wohnzimmer und zwang mich, einen nicht allzu melancholischen Auftritt hinzulegen.

Mein Vater saß auf dem Sofa, Lennart daneben mit angewinkelten Beinen.

Er schien nicht sonderlich begeistert zu sein, dass wir alle zusammen Weihnachten feiern wollten, da er auf seinem Handy wie wild herumtippte.

"Hallo Lennart", sagte ich demonstrativ laut. Er brummte zur Antwort, worauf er einen Stoß in die Seite von unserem Vater bekam. Da klingelte es erneut an der Haustür und ich wandte mich zu meiner Mutter, die sich gerade einen heißen Schluck Kaffee hatte genehmigen wollen.

"Erwarten wir noch jemanden?"

"Ich habe eine Überraschung für dich. Du wirktest in unseren Telefonaten so trübselig, also habe ich jemanden eingeladen, der sich urplötzlich vor kurzem gemeldet hatte", antwortete meine Mutter, als sie schon auf dem Weg zur Tür war.

"Sie wirkt seit der zehnten Klasse trübselig, Mutti", brummte Lennart abwesend und mein Vater nahm ihm sein Smartphone aus der Hand. Mein Herz klopfte für einen Moment schneller, auch wenn es unmöglich war. Er würde niemals einfach so zu Weihnachten hereingeschneit kommen, nachdem er sich jahrelang nicht gemeldet hatte.

Ich hörte Gemurmel an der Tür und die helle Stimme meiner Mutter.

Neugierig ging ich gucken, wer nun dort stand und blieb überrascht im Türrahmen stehen.

Ein blonder junger Mann mit roten Wangen und verwuschelten Haaren stand da, zog seine Winterjacke aus, grüßte meine Mutter und lächelte nervös. Michael klopfte gerade seine Schuhe vor der Haustür ab und trat dann herein.

Ich hatte ihn seit unserem Abitur nicht mehr zu Gesicht bekommen, was zum größten Teil an mir gelegen hatte. Na gut, eigentlich hatte es ganz an mir gelegen. Ich war auch so schnell, wie nur möglich weggezogen.

Er schien breitere Schultern bekommen zu haben und trug einen engen Rollkragenpulli, was dies nochmals betonte. Wäre ich nicht schon hohe Standards gewohnt, wäre ich wahrscheinlich beeindruckt gewesen.

Nervös knabberte ich auf meiner Unterlippe, während er hinter meiner Mutter ins Wohnzimmer kam, also direkt auf mich zu. Seine hellen Augen fanden die meine und schienen in ihnen nach etwas zu suchen, doch ich sah schnell zu Boden. Auf eine Predigt von ihm konnte ich getrost verzichten.

Er hatte so oft versucht mich aus meinem Trauerschleier heraus zu bekommen, bis ich ihn angefangen hatte zu ignorieren. Das war schon in der Elften gewesen. Nach und nach hatte ich dann sämtlichen Kontakt abgebrochen, weil ich auch sämtliche Verbindungen zu früher hatte kappen wollen.

Nun standen wir beide im Wohnzimmer und wussten nicht so recht, wohin mit uns. Ich war hier, weil meine Eltern mich mindestens hundert Mal angerufen hatten und mich gebeten hatten, zu kommen. Und er war höchstwahrscheinlich hier, um mit mir wieder in Kontakt zu treten, wie es schien. Doch ich konnte es einfach nicht. Ich war nicht bereit, über die Vergangenheit zu sprechen. Immer wenn ich es versuchte, wurde mir kotzübel und ich wünschte mir nichts anderes, als es zu vergessen. Aber dafür waren die Erinnerungen zu eingebrannt.

Dann war da noch dieses verfluchte Stück Papier, das mir das Verarbeiten und Vergessen nicht gerade einfacher machte, obwohl ich diesen Teil nicht vergessen wollte.

Ich hatte eigentlich versucht, durch Arroganz und Desinteresse mein gebrochenes Ich zu verbergen, doch Michael kannte mich einfach zu gut, als dass er mir das Verhalten abkaufen würde. Leider. Also konnte ich mich wahrscheinlich auf ein Therapiegespräch bereit machen. Da er seit Kurzem auf der Warteliste zum Studium der Psychologie stand, wälzte er schon tausende Bücher.

Ich hatte mich für Kriminalistik eingeschrieben und war in meinem ersten Wartesemester, hatte mich aber auch schon ein wenig schlau gemacht, Bücher besorgt und Ähnliches. Alles, was nach Ablenkung aussah, war mir herzlich willkommen.

Michael lächelte mich an, ich versuchte nicht einmal zurück zu lächeln, sondern drehte mich auf dem Absatz um. Doch im Vorbeigehen hörte ich ganz deutlich seine Worte: "Wir reden später."

Ich schnaubte und ging weiterhin in Richtung meines alten Zimmers. Meine Eltern seufzten beinahe synchron. Sie kannten meine Melancholie schon allzu gut. Nur den Grund nicht.

"Ich habe euch doch gesagt, es war eine schlechte Idee, sie einzuladen", beschwerte sich mein kleiner Bruder. Während meine Eltern ihn giftig anfuhren, musste ich ihm ausnahmsweise Recht geben. Die Gespräche veränderten sich zu unklarem Gemurmel, als ich meine Tür schloss.

Mein Bett war in meiner eigenen Wohnung, wo ich jetzt lebte. Ebenso mein Kleiderschrank. Ich würde heute auf dem Sofa in diesem Zimmer schlafen.

Zittrig ging ich durch den Raum. Bilder blitzten vor meinem Auge auf. Vier Jahre alte Bilder. Damals als ich fünfzehn war und hier gelebt hatte. Mein Bruder klein und nervig gewesen war...

Schnell verließ ich den Raum wieder und lief geradewegs ins Gästezimmer hier oben.

Da lag auf einmal Aris auf dem Bett, vertieft in ein Buch aus meinem Regal.

Er blickte auf, lächelte. Mein Herz beschleunigte sich, mein Puls ging locker auf die Zweihundert. Doch kaum hatte ich geblinzelt, war das Bett leer. Ich schloss traurig die Tür.

Seit einem halben Jahr hatte ich wieder mit Gesangsunterricht angefangen, um alles besser verarbeiten zu können. Tagebuch schreiben hatte ich aufgegeben, da ich über nichts anderes geschrieben hatte als ihn. All meine Erlebnisse mit ihm. Das Auf und Ab zwischen uns, das Chaos meiner Gefühle.

Die Erinnerungen an die Schattenwesen und der Welt von Chronestos waren ebenfalls in einem meiner Tagebücher festgehalten. Und zu guter Letzt Diogenis, dem ich das Leben zerstört hatte. Sofort verbannte ich diese Gedanken wieder. Ich schloss sie weg, so wie ich meine Tagebücher ebenfalls außer Reichweite eines Neugierigen verschlossen hielt.

Im Bad sah ich in den Spiegel. Viel war ich in den letzten Jahren nicht mehr gewachsen und damit auf einen Meter achtundsechzig gelandet. Allerdings hatte ich wegen Depressionen zwei bis drei Kilo zugenommen und war schon immer nicht gerade so dünn wie die ganzen Skelette in meiner Klasse gewesen. Meine Eltern hatten mir versichert, ich hätte mich deshalb nicht ins Negative verändert, doch es waren meine Eltern. Daher war keine objektive Bewertung zu erwarten.

Außerdem sah ich es an meinen Klamottengrößen deutlich genug. Ich hatte mir seit kurzem Größe L kaufen müssen und Körbchengröße C. Das waren genug Beweise für mich.

Und jetzt muss mich auch noch ein alter Freund so sehen. Dick, depressiv und nicht gerade gesprächig. Ich riss mich zusammen. Was kümmerte mich das?

Ich hatte mein Bestes gegeben, diese ganze Geschichte zu vergessen, doch es war mir einfach nicht möglich gewesen. Außerdem wusste ich doch gar nicht, ob Michael wegen mir hier zu Besuch war. Am zweiundzwanzigsten Dezember. Natürlich ist er wegen dir hier, Emily! Er macht sich wahrscheinlich seit einem Jahr Sorgen um dich!

"Emily? Wir möchten gerne mit dem Essen anfangen, kommst du runter, Schatz?", ertönte da die Stimme meines Vaters. Ich seufzte.

"Ich komme gleich...Ich habe mich nur kurz hier oben eingerichtet!"

Da meine Tasche noch immer unberührt in meinem Exzimmer stand, ging ich zügig hin und schmiss ein paar Sachen herum.

Dann lief ich schnell die Treppe herunter und setzte mich zu ihnen an den Tisch. Es war nur noch ein Platz frei und der war genau neben Michael. Ich blieb wie angewurzelt im Türrahmen stehen, straffte die Schultern und schritt zügig zum Stuhl. Kaum saß ich, spürte ich alle Blicke auf mir. Ich sah auf. Gegenüber von mir saßen meine Eltern.

"Was ist? Habe ich etwas im Gesicht?", fragte ich gereizt. Sie lächelten matt und eröffneten dann das Abendessen. Ich aß wenig, aber schneller, als es mir gut tat. Doch der Blick von Michael brannte sich mir in die Seite.

Irgendwann hatte ich genug und ließ meine langen Haare vor fallen, damit er mich nicht mehr so direkt anstarren konnte. Als wir fertig waren, bot ich an, den Tisch abzuräumen. Meine Eltern lächelten dankbar, anscheinend froh, dass ihre Tochter doch...

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