Im trüben Wasser

Ein Neusiedler See Krimi
 
 
Verlagshaus Hernals
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen in 2016
  • |
  • 240 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-902975-66-9 (ISBN)
 
Im September 1970 wird die amtierende Weinprinzessin tot aus dem Neusiedler See geborgen. Der mürrische Bezirksinspektor Kauffmann nimmt selbstsicher die Ermittlungen auf. Von seinem kriminalistischen Instinkt überzeugt, ist er anfangs noch zuversichtlich, den Fall rasch aufklären zu können. Die wahren Ausmaße des Verbrechens erkennt er zu spät. Von den Medien geprügelt und von den Intrigen der Dorfpolitik erschüttert, entgleitet ihm der Fall zusehends. Bis er auch ihn in den Abgrund zieht.
erste Auflage
  • Deutsch
  • Wien
  • |
  • Österreich
  • 0,26 MB
978-3-902975-66-9 (9783902975669)
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1. KAPITEL


 

September 1970

 

Eleonore war sich der Wirkung ihrer Reize auf die Burschen wohlbewusst, besonders wenn sie ihren kirschroten Bikini trug und ihr von der Sommersonne aufgehelltes honigblondes Haar offen über die Schulter fiel. Fast ebenso sicher war sich die junge Frau der aufrichtigen Zuneigung von Bobbie, dem stattlichen Weinbauernzögling aus der Nachbarortschaft. Schon seit Wochen wollte er sie ausdauernd und unnachgiebig zu einem Rendezvous bewegen, wobei sie ihm die längste Zeit nur die kalte Schulter gezeigt hatte.

Schließlich hatte sie seinem ungestümen Drängen aber doch noch nachgegeben und den ganzen sonnigen Spätnachmittag mit ihm in einem kleinen Ruderboot am Neusiedler See verbracht. Ab und zu hatten sie sogar einen Sprung in das vom ausklingenden Altweibersommer angenehm erwärmte Wasser gewagt. Nun neigte sich der Tag jedoch dem Ende zu und im Westen verbargen die sanften grünen Hügel des Leithagebirges nach und nach die glühende Sonnenscheibe, die mit ihren letzten Strahlen die ruhige Seelandschaft noch in ein stimmungsvolles Abendrot tauchte, bevor endgültig die Nacht über den Tag hereinfallen würde.

Während das Boot auf der beinahe wellenlosen Wasseroberfläche dahin glitt, zogen ausgedehnte Formationen von halbtransparenten, rot leuchtenden Cirruswolken gemächlich über das Firmament, unter dem mit majestätisch anmutenden Flügelschlägen ein Grüppchen von Weißstörchen auf ihrem Weg in ihr afrikanisches Winterquartier über den dunklen See dahinzog.

Eleonore atmete den aromatischen Geruch des wilden Steppensees tief ein. Die Stille der romantischen Abendstimmung wurde bloß durch vereinzelte ferne Rufe eines Silberreiherpärchens unterbrochen. Dass laut dem Wetterbericht von heute Mittag schon in ein paar Stunden das Wetter umschlagen würde, erschien ihr bei dieser prächtigen Abendszenerie mehr als unwahrscheinlich, ja geradezu absurd. Freilich hatte es sich ihr strenger Vater aus diesem Anlass wieder einmal nicht nehmen lassen, sie vor dem See zu warnen, der launenhaft wie ein altes Weib sei und sein lächelndes Antlitz blitzschnell in eine hässliche Fratze wandeln könne.

Anstatt sich Gedanken über das bald aufziehende Unwetter zu machen, überlegte Eleonore nun, wie sie den Abend ausklingen lassen wollte. Denn bislang, ja bis heute Abend, war sie - trotz zahlloser Verehrer in den vergangenen Jahren - sittsam geblieben, ganz so, wie ihre Eltern es erwartet hatten. Freilich hatte sie auch gefürchtet, den Zorn ihres Vaters auf sich zu ziehen, wenn sie mit Burschen herummachte. Nur allzu gut war ihr die eine oder andere "gesunde Watsche" in Erinnerung, die sie für noch so kleine Unartigkeiten als Kind von ihm kassiert hatte. Diesen Sommer aber war sie siebzehn geworden und fühlte sich damit nicht mehr so sehr an die Regeln des behüteten Elternhauses gebunden. Das ungewöhnlich warme Wetter des Altweibersommers tat sein Übriges und weckte ihre Lust auf mehr als nur Händchenhalten.

Der Geist ist willig, das Fleisch ist schwach, dachte sie mit einem nicht zu unterdrückenden unbeschwerten Lachen und legte sich mit dem Rücken auf die über dem gewölbten Holzboden des Bootes ausgebreitete flauschige Decke.

"Willst du mich nicht küssen?" Kokett blinzelte sie ihren Begleiter an.

"Nein, ich würde lieber mit deiner älteren Schwester schmusen", neckte er sie und drehte sich weg. Sie schlug ihm für diese fiese Bemerkung auf den muskulösen Oberarm. Dann wandte auch sie sich schmollend ab, nur um gleich darauf noch näher an ihn heranzurücken. Eine luftige Brise ließ das hellbraune, leicht gelockte Haar des jungen Mannes kurz aufwallen.

"Kann ich dir etwas anvertrauen?" Sie war plötzlich ganz aufgedreht.

"Sicher, ich schweige wie ein Grab", witzelte er.

"Ich träume davon, von hier wegzugehen." Es klang ernsthaft.

"Wohin?"

"Irgendwohin. Vielleicht eine Modelkarriere im Ausland machen."

"Aber sicher", bemerkte er sarkastisch.

"Nein, wirklich! Ich habe Pläne", beharrte sie. "Ich sehe alles schon deutlich vor mir."

Sie malte mit ihren Händen irgendetwas in die Luft, als ob dort eine unsichtbare Leinwand stünde.

"Ein kleines Appartement über den Dächern von Paris, am lebhaften Boulevard Saint-Germain. Mitten im Künstler- und Literatenviertel. Ich könnte nebenbei Kunstgeschichte oder Musik an der Sorbonne studieren. Auch Claude Chabrol, Romy Schneider und Yves Montand leben in der Stadt der Liebe. Vielleicht lerne ich ja sogar Jim Morrison kennen. Er hat angeblich vor Kurzem eine

Wohnung dort angemietet. Das wäre etwas!" Sie geriet ins Schwärmen. "Und im Sommer will ich an die Cote d'Azur, nach Monte Carlo. Oder flanieren am Hafen von St. Tropez und baden in Pampelonne, wo sich auch Brigitte Bardot am Strand sonnt. Zum Schilaufen würde ich im Jänner nach Cortina d'Ampezzo fahren, wie die ganze Hautevolee es tut!"

Sie blickte auf die Weiten des Sees hinaus, als ob dort die große Welt nur auf sie wartete.

"Naja, dann mach das", meinte er. Insgeheim tat er es aber als unrealistische Schwärmerei einer Teenagerin ab. Tatsächlich gab es doch keine Chance diesem Kaff hier zu entfliehen. "Und wann soll es soweit sein?", fragte er, um weiteres Interesse vorzugaukeln.

"Bald schon", sagte sie leise zu sich selbst und widmete sich dann gleich wieder ihrem attraktiven Begleiter.

Lange Schatten zeichneten sich auf seinem naturgebräunten Oberkörper ab, als das kleine Boot gemächlich in den ruhigen Seitenkanal mit auf beiden Seiten mannshohem Schilf trieb, wo rote und gelbe Sumpflilien auf der beinahe glatten Wasseroberfläche friedlich dahin schwammen. Je tiefer das Boot in den Schilfgürtel eindrang, desto mehr verbarg das Zwielicht die beiden Körper vor neugierigen Blicken vom Ufer und anderen Booten. Gleichzeitig schärfte es die Sinne der Verborgenen. Entspannt lauschte Eleonore dem Anklopfen des sanften Wellenschlages an die hölzerne Außenwand und fühlte sich hier an diesem wahrhaft paradiesischen Plätzchen abseits von jeder Menschenseele unendlich behaglich. Dennoch gab sie sich nur kurz dem rhythmischen Auf und Ab des Bootes hin. Dann tastete sie im Halbdunkel nach dem Unterarm ihres Begleiters und zog ihn tief zu sich herunter auf den Boden des Bootes. Das Restlicht des Tages reichte gerade noch aus, um aus der Nähe seine klaren blauen Augen erkennen zu können. Sie schloss ihre Augenlider.

Mit nur ein klein wenig geöffneten Lippen hauchte sie ihm einen Kuss auf seine Schulter, ein weiterer auf seinen Hals folgte. Endlich näherten sich ihre Lippen den seinen und hielten nur einen Fingerbreit davor inne. Sie hatte Bobbie zwar schon einmal geküsst, allerdings eher im Spaß und ohne viel Gefühl. Nun aber zitterte sie am ganzen Leib vor der Erwartung seines ersten richtigen Kusses. Doch eine endlose Sekunde lang geschah nichts. Gar nichts. Die Zeit schien einfach stillzustehen.

Einen flüchtigen Moment lang zog sie sogar in Erwägung, selbst die Initiative zu ergreifen, aber es ziemte sich für eine junge Frau einfach nicht, den ersten Schritt zu machen. Mit fest geschlossenen Augen konzentrierte sie sich nur mehr auf die Spitzen ihrer Lippen und hörte nicht einmal mehr das gemächliche Plätschern des Seewassers. Doch für einen weiteren endlos scheinenden Augenblick geschah nichts und quälende Ungeduld machte sich in ihr breit.

Küss mich doch endlich!

Kaum hatte sie den fordernden Gedanken gefasst,

spürte sie schon seine warmen Lippen auf den ihren. Plötzlich kam ihr der süße Geschmack von schweren dunkelroten Weintrauben, die einen Sommer lang an einem sanften Südhang nahe dem Seeufer gereift waren, in den Sinn. Sie griff mit der Hand auf seinen Rücken und konnte seine angespannte Muskulatur fühlen. Stück für Stück zog sie seinen Körper an sich heran, sodass sie auch die Wärme seiner Haut fühlen konnte. Während der Kuss immer intensiver wurde, schmiegte sie sich mit ihrem ganzen weichen Körper eng an ihn. Sie vermochte nicht einzuschätzen, wie lange sie so verharrten.

Die Zeit war nun auch bedeutungslos, denn sie hätte diesen Moment am liebsten stundenlang ausgekostet. Nach dem fast endlosen Kuss trennten sich ihre Lippen nur unwillig, um sich dann aber sogleich wiederzuvereinen.

Eleonore spürte seine Hand auf ihrem flachen Bauch und prickelnde Erregung machte sich in ihr breit. Mit kaum merklichen Berührungen strich er langsam zum Oberteil ihres Bikinis. Gerade als sie ein süßes, prickelndes Gefühl in ihrem Bauch fühlte, pochte es plötzlich laut an die hölzerne Außenwand des kleinen Bootes. Sie dachte zuerst, sie hätte sich das Klopfen nur eingebildet, doch noch während sie darüber nachdachte, hörte sie abermals das seltsame Geräusch. Eleonores berauschte Stimmung war sofort verflogen. Klamme Beunruhigung erfasste sie. War etwa jemand neben dem Boot und hatte sie beobachtet? Sofort schossen ihr alle möglichen Warnungen ihres strengen Vaters durch den Kopf.

Da sie noch immer flach auf dem Rücken lag, konnte sie nichts außer einem unendlich weiten und mittlerweile dunklen Abendhimmel sehen. Sie drückte Bobbie sanft zur Seite, hob vorsichtig den Kopf bis über die Holzplanke des Bootes und suchte die Wasseroberfläche nach etwas Ungewöhnlichem ab. Langsam kamen ihre Sinne wieder...

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