Das Gummistiefel-Gefühl

Mein neues Leben in der Pampa
 
Harald Braun (Autor)
 
Lübbe (Verlag)
1. Auflage | erschienen am 24. Juni 2011 | 320 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-8387-0471-5 (ISBN)
 
Eigentlich ist alles ganz okay in Haralds Leben. Er führt ein typisches Städter-Dasein in einer schicken Altbauwohnung im Szeneviertel, gönnt sich samstags ein ausgiebiges Frühstück bis die Sportschau beginnt und muss keinen Nagel gerade in die Wand schlagen können. Dann allerdings hat er diese fixe Idee von der eigenen Scholle auf dem Land. Von einem schnuckeligen Häuschen im Grünen, das aus ihm einen ausgeglichenen und richtig zufriedenen Menschen machen würde: Kuscheln vor dem Kamin, Äpfel und Erdbeeren ernten, neben der Katze lässig in der Sonne lümmeln - soweit die zauberhafte Vorstellung. Doch Harald ist dumm genug, sie wahrmachen zu wollen. Er siedelt um. Und was passiert? Die Frau haut ab, der Job ist futsch - und Harald sitzt alleine in der Pampa ¿
Luebbe Digital Ebook
1. Aufl. 2011.
Deutsch
1,33 MB
978-3-8387-0471-5 (9783838704715)
3838704711 (3838704711)
weitere Ausgaben werden ermittelt
"Teil II (S. 115-116)
Der wahre, tiefe Friede des Herzens und die vollkommene Gemütsruhe sind allein in der Einsamkeit zu finden
Arthur Schopenhauer

Angeblich geht in Erfüllung, was man in der ersten Nacht im neuen Heim träumt. Vielleicht hätte ich mir vor dem Einzug ein paar Notizen machen oder vorher meditieren sollen: Lotteriegewinne, Erfolgsromane, eine Zukunft als Facebook-Gründer – mir wäre da schon was eingefallen. Leider war ich in der ersten Nacht in meinem neuen Zuhause viel zu kaputt, um metaphysische Tricks anzuwenden. Außerdem bin ich ein Schnarcher, kein Träumer (zumindest im Schlaf).

Am nächsten Tag wachte ich so schlau auf wie am Abend vorher, was meine Zukunft anging. Der stärkste Eindruck aber, den ich in der ersten Nacht auf dem Land gewonnen hatte und der mich auch tagsüber in den ersten Tagen meines neuen Lebens immer wieder aufs Neue verstörte: Es war sehr ruhig hier draußen. Sehr, sehr, sehr ruhig. Für einen Menschen wie mich, der seit dreißig Jahren entweder in München oder Hamburg gelebt hatte, war das nicht einfach zu ertragen. Stellen Sie sich vor, Sie kommen nach einem Metallica-Konzert raus auf die Straße und hören erst einmal … nichts mehr.

Sie glauben ein paar Minuten, Sie seien plötzlich mit Taubheit geschlagen, bevor sich ihre Ohren so langsam wieder einer akzeptablen Betriebstemperatur nähern. (Es sei denn, sie hatten einen Hörsturz, was nach Heavy-Metal-Konzerten schon mal vorkommen kann – in diesem Fall sind sie ein perfekter Kandidat für das Landleben.) Mir ging es ähnlich: Ich dachte dreimal am Tag, mit meinen Ohren sei was nicht in Ordnung, bevor ich meine Anlage aufdrehte und mich vergewisserte, dass da draußen vor meiner Tür einfach nicht so viel los war. Ich wurde morgens von Hühnern und ein paar Pferden auf der Koppel nebenan geweckt.

Das war am Anfang ein surreales Erlebnis. Inzwischen grenzt es für mich schon an Lärmbelästigung, wenn ein Bauer drei Höfe weiter seinen Rasenmäher anwirft oder mit dem Trecker Gülle fährt. Aber es dauerte eine Zeit, bis ich mich an die klosterähnliche Ruhe in meiner neuen Heimat gewöhnt hatte. Dass Stille ein irritierendes Geräusch sein kann, war mir bis dahin neu gewesen. Heute genieße ich diese himmlische Ruhe in Haasenbüttel jeden Tag, zumal ich inzwischen weiß, dass sie beinahe wie eine Wellness-Anwendung funktioniert: Angeblich ist Lärm neben dem Rauchen der wichtigste Risikofaktor für Herzinfarkte.

Er wirkt ganz ähnlich wie andere Stressfaktoren und verstärkt deren Wirkung. Diese Information gehört mittlerweile zu meinem ständigen Repertoire, wenn ich meinen Freunden von den Vorzügen des Landlebens vorschwärme. An meinen ersten Morgen allein in Haasenbüttel erinnere ich mich noch ganz genau. Die Sonne schien, ich schleppte mich mit meinem Kaffee nach draußen an den kleinen improvisierten Gartentisch. Aha, dachte ich, das ist es jetzt also: Das Leben in der Natur. Vögelzwitschern, Bienensummen und der Geruch von frisch gemähtem Gras in der Nase.

Das war mir fast ein bisschen zu viel Idylle für den Anfang. Außerdem musste ich mich erst an den Gedanken gewöhnen, dass ich hier sitzen durfte, ohne Angst davor zu haben, dass Freya Müller mich entdeckte. Das war jetzt alles tatsächlich meins. Irre. Für ein paar Sekunden fühlte es sich richtig gut an. Dann dachte ich an Anna – und das war’s dann wieder. Ohne Musik stand ich diese verdammte Stille noch nicht durch. Meine Anlage war schon angeschlossen – eine meiner ersten Amtshandlungen im neuen Haus. Die erste CD, die ich einlegen würde, suchte ich mit Bedacht aus."

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