Flavia de Luce 03. Halunken, Tod und Teufel

Roman
 
 
Random House ebook (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 24. Oktober 2011
  • |
  • 368 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-06631-4 (ISBN)
 
Mord ist ihr größtes Vergnügen
Eigentlich wollte Flavia nur ein paar vergnügte Stunden auf dem Jahrmarkt verbringen, wo sie jedoch aus Versehen das Zelt der Wahrsagerin Fenella abfackelt. Getrieben vom schlechten Gewissen lädt sie Fenella ein, auf dem Anwesen der Familie de Luce zu campieren. Doch dann wird ihre neue Freundin bezichtigt, vor Jahren ein Baby entführt und so eine Familie zerstört zu haben. Und schon bald findet Flavia die Wahrsagerin von einem schweren Schlag auf den Kopf niedergestreckt - wie tot - in ihrem Wohnwagen vor. Flavia macht sich schreckliche Vorwürfe. Wenn sie nicht gewesen wäre, wäre das alles nicht passiert. Aber da macht sie eine Entdeckung, die sie all das erst mal vergessen lässt: Am Poseidonbrunnen des Anwesens hängt eine Leiche! Flavia ist sofort Feuer und Flamme. Ein Mord ist aufzuklären, und bestimmt benötigt die Polizei dabei ihre Unterstützung ...


Alan Bradley wurde 1938 geboren und ist in Cobourg in der kanadischen Provinz Ontario aufgewachsen. Nach einer Karriere als Elektrotechniker, die schließlich in der Position des Direktors für Fernsehtechnik am Zentrum für Neue Medien der Universität von Saskatchewan in Saskatoon gipfelte, hat Alan Bradley sich 1994 aus dem aktiven Berufsleben zurückgezogen, um sich nur noch dem Schreiben zu widmen. »Mord im Gurkenbeet« ist sein erster Roman und der in England, USA und Kanada bereits viel umjubelte Auftakt zur Serie um die außergewöhnliche Detektivin Flavia de Luce. Alan Bradley lebt zusammen mit seiner Frau auf Malta.
  • Deutsch
  • 1,14 MB
978-3-641-06631-4 (9783641066314)
364106631X (364106631X)
weitere Ausgaben werden ermittelt
27 (S. 240-241)

Mit den Glaubensabweichlern unterm Arm, flitzte ich die Treppe zum Ostflügel hoch. »Hör dir das an!«, sprudelte ich los, als ich in mein Zimmer stürmte. Porcelain saß noch genauso da wie vorhin und starrte mich an, als sei ich eine entsprungene Irre. Ich las ihr die Fußnote zur Kindstaufe vor, und meine Worte überschlugen sich.

»Na und?«, fragte sie unbeeindruckt. »Mrs Bull hat gelogen! Ihr Baby ist ertrunken! Sein Tod hat nichts mit Fenella zu tun!« »Ich weiß gar nicht, wovon du redest«, sagte Porcelain. Wie auch? Ich hatte ihr nichts von unserem Zusammenstoß mit der wütenden Mrs Bull in der Rinne erzählt. Ich hörte die Frau noch keifen: »Verschwindet, ihr Zigeuner! Du hast mein Baby geklaut! Komm raus, Tom! Die Zigeunerin steht vor dem Tor!«

Um Porcelain zu schonen, lieferte ich ihr eine Kurzversion der Geschichte vom Verschwinden des Bull-Babys und dem Wutausbruch der Mutter. Mrs Mullets Freundin hatte ihr erzählt, dass die Humpler ihre kleinen Kinder bei der Taufe an den Füßen hielten, so wie es die Mutter von Achilles bei dessen Taufe im Unterweltfluss Styx getan hatte. Mrs Mullet hatte es zwar nicht ganz so ausgedrückt, aber das hatte sie gemeint. »Wie du siehst«, wiederholte ich triumphierend, »hat deine Großmutter nichts mit dem Verschwinden des Babys zu tun.« »Natürlich nicht«, meinte Porcelain spöttisch.

»Oma ist eine harmlose alte Frau, keine Kindesentführerin. Du hast doch nicht etwa an das Ammenmärchen geglaubt, dass Zigeuner kleine Kinder stehlen?« »Quatsch«, sagte ich entrüstet, dabei hatte ich natürlich geglaubt, was jedem Kind in England eingetrichtert wurde. Porcelain sah schon wieder beleidigt aus, und ich wollte nicht noch einen Wutanfall riskieren, weder auf ihrer noch, was schlimmer gewesen wäre, auf meiner Seite. »Du meinst diese Rothaarige, oder?«, brachte sie das Gespräch unvermittelt wieder auf Mrs Bull. »Die an dem Hohlweg wohnt?« »Ebendie!«, antwortete ich. »Woher weißt du das?« »Ich habe so jemanden … dort rumschleichen sehen«, wich sie aus. »Wo denn?« »Da in der Gegend.«

Sie sah mich herausfordernd an. Die Erkenntnis traf mich wie eine Ohrfeige. »Dein Traum!«,rief ich. »Du hast von Mrs Bull geträumt, wie sie im Wohnwagen an deinem Bett gestanden hat, stimmt’s?« Na klar! Wenn Fenella tatsächlich in die Vergangenheit und in die Zukunft blicken konnte, und ihre Tochter Lunita sogar das Luftfahrtministerium mit ihren Fähigkeiten beeindruckt hatte, war es nicht weiter überraschend, dass Porcelain im Schlaf die grässliche Mrs Bull heraufbeschworen hatte. »So einen Traum hab ich noch nie zuvor gehabt«, sagte Porcelain. »Und ich hätte gern darauf verzichtet!« »Wieso?«

»Weil er so echt war, gar nicht wie ein Traum. Ich war auf Fenellas Bett eingeschlafen, hatte mich nicht mal ausgezogen. Irgendwann hat mich ein Geräusch geweckt … drinnen im Wohnwagen …« »Du hast geträumt, du wärst eingeschlafen?« Porcelain nickte. »Das war ja das Unheimliche. Ich hab mich nicht gerührt und tief geatmet, als würde ich schlafen, wobei ich ja tatsächlich schlief. Herrje – ich weiß nicht, wie ich es erklären soll …« »Erzähl weiter. Ich weiß schon, was du meinst. Du hast in meinem Bett gelegen und geträumt, du wärst in Fenellas Bett.« Sie sah mich dankbar an.
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