Samurai 03. Der Weg des Drachen

 
 
Ravensburger Buchverlag
  • 2. Auflage
  • |
  • erschienen am 1. Februar 2011
  • |
  • 528 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Adobe DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-473-38421-1 (ISBN)
 
EIN JUNGER ENGLÄNDER. GESTRANDET IN JAPAN.
AUSGEBILDET ZUM SAMURAI. JETZT BEGINNT DER KAMPF SEINES LEBENS.

»Und der Junge?«, fragte Drachenauge. »Der Ausländer?«
»Sobald der Code entschlüsselt ist, führst du deinen Auftrag zu Ende«, befahl der Mann und kniete sich wieder vor den Altar. »Töte ihn!«

Das Leben des englischen Samurai-Schülers Jack wird immer gefährlicher. Der machtgierige Fürst Kamakura will nicht nur alle Europäer aus dem Land vertreiben, auf Jack ist sogar ein Auftragsmörder angesetzt. Jacks Freunde halten treu zu ihm. Selbst Schwertmeister Masamoto gewährt ihm seinen Schutz. Doch keiner ahnt, dass sich in Jacks nächster Nähe ein Verräter eingeschlichen hat

Bevor Chris Bradford zu schreiben begann, arbeitete er als Berufsmusiker und Songwriter. Er trägt den Schwarzen Gürtel in Tai-jutsu, der geheimen Kampfkunst der Ninja, und beherrscht weitere asiatische Techniken wie Judo und Karate. Aus seiner Leidenschaft für die japanische Kultur entstand seine Abenteuer-Reihe 'Samurai'. Mit seiner Familie und den Katzen Tigger und Rabarber lebt er in einem kleinen Ort in den South Downs, England.
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Bevor Chris Bradford zu schreiben begann, arbeitete er als Berufsmusiker und Songwriter. Er trägt den Schwarzen Gürtel in Tai-jutsu, der geheimen Kampfkunst der Ninja, und beherrscht weitere asiatische Techniken wie Judo und Karate. Aus seiner Leidenschaft für die japanische Kultur entstand seine Abenteuer-Reihe "Samurai". Mit seiner Familie und den Katzen Tigger und Rabarber lebt er in einem kleinen Ort in den South Downs, England.

1
Die Krücke

Das Blut dröhnte Jack in den Ohren, sein Herz raste und er bekam keine Luft mehr. Doch er durfte jetzt nicht stehen bleiben.

Blindlings brach er durch den Bambuswald, ein Labyrinth dicker Stängel, die wie knochige Finger zu einem Dach olivgrüner Blätter aufragten.

»In welche Richtung ist er gelaufen?«, rief jemand hinter ihm.

Jack hielt nicht an. Obwohl seine Muskeln protestierten, wollte er die Verfolgung nicht aufgeben. Seit seiner schicksalhaften Ankunft in Japan war der Ninja Drachenauge zum Fluch seines Daseins geworden. Nach dem Schiffbruch der Alexandria hatte Drachenauge seinen Vater ermordet, anschließend ihn selbst verfolgt und ihm zuletzt den Portolan seines Vaters gestohlen.

Jack hatte verhindern sollen, dass das kostbare Logbuch in falsche Hände geriet. Die Informationen, die es enthielt, waren nicht nur für England, sondern auch für Englands Feinde von großem Wert. Ihm selbst konnte das Logbuch die Heimkehr ermöglichen und befähigte ihn, wie sein Vater als Steuermann zu arbeiten. Er musste den Ninja unbedingt aufspüren und das Buch zurückholen.

»Er hat uns abgehängt«, stellte eine zweite Stimme ungläubig fest.

Jack wurde langsamer und sah sich um. Seine Freunde hatten Recht. Der Mann, den sie jagten, war spurlos im Dickicht verschwunden.

Yamato und Akiko holten Jack ein. Akiko musste sich setzen, um zu verschnaufen. Sie hatte sich immer noch nicht ganz von ihrer Vergiftung erholt. Ihre Haut hatte den weißen Schimmer verloren und unter den halbmondförmigen Augen lagen dunkle Ringe. Schuldbewusst senkte Jack den Blick. Auch wenn Akiko ihm keine Vorwürfe machte, war er doch an ihrem Zustand schuld. Er hatte den Portolan in der Burg von Daimyo Takatomi, dem Fürsten der Provinz Kyoto, versteckt. Dort hatte er das Buch sicher gewähnt. Jetzt wusste er es besser. Drachenauge war in die Burg eingedrungen, Akiko war Jack zu Hilfe geeilt und dabei fast getötet worden, und Daimyo Takatomi hatte in Lebensgefahr geschwebt.

»Aber wie konnte er entkommen?«, fragte Yamato und stützte sich keuchend auf einen langen Stock, seinen bo. »Er ist doch nur ein Krüppel!«

»Er hat wahrscheinlich kehrtgemacht.« Jack drehte sich um die eigene Achse und suchte das Dickicht nach Spuren ab. Er wusste, dass sein Freund ebenso darauf brannte, den Flüchtigen zu finden, wie er selbst. Vor vier Jahren hatte Drachenauge Yamatos älteren Bruder Tenno ermordet.

»Ich kann nicht glauben, dass er Akikos Perle geklaut hat!«, rief Yamato und trat wütend gegen einen Bambusstamm. Der Stamm war steinhart und Yamato schrie vor Schmerzen auf.

Akiko verdrehte seufzend die Augen. Ihr Cousin war ein unverbesserlicher Hitzkopf. »Die Perle ist nicht so wichtig«, sagte sie und band sich die langen, schwarzen Haare zurück. »Wenn wir nach Toba kommen, tauche ich nach einer neuen.«

»Darum geht es nicht. Er hat die Perle genommen, ohne uns Informationen über Drachenauge zu geben.«

Jack stimmte Yamato zu. Nur deshalb waren sie überhaupt zum Fuß des Iga-Gebirges gereist. Nachdem sie von der Samuraischule verwiesen worden waren, weil sie Daimyo Takatomi in Lebensgefahr gebracht hatten, waren sie zu Akikos Mutter nach Toba geschickt worden. Dort sollten sie abwarten, bis über ihr weiteres Schicksal entschieden wurde. Unterwegs hatte sich ihr Samuraiführer Kuma-san bei einem Sturz vom Pferd die Schulter ausgerenkt. Bis er wieder reisefähig war, mussten sie in Kameyama Station machen. Während dieser Zwangspause hatten sie gehört, dass ein Krüppel namens Orochi sich brüstete, den berüchtigten Drachenauge zu kennen. Das Dorf Kabuto, in dem Orochi angeblich lebte, war nicht weit entfernt, und zu dritt waren sie aufgebrochen, um Orochi zu befragen. Jack wollte nicht nur den Portolan zurückholen, sondern auch Drachenauges Schlupfloch ausfindig machen und ihn Yamatos Vater Masamoto Takeshi ausliefern. Vielleicht, so hoffte er inständig, verzieh der legendäre Schwertkämpfer ihm und seinen Freunden dann und ließ sie die Samuraiausbildung an der Niten Ichi Ryu fortsetzen.

Kabuto bestand lediglich aus einer Straßenkreuzung mit einigen Bauernhäusern und einer baufälligen Herberge. Die wenigen Reisenden, die von der großen Tokaido-Straße zu dem Städtchen Ueno unterwegs waren, stiegen hier ab. Im Schankraum der Herberge fanden sie Orochi.

Als Jack und seine Freunde eintraten, verstummten die anderen Gäste. Jack fiel immer auf, besonders außerhalb von Kyoto, wo Ausländer ein seltener Anblick waren. Seine dicken, strohblonden Haare und himmelblauen Augen faszinierten die schwarzhaarigen, dunkeläugigen Japaner. Dazu kam, dass er mit erst vierzehn Jahren größer und stärker war als viele japanische Männer und entsprechend auf Misstrauen und Angst stieß- vor allem seitdem er sich wie ein Samurai kleidete und benahm.

Jack sah sich rasch um. Die Schenke ähnelte mehr einer Spielhölle als einem Ort zum Ausruhen. An niedrigen Tischen, die von verschüttetem Sake klebrig waren, fanden verschiedene Würfel- und Kartenspiele statt. Händler, Samurai und Bauern musterten die Neuankömmlinge misstrauisch. Akiko begrüßten sie mit anerkennendem Gemurmel. Von der Bedienung abgesehen, die nervös in einer Ecke stand, waren keine Frauen anwesend.

Die drei Freunde traten zum Tresen. Die anderen Gäste folgten ihnen mit den Blicken.

»Entschuldigung«, sagte Yamato zum Wirt, einem stämmigen Mann mit Händen wie Schaufeln. »Können Sie uns sagen, wo wir Orochi-san finden?«

Der Mann brummte etwas und wies mit einem kurzen Nicken in den rückwärtigen Teil der Schenke. Dort saß in einer dunklen, von einer einzigen Kerze erleuchteten Nische vornübergebeugt ein Mann. An der Wand hinter ihm lehnte eine hölzerne Krücke.

Sie gingen zu ihm. »Dürfen wir uns kurz mit Ihnen unterhalten?«, fragte Yamato.

»Hängt davon ab, wer die Runde zahlt«, antwortete der Mann kurzatmig und musterte die drei. Er schien sich zu fragen, was ein junger Samurai mit stachelig vom Kopf abstehenden schwarzen Haaren, ein hübsches Mädchen und ein Ausländer in einer heruntergekommenen Schenke wie dieser zu suchen hatten.

»Das werden wohl wir sein«, sagte Yamato mit einer Verbeugung.

»Dann setzt euch zu mir. Der Gaijin kann auch kommen.«

Gaijin war ein Schimpfwort für Ausländer, aber Jack überhörte es. Der Mann war ihre einzige Spur und sie brauchten ihn auf ihrer Seite. Außerdem konnte es nur von Vorteil sein, wenn Orochi nicht wusste, dass Jack fließend Japanisch sprach.

Der Mann hob seine verkrüppelte linke Hand, deren Finger wie knorrige Wurzeln verdreht waren, und bestellte Sake. Er schien bereit, mit ihnen zu sprechen. Die anderen Gäste nahmen daraufhin ihre Gespräche und Spiele wieder auf.

Jack, Akiko und Yamato ließen sich mit gekreuzten Beinen dem Mann gegenüber an dem niedrigen Tisch nieder. Das Serviermädchen brachte eine große Flasche Sake und eine einzelne kleine Tasse. Yamato bezahlte und das Mädchen entfernte sich wieder.

»Bitte entschuldigt meine schrecklichen Tischmanieren«, sagte Orochi schnaufend und sah Akiko wohlwollend an. Er zeigte auf sein schmutziges rechtes Bein, das auf einem Kissen lag und dessen Fußsohle zu sehen war. »Ich will euch nicht kränken, aber ich bin von Geburt an gelähmt.«

»Keine Ursache«, erwiderte Akiko und schenkte ihm ein, wie es Brauch war, wenn eine Frau anwesend war.

Orochi nahm die Tasse mit seiner gesunden Hand und stürzte den Reiswein in einem Zug hinunter. Akiko schenkte ihm nach.

»Wir hätten gerne etwas gewusst«, begann sie leise. »Und zwar, wo Dokugan Ryu sich aufhält.«

Orochi hielt inne, als er den Namen hörte. Dann setzte er die Tasse an die Lippen und leerte sie.

»Dieser Sake schmeckt scheußlich!«, schimpfte er. Er hustete laut und schlug sich an die Brust. »Aber was ihr wollt, kostet noch viel mehr als Sake.«

Er sah Yamato vielsagend an, während Akiko ihm erneut nachschenkte. Yamato nickte Akiko zu und Akiko zog eine große, milchweiße Perle aus dem Ärmel ihres Kimonos und legte sie vor Orochi auf den Tisch.

»Das müsste mehr als reichen«, sagte Yamato.

In die schwarzen Augen des Mannes war ein Funkeln getreten. Er vergewisserte sich mit einem raschen Blick, dass niemand sie beobachtete, und verzog den Mund zu einem zufriedenen Grinsen.

Dann streckte er die Hand nach der Perle aus.

Yamato hielt ihn am Handgelenk fest.

»Zuerst die Auskunft«, sagte er.

»Natürlich.« Orochi nickte und zog die Hand zurück. »Ich an eurer Stelle«, flüsterte er leise, »würde ihn in einem Dorf namens

Eine Glocke schepperte. Die Eingangstür wurde aufgeschoben und zwei neue Kunden traten ein. Orochi verstummte und wartete, bis sie sich an den Tresen gesetzt hatten. Einer der beiden winkte dem Wirt. Jack bemerkte, dass an seiner Hand der kleine Finger fehlte.

»Was wollten Sie sagen?«, hakte Yamato...

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