Tödliche Abrechnung: Detektei Lessing Kriminalserie, Band 34.

 
 
Detektei Lessing Kriminalserie (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 15. Mai 2020
  • |
  • 200 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-96586-191-6 (ISBN)
 

Gegen die Zahlung eines Lösegeldes erhält der Autohausbesitzer Michael Kolbe aus Wolfenbüttel das Versteck genannt, in dem der Entführer dessen Tochter gefangen hält. Als der Unternehmer die Neunjährige aus einer Kühltruhe befreit, hat sie einen Schock erlitten und spricht nicht mehr. Daran ändert sich auch in den folgenden Monaten nichts. Michael Kolbe, der die Polizei herausgehalten hat, sinnt auf Rache. Er ermittelt den Entführer auf eigene Faust und sperrt ihn in dieselbe Kühltruhe, um ihn dort für zwei Tage leiden zu lassen. Als er am darauffolgenden Tag seine Frau engumschlungen mit einem ihm fremden Mann erwischt, sieht er rot und will die beiden zur Rede stellen. In seiner Wut läuft er unachtsam über die Straße und wird von einem LKW erfasst. Als er schwerverletzt aus dem Koma erwacht, ist mehr als eine Woche vergangen. Für Kolbe besteht kein Zweifel daran, dass der Entführer ohne Wasser und Brot inzwischen tot sein muss. Er beschließt sein schreckliches Geheimnis für sich zu behalten.

1. Auflage
  • Deutsch
Klarant
  • Digitale Ausgabe
  • 0,33 MB
978-3-96586-191-6 (9783965861916)

-2-


 

Dieser Fall gehörte rückblickend zu den skurrilsten Aufträgen, für die ich in all den Jahren als Detektiv ermittelte. Nachdem mir Jasmina El Basisii erklärt hatte, wie ihr Freund quasi über Nacht aus ihrem Leben gerissen wurde, stand für mich fest, dass er nicht freiwillig verschwunden war. Selbst wenn der gelernte Kraftfahrzeugmechaniker kurz zuvor seine Anstellung verloren hätte, erschien mir dies bei dem derzeitigen Fachkräftemangel kein Grund, um bei Nacht und Nebel zu verschwinden und schon gar nicht, um freiwillig aus dem Leben zu scheiden. Abgesehen davon war da ja auch noch die Summe von einer viertel Million Euro, die er bei seinem Verschwinden in der gemeinsamen Wohnung des Paares zurückgelassen hatte.

Natürlich hatte ich meine Auftraggeberin nach dem Grund gefragt, weshalb sie nicht längst zur Polizei gegangen war und ihren Freund vermisst gemeldet hatte. Ihre Antwort leuchtete mir als Erklärung ein, machte mich allerdings in Bezug auf mein Honorar auch nachdenklich. Jasmina El Basisii hielt sich illegal in Deutschland auf. Um am Ende nicht auf meinen Unkosten sitzen zu bleiben, verlangte ich daher Vorkasse. Solange ich nicht wusste, woher das Geld stammte, machte ich mich nicht strafbar. Ein schlechtes Gefühl blieb trotzdem, zumal sie mir das Geld in Obhut gab.

"Ach du dicker Vater!", entfuhr es Trude, als sie den Geldhaufen auf meinem Schreibtisch erblickte. "Das ist doch wohl nicht Ihr Notgroschen?" "Schön wäre es. Das Geld hat Frau El Basisii mitgebracht. Wir sollen es solange für sie in Verwahrung nehmen, bis wir wissen, woher es stammt." Im Gesicht meiner Putzsekretärin zeichnete sich ein Fragezeichen ab. "Sie hat es nach ihrer eigenen Aussage in ihrer Badewanne gefunden", erklärte ich. "Da bekommt das Wort Geldwäsche endlich eine praktikable Bedeutung." "Sie meinte natürlich ein Versteck hinter der Revisionsklappe unter der Wanne", präzisierte ich. "Ich bin ja nicht blöd", entgegnete Trude beflissentlich.

"Da ich das weiß, habe ich auch gleich eine Aufgabe für Sie." Die gute Seele spitzte die Ohren. "Suchen Sie mir bitte alle Einbrüche und Überfälle heraus, die in einem Zeitraum von drei Monaten vor dem Verschwinden von Ralf Rosskopf stattfanden und die eine Beute von etwa einer viertel Million Euro erbrachten." "Bundesweit?" "Beschränken Sie sich zunächst auf Niedersachsen und Sachsen-Anhalt", zerstreute ich Trudes schlimmste Befürchtungen. "Was ist mit einer möglichen Erpressung und Entführung?" Ich verzog das Gesicht. "Sie haben Recht, bei einer solchen Summe können wir auch diese Delikte nicht ausschließen."

Während Trude für die nächsten Stunden beschäftigt war, wollte ich meine Auftraggeberin in ihrer Wohnung aufsuchen, um mir ein Bild von den persönlichen Dingen zu machen, die der Vermisste dort zurückgelassen hatte. Leider ging es mir wie Jasmina El Basisii, nur dass ich mein Auto vermisste. Die Idee, meinen Wagen neben den Altglas Container abzustellen, war offenbar nicht so gut, wie ich angenommen hatte. Mein besorgter Anruf bei der Dienststelle der Polizei auf der 'Lindener Straße' ergab die ernüchternde Gewissheit, dass sich mein Skoda in der Verwahrstelle des vom Ordnungsamt beauftragten Abschleppunternehmens befand. Da ich nicht wollte, dass Miriam Wind davon bekam, ließ ich mich von einem Taxi zur 'Ahlumer Straße' fahren.

Meine Fehleinschätzung, ich hätte meinen Wagen auf einem adäquaten Parkplatz abgestellt, kostete mich über zweihundert Euro zuzüglich Bußgeld und Depotkosten. Der Tag war so gut wie gelaufen. Als ich endlich zur Adresse von Jasmina El Basisii kam, war es beinahe Mittag. Die Marokkanerin stand in der Küche und bereitete Lammhackbällchen. Der Duft ließ mir bereits im Hausflur das Wasser im Mund zusammenlaufen.

"Sie kommen gerade rechtzeitig zum Essen, Herr Lessing", empfing sie mich mit demselben Akzent, der mir bereits in der Detektei aufgefallen war. "Es wäre sehr nett, wenn Sie die Pantoffeln anziehen würden", deutete sie auf meine Schuhe. "Natürlich, kein Problem." "Das Bad ist geradeaus", forderte sie mich dezent zu der von ihrer gewohnten Reinlichkeit auf. Ein Verhalten, wie ich es bereits von meinen arabischen Bekannten in Salzgitter kannte.

"Bitte erzählen Sie mir von Ihrem Lebensgefährten", bat ich meine Auftraggeberin. Sie brauchte einige Momente, ehe sie die passenden Worte fand. "Ralf und ich sind seit über einem Jahr zusammen", erzählte sie. "Was ist mit der Familie Ihres Lebensgefährten? Eltern, Großeltern, Geschwister. Vermisst ihn von denen niemand?" "Ralf ist allein. Außer mir hat er niemanden mehr", erklärte sie. "Das ist ungewöhnlich, aber es erklärt natürlich, dass er nicht als vermisst gemeldet wurde", überlegte ich.

"Können Sie sich an irgendetwas erinnern, was am Tag seines Verschwindens ungewöhnlich war? Ist Ihnen irgendetwas aufgefallen, was vielleicht anders als sonst verlief? Hat er sich anders verhalten? Sagte er etwas zu ihnen, was Sie möglicherweise erst später mit seinem Verschwinden in Zusammenhang brachten?" "Glauben Sie mir, Herr Lessing, all diese Fragen habe ich mir selbst bereits hundertfach gestellt, ohne dass ich auch nur eine einzige Antwort darauf gewusst hätte", seufzte sie. "Es war ein Tag wie jeder andere. Ralf wollte mich von der Arbeit abholen, doch er kam nicht. Zunächst nahm ich an, er müsste länger arbeiten, aber als er auch über Nacht nicht nach Hause kam, wusste ich, dass etwas passiert Schlimmes sein musste."

"Weshalb nahmen Sie an, es sei etwas Schlimmes geschehen?", hakte ich nach. "Ralf kam immer nach Hause, auch wenn es in der Kneipe mit seinen Freunden oder den Kollegen mal spät wurde und er einen über den Durst getrunken hatte", erklärte sie überzeugend. "Hatte Ihr Freund eine Stammkneipe?" "Er traf sich meistens in der Schlossschänke mit seinen Kumpels", entgegnete sie. "Kennen Sie seine Freunde?", hakte ich nach. "Meistens traf er sich mit seinen Arbeitskollegen. Ich kenne nur den Peter mit Namen. Mit dem war er aber auch schon seit einigen Jahren befreundet." "Peter", notierte ich mir. "Kennen Sie auch den Nachnamen?" Die Marokkanerin verschwand in ihrem Wohnzimmer.

"Hier ist seine Telefonnummer und der Nachname. Ralf hat sie im Telefonverzeichnis eingetragen." "Kann es sein, dass er sich am Tag seines Verschwindens ebenfalls in der Schlossschänke treffen wollte?" "Wie gesagt, Ralf wollte mich am Nachmittag von der Arbeit abholen und anschließend mit mir Bummeln gehen." Ich legte das Besteck zur Seite und steckte den Zettel mit der Telefonnummer ein. "Das Essen war ausgezeichnet", lobte ich. "Ein Rezept aus Ihrer Heimat?" Jasmina El Basisii nickte.

"Ich würde jetzt gern die Gegenstände sehen, die Ihr Freund bei Ihnen zurückgelassen hat." "Moment, ich hole sie." Während sie im Schlafzimmer herumkramte, verließ ich die Küche und sah mich im Wohnzimmer um. "Wo arbeiten Sie eigentlich?", erinnerte ich mich an ihren illegalen Aufenthaltsstatus. "Ich putze privat in einem Haushalt", erklärte sie mit einem Aktenordner und einer kleinen Schachtel unter dem Arm. "Wann wurden die Fotos aufgenommen?", deutete ich auf die Bilderrahmen an der Wand über der Sitzecke. Sie nahm eines der Bilder ab und strich sanft mit dem Zeigerfinger darüber.

"Letztes Jahr im Herbst. Es entstand bei einem Ausflug auf der Oker." "Ist das ein Floß von den Okerpiraten?", erinnerte ich mich an meine Schulzeit und damit an den Besitzer. "Ja, Ralf kennt einen der Männer, die dort arbeiten." Jasmina tat einen tiefen Seufzer. "Da war noch alles okay. Ich verstehe das alles nicht." Ich schlug den Aktenordner auf und stieß auf Gehaltsabrechnungen, die ihrem Datum entsprechend abgeheftet waren. Zwei Monate vor seinem Verschwinden waren keine weiteren Abrechnungen mehr hinzugefügt worden.

"Wo sagten Sie, war Ihr Freund beschäftigt?" Jasmina deutete auf die Lohnzettel. "Im Autohaus Kolbe als KFZ Mechaniker." "Die müssen sich doch bei Ihnen gemeldet haben, als ihr Mitarbeiter nicht mehr zur Arbeit kam." Die Marokkanerin zuckte mit den Achseln. "Hier hat sich niemand gemeldet." Ich schüttelte ungläubig den Kopf. "Was ist mit der Miete für Ihre Wohnung? Wenn Sie illegal in Deutschland leben, verfügen Sie sicherlich über kein eigenes Konto, von dem die laufenden Kosten für die Wohnung, wie Strom, Telefon oder Versicherungen abgebucht werden."

Jasmina El Basisii sah mich erschrocken an. "Ich weiß und vielleicht habe ich auch etwas Falsches getan, aber ich wusste mir keinen anderen Rat. Ralf hat mir am Computer alles erklärt." "Sie machen Online Banking", schlussfolgerte ich. "Ohne seine Karte kann ich nichts überweisen und kein Geld abheben, aber es geht alles...

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