Satisfaktion: Detektei Lessing Kriminalserie, Band 36.

 
 
Detektei Lessing Kriminalserie (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 17. Mai 2020
  • |
  • 200 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-96586-193-0 (ISBN)
 

Im Abstand von jeweils drei Monaten werden vier Kinder im Alter von fünf und sechs Jahren entführt. Da für keines der Kinder eine Lösegeldforderung gestellt wird, geht das Landeskriminalamt von einem Zusammenhang aus. Trotz intensiver Ermittlungen, die den verschiedensten Hintergründen nachgehen, bleiben die Kinder verschwunden. Vier Jahre lang ist es nur die Hoffnung, die den Eltern bleibt. Schließlich entschließt sich die Mutter der vermissten Paula den Detektiv Leopold Lessing zu engagieren. Der beginnt mit seinen Ermittlungen ganz von vorn, bewertet die bisherigen Erkenntnisse der Polizei in anderer Weise und stößt auf einen neuen Zeugen, der möglicherweise ein Bild des Täters malte. Wer ist der Mann auf dem Bild? Leo recherchiert im früheren Umfeld der Kinder, wobei er auf einen Reporter stößt, der über die Entführungen berichtete. Auch wenn er vorgibt den Mann auf dem Bild nicht zu kennen, hat der Detektiv ein anderes Gefühl. Als er ihn zwei Tage später erneut aufsucht, ist er tot, womit der Fall in eine neue Dimension erlangt.

1. Auflage
  • Deutsch
Klarant
  • Digitale Ausgabe
  • 0,24 MB
978-3-96586-193-0 (9783965861930)

-6-


 

Während Ralf Lühring mit seinem Wagen zur Arbeit fuhr, begab ich mich mit meiner Auftraggeberin zum Spielplatz an der Grüssauer Straße. Der kleine Park, der sich mitten durch ein Wohnviertel bis zum Schneekoppeweg schlängelt, wurde an diesem Tag nicht sonderlich häufig frequentiert. "Ist hier immer so wenig Betrieb?", erkundigte ich mich. "Es ist noch früh und das Wetter ist auch nicht gerade gut", entgegnete Frau Scholz. "Abgesehen davon sind derzeit keine Ferien."

Nachdem wir ein ganzes Stück gegangen waren, erreichten wir den Spielplatz. "Ich habe auf dieser Bank gesessen und in einem Buch gelesen", erklärte sie. "Paula spielte dort drüben im Piratenschiff." "Im Grunde hatten Sie von der Bank aus, einen guten Blick", überlegte ich. "Sie spielte am liebsten eine Piratenbraut", sinnierte sie seufzend. "Wenn Timo mitspielte, war er Captain Cook. Paula hatte ihre ganz eigene Art, mit ihrem Onkel umzugehen. Eigentlich wollte ich nicht, dass sie mit ihm spielte, aber meine Tochter ignorierte die Bedenken und setzte sich über mein Verbot hinweg." "Sie spielten also heimlich miteinander", schlussfolgerte ich. Frau Scholz nickte.

"War es an diesem Tag auch so?", hakte ich nach. "Ich habe ihn an diesem Tag nicht gesehen, obwohl er seiner Aussage zufolge da war", beteuerte meine Auftraggeberin. "Warten Sie bitte hier, ich möchte mir das Schiff genauer ansehen", bat ich Frau Scholz. Sie setzte sich auf die Bank und sah mir nach, bis ich hinter dem Schiff verschwand. Wer immer dieses Schiff konstruiert hatte, hatte ein wunderbares Spiel und Klettergerüst gebaut. Allerdings bot das Schiff nur wenige Möglichkeiten, um sich darin zu verstecken. Lediglich hinter dem Rumpf, auf der der Bank abgewandten Seite reichten die Sträucher, die den Park zu den in direkter Nachbarschaft befindlichen Häusern abgrenzten, bis an das Schiff heran und boten so einen gewissen Sichtschutz.

Wenn sich Paula an dieser Stelle befunden hatte, konnte ihre Mutter gar nichts von der Entführung mitbekommen. Ich ging den möglichen Weg, auf dem der Entführer das Kind mit sich genommen hatte. Nach wenigen Metern erreichte ich den Schneekoppeweg. Es war schwer nachvollziehbar, dass niemand gesehen hatte, wie sich der Täter mit dem Kind vom Spielplatz entfernte und es schließlich in seinen Wagen einsteigen lies. Konnte es wirklich sein, dass wir Menschen derart gleichgültig waren?

Während ich zu meiner Klientin zurückkehrte, sah ich mir die Umgebung genauer an und entdeckte in einem Fenster, in einem der Häuser, die sich östlich des Spielplatzes befanden, einen älteren Herrn, der sich mit seinen Ellenbogen auf dem Fensterbrett abstützte und den Spielplatz beobachtete. Da ich mit meinen Recherchen irgendwo beginnen musste, konnte es auch jener alte Mann sein, den ich befragte. "Ich würde mir gern noch ein wenig die Umgebung ansehen", erklärte ich meiner Klientin. "Ist es in Ordnung für Sie, wenn ich nachher noch bei Ihnen vorbeikomme?" "Ja klar", entgegnete sie. "Sie müssen nur am Wendehammer vorbei und dann nach rechts in den schmalen Weg abbiegen, der Sie in die Allensteiner Straße führt. Es ist dann das dritte Haus auf der rechten Seite. Ich bin zu Hause und warte auf Sie."

Sicherlich war der alte Mann, soweit er damals schon in diesem Haus wohnte, von der Polizei bereits als möglicher Zeuge befragt worden und sicherlich würde er mir heute nichts anderes sagen können wie das, was er damals ausgesagt hatte. Natürlich war alles protokolliert und zu den Akten gereicht worden, aber genau die hatte ich bislang nicht einsehen können. Folglich war seine Befragung für mich ein Anfang.

Der alte Herr bewohnte ein Einfamilienhaus am Rande des Spielplatzes. Es dauerte eine ganze Weile, bis jemand an die Haustür kam und öffnete. "Hallo, mein Name ist Lessing", stellte ich mich dem Jungen vor, der da vor mir in der Haustür stand. Er war nicht älter als dreizehn, hatte seine Haare gegelt und zu einer Art Schirm nach vorn gebürstet. "Ist Herr Schiller zu sprechen?" Das war der Name, den ich auf dem Klingelschild gelesen hatte. "Mein Vater ist auf Arbeit", entgegnete der Jungspund. Ich kombinierte. "Ich denke, ich meine deinen Opa."

Die Haustür öffnete sich ganz. "Sie sollten schon wissen, mit wem Sie sprechen möchten. Kommen Sie herein, mein Opa ist oben. Er wird sich sicher über Ihren Besuch freuen. Er bekommt nämlich fast nie Besuch." "Das ist aber schade", sagte ich, weil ich es so meinte. "Ich bringe Sie zu ihm." "Danke."

"Opa, da ist jemand für dich!" "Bitte warten Sie hier einen Moment, bat der junge Mann und ließ mich auf dem Flur zurück. Ich sah mich unterdessen ein wenig um. Gutbürgerlicher Mittelstand, dachte ich mir, während ich einige alte Fotos ansah, die an der Wand über einer Kommode hingen. Sie zeigten einen VW Käfer mit Seitenwinker und Brezelfenster über der Motorhaube. Vor ihm stand ein junges Paar in Buntfaltenhosen und Pullis, wie sie in den sechziger Jahren modern waren. Im Hintergrund des Fotos war der 'Schiefe Turm von Pisa' zu sehen.

"Kommen Sie rein, mein Opa ist jetzt so weit", erklärte der Bursche unkompliziert und hielt mir die Tür auf. "Du brauchst nicht dabeibleiben", wandte sich der alte Herr seinem Enkel zu. "Ich denke, Herr Lessing und ich kommen allein zurecht." "Okay, wenn du etwas brauchst, rufst du einfach." "Einen netten Enkel haben Sie da", lobte ich, als wir allein waren. "Er ist meine ganze Freude", lächelte der Alte. "Aber Sie sind sicher nicht gekommen, um mir das zu sagen." Ich förderte meine Legitimation hervor und hielt sie ihm so entgegen, dass er sie gut sehen konnte.

"Polizei?" "Nein", entgegnete ich. "Privatermittler." Im Gesicht des alten Mannes zeichnete sich ein Fragezeichen ab. "Sie sind Detektiv?" "So ist es", bestätigte ich. "Ich hoffe, Sie haben kein Problem damit?" Er winkte ab. "Es geht um die Entführung des kleinen Mädchens vor vier Jahren." Der alte Mann nickte mir zu. "Ich kann mich erinnern. Mein Sohn hat mir davon erzählt." "Wohnten Sie damals noch nicht hier?", hakte ich nach. "Junger Mann, ich habe an diesem Haus mitgebaut", klärte er mich auf. "Als das Kind entführt wurde, lag ich gerade im Krankenhaus und bekam eine neue Hüfte." "Dann wurden Sie von der Polizei wahrscheinlich gar nicht befragt", schlussfolgerte ich. "Nach der Operation ging es sofort in die Reha. Als ich wieder nach Hause kam, war natürlich alles gelaufen."

"Schade, als ich Sie vorhin vom Spielplatz aus am Fenster sah, hatte ich die Hoffnung, Ihnen sei damals etwas aufgefallen." "Tja, da bin ich wohl einen Tag zu früh gestürzt", lächelte der alte Herr selbstironisch. "Einen Tag, sagen Sie? Vielleicht ist ihnen ja an den Tagen zuvor etwas aufgefallen", keimte ein Quäntchen Hoffnung in mir auf. Der Alte begann zu grübeln. "Kommen Sie, Herr Lessing. Übrigens ein Name, der verpflichtet. Sie sind doch nicht etwa mit Ihrem berühmten Namensvetter verwandt?" "Leider nicht", lachte ich. "Und Sie, Herr Schiller?" "Dann würde ich sicherlich Gedichte schreiben."

Ich folgte ihm in sein Schlafzimmer. Das Fenster war nach wie vor weit geöffnet und etwas versetzt davor stand ein Stativ, auf dem ein Fernglas montiert war. Ich hatte es vom Spielplatz aus nicht sehen können. Neben dem Fenster war eine Staffelei aufgebaut. Sie trug eine etwa zur Hälfte bemalte Leinwand, auf der sich eine Bank abzeichnete, die wiederum drei älteren Damen als Sitzgelegenheit diente.

"Sie malen?", fragte ich erstaunt. "Ich kann zwar nicht mehr all die schönen Sehenswürdigkeiten auf die Leinwand bringen, die ich bis zum Ende meiner Tage eigentlich noch sehen wollte, aber es gibt so vieles, was ich von meinem Fenster aus sehe und was sich ebenso lohnt mit meinen Farben festgehalten zu werden, dass es mir nie langweilig wird." Ich sah durch das Fernglas, welches genau auf die Bank ausgerichtet war. Nur, dass die drei Damen nicht mehr darauf saßen.

"Haben Sie damals auch schon gemalt?", hakte ich nach. "Das habe ich und ich glaube, ich weiß, worauf Sie hinauswollen", entgegnete der alte Mann, während er an seinen Kleiderschrank ging. Ich staunte nicht schlecht, als ich sah, dass er darin keine Kleidung, sondern etliche Leinwände in den unterschiedlichsten Größen aufbewahrte. "Ich kann mich erinnern, dass ich damals an dem Bild eines Mannes malte. Er war mir aufgefallen, weil er immer allein hier war. Er setzte sich stets auf diese Bank und sah den Kindern beim Spielen zu."

Ich horchte auf. "Können Sie sich noch erinnern, wie oft er hier war?" "Ich bin alt und nicht senil. Natürlich kann ich mich erinnern. Er kam an vier aufeinanderfolgenden Tagen, blieb etwa eine Stunde lang und verschwand wieder." Als er eines der Leinwände...

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