Das Haus an den Klippen

 
 
dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 21. August 2019
 
E-Book | ePUB ohne DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-96087-711-0 (ISBN)
 

Welches geheimnisvolle Erbe birgt das weiße Haus an den Klippen?

Als Caitlins Tante Megan stirbt, hinterlässt sie ihr ein altes Häuschen in dem verschlafenen Küstennest Port Pine. Eigentlich möchte Caitlin das Cottage bei den Klippen verkaufen, zu sehr erinnert es sie an den mysteriösen Tod ihrer geliebten Tante. Doch dann tauchen Hinweise auf, die Caitlin vor ein Rätsel stellen. Was hielt ihre Tante verborgen und wieso kam sie so plötzlich ums Leben? Hat es etwas mit dem halbverfallenen Karussell im Wald zu tun, um das sich seltsame Legenden ranken? Während Caitlin versucht Licht in das Dunkel zu bringen, erwachen in ihr unerwartet Gefühle für den undurchschaubaren Alan, der mehr zu wissen scheint als er zugibt. Um die Wahrheit über ihre Tante herauszufinden, muss Caitlin den Geheimnissen der Vergangenheit auf die Spur kommen ...

Erste Leserstimmen "die Autorin webt Legenden und Geheimnisse zu einer wunderschönen Liebesgeschichte" "rundum perfekter, packender Plot voller Spannung und Romantik" "flüssig geschrieben und erzählerisch gelungen" "kurzweilige Unterhaltung mit einer stimmigen, spannungsvollen Geschichte"

  • Deutsch
  • Digitale Ausgabe
  • 0,74 MB
978-3-96087-711-0 (9783960877110)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Evelyn Boyd schreibt Jugendbücher, Kriminalromane, Romantasy und Hörspielskripte. Sie lebt mit ihrem Kater Othello im hohen Norden an der Küste und holt sich ihre Inspiration gerne durch lange Spaziergänge am Meer.

Kapitel 2


Ein schwarzes Seepferd im Wald

Ein gemütliches Wohnzimmer empfing mich. Ich legte meinen Rucksack auf ein weißes Sofa, auf dem sich viele blaue Kissen tummelten. Auf dem Tisch davor lagen einige Bücher. An den Wänden hingen Fotografien von Leuchttürmen. Tante Megan war immer eine begeisterte Fotografin gewesen. Bestimmt hatte sie diese Aufnahmen selbst gemacht. An einer Wand erstreckte sich ein mannshohes Bücherregal. Durch das große Panoramafenster konnte man auf das Meer hinausblicken. Ich ging durch den Flur und fand links die Küche, die mir mit dem kleinen Bistrotisch und zwei Stühlen sehr einladend erschien. Auf der Arbeitsfläche neben der Spüle stand eine benutzte Kaffeetasse. Ich wusste nicht, was ich erwartet hatte, aber es schien mir, als ob Tante Megan nur mal kurz das Haus verlassen hätte und jeden Augenblick zurückkommen würde.

Ich schluckte, drehte mich um und ging zurück in den Flur. Auf einem kleinen Sideboard stand ein Telefon. Ich hob den Hörer ab. Die Leitung war tot. Vermutlich, weil niemand mehr die Rechnung bezahlte. Es gingen noch zwei weitere Zimmer vom Flur ab. Ein kleines Gäste-WC und ein mit Büchern vollgestopftes Arbeitszimmer. Die freien Wände waren ebenfalls mit Schwarz-Weiß-Fotografien geschmückt. Ich blieb kurz davor stehen und betrachtete das immer gleiche Motiv. Es handelte sich um ein schwarzes Seepferdchen. Die Figur war aus verschiedenen Perspektiven fotografiert worden. Die Fotos wirkten irgendwie düster. Ich wandte mich dem Schreibtisch zu, auf dem mehrere Ordner standen. Das Arbeitszimmer würde ich später noch genauer in Augenschein nehmen müssen. Bestimmt befanden sich hier alle wichtigen Papiere.

Ich setzte zunächst meine Besichtigungstour im Obergeschoss fort. Dort befand sich neben dem Schlafzimmer noch ein geräumiges Badezimmer, mit einer wunderschönen altmodischen Badewanne auf goldfarbenen Füßen und ein kleines Gästezimmer mit blauen Tapeten. Ich würde das Gästezimmer beziehen, obwohl das große Schlafzimmer, ebenso wie das Wohnzimmer, einen Blick auf die See bot. Von hier oben war die Aussicht sogar noch traumhafter. Aber der Gedanke, im Schlafzimmer meiner Tante zu schlafen, kam mir unpassend vor. Ich öffnete den Kleiderschrank, um nach Bettwäsche zu suchen. Dabei fiel mir ein Pullover entgegen. Es war ein kuscheliger Wollpullover mit einem Norwegermuster in Grau, Weiß und Rosa. Sie hatte ihn letztes Jahr zu Weihnachten getragen. In diesem Moment kamen mir die Tränen. Ich setzte mich auf das Bett und drückte den Pullover fest an mich.

Nach einer Weile beruhigte ich mich. Ich wischte mir die Tränen aus dem Gesicht und zog einige Schubladen auf. Dort fand ich Bettlaken und Bettwäsche. Damit ausgerüstet begab ich mich ins Gästezimmer, um das Bett zu beziehen. Ich öffnete auch das Fenster und ließ frische Luft hinein. Von diesem Fenster aus, sah man auf den Kiefernwald, der an das Grundstück angrenzte. Er war so dicht wie eine einzige grüne Wand. Ich erinnerte mich, dass Mr Campbell gesagt hatte, ein großer Teil des Waldes gehöre zum Erbe. Ich würde mir die Unterlagen noch einmal genau ansehen müssen, um festzustellen welche Fläche genau das Grundstück umfasste. Ich trug meinen Koffer ins Gästezimmer hoch und räumte den Inhalt in einen weißen Kleiderschrank. An den Türen waren kunstvolle Schnitzereien von Seepferdchen angebracht. Das gefiel mir sehr.

Mittlerweile war es später Nachmittag geworden. Ich ging in die Küche und sah mir den Vorratsschrank an. Es gab mehrere Konserven, Teebeutel und Zucker. Damit war ich zunächst einmal versorgt. Der Inhalt des Kühlschranks erwies sich als weniger erfreulich. Eine angebrochene Packung Milch, die einen leicht säuerlichen Geruch verbreitete, schimmeliger Käse, eine matschige Salatgurke und noch einige andere Kostbarkeiten mehr erfreuten das Auge. Ich holte eine große Mülltüte und entsorgte den Inhalt. Gleich danach putzte ich sorgfältig den Kühlschrank. Morgen musste ich einige Lebensmittel einkaufen. Das würde ein ganz schön langer Spaziergang in den Ort werden.

In der Küche stellte ich erleichtert fest, dass ich wenigstens noch Wasser und Strom hatte. Jetzt kochte ich mir erst einmal einen Tee und ging ins Wohnzimmer. Dort setzte ich mich auf das Sofa und dachte nach, während ich den Flug der Möwen beobachtete. Nun da ich hier war, kam mir die Haushaltsauflösung wie eine unerträgliche Bürde vor. Wie sollte ich das alles nur schaffen? Es wäre sicherlich eine große Hilfe gewesen, wenn meine Mum mich begleitet hätte. Ich kam mir fürchterlich hilflos vor, doch ich war eigentlich schon immer allein klargekommen, auch bevor Mrs Laurence und meine Tante zu uns kamen. Ich würde das schon schaffen, redete ich mir gut zu. Als Erstes musste ich mir einen Plan machen. Ich würde die Sachen meiner Tante durchsehen und dann aussortieren, was ich behalten wollte. Danach könnte ich das Haus über ein Maklerbüro verkaufen. Aber irgendwie kam mir das falsch vor. In diesem Haus erkannte ich in jedem Zimmer Tante Megans Seele. Allein die wunderschönen Fotografien an den Wänden. Die Bilder würde ich auf jeden Fall behalten. Ich stellte die Teetasse auf den Tisch und nahm eines der Bücher zur Hand. Restaurieren leicht gemacht versprach der Titel. Das nächste hieß Holzarbeiten und historische Schnitzkunst.

Seltsam. Was hatte meine Tante denn restaurieren wollen? Solche Bücher hatte sie früher nicht gelesen. Außerdem schien das Haus in tadellosem Zustand zu sein.

Nachdem ich meinen Tee getrunken hatte, beschloss ich, mich auf dem Grundstück umzusehen. Für einen längeren Erkundungsgang war es heute allerdings schon zu spät und die lange Reise steckte mir noch in den Knochen, sodass ich die weitere Erkundung der Gegend auf den nächsten Tag verschob.

Ich umrundete das Haus und entdeckte dahinter noch einen Schuppen. Die Tür war abgeschlossen, aber ich hatte im Flur einen Schlüsselbund gesehen. Vielleicht war ja der passende Schlüssel dabei. Ich lief schnell zurück zur Veranda. Da fühlte ich es zum ersten Mal. Es war so ein unbestimmtes Gefühl, als beobachtete mich jemand aus dem dichten Unterholz des gegenüberliegen Waldes. Ich verharrte einen Moment und starrte in Richtung Waldrand. Doch ich konnte nichts sehen. Dann flog ein Vogel auf. Ich schüttelte das ungute Gefühl ab. Vermutlich war ich als Großstadtkind solche Einsamkeit einfach nicht gewohnt.

Der Schlüssel passte tatsächlich. Im Schuppen machte ich eine tolle Entdeckung: Neben einer Werkbank mit allerlei Werkzeug, lehnte ein Fahrrad. Das Rad war in einem guten Zustand. Ich entschied, damit am nächsten Tag in den Ort zu radeln. Ich verließ den Schuppen wieder und schloss die Tür ab. Auf dem Weg zum Haus drehte ich mich noch einmal um, und blickte zum Waldrand hinüber. Die Sonne stand mittlerweile tief über den Bäumen. Das Gefühl von dort aus beobachtet zu werden, überfiel mich erneut und eine Gänsehaut überzog meine Arme. Vielleicht war es aber auch nur kälter geworden. Eilig lief ich ins Haus und verschloss die Haustür sorgfältig hinter mir.

Bevor ich ins Bett ging, versuchte ich Lara eine SMS zu senden. Aber wie ich befürchtet hatte, zeigte mir das Display meines Smartphones kein Netz an. Na wunderbar! Ich war nicht nur völlig allein am Ende der Welt. Ich hatte auch kein Netz!

In der ersten Nacht schlief ich unruhig. Es war Wind aufgekommen, der am halb geöffneten Fenster rüttelte. Das Rauschen der Wellen, die gegen die Klippen schlugen, war deutlich zu hören. Ich träumte wirres Zeug und erwachte mehrmals. Irgendwann stand ich auf, um das Fenster zu schließen. Für einen Moment glaubte ich im Wald Lichter zu sehen. Ganz deutlich flackerte es zwischen den Bäumen hell auf. Ich musste träumen! Wer sollte dort mitten in der Nacht im Wald sein? Ich kniff die Augen zusammen und als ich sie wieder öffnete, war alles dunkel. Einige Minuten stand ich noch am Fenster, aber das Licht erschien nicht mehr.

Am nächsten Morgen fühlte ich mich ziemlich erschlagen. Ich kochte mir einen starken Kaffee und setzte mich ins Wohnzimmer. Der Wind hatte sich gelegt, aber nun hing dichter Nebel über der Bucht. Man sah die Hand vor den Augen nicht. Ich hatte mir eigentlich vorgestellt, morgens auf der Veranda mit Blick auf das Wasser zu frühstücken, aber das konnte ich vergessen. Draußen war es feucht und kalt. Von irgendwoher klang klagend ein Nebelhorn herüber.

Ich hoffte, der Nebel würde sich im Laufe des Tages verziehen. Bei diesem Wetter war es sinnvoller, meine Fahrt in den Ort zu verschieben. Vermutlich würde ich mich bei dem Nebel bloß verirren. Also beschloss ich, erst einmal Tante Megans Papiere zu sichten. Ich ging ins Arbeitszimmer und fing an, die Aktenordner durchzugehen, die ich in einem der Regale entdeckt hatte. Es war ernüchternd und meine Zuversicht schwand. »Oje, Tantchen! Wie soll ich bei deinem Chaos hier durchblicken?« Ich seufzte, und begann mich durch Rechnungen und Dokumente zu wühlen. Ich konnte kein System erkennen und sortierte alle Unterlagen neu. Ich fand auch Schreiben der Telefongesellschaft und beschloss, diese von Port Pine aus zu kontaktieren, damit ich schnellstmöglich wieder eine Telefonanbindung bekommen würde. Die Strom- und Wasserrechnungen legte ich ebenfalls zur Seite. Auch dort musste ich umgehend Bescheid geben, damit ich während meines Aufenthalts weiter versorgt blieb. Hoffentlich würde ich das alles geregelt bekommen. Die Bankunterlagen waren besonders wirr. Ich stieß auf einen Brief der besagte, dass Megan ein Bankschließfach bei einer Bank in Eastport gemietet hatte, obwohl laut der Kontoauszüge ihre Bank in Port Pine war. Einen Schlüssel zum Schließfach fand ich in den Schubladen nicht. Auf dem Brief stand noch ein Name: Sally. Er...

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