Spiegel des Bösen

 
 
Cora Verlag GmbH & Co. KG
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 21. September 2011
  • |
  • 144 Seiten
 
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978-3-86349-214-4 (ISBN)
 
Jetzt seh' ich dich - jetzt bist du weg ...'Hilfe!' Verzweifelt klammert Tori sich ans Geländer der Eisentreppe. Unter ihr gähnt der Abgrund. Und dann die rettenden Hände. Tori kann von Glück sagen, dass Jerome in der Nähe ist! Er macht im einsamen Bright Point Hotel Urlaub, aber auch Jerome erlebt gerade einen Albtraum: Seit er in dem Hotel ist, wirft er kein Spiegelbild mehr! Er und Tori sehen nur noch Schatten im kalten Glas. Welche dunkle Macht steckt dahinter? Tori kommt der Antwort gefährlich nah, als sie entsetzt beobachtet, wie ein wunderschönes fremdes Mädchen versucht, Jerome ins Meer zu locken ...
  • Deutsch
  • 0,38 MB
978-3-86349-214-4 (9783863492144)
3863492145 (3863492145)

2. KAPITEL

Jerome kniete zwei Stufen unter dem Absatz der breiten Vordertreppe und blickte durch das polierte Eichenholzgeländer in die Lobby hinunter. Von hier aus konnte er ein halbes Dutzend Spiegel zählen - oder auch glänzende Oberflächen, die wie Spiegel reflektierten.

Glänzendes Zeug, wo immer man hinsah. An der Wand des nächsten Treppenabsatzes über ihm hing ein ovaler Spiegel mit am Rand eingravierten Blattornamenten und Rosenblüten. Der verschnörkelte Schriftzug "Bright Point, Nova Scotias Riviera" verdeckte fast die gesamte Innenfläche des Glases - leider nur fast.

Unter ihm wurde in dem Spiegel, der hinter dem Empfangstresen die ganze Wand einnahm, der größte Teil der Lobby widergespiegelt. Noch mehr Spiegel überall. Sie bedeckten die Tür zum Speisesaal und die Metallkonstruktion des Zwanzigerjahre-Fahrstuhls. In der Loungeecke, neben dem Kamin aus schwarzem polierten Granitstein, schmückten Glastüren die Vitrinen voller Fossilien und Muschelschalen. Auf der gegenüberliegenden Seite hing die Karte von Nova Scotia in einem Glasrahmen.

Jerome hatte zehn Minuten lang versucht, einen Weg von der Treppe zur Eingangstür zu finden, der an keinen Spiegeln vorbeiführte. Es war aussichtslos. Da konnte er nur eines tun: Er musste direkt durch die Lobby. Immer locker bleiben. Und hoffen, dass niemandem etwas auffiel.

Er richtete sich auf und schwang sich die Büchertasche über die Schulter. Dann atmete er tief durch, bevor er die restlichen Stufen nach unten nahm. Die letzten drei sprang er hinunter und verfiel dann in einen leichten Sprint. Die Frau hinter dem Empfangstresen lächelte ihm zu, als er vorbeirannte. Er grinste ihr zu und winkte. In dem großen Spiegel hinter ihr konnte er sie in ihrem blauen Blazer erkennen. Den größten Teil der Lobby ebenfalls.

Er sah fast alles, nur keinen Jerome.

Nachdem er durch die Eingangstür nach draußen gestürmt war, rannte er den grasbewachsenen Hügel zum Strand hinunter. Angie, die junge Koordinatorin des Hotels, erklärte den Handwerkern gerade, wo sie das Strandvolleyballnetz anbringen sollten. Angie war blond und gebräunt und für neunundzwanzig oder so ganz schön attraktiv.

Jerome hatte beschlossen, sich Angie anzuvertrauen. Irgendjemandem musste er es erzählen. Er wollte sich vergewissern, dass er nicht verrückt war.

Heute Morgen, an seinem zweiten Tag in Bright Point, hatte er, während er sich das Gesicht gewaschen hatte, in den Badezimmerspiegel geblickt und die geflieste Wand hinter sich gesehen - und einen Waschlappen, der mitten in der Luft schwebte. Nichts weiter. Er hatte den Lappen fallen lassen und sich überall gekniffen und abgeklopft. Ja, er war da, alles fühlte sich fest an.

Er war aus dem Bad gestürzt. Fünf Minuten später hatte er sich wieder hineingeschlichen und einen Blick in den Spiegel geworfen. Nichts hatte sich verändert. Immer noch kein Jerome zu sehen.

Da er ahnte, wie entsetzt seine Eltern reagieren würden, hatte er den Mund gehalten. Er hatte ihnen nur gesagt, er komme nicht zum Frühstück. In Wahrheit wollte er nicht im Speisesaal essen, wo überall Spiegel hingen.

Mit leerem Magen hatte er auf den Zubringerbus zur Stadt gewartet. In Mimi's Diner hatte er ein paar getoastete Käsesandwiches gegessen und den Shuttle zurück genommen. Später hatte er dann gesagt, er wolle nicht zu Mittag essen, obwohl er kurz vorm Verhungern gewesen war. Seine Mutter hatte ihn besorgt angesehen.

So geht das nicht weiter. Früher oder später werden sie's herausfinden.

Er rannte den Strand Richtung Norden hinunter und kickte dabei den weißen glitzernden Sand zur Seite. Die Büchertasche schlug ihm gegen den Rücken. Über ihm flogen Schwärme von kreischenden Seemöwen.

Das Joggen half. Auf die Art lockerte sich die Enge in seinem Brustkorb ein bisschen. Und das Hirn kam in Schwung. Er war zu erschüttert gewesen, um einen klaren Gedanken zu fassen. Jetzt dachte er nach. Es musste doch eine vernünftige Erklärung geben!

Wenn man nicht im Spiegel zu sehen war, was bedeutete das? Okay, er wusste, dass er lebte und nicht unsichtbar war. Die Leute sahen ihn und redeten mit ihm. Er war kein Geist.

Er sprang über einen Haufen getrocknetes Seegras und rannte weiter. Die Flut stieg an, zu seiner Rechten klatschten die Wellen ans Ufer.

Kein Geist also. Aber was dann? Vampire sah man nicht im Spiegel, oder? Doch irgendwie wollte er das ganze Zeug über Vampire nicht glauben. Was blieben noch für Möglichkeiten? Vielleicht ging von ihm eine lichtbrechende Strahlung aus, so wie bei dem Schutzmantel um Raumschiff Enterprise. Er sollte zu einem Arzt gehen. Aber selbst wenn es so wäre, warum passierte das? Und warum gerade ihm? Außerdem .

In diesem Moment hörte er einen Schrei. Jerome blieb so abrupt stehen, dass der Sand unter seinen Füßen in alle Richtungen spritzte. Da ertönte der Schrei wieder. Jemand rief um Hilfe. Es war nicht weit entfernt, aber über den Krach der Wassermassen, die gegen die Küste schlugen, kaum zu hören.

"Hilfe!"

Vielleicht ertrank jemand? Er hoffte, nicht. Er war nicht gerade der beste Schwimmer. Jerome rannte los.

"Was machst du denn da oben?"

Tori unterdrückte den nächsten Schrei. Sie sah nach unten. Da stand ein Junge und blickte zu ihr hoch. Etwa einen Meter hinter ihm klatschten die Wellen ans Ufer. Weiße Gischt schäumte dicht an seinen Füßen.

Er schüttelte ungläubig den Kopf. "Bergsteigen?"

"Nein! Die Leiter ist weg!"

Er betrachtete die Felsen außerhalb ihres Sichtfelds. "Himmel noch mal!"

Tori versuchte, Ruhe zu bewahren. Ihr linker Fuß, den sie gegen den Felsvorsprung presste, war inzwischen eingeschlafen. In Armen und Fingern bahnten sich Krämpfe an. "Ich kann mich nicht mehr länger halten!"

Der Junge sah rechts und links den Strand entlang, als würde er auf eine Inspiration hoffen. "Ich hole Hilfe!", rief er. Dann ließ er seine Tasche fallen und rannte wie der Blitz los.

Tori wartete. Die Krämpfe setzten ein. Ihr Hemd klebte vor Schweiß und Staub. Sie wagte nicht, sich zu kratzen. Kleine Fliegen umschwirrten sie und krabbelten ihr übers Gesicht. Doch sie traute sich nicht, sich zu rühren und sie abzuschütteln.

Oh bitte. Bitte.

Ihre Schultern und der Rücken schmerzten. Das linke Bein fing an, unkontrolliert zu zittern.

Ich werde runterfallen. Ich lande unten auf den Felsen - wie die rostigen Teile der Leiter.

Die Wellen kamen immer näher. Endlose Minuten vergingen. Es kam ihr vor wie Stunden. Später erfuhr sie, dass es zehn Minuten gedauert hatte, bis der Junge zurückgekommen war. Er schleppte eine schwere Aluminiumleiter auf den Schultern, den Kopf zwischen zwei Sprossen.

Tori zitterte am ganzen Körper. "Beeil dich!"

Unter ihr klapperte Metall; sie hörte es quietschen und rattern, bis sie das obere Ende der Leiter neben sich an die Felswand gelehnt sah.

"Okay!", rief der Junge. "Alles fertig!"

Tori starrte staunend darauf. Eine Ausziehleiter, die perfekte Lösung! Wo er die nur aufgetrieben hatte? Die oberste Sprosse reichte bis kurz über ihren Kopf.

"Ich kann nicht zu dir hochklettern!", brüllte der Junge gegen das Rauschen der Brandung an. "Ich muss die Leiter festhalten! Beeil dich, die Flut kommt!"

Die Flut. Okay. Tori löste vorsichtig eine Hand, streckte sie langsam aus und umklammerte die Außenschiene der Leiter mit schmerzenden Fingern. Mit dem frei hängenden Fuß tastete sie nach der nächstliegenden Sprosse. Ihr ganzer Körper schien aufzustöhnen, als sie schließlich das Gewicht von dem Felsvorsprung auf die Leiter verlagerte.

"Das macht du großartig!", kam prompt die Aufmunterung von unten. "Beeil dich!"

Ihr linker Fuß war vollkommen gefühllos. Beim Runterklettern konnte sie nur den rechten Fuß belasten, sich auf das linke Knie stützen und sich dabei an die Seitenläufe klammern. So nahm sie mühsam Sprosse für Sprosse. Schließlich erreichte sie festen Boden. Ihr gaben die Knie nach, und sie sank auf den nassen, mit Seegras bedeckten Küstenfelsen.

"Auf, auf!" Der Junge zerrte sie am Arm hoch.

Sie taumelte auf die Füße und blieb zitternd neben ihm stehen, während die Wellen immer höher schlugen. Inzwischen hatte der Junge die Leiter wieder eingeholt und mit der Büchertasche geschultert. "Los, lauf den Hügel hoch!"

Tori tat, wie ihr geheißen, obwohl sie das Gefühl hatte, jeden Moment zusammenzubrechen.

"Ja, das reicht!", rief der Junge nach einer Weile zu Toris Erleichterung. "Hier sind wir über dem Wasserspiegel. Wir können uns erst mal ausruhen." Er stellte die Leiter auf dem sandigen Boden ab und hielt sie fest, während er seine Tasche abschüttelte.

"Hier" war ein Stück eines sonnengewärmten Felsens, der aus dem weißen Sandstrand herausragte. Erschöpft setzte Tori sich und streckte die schmerzenden Beine aus.

Der Junge stand neben ihr und musterte sie neugierig. Er war groß und schlaksig, hatte hellbraunes Haar und intelligent blickende graue Augen.

"Ich hätte mir sonst was brechen können!" Tori...

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