Ganz oder gar nicht

 
 
Cora Verlag GmbH & Co. KG
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 18. April 2020
  • |
  • 130 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7337-1645-5 (ISBN)
 
Geträumt hat Callie es wohl tausend Mal - aber doch nie geglaubt, dass es wirklich geschieht: Treys fordernde Lippen auf ihrem Mund, sein männlicher Körper so aufregend nah und heißes Begehren in seinem Blick - in den Armen des smarten Neurochirurgen Dr. Trey Weldon scheint für die OP-Schwester Callie ein Märchen wahr zu werden, als er ihr in einem von den Kollegen unbeobachteten Moment seine Leidenschaft zeigt. Jeder Nerv in Callie reagiert auf diesen Mann, dessen umwerfend erotische Faszination ihr den Atem raubt - bis ein verräterischer Satz von ihm den Zauber des Augenblicks vertreibt ...
Barbara Boswell war als Krankenschwester tätig, bis sie sich ganz der Kindererziehung widmete. Sie begann 1983 zu schreiben und veröffentlichte 22 Romane.

1. KAPITEL

Im Operationssaal drängten sich Kollegen und Studenten, die Dr. Trey Weldon, dem bekannten Neurochirurgen, bei der Arbeit zusehen wollten. Der Zustand des Patienten galt als hoffnungslos. Man hatte ihn an Dr. Weldon überwiesen, der eine riskante, aber viel versprechende Operationsmethode für solche Fälle entwickelt hatte.

"Es ist ja wirklich heute voll hier", sagte ein Medizinstudent leise. "Jeder will dem Meister bei der Arbeit zusehen"

"Ja, Dr. Weldon ist wirklich der Beste", bemerkte ein zweiter Student bewundernd.

"Ruhe bitte." Eine Schwesternschülerin sah die beiden strafend an. "Dr. Weldon spricht." In ihrem Ton klang unüberhörbar Ehrfurcht mit.

Dr. Weldon war gerade dabei, die Probleme der arterio-venösen Missbildungen zu erklären, verschlungenen oder missgebildeten Arterien oder Venen im Gehirn, die sich mit der Zeit übermäßig dehnten, auf das umgebende Gewebe Druck ausübten oder sogar platzten. Er hob bei der Bemerkung der Schwesternschülerin automatisch den Kopf und sah Callie Sheely, die OP-Schwester, kurz an.

Ihre Blicke trafen sich nur für den Bruchteil einer Sekunde, aber er bemerkte das Funkeln in ihren großen dunklen Augen und wusste, dass sie unter dem Mundschutz über die Worte des jungen Mädchens lächelte.

Die Lippen des Chirurgen verzogen sich ebenfalls amüsiert. Vor nicht allzu langer Zeit hätte er nicht bemerkt, was es da zu lachen gab. Er fand damals auch die übertriebene Ehrfurcht völlig selbstverständlich. Er hatte sich mit den Jahren an Lob und Bewunderung dermaßen gewöhnt, dass es ihm ganz normal vorkam.

Bis Callie auftauchte. Trey würde nie ihr Grinsen vergessen, als ein jüngerer Kollege ihn übermäßig lobte. Das war das erste Mal, dass er sie im Operationssaal gesehen hatte.

Als er sie später gefragt hatte, hatte sie wieder gelacht und gemeint, sie fände es witzig, wie seine Bewunderer um ihn herumscharwenzelten und ihn mit Lob überhäuften.

Trey war von ihrer Offenheit überrascht gewesen. Bisher hatte es niemand gewagt, so mit ihm zu sprechen. Aber er ärgerte sich nicht darüber, sondern fand ihre Einstellung erfrischend.

"Natürlich ist die Bewunderung Ihrer Fans wirklich ehrlich", hatte sie dann ernster hinzugefügt. Und diese aufrichtige Bemerkung hatte ihm mehr bedeutet als die anbetenden Blicke seiner jungen Kollegen und Studenten.

Seitdem sah er immer zu Callie hinüber, wenn die Komplimente wieder einmal etwas zu dick aufgetragen wirkten, und wusste, dass sie unter ihrem Mundschutz genauso lächelte wie er.

Trey fuhr mit der Operation fort und erklärte dabei seinen Zuschauern sein Vorgehen. Gleichzeitig musste er wieder an Callie Sheely denken, und wie wenig Ehrfurcht sie vor seinem gottähnlichen Ruf hatte.

Trey hatte Fähigkeit, gleichzeitig verschiedene Dinge zu denken und zu tun und alles doch voneinander getrennt halten zu können. Es war eine Gabe, die er schon immer besessen hatte und die ihm selbstverständlich war.

Er bewegte den kleinen Finger leicht zur Seite, und Callie reichte ihm sofort das Gewünschte, ein kleines scharfes Skalpell, das er selbst für seine Zwecke entworfen hatte. Nur selten musste er Callie während einer Operation um ein Instrument bitten, höchstens dann, wenn zum Beispiel unvorhergesehene Komplikationen eintraten und er improvisieren musste.

Normalerweise wusste sie von früheren Operationen genau, welche Instrumente wann benötigt wurden. Und wenn er etwas anders machen wollte, dann ging er vorher mit ihr die einzelnen Schritte durch, und sie wusste, was von ihr erwartet wurde.

Trey bewunderte ihr phantastisches Erinnerungsvermögen wie auch ihre Fähigkeiten als Operationsschwester. Selbst in Stresssituationen blieb sie ruhig, und er hatte noch nie mit jemandem so gut zusammengearbeitet wie mit Callie Sheely. Im OP war sie wie ein Teil von ihm.

Diese Art von intuitivem Einklang war etwas ganz Neues für ihn. Ganz sicher hatte es so etwas in seinem privaten Bereich bis heute noch nie gegeben. Aber hier im Operationssaal waren Callie und er eins, verstanden sie sich ohne Worte und bildeten eine ungewöhnliche Einheit.

Trey hob wieder den Blick und sah in Callies dunkle, warme, ausdrucksvolle Augen. Intelligenz funkelte darin, Lebensfreude und .

"Gibt es noch Fragen?", unterbrach er seine eigenen Gedanken.

In letzter Zeit hatte er immer häufiger ganz überraschend an Callie Sheely denken müssen. Er sah sie plötzlich vor sich, egal ob er gerade im OP stand oder allein in seiner Wohnung war, ob er mit Kollegen sprach oder sein Mittagessen allein in der Kantine einnahm, und dachte an ihre Augen, ihren Humor, ihr Lächeln .

Aber solche Gedanken gehörten nicht in ihre berufliche Beziehung. Und das war das Einzige, was ihn und Callie schließlich verband. Es war die einzige Verbindung, die sie jemals haben würden, die einzige Verbindung, die er wollte. Es durfte nicht anders sein.

Aber es störte ihn, wie sie manchmal plötzlich und unerwartet von seinen Gedanken Besitz ergriff. Er konnte es sich schließlich nicht leisten, dass sich sein scharfer Verstand Phantasien hingab.

"Ich wiederhole, gibt es noch Fragen?" Er merkte selbst, wie ungeduldig das klang.

Und er wusste auch, dass seine Ungeduld nicht eigentlich gegen die Studenten gerichtet war, die ihm schweigend und ein wenig eingeschüchtert zuhörten.

"Dann kann ich also annehmen, dass jeder verstanden hat, was es mit arteriovenösen Missbildungen und diesem Eingriff auf sich hat?" Trey konnte dem kurzen Schritt von Ungeduld zu Sarkasmus nicht widerstehen.

Eine der Medizinstudentinnen meldete sich mit einer etwas dümmlichen Frage, die Trey aber ausführlich beantwortete. Er musste sich von den Gedanken an Callie ablenken. Sie durfte ihm nicht unter die Haut gehen, auch wenn er viel zu viel an sie dachte. Nein, sie arbeiteten nur zusammen, nichts weiter. Sie waren noch nicht einmal oberflächlich miteinander befreundet. Sie hatten sich noch niemals außerhalb des Krankenhauses getroffen.

Und das war auch gut und richtig so.

Nein, sie ging ihm nicht unter die Haut.

Callie Sheely hörte der gründlichen Erklärung von Trey Weldon aufmerksam zu. Der weiche, melodische Ton seiner Stimme blieb wie immer nicht ohne Wirkung auf sie. Nur Trey konnte verführerisch und sexy klingen, während er die Schwierigkeiten eines gefährlichen Eingriffs beschrieb.

Callie beobachtete jeden seiner Handgriffe genau, um bereit zu sein, wenn er bestimmte Instrumente bei der Arbeit brauchte. Seine Stimme half ihr dabei, sich zu konzentrieren, wenn sie auch gleichzeitig von ihr fasziniert war, ja, mehr als das, erregt wurde. Trey Weldons Stimme war ausgesprochen sexy, dunkel, männlich und beinahe hypnotisierend.

Das war einfach nicht fair. Ihr Chef sah nicht nur gut aus, war brillant und talentiert, sondern er hatte dazu noch eine Stimme, die jedem Kinohelden Ehre gemacht hätte. Und sie musste diese Stimme täglich hören und sollte davon unbeeindruckt bleiben.

Sie kannte schließlich die Regeln nur zu gut. Sie war Dr. Weldons Untergebene, und auch nur als solche sah Trey Weldon sie, sollte er sie überhaupt wahrnehmen. Es war eben nicht so wie in den Märchen ihrer Kindheit, wo die arme Küchenmagd vom Prinz geheiratet wurde. Im wirklichen Leben blieb man unter seinesgleichen.

Callie seufzte leise und konzentrierte sich wieder auf Trey Weldon, der geschickt das kleine Skalpell handhabte, das sie ihm gereicht hatte, und dabei den Zuschauern sein Vorgehen erläuterte.

Seine Methodik war wirklich fehlerlos. Wie jedes Mal war Callie tief davon beeindruckt, wie mühelos er die kompliziertesten Eingriffe im Gehirn durchführte. Auch alle anderen sahen ihm gespannt zu. Dr. Trey Weldon, der außerordentlich begabte Neurochirurg am Tri-State-Krankenhaus wurde von seinen Kollegen nicht nur respektiert und bewundert. Er war ein Star, eine "Supernova von einem Chirurgen", wie der Wissenschaftsreporter einer lokalen Pittsburgher Zeitung gemeint hatte. In seinem Artikel hatte er die Fähigkeiten des Chirurgen in den höchsten Tönen gelobt, hatte seinen eindrucksvollen Werdegang geschildert und die Anstrengungen der Krankenhausleitung, die Dr. Weldon endlich vor achtzehn Monaten für ihr Krankenhaus hatte gewinnen können.

Callie hatte den Artikel aufbewahrt und las ihn immer dann, wenn sie in Gefahr war zu vergessen, wie weit ihre Welt von der Dr. Trey Weldons entfernt war. Das fing schon mit ihrer Herkunft an.

Die Weldons hatten schon große Ländereien in Virginia besessen, als Callies Vorfahren noch als arme Bauern im alten Europa ihr Leben fristeten. Callie war zwar der Meinung, dass eine unterschiedliche Herkunft oft keine Rolle spielte, wusste aber auch, dass die Weldons viel Gewicht auf die richtige Abstammung legten. Das hatte sie nicht nur dem Artikel entnehmen können, sondern es klang auch aus beiläufigen Bemerkungen von Trey selbst immer wieder heraus.

Der Sohn von Winston und Laura Weldon, die auch in dem Artikel erwähnt wurden, hatte gesellschaftlich nichts mit ihr, der Tochter von Jack und Nancy Sheely gemein, deren Großeltern vor der Armut in Irland und Russland geflohen waren, nur um dann in kaum besseren Verhältnissen in Pittsburgh zu leben. Aber sie hatten hart gearbeitet und ihren Kindern und Enkelkindern eine gute Ausbildung ermöglicht. Doch zu den oberen Zehntausend gehörten sie ganz sicher nicht.

Die Weldons zählten schon seit Jahrhunderten zum "Adel" der amerikanischen Südstaaten.

"Alles in Ordnung?" Trey sah sie fragend an.

...

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