Sylter Biike

Insel Krimi
 
 
Emons Verlag
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 18. November 2021
  • |
  • 256 Seiten
 
E-Book | ePUB ohne DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-96041-699-9 (ISBN)
 
Eindringliche Krimispannung vor malerischer Kulisse.

Die ehemalige Hauptkommissarin Inge Petersen kehrt nach zwanzig Jahren nach Sylt zurück, um ihrem Bruder in seinem Hotel zu helfen. Doch gleich in der ersten Nacht kommt dort eine junge Frau zu Tode. Die Sylter Kollegen gehen von einem Unfall aus, aber Inge ist davon überzeugt, dass es Mord war. Auf der Suche nach Hinweisen taucht sie immer tiefer in die Geschichte der Insel ein - und wird dabei erbarmungslos mit ihrer eigenen Vergangenheit konfrontiert.
  • Deutsch
  • Köln
  • |
  • Deutschland
  • 2,95 MB
978-3-96041-699-9 (9783960416999)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Arne-Christian Bornemann, studierter Diplom-Kaufmann, eigentlich kein Mann der vielen Worte, überraschte sich und sein Umfeld mit seinem Debütkrimi. Entstanden ist er, als er ein Jahr lang auf Sylt in Hörnum lebte. Seine Syltliebe wurde ihm in die Wiege gelegt, schon seit seiner frühen Kindheit ist er mehrmals im Jahr auf Sylt unterwegs und beobachtet scharfsinnig. Er kennt die Insel, ihre Bewohner, Besucher und Eigenheiten gut.

Es rollt die Flut

Draußen vor dem Fenster flog die immer flacher werdende nordfriesische Landschaft vorbei, aus der sich nur vereinzelt Häuser und Höfe erhoben. Eis und Schnee bedeckten den Boden, Bäume und Sträucher ruhten im Winterschlaf. In den Eiskristallen funkelte das Februarlicht.

In wenigen Minuten würden sie den Hindenburgdamm erreichen, der Sylt mit dem Festland verband. Inge Petersen ließ müde ihren Kopf gegen das Sitzpolster sinken. Der Weg von Düsseldorf nach Sylt war weit, und heute erschien er ihr noch weiter, weil er so endgültig war. Sie kam nicht als Besucherin, sondern als Rückkehrerin. Zwanzig Jahre nach ihrem Weggang von der Insel, auf der sie aufgewachsen war, zog es sie zurück. Offiziell, um ihrem Bruder, dem Inhaber des Hotels »Blanke Hans«, zur Hand zu gehen, inoffiziell, weil es in Düsseldorf nichts mehr gab, was ihr etwas bedeutete. Mit nunmehr achtundfünfzig Jahren war es an der Zeit heimzukehren.

»Moin moin, Personalwechsel.« Inge wurde aus ihren Gedanken gerissen. »Dürfte ich bitte die Fahrscheine sehen?«

Vor ihr stand eine junge Zugbegleiterin und lächelte. Inge begann in ihrer Tasche nach ihrem Ticket zu suchen.

»Urlaub auf Sylt?«, fragte die Schaffnerin, während sie das Papier mit ihrer Zange bearbeitete.

»Nein, ich, ähm, wohne da.«

Die Frau hob die Augenbrauen. »Das ist ja komisch, ich bin auch aus Westerland, aber ich kenne Sie gar nicht.«

»Ich war lange weg«, sagte Inge. Wie sollte man einem anderen Menschen begreiflich machen, dass man ausgerechnet jenen Ort freiwillig verlassen hatte, an dem so viele andere Urlaub machten?

Die Schaffnerin lächelte zum Abschied erneut und ging weiter.

»Keine Bange«, hörte Inge eine raue Stimme hinter sich sagen. »Hier gehört man schneller wieder zum Inventar, als einem lieb ist.«

Inge stutzte. Die Stimme kam ihr bekannt vor. Sie drehte sich um. Hinter ihr saß eine zierliche Frau mit wilden blonden Locken. Sie trug einen viel zu großen Pulli über zerrissenen Jeans, darunter schwarze Boots.

»Meret? Bist du das?«, fragte Inge. »Meret Knudsen? Die kleine Meret?«

Die Frau schnitt eine Grimasse. »Ja, genau. Die >kleine< Meret.« Dann legte sie ein ansteckendes Lächeln auf und krauste die Nase. »Sie sind Inge Petersen, oder? Die Schwester von Jannis?«

»Ja, richtig. Ich hätte nicht gedacht, dass du dich nach all den Jahren noch an mich erinnerst. Immerhin warst du noch ein Kind.«

»Ich war ein Teenager«, korrigierte Meret sie.

Rasch überschlug Inge, wie alt Meret jetzt wohl sein mochte. Vielleicht Mitte dreißig? Tatsächlich entdeckte sie bei näherem Hinsehen die ersten Lachfalten rund um die grünen Katzenaugen.

»Ich arbeite ab jetzt auch für Jannis im >Blanke Hans<. Er hat mir gesagt, dass Sie heute kommen, und ich kenne Sie von Fotos.«

Gerade fuhr der Zug ratternd über den Hindenburgdamm. Bald würden sie ihr Ziel erreichen.

»Du arbeitest für meinen Bruder? Davon hat er mir gar nichts erzählt.«

Meret neigte den Kopf. »Ich wette, es gibt eine Menge Dinge, die er Ihnen nicht erzählt.«

Bevor Inge nachhaken konnte, was sie damit meinte, war Meret aufgestanden, hatte sich ihren Seesack geschnappt und war in Richtung Ausgang verschwunden. Ihre Fragen würden bis später warten müssen.

Inge starrte ihr mit offenem Mund nach. Was für ein seltsames Verhalten . Dann rief sie sich zur Ordnung. Du bist keine Polizistin mehr, schalt sie sich selbst, während sie ihr eigenes Gepäck aus dem Fach über den Sitzen wuchtete. Also hör auf, dich wie eine zu benehmen! Du weißt doch, dass die Leute das nicht mögen.

Ihr Koffer war schwer. Dennoch stimmte es sie traurig, dass ihr ganzes Leben dort hineinpasste. Sicher, einiges hatte sie bereits mit der Post zu Jannis geschickt, doch am Ende war nicht viel übrig geblieben, was sie aus ihrer Wohnung in Düsseldorf hatte behalten wollen.

Jetzt nur nicht wehmütig werden, Inge, befahl sie sich und zerrte den Koffer hinter sich her zum Ausgang.

Am Bahnsteig begegnete sie Meret wieder. Sie sog an einer Zigarette und starrte die Straße hinunter.

»Eigentlich sollte Jannis uns abholen .«

Inge nickte. »Ja, das hat er mir versprochen. Er wird sicher bald kommen.«

»Klar, auf Jannis ist Verlass.«

Täuschte sich Inge, oder schwang in Merets Stimme etwas Spöttisches mit? Warum hatte Jannis ihr nichts davon erzählt, dass er Meret eingestellt hatte?

»Ist nicht einfach, hm?«

»Was?«, fragte Inge verwundert.

»Zurückzukommen, wenn man weg war. Ich war selbst weg, an die sechzehn Jahre, außer ein paar kurzen Besuchen. Für viele andere ist Sylt das Paradies, aber es kann auch ganz schnell zu einem Gefängnis werden.« Meret blies die Luft durch die gespitzten Lippen. »Aber was soll's? Heimat ist Heimat, und am Ende gehört man dahin, wo man seine Wurzeln hat.« Wieder dieses ansteckende Lächeln.

»Ja, das stimmt vermutlich.«

»Aber auch hier ändern sich Dinge. Die Zeit vergeht zwar viel langsamer, doch sie bleibt nicht stehen. Man muss nur Geduld haben. Viel Geduld.«

Da bog Jannis mit seinem Volvo um die Ecke und hielt direkt vor ihnen an. »Moin! Da seid ihr ja!«, rief er, nachdem er aus dem Auto gesprungen war. Er drückte Inge herzlich an sich und schloss auch Meret überschwänglich in die Arme.

Gemeinsam luden sie die Koffer ein und fuhren an den grünen »Reisenden Riesen im Wind«, einer Kunstinstallation auf dem Bahnhofsvorplatz, vorbei in Richtung Hörnum, ganz im Süden von Sylt.

Das »Blanke Hans« befand sich in einem ehemaligen Friesenhof und besaß eines der traditionellen reetgedeckten Dächer. Benannt war es nach den großen Sturmfluten, die die Inseln der Nordsee in den vergangenen Jahren immer wieder heimgesucht hatten. Über der Gaststätte und im neu gebauten Anbau gab es rund fünfundzwanzig Gästezimmer, die fast das ganze Jahr über gut besucht waren. In einem alten Fünfziger-Jahre-Bau waren die Personalwohnungen eingerichtet worden. Merets und Inges Zimmer lagen in diesem Trakt einander genau gegenüber, ein kleiner Hof trennte sie.

»Sieht aus, als wären wir jetzt Nachbarn!«, rief Meret, als sie in ihrem Gang verschwand.

Inges Unterkunft war karg, die Möbel waren außerdem alt und eher lieblos angeordnet, offenbar aus dem zusammengewürfelt, was in den Gästezimmern ausrangiert worden war, doch die Matratze ihres Betts war angenehm hart. Immerhin konnte sie den Leuchtturm von Hörnum sehen.

Sie trat ans Fenster und öffnete es weit. Der Westwind trug den salzigen Geruch des Meeres zu ihr herein, irgendwo in der Ferne kreischten Möwen. Sie schloss die Augen, während sie tief ein- und ausatmete.

In der Wirtsstube war nicht viel los, was auch an der fortgeschrittenen Stunde liegen mochte. Nur wenige Gäste saßen an den Tischen. Jannis stand hinter der Theke und zapfte Bier. Als er seine Schwester hereinkommen sah, begrüßte er sie wortlos und stellte ihr ein Glas hin.

Erst jetzt fiel Inge auf, wie durstig sie war. Sie nahm einen tiefen Schluck. »Warum hast du mir nicht gesagt, dass Meret Knudsen für dich arbeitet?«

»Keine Ahnung, habe ich das nicht erwähnt?«

»Nein, hast du nicht.«

»Ist das für dich ein Problem?«

»Natürlich nicht.«

Inge nahm die Anwesenden in Augenschein. Manche Gesichter kamen ihr bekannt vor, und sie nickte ihnen zu. Ob sich schon herumgesprochen hatte, dass sie wieder da war? Interessierte sich überhaupt jemand dafür?

»Du bist schon immer neidisch auf mich gewesen«, hörte sie hinter sich.

Inge schob ihre Gedanken beiseite, wandte den Kopf und entdeckte Meret Knudsen, die mit einer zierlichen Frau mit langem braunen Haar und unauffälliger Kleidung an einem kleinen Tischchen saß.

»Genau wie früher, als du das mit Ole und mir verhindert hast.« Die Stimme der Brünetten nahm einen hysterischen Klang an, von den Nachbartischen aus trafen sie neugierige Blicke. »Ole und ich, daraus hätte etwas werden können, trotz des Altersunterschieds. Ich hatte ein Recht darauf, meine eigenen Erfahrungen zu machen. Du wolltest nicht, dass wir glücklich werden. Es ging immer nur um dich!«

Meret sprang auf und funkelte die Frau an. »Nele, ich warne dich, noch ein Wort und du kannst etwas erleben!«

»So? Was denn? Was willst du tun? Mir drohen?«, höhnte Nele, streckte sich und zischte so leise, dass es Inge auf ihrem Barhocker gerade noch hören konnte: »Niemand will dich hier, Meret. Es war gut, solange du weg warst. Also verschwinde einfach wieder.«

Meret wurde blass vor Zorn. Bevor sie etwas erwidern konnte, stürmte Nele aus der Gaststube. Mit versteinertem Blick sah Meret ihr nach, bevor sie sich ruckartig abwandte und an die Theke kam.

»Wer war das denn?«, fragte Inge.

»Nele Mungard. Wir waren einmal beste Freundinnen. Vor langer Zeit.«

»Na, das muss aber wirklich schon eine ganze Weile her sein«, bemerkte Inge trocken.

Merets Züge verhärteten sich, sie sagte aber nichts. Jannis stellte ihr einen Kurzen hin, den sie mit einem Schluck hinunterstürzte.

»Ich gehe jetzt ins Bett«, verkündete sie.

Jannis sah sie mit gerunzelter Stirn an. »Ist vermutlich besser so. Weißt du, manche Leute mögen es einfach nicht, wenn andere ihre Nase in fremde Angelegenheiten stecken.«

»Pah! Als ob es hier so etwas wie >fremde Angelegenheiten< überhaupt gäbe.« Mit diesen Worten verschwand Meret.

»Bist du dir sicher, dass du die richtige Entscheidung getroffen hast, als du sie eingestellt hast?«, fragte Inge ihren Bruder belustigt.

Er machte eine wegwerfende Handbewegung. »Meret weiß, was sie tut....

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