Ich, Jane

Roman
 
 
dotbooks Verlag
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 12. Januar 2018
  • |
  • 130 Seiten
 
E-Book | ePUB ohne DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-96148-117-0 (ISBN)
 
Eine Frau und das Rätsel der Liebe: Der schwedische Unterhaltungsroman "Ich, Jane" von Cecilia Bornäs jetzt als eBook bei dotbooks. Als Jane ihrem Mann in den Dschungel gefolgt ist, glaubte sie an die große Liebe. Doch die Jahre in der Wildnis haben einen hohen Preis gefordert. Von der magischen Zeit, die sie Seite an Seite unter dem grünen Palmenhimmel verbracht haben, ist kaum noch etwas geblieben. Ihr Mann ist ihr fremd geworden, von Tag zu Tag beginnt er, sich seltsamer zu verhalten. Aber kann man einen Menschen, für den man alles aufgegeben hat, so einfach verlassen? Aus der Sicht der Jane: Ein sinnlicher und zart-melancholischer Roman über das moderne Geschlechterdrama, der Sie in den Bann ziehen und nicht mehr loslassen wird. "ICH, JANE hat alle Voraussetzungen, ein Kultbuch zu werden.", so urteilte die schwedische Tageszeitung Östgöta Correspondenten. Jetzt als eBook kaufen und genießen: "Ich, Jane" von Cecilia Bornäs. Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks - der eBook-Verlag.
  • Deutsch
  • 0,42 MB
978-3-96148-117-0 (9783961481170)
3961481172 (3961481172)
Cecilia Bornäs (1968-2012) war eine schwedische Autorin, Journalistin und Literaturkritikerin. In Lund in Südschweden geboren, arbeitete Cecilia Bornäs für den schwedischen Rundfunk und verschiedene Zeitungen. Ihre Arbeiten wurden mehrfach ausgezeichnet.

Kapitel 1
DER DSCHUNGEL


Vor langer Zeit einmal fragte ich Jean, wie er den Dschungel beschreiben würde. Es war der Tag, an dem wir heirateten, und wir waren überzeugt, dass unser Glück ewig währen würde. Wir waren auf genau den großen Baum hinaufgeklettert, den Jean zu unserem Hochzeitsbett ausgewählt hatte, und dort saßen wir einige Zeit eng umschlungen und flüsterten miteinander. Wenn wir hinuntersahen, konnten wir Numa sehen, die Löwin, die uns anglotzte und gern zum Mittag verspeist hätte, und wenn wir in die Ferne schauten, sahen wir durch die Äste hindurch das kleine Dampfschiff, das darauf wartete, uns in die Zivilisation mitzunehmen. Die Entfernung zum Fluss war so weit, dass wir nicht ausmachen konnten, ob jemand auf Deck stand. Vielleicht hatten sich dort alle ein wenig hingelegt.

Es dauerte eine Weile, bis Jean antwortete. Dann sagte er nachdenklich, dass sich der Dschungel ständig verändere und für ihn so heimisch sei, dass er ihn eigentlich nicht beschreiben könne. »Der Dschungel ist ein Zuhause, doch er ist ein Zuhause ohne jede Sicherheit«, sagte er. »Stell dir vor, du lebst in deinem großen Elternhaus in Baltimore, ohne dich jemals irgendwo ausruhen zu können. Jederzeit kann im Wohnzimmer ein neuer Sessel aus dem Boden wachsen und jederzeit kann die nette alte Köchin auf die Idee kommen, dass dein Arm ein wunderbarer Sonntagsbraten wäre. So ungefähr würde ich den Dschungel beschreiben.«

Das war für Jeans Verhältnisse eine lange und wohl überlegte Antwort, doch schon damals ahnte ich, dass ihr etwas fehlte. Ich begriff, dass die fehlende Sicherheit nur ein Aspekt des Dschungels war, dass er eigentlich mehr bedeutete als Köchinnen, die es auf deinen Arm abgesehen haben. Und ich hatte natürlich Recht.

Dann zog Jean mich aus. Wie erstaunt und erleichtert war ich über seine Gelassenheit! Er war für mich durch Feuer und Wasser gegangen, doch als wir uns endlich ohne jede Bedrohung - sieht man einmal von der hungrigen Löwin ab - lieben konnten, war er weniger leidenschaftlich, als ich es mir vorgestellt hatte. Es war, als halte ihn etwas zurück, etwas, das mir nicht Gleichgültigkeit zu sein schien.

Damals bildete ich mir ein, seine Art rühre vom Dschungel her, der auf ihn dieselbe Wirkung hatte wie auf mich. Eine Umgebung, die auf diese Weise wächst, blüht, verfault und wieder wächst, muss einen Menschen früher oder später enthaltsam machen. Ich bemühe mich ständig darum, nicht eins mit dem Dschungel zu werden, mir seinen Rhythmus nicht aufdrängen zu lassen. Das ist notwendig, wenn ich es hier aushalten will.

Vielleicht ist es im Laufe der Jahre sogar immer wichtiger geworden. Doch rückt der Tag näher, an dem ich endgültig ein Festmahl für Pilze und Bakterien sein werde. Das ist natürlich ungerecht. Der Dschungel erkennt eben keine Grenzen an. Alle warten nur darauf, einander aufzufressen oder im Fleisch des anderen Wurzeln zu schlagen. Ich will nicht zu dieser brutalen Gesellschaft gehören!

Noch immer habe ich den verstümmelten Elefantenkörper auf jener Lichtung vor Augen. Er lag dort wie eine aufgerissene braune Papiertüte und wartete darauf, ausgehöhlt und zu nichts zu werden.

Ich hatte bis dahin nicht geglaubt, dass etwas so Mächtiges aufgelöst und von Zähnen und Verrottung besiegt werden könnte. Die Löwen und die Hyänen hatten sich schon längst ihren Teil genommen und im Fleisch, das noch übrig war, krochen unendlich viele Würmer.

Ich erinnere mich, dass Jean damals gierig dorthin schaute, ehe er schuldbewusst den Blick abwandte. Heute würde ihn nichts mehr aufhalten.

Die Gerüche im Dschungel sind glücklicherweise anders als die, die der Elefant ausströmte. Sie sind nicht so direkt, fast stechend, sondern eher allgegenwärtig wie englischer Nieselregen. Sie schließen Leben und Tod ein, Verfall und Wachstum. Doch ich kann keinen Trost in diesem Wachstum finden, denn das, was eines Tages in mir Wurzeln schlagen wird, werde nicht ich selbst sein.

Um die Gerüche loszuwerden, muss ich mich nach hoch oben in die Baumkronen begeben. Wenn ich nur so gut klettern könnte wie Jean!

Injektionswettrennen. Es ist, als steckten die Insekten mit den Gerüchen unter einer Decke. Sie stechen absichtlich Löcher in meine Haut, um mich bei lebendigem Leib aufzufressen. Wie viele Bisse habe ich schon bekommen, seit ich hier im Dschungel wohne? Ich weiß nur, dass ich schon Generationen von geflügelten Insekten ernährt habe.

Ich habe mich immer gefragt, welche von all diesen verdammten Fliegen mir den Schüttelfrost gebracht hat. Die hätte ich gern zwischen den Fingernägeln zerdrückt. Doch sicher hat sie es schon geschafft zu sterben, zu verrotten und irgendeine Blume zu düngen. Sie hat sicher Tausende und Abertausende ansteckender Nachkommen produziert. Nicht einmal das hat der Dschungel zu bieten! Man kann die Schuld nicht auf ein einzelnes Individuum oder ein einzelnes Wesen schieben. Alle sind Teil von allem.

Ich wünschte, man ließe wenigstens meine Aufzeichnungen in Ruhe. Sowie ich einen Bogen Papier beschrieben habe, stürzt sich der Schimmel sogleich darauf, um ihn wieder dem Dschungel einzuverleiben. Ich habe schon alles versucht, doch es sind schon viel zu viele Worte verschwunden.

Vielleicht kann ich Jean bitten, hinaufzuklettern und meine Papiere, wenn schönes Wetter ist, an der obersten Wäscheleine zu befestigen, damit sie wenigstens ab und zu die Chance haben, etwas zu trocknen. Das könnte sie retten. Wenn er sich irgendwann mal bequemen wird, nach Hause zu kommen. Natürlich wird er über mich lachen, aber das ist mir egal. Ich würde so gern irgendetwas von mir hinterlassen.

Jean macht sich gar keine Gedanken über so etwas. Er macht sich überhaupt viel zu wenig Gedanken. Wie soll ich ihm begreiflich machen, dass seine Muskeln jetzt bereits anfangen zu verkümmern und dass sie eines Tages keine Chance gegen mikroskopisch kleine Tiere haben werden? Er lächelt immer, wenn ich ihn daran erinnere. Er zeigt dann seine weißen, breiten Zähne und sieht wirklich so aus, als sei das ein absurder Gedanke.

Der Schatz der Kavandavanda hat jedenfalls schon seine Untauglichkeit bewiesen. Die Pillen, die uns auf ewig jung halten sollten, haben nicht verhindert, dass sich die Falten um unsere Augen sammeln, und ich weiß, dass sie auch weiße Haarsträhnen und Gicht nicht werden abwenden können.

Um Haaresbreite wäre ich selbst eine solche Pille geworden. Von allem war ich nur eine Haaresbreite entfernt und eines Tages wird Jean mir nicht mehr aus der Klemme helfen können. Die Frage ist inzwischen, ob er mich noch aus Liebe rettet oder nur noch aus Gewohnheit. Ich schließe die Augen und lausche. Es ist fast anrührend, wie die Tiere sich bemühen, in diesem Meer der Vegetation gehört zu werden. Das Knarren, das Klagen, das nadelstichfeine Piepen. Ein kleiner grauer Vogel klingt ganz genau so wie die gellenden Pfiffe der Hafenarbeiter in Baltimore. Manchmal denke ich an all die Laute, die meine Ohren schon gar nicht mehr aufnehmen, und dann bin ich sehr dankbar. Es ist gut, dass meine Ohren mich ein wenig schützen.

Was hätte ich nicht schon alles hören müssen, wenn sie schonungslos wären! Eine Komposition aus Paarungsrufen, Todesschreien, das Kauen, das Rülpsen, das Summen und das Schnüffeln. Ich hätte das Lachen der Affen gehört. Jeden einzelnen ihrer verabscheuungswürdigen, ätzenden Lacher.

Ich singe nicht mehr, obwohl ich früher einmal eine viel gerühmte Stimme hatte. Jetzt, da Bébé uns verlassen hat, ist niemand mehr da, der zuhören würde. Jean hat das mit dem Gesang nie richtig verstanden. Er kann alle Geräusche des Dschungels nachahmen, aber nicht die einfachsten Melodien formen.

Jean hat mir beigebracht, wie die Tiere heißen. Ich nehme nicht gern seine Kindersprache in den Mund, aber in gewisser Weise ist es zufriedenstellend, alle Geräusche und Formen, die uns umgeben, benennen zu können.

Einmal fragte ich Jean, ob die Tiere ihre eigenen Laute nicht irgendwann einmal leid seien. »Bist du denn deine leid?«, fragte er in diesem ärgerlichen Tonfall und verschwand wie gewöhnlich oben in den Bäumen.

Vielleicht wäre ich sie ja leid geworden, wenn ich sie nur öfter hätte anwenden können. Diese Unausgewogenheit zwischen Zuhören und Sprechen macht mich fertig. Meine Ohren schonen mich, dennoch lassen sie so viel mehr hinein, als durch den Mund wieder herauskommen kann.

Nicht einmal das Schreiben kann diese aufgezwungene Schweigsamkeit richtig ausgleichen. Ich wünschte, ich hätte einen Mann, der sich die Mühe machen würde, zu sprechen. Jean hat das mit der Konversation nie richtig gelernt. Es ist, als meine er wirklich das, was er sagt, und als sehe er mein Sprechen als ein Geräusch, zu dem er sich genauso verhält wie zu Vogelgesang.

Er spricht meine Sprache, aber er hat nie erzählt, wer sein Lehrer war. Erinnert er sich nicht daran? Weiß er nicht, wo er herkommt?

Tiergeräusche sind Alltagsgeräusche. Immer öfter höre ich auch etwas, das mich an Axthiebe in großer Entfernung erinnert. Aber dieser Dschungel kann nicht kleiner werden. Er ist beängstigend groß. Kein Kartenzeichner ahnt, dass er riesige Taschen mit anderen Welten enthält und dass irgendwo Urtiere wohnen, die viel Spaß am Leben haben.

Keiner weiß, wie der Dschungel aussieht. Man kann immer gerade so eine Lichtung erkennen. Ich sah ihn das erste Mal vom Fluss aus, also gleichsam von außen. Mehrere Wochen lang war er nichts als eine Mauer um mich herum zu beiden Seiten gewesen, eine Wandmalerei, auf der man die Augen ruhen lassen konnte, wenn die Blicke der Besatzung allzu aufdringlich wurden. Doch plötzlich sah ich, dass wir ein Teil davon geworden waren, dass sich die Äste nach uns ausstreckten. Ich wusste nicht,...

Dateiformat: EPUB
Kopierschutz: ohne DRM (Digital Rights Management)

Systemvoraussetzungen:

Computer (Windows; MacOS X; Linux): Verwenden Sie eine Lese-Software, die das Dateiformat EPUB verarbeiten kann: z.B. Adobe Digital Editions oder FBReader - beide kostenlos (siehe E-Book Hilfe).

Tablet/Smartphone (Android; iOS): Installieren Sie bereits vor dem Download die kostenlose App Adobe Digital Editions (siehe E-Book Hilfe).

E-Book-Reader: Bookeen, Kobo, Pocketbook, Sony, Tolino u.v.a.m. (nicht Kindle)

Das Dateiformat EPUB ist sehr gut für Romane und Sachbücher geeignet - also für "glatten" Text ohne komplexes Layout. Bei E-Readern oder Smartphones passt sich der Zeilen- und Seitenumbruch automatisch den kleinen Displays an. Ein Kopierschutz bzw. Digital Rights Management wird bei diesem E-Book nicht eingesetzt.

Weitere Informationen finden Sie in unserer E-Book Hilfe.


Download (sofort verfügbar)

1,99 €
inkl. 19% MwSt.
Download / Einzel-Lizenz
ePUB ohne DRM
siehe Systemvoraussetzungen
E-Book bestellen