Big Pharma

Wie profitgierige Unternehmen unsere Gesundheit aufs Spiel setzen
 
 
Piper (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 11. Mai 2015
  • |
  • 480 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-492-96929-1 (ISBN)
 
Die Medizin will uns Menschen gesund erhalten und Krankheiten heilen? Das Gegenteil ist der Fall: Das von der Pharmaindustrie beherrschte Gesundheitswesen verfolgt rein ihre Profitinteressen und setzt dabei die Gesundheit der Verbraucher aufs Spiel. Mikkel Borch-Jakobsen hat in diesem Buch zwölf hochkarätige internationale Autoren zusammengebracht, die sich jeder als "Whistleblower" einen Namen gemacht haben: Wissenschaftler, Pharma-Spezialisten und Journalisten. Sie zeigen u.a., wie psychische Erkrankungen zu einem riesigen Geschäftsfeld gemacht und Grenzwerte von Cholesterin manipuliert werden, Alltagsstress pathologisiert und Werbung für Medikamente als neutrale Information getarnt wird. Ein beunruhigendes und brisantes Aufdeckerbuch, das zeigt, was alles getan wird, um mehr Medikamente zu verkaufen - für die Gewinnmaximierung der Pharmaindustrie, und zum Schaden von uns allen.
  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
Piper ebooks in Piper Verlag
  • 0,84 MB
978-3-492-96929-1 (9783492969291)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Mikkel Borch-Jacobsen drehte einen Dokumentarfilm über das von der Pharmaindustrie gesteuerte Marketing von Krankheiten. Er lebt als Professor in den USA.

Vorwort
Prolog: Perfekte Verbrechen


Erster Teil

Die Allmacht der Pharmariesen
1 Pharmakonzerne im Dienst der ­Aktionäre

2 Medikamente?: Konsumartikel wie alle anderen

3 Warum sind Medikamente so teuer??
4 Es gibt keine Nebenwirkungen


Zweiter Teil
Pharmazeutisches Marketing?: Jedes Mittel ist recht
5 Für treue Kunden sorgen?: Die Abhängigkeit von Arzneimitteln
6 Medikamente auf Abwegen?: Verschreibung »?außerhalb der ­Zulassung?«
7 Der Risperdal-Prozess?: Von der ­Schwierigkeit, die Vermarktung ­außerhalb der Zulassung zu verhindern (Kalman Applbaum)
8 Krankheiten schaffen
9 Marketing für medizinische Informa­tionen?: Die Einflussnahme auf das Inter­net und Patientenorganisationen (Antoine Vial)

10 Desinformation per Internet?: Die »?Wikipedia-Strategie?«

11 Die Ausbeutung unserer Ängste?: Der Mythos von der Alzheimer-Krankheit (Peter J. Whitehouse)
12 Die Psychiatrisierung der Wechsel­fälle des Lebens?: Die »?DSM-Pharma-Connection?« (Jerome C. Wakefield)
13 Zahlen manipulieren und Risiken aufbauschen
14 Risiko und Verantwortung in der pharmazeutischen ­Werbung (Jeremy A. Greene)
15 Ein Fall von Datenfälschung?: Cholesterin und die Vorbeugung ­gegen Herzerkrankungen (John Abramson)
16 Falscher Alarm?: Die Schweinegrippe-Pandemie (Wolfgang Wodarg)


Dritter Teil
Was bleibt von der Wissenschaft??
17 Worauf beruht die »?evidenzbasierte Medizin?«??
18 Antidepressiva: Ein Mythos bricht zusammen (Irving Kirsch)
19 Der beste aller Märkte (David Healy)
20 Versuche und Versuchungen?: Ärztliche Versuchs­kaninchen (Hans Weiss)


Epilog?: Die Medizin verschwindet (Iona Heath)


Die Autoren
Anmerkungen
Register

Vorwort


Dieses Buch wendet sich nicht gegen Medikamente. Es wendet sich gegen die Branche, die den Einsatz von Medikamenten zugunsten der eigenen Gewinne manipuliert und dabei das Risiko eingeht, unsere Gesundheit zu gefährden und die Medizin zutiefst zu verändern.

Medikamente sind erstaunliche Substanzen, denen wir seit dem Ende des 19. Jahrhunderts wahre Wunder verdanken. Sie haben unzählige Menschenleben gerettet, und ohne sie wäre die moderne Medizin nicht das, was sie heute ist. Darüber hinaus haben sie unseren Alltag verändert und durchdrungen. Während die Arzneischränkchen unserer Eltern und Großeltern in den 1940er-Jahren noch praktisch leer waren, quellen unsere buchstäblich über vor Entzündungshemmern, Beruhigungsmitteln, Antidepressiva, Antibiotika, Hormonen, Verhütungsmitteln, Blutdrucksenkern, Statinen, Schlafmitteln und Stimulanzien. Mit einer Kaskade neu entdeckter Medikamente und der darauf folgenden außergewöhnlichen Expansion der pharmazeutischen Industrie nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs sind unsere entwickelten Gesellschaften in hohem Maß von Pharmaka und Chemie abhängig geworden - in einem Tempo, das sich immer mehr beschleunigt. Ob reich oder arm, ob alt oder jung - wir alle schlucken Pillen, Kapseln, Tabletten. Wer über 65 ist, nimmt üblicherweise bis zu sieben Stück am Tag ein.1

Nun sind Medikamente auch gefährliche Substanzen, mit denen man vorsichtig umgehen sollte. Das ist uns durchaus bewusst, denn auf den Beipackzetteln wird es uns ausreichend oft wiederholt: All diese chemischen Substanzen können unerfreuliche Wirkungen nach sich ziehen, uns krank machen oder sogar töten. Doch wir beruhigen uns, indem wir uns sagen, dass es sich dabei um »Nebenwirkungen« handelt - die Wahrscheinlichkeit, dass wir davon betroffen sind, ist nicht höher als die, einen vom Balkon fallenden Blumentopf auf den Kopf zu bekommen. Schließlich werden die Medikamente doch strengen Kontrollen unterworfen, nicht wahr? Werden sie denn nicht in pharmazeutischen Laboren gerade deswegen auf Wirksamkeit und ein ausgewogenes Verhältnis von Nutzen und Risiko getestet, um zu vermeiden, dass wir unnötigen Gefahren ausgesetzt sind? Müssen sie denn nicht den Filter der Gesundheitsbehörden und der unabhängigen Experten passieren, die sie bewerten, ehe die Markteinführung genehmigt wird? Haben wir denn nicht Systeme der Pharmaüberwachung eingerichtet, die uns auch danach vor eventuellen Risiken warnen? Stützt sich unser Arzt denn nicht auf die besten und neuesten wissenschaftlichen Befunde, ehe er uns diese Medikamente verschreibt, wobei er sorgfältig mit einbezieht, ob sie auf unseren individuellen Fall abgestimmt sind? Und liefern nicht zu allem Überfluss auch noch das Internet und Patientenvereinigungen alle Informationen, die wir benötigen, um uns selbst eine Vorstellung von ihrer Gültigkeit zu verschaffen?

Natürlich, es gibt diese Skandale, von denen Frankreich vor Kurzem erschüttert wurde: die Mediator-Affäre (um ein in Deutschland nie zugelassenes, auch als Appetitzügler verwendetes Diabetesmittel mit dem Arzneistoff Benfluorex), die der Empfängnisverhütungspillen der dritten und vierten Generation, die des Aknemittels Diane®-35. Es gab Tote, und das ist nicht hinnehmbar. Doch es handelt sich eben um Skandale, um Ausnahmeerscheinungen, die von der Allgemeinheit missbilligt werden. Beweist nicht die Tatsache, dass diese rücksichtslosen Industriellen und ihre Komplizen in Behörden angezeigt und einige der Justiz überstellt wurden, dass das System funktioniert und wir ausreichend vor den Verfehlungen moralisch anrüchiger Pharmaunternehmen geschützt sind?

Falsch. Keine dieser Überzeugungen ist begründet, wie die wiederholten Skandale zeigen, von denen die Pharma-Welt seit gut 20 Jahren erschüttert wird und in die so gut wie alle großen Pharmaunternehmen weltweit verwickelt sind. Noch im November 2013 hat das amerikanische Justizministerium mitgeteilt, dass das Unternehmen Johnson & Johnson eine Geldstrafe von 2,2 Milliarden Dollar bezahlen müsse, weil es sein Neuroleptikum Risperdal® in unzulässiger Weise für Kinder und Betagte oder Behinderte angepriesen und damit eine schwere Schädigung ihrer Gesundheit riskiert habe. Kurz zuvor war herausgekommen, dass die Repräsentanten des Pharmakonzerns GlaxoSmithKline (GSK) in China etwa 500 Millionen Dollar an Bestechungsgeldern an Ärzte verteilt hatten, damit diese die Medikamente der Firma verschrieben (manche Pharmavertreterinnen boten den Ärzten überdies sogar sexuelles Entgegenkommen an). 2012 ist genau dieses Unternehmen GSK in den USA zu einer Rekordstrafe von 3 Milliarden Dollar verurteilt worden, weil es die Risiken seines Antidiabetikums Avandia® für Herzerkrankungen verschleiert und seine Antidepressiva Paxil® und Wellbutrin® falsch angepriesen hatte. In der Zwischenzeit erwarten die Leiter des Pharmaunternehmens Servier, wegen fahrlässiger Tötung und schweren Betruges im Mediator-Skandal verurteilt zu werden - der Appetitzügler hat in Frankreich zwischen 1300 und 2000 Todesopfer gefordert.

Man könnte das noch lange fortsetzen, denn die Liste der jüngsten Entgleisungen der Pharmaindustrie ist endlos und erschreckend. Nun enthalten diese Skandale ausnahmslos die gleichen Zutaten: eine zynische Vermarktung gefährlicher Substanzen, manipulierte oder unter Verschluss gehaltene klinische Studien, in viele und unterschiedliche Interessenkonflikte verwickelte Experten, gefällige oder passive Gesundheitsbehörden, merkwürdig reaktionsträge Systeme der Pharmaüberwachung, schlecht informierte oder ins Boot geholte Ärzte, Patientenorganisationen unter Einfluss der Pharmabranche, mittels Werbeanzeigen gekaufte medizinische Fachzeitschriften und Medien, Politiker, die auf den Schutz eines strategisch wichtigen Industriesektors bedacht sind. Man kann also nicht mehr sagen, dass es sich um vereinzelte Fälle von Korruption handle, um ein paar »Bösewichte«, die man einfach nur ins Gefängnis stecken müsse. So sehr, wie diese Praktiken zur Normalität und zur Routine geworden sind, kann man nicht einmal mehr von Skandalen oder Entgleisungen sprechen - bei den Pharmariesen ist das »Business as usual«. Im Übrigen landen am Ende nur wenige Akteure des Pharmasektors im Gefängnis. Marketingleute, Experten, Wissenschaftler, Ärzte, Politiker - sie alle machen nur ihre Arbeit; die Mehrheit handelt sogar in guter Absicht und guten Glaubens. Was die Skandale gerade wegen ihrer Wiederholung enthüllen, ist einfach die Banalität des pharmazeutischen Bösen, sein systemischer, industrieller Charakter.

Es ist was faul im Reich der Medizin, um es frei nach Hamlet zu sagen. Wir alle spüren das irgendwie, scheuen uns aber, es uns einzugestehen. Wir möchten weiterhin glauben, dass die Medizin »evidenzbasiert« ist, wie man uns ständig wiederholt, dass unsere Ärzte wachsam und gut informiert sind, dass die Gesundheitsbehörden nicht länger zulassen werden, dass man uns nutzlose und gefährliche Medikamente verkauft. Wir möchten weiterhin an die Medizin glauben, denn seit der therapeutischen Revolution vom Ende des 19. Jahrhunderts hat sie alle unsere Hoffnungen auf ein langes und schmerzfreies Leben getragen. Doch diese Medizin gibt es nicht mehr. Wie in diesem Buch zu lesen sein wird, werden die »Beweise«, auf die man sich stützt, um uns Medikamente zu verschreiben, fortwährend manipuliert. Die Forschungslabore verschweigen die Risiken. Die Ärzte erhalten ihre Weiterbildung und ihre Informationen von der pharmazeutischen Industrie. Die Gesundheitsbehörden lassen ungeniert vollkommen wirkungslose Medikamente zu, während sie gleichzeitig mit der Betonung des Geschäftsgeheimnisses auch die von den Unternehmen bereitgestellten Daten mit negativen Resultaten schützen. Auf allen Ebenen hat der Profit der Wirtschaft Vorrang vor den Interessen der Patienten.

Das Problem ist also erheblich gewichtiger und reicht tiefer als das der Medikamente, bei denen eine schwarze Liste genügen würde. Das gesamte Gesundheitssystem gehört auf den Prüfstand: die Forschung und deren Finanzierung, das System der Patentrechte, die den Pharmafirmen gewährt werden, die Bewertung der Medikamente hinsichtlich ihrer Wirksamkeit und ihrer Risiken, die Methodik der klinischen Studien, die Ausbildung der Ärzte, die Rolle der Experten bei den Gesundheitsbehörden, die Art und Weise, in der die Krankheiten definiert werden, und noch vieles andere mehr.

Das ist eine gewaltige globale und unendlich komplexe Baustelle, und nicht zuletzt deshalb umfasst dieses Buch mehr als 450 Seiten. Einer der Gründe, aus denen wir Patienten und Bürger angesichts der durch die Pharmaindustrie auf Abwege geratenen Medizin so hilflos sind, ist genau diese Komplexität, und normalerweise überlassen wir es den Fachleuten, sich darin zurechtzufinden. Doch diese Experten sind Teil des Problems, und wir können uns nicht mehr darauf verlassen, dass sie uns die Lösung liefern. Es liegt an uns, das anzugehen. Und weil die erste Etappe bei der Lösung eines Problems darin besteht, es vorher gründlich zu verstehen, legt dieses Buch eine Bestandsaufnahme der Medizin und der Gesundheitssysteme im Zeitalter der Pharmariesen vor - in möglichst einfachen (aber nicht vereinfachenden) Formulierungen. Es handelt sich um ein Buch, das sich an alle richtet, damit auch wir zu Experten werden und die Entscheidungen diskutieren können, die man gewöhnlich im Namen der Wissenschaft und des öffentlichen Gesundheitswesens an unserer Stelle trifft.

Dabei werden uns elf Experten helfen. Doch...

»Ein sehr informatives, verständliches Buch, das zur Empörung aufruft.«, WDR5 Leonardo, 15.05.2015

Dateiformat: EPUB
Kopierschutz: Wasserzeichen-DRM (Digital Rights Management)

Systemvoraussetzungen:

Computer (Windows; MacOS X; Linux): Verwenden Sie eine Lese-Software, die das Dateiformat EPUB verarbeiten kann: z.B. Adobe Digital Editions oder FBReader - beide kostenlos (siehe E-Book Hilfe).

Tablet/Smartphone (Android; iOS): Installieren Sie bereits vor dem Download die kostenlose App Adobe Digital Editions (siehe E-Book Hilfe).

E-Book-Reader: Bookeen, Kobo, Pocketbook, Sony, Tolino u.v.a.m. (nicht Kindle)

Das Dateiformat EPUB ist sehr gut für Romane und Sachbücher geeignet - also für "fließenden" Text ohne komplexes Layout. Bei E-Readern oder Smartphones passt sich der Zeilen- und Seitenumbruch automatisch den kleinen Displays an. Mit Wasserzeichen-DRM wird hier ein "weicher" Kopierschutz verwendet. Daher ist technisch zwar alles möglich - sogar eine unzulässige Weitergabe. Aber an sichtbaren und unsichtbaren Stellen wird der Käufer des E-Books als Wasserzeichen hinterlegt, sodass im Falle eines Missbrauchs die Spur zurückverfolgt werden kann.

Weitere Informationen finden Sie in unserer E-Book Hilfe.


Download (sofort verfügbar)

10,99 €
inkl. 19% MwSt.
Download / Einzel-Lizenz
ePUB mit Wasserzeichen-DRM
siehe Systemvoraussetzungen
E-Book bestellen