Nimm das Ding da weg!

Ein Fall für Mortdecai, den Teilzeitgauner
 
 
Piper (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 11. Mai 2015
  • |
  • 208 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-492-97187-4 (ISBN)
 
Heiter ist die Kunst, doch ernst das Leben. Kunsthändler Charlie Mortdecai, unterwegs auf Amerikas Highways in einem Rolls-Royce mit englischem Kennzeichen, bekommt die Wahrheit dieses Spruchs zu spüren. Denn mit an Bord ist ein gestohlener Goya, den Charlie (zunächst) ebenso teuer verkaufen möchte wie (später) sein Leben ...
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  • 3,06 MB
978-3-492-97187-4 (9783492971874)
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Kyril Emanuel George Bonfiglioli wurde 1928 in Eastbourne als Sohn eines italienisch-slowenischen Antiquars und einer englischen Mutter geboren. Nach seinem Militärdienst studierte er Englisch am Balliol College in Oxford. Er war - wie seine Hauptfigur Charlie Mortdecai - Kunsthändler, Herausgeber eines Science-Fiction-Magazins und Autor. Kyril Bonfiglioli war dreimal verheiratet und hatte insgesamt fünf Kinder. Er lebte in Lancashire, in Irland und auf Jersey, wo er 1985 an Leberzirrhose starb.

2

Ich bin der Mann, den Ihr hier seht, jawohl -

Ein Tier? Gut denn, und Tiere leben tierisch!

Gesteh ich nur gleich Schwanz und Klauen ein -

Der ungeschwänzte Mensch steht höher, doch

Ich peitsch' mit meinem Schwänze wie der Low'

Und lass die Affen ihre Stummel bergen.

Bischof Blougrams Apologie

Niemand weckte mich, bis um zehn Uhr an jenem wunderschönen Sommermorgen Jock hereinkam mit meinem Tee und dem Kanarienvogel, der sich wie immer das Herz aus dem Leibe sang. Ich entbot beiden einen guten Morgen. Jock möchte, dass ich den Kanarienvogel begrüße, und es kostet nichts, ihm in so kleinen Dingen gefällig zu sein.

»Ah«, fügte ich hinzu, »der gute alte Oolong oder Lapsang mit der beruhigenden Wirkung!«

»Häh?«

»Bring mir meinen Spazierstock, meine allergelbsten Schuhe und den alten grünen Homburg«, zitierte ich weiter, »ich gehe in den Park zum ländlichen Tanze.«

»Häh?«

»Ach, lass mal, Jock. Aus mir spricht lediglich Bertram Wooster* [* Bertram (»Bertie«) Wooster und Jeeves sind zwei Romanfiguren von P. G. Wodehouse: der typische Engländer und sein Diener.], der wahre englische Gentleman.«

»In Ordnung, Mr. Charlie.«

Ich denke oft, dass Jock Squash spielen sollte. Er würde eine fabelhafte Wand abgeben.

»Hast du das mit dem MGB erledigt, Jock?«

»Jaa.«

»Gut. Alles in Ordnung?« Das war natürlich eine blöde Frage, und natürlich musste ich dafür zahlen.

»Jaa. Also, das Sie-wissen-schon-was war ein bisschen zu groß und passte nicht unter die Innenverkleidung, und da musste ich am Rand ein bisschen was abschneiden, wissen Sie.«

»Was? Abschneiden? Du hast was? Aber Jock .«

»Alles in Ordnung, Mr. Charlie, war nur Spaß.«

»Na, in Ordnung, Jock. Schöner Spaß. Hat Mr. Spinoza irgendwas gesagt?«

»Jaa, er hat ein schmutziges Wort gesagt.«

»Ja, das sieht ihm ähnlich.«

»Jaa.«

Ich machte mich an den täglichen Schrecken des Aufstehens. Mit gelegentlicher Hilfestellung durch Jock schleppte ich mich vorsichtig von der Dusche zum Rasierapparat, von der Dexedrin zu der unerträglichen Entscheidungsfindung, welche Krawatte ich tragen sollte, und erreichte vierzig Minuten später wohlbehalten den Frühstückstisch mit dem einzigen Frühstück, das diesen Namen verdient - das Eisenbahner-Frühstück, bei dem der Kaffee in der großen Tasse durch Rum wie mit Spitze und Filigran verziert wird. Ich war endlich wach. Mir war nicht übel geworden. Die Welt hatte mich wieder.

»Ich glaube nicht, dass wir überhaupt 'nen grünen Homburg ham, Mr. Charlie.«

»Ist schon in Ordnung, Jock.«

»Ich könnt' die kleine Tochter vom Portier zu Lock rüberschicken, wenn Sie woll'n.«

»Nein, ist schon in Ordnung, Jock.«

»Sie tät's für 'ne halbe Krone.«

»Nein, es ist in Ordnung, Jock.«

»In Ordnung, Mr. Charlie.«

»Du musst in fünf Minuten aus der Wohnung sein, Jock, und du darfst natürlich keine Schießeisen oder sonst was in der Art hier herumliegen lassen. Die Alarmanlage muss eingeschaltet, der Fotoapparat mit Film versehen und funktionsbereit sein - du weißt schon.«

»Jaa, ich weiß.«

»Jaaa«, sagte ich, und verlängerte das Wort - verbaler Snob, der ich bin - um ein Extra-A.

Stellen Sie sich also bitte diesen beleibten Wüstling vor, der mit vollen Segeln und mit vor Abenteuerlust zuckendem Wangenmuskel die Upper Brook Street Richtung St. James Park hinunterrauscht, ansonsten jedoch sehr weltmännisch und gesetzt, bereit, der erstbesten Schlampe einen Strauß Veilchen abzukaufen und ihr dafür einen Goldsovereign hinzuwerfen: Captain Hugh Drummond-Mortdecai, Träger höchster militärischer Auszeichnungen, ein flottes Liedchen pfeifend und die seidene Unterhose zwischen den gut gepuderten Hinterbacken eingeklemmt - gütiger Himmel!

Natürlich waren sie mir von dem Augenblick an, als ich auf die Straße trat, auf den Fersen, das heißt, eigentlich waren sie mir nicht auf den Fersen, denn die Beschattung erfolgte von vorn und war recht hübsch arrangiert; Himmel - die Jungs von der SEG verfügen über ein Jahr Training. Allerdings nahmen sie mich nicht, wie vorausgesagt, gegen Mittag fest. Ich ging am Teich auf und ab (und sagte unverzeihliche Dinge zu meinem Freund, dem Pelikan), aber alles, was sie taten, war, so zu tun, als ob sie das Innere ihrer komischen Hüte inspizierten (die zweifellos mit Funkgeräten vollgestopft waren), und einander mit ihren knotigen roten Händen verstohlene Zeichen zu geben. Ich begann allmählich zu glauben, dass ich Martland überschätzt hatte, und wollte mich gerade in Richtung Reform Club in Marsch setzen, um ein Mittagessen zu mir zu nehmen - das kalte Büffet dort ist das beste der Welt -, als:

Sie mich in die Zange nahmen, von beiden Seiten. Sie waren enorm groß, rechtschaffen, kompetent, tödlich, dumm, skrupellos, ernst, wachsam und voll gemäßigtem Hass auf mich. Einer von ihnen hielt mich am Handgelenk fest.

»Hauen Sie ab«, sagte ich mit zittriger Stimme, »was glauben Sie, wo Sie sind? Im Hyde Park?«

»Mr. Mortdecai?« brummte er kompetent.

»Hören Sie auf, mich kompetent anzubrummen«, protestierte ich. »Wie Sie sehr wohl wissen, bin ich es, ja.«

»Dann muss ich Sie bitten, mit mir zu kommen, Sir.«

Ich starrte den Mann an. Ich hatte nicht gewusst, dass man das immer noch sagt. Ist »sprachlos« vielleicht das Wort, nach dem ich suche?

»Häh?«, sagte ich frei nach Jock.

»Sie müssen mit mir kommen, Sir.« Er funktionierte jetzt gut und begann, sich in seine Rolle hineinzufinden.

»Wohin bringen Sie mich?«

»Wohin möchten Sie denn gern, Sir?«

»Tja, hm . vielleicht nach Hause?«

»Ich fürchte, das geht nicht, Sir. Da wären wir nämlich ohne unsere Ausrüstung.«

»Ausrüstung? Ah ja, ich verstehe. Du lieber Himmel.« Ich zählte meinen Puls, meine Blutkörperchen und ein paar andere lebenswichtige Teile. Ausrüstung. Verdammt - Martland und ich waren zusammen zur Schule gegangen. Sie versuchten offensichtlich, mir Angst einzujagen.

»Sie versuchen offensichtlich, mir Angst einzujagen«, sagte ich.

»Nein, Sir. Noch nicht, Sir.«

Hätten Sie eine wirklich gewitzte Antwort auf so was? Ich auch nicht.

»Na dann. Also ab zu Scotland Yard, nehme ich an?«, sagte ich leichthin und erhoffte mir nichts.

»Nein wirklich, Sir, das geht nicht, wissen Sie. Die sind da verflixt engstirnig. Wir hatten an unser Landkrankenhaus gedacht, raus in Richtung Esher.«

Martland hatte mir in einem leutseligen Augenblick mal vom »Landkrankenhaus« erzählt; danach hatten mich tagelang entsetzliche Träume heimgesucht.

»Nein nein nein nein, nein nein nein«, rief ich jovial, »ich würde nicht im Traum daran denken, euch Burschen so weit rauszuschleppen.«

»Tja dann«, sagte Schlagetot Nr. 2 und äußerte sich damit erstmals, »wie wär's denn mit Ihrem lauschigen Plätzchen auf dem Lande, unten bei Stoke Poges?«

Ich muss zugeben, dass ich an dieser Stelle wohl ein wenig blass geworden bin. Mein Privatleben ist für jedermann ein offenes Buch, aber ich hatte doch geglaubt, dass »Possets« ein Zufluchtsort war, von dem nur ein paar enge Freunde wussten. Es gab dort nichts Gesetzwidriges, aber ich habe selbst das eine oder andere Stück an Ausrüstung, das manch einer für ein wenig frivol halten könnte.

»Häuschen auf dem Lande?«, konterte ich blitzschnell. »HäuschenaufdemLande HäuschenaufdemLande HäuschenaufdemLande?«

»Ja, Sir«, sagte Schlagetot Nr. 2.

»Nett und abgeschieden«, witzelte seine rechte Hand.

Nach ein paar vergeblichen Anläufen regte ich an (jetzt sehr gefasst, verbindlich und cool), dass es am allernettesten wäre, wenn wir den alten Martland anriefen - ein entzückender Bursche, hat mit mir die Schulbank gedrückt. Sie schienen nur zu gern dieser Anregung folgen zu wollen, und als Nächstes quetschten wir uns alle drei in ein zufällig vorbeifahrendes Taxi, und Schlagetot Nr. 2 flüsterte dem Fahrer eine Adresse ins Ohr, als ob ich Martlands Adresse nicht genauso gut wie meine Steuernummer kennen würde.

»Northampton Park, Canonbury?«, sagte ich kichernd, »seit wann nennt der alte Martland es denn Canonbury?«

Sie lächelten mich beide freundlich an. Das war fast so schlimm, als würde Jock höflich lächeln. Meine Körpertemperatur fiel um ganze zwei Grad, das konnte ich fühlen. Natürlich Fahrenheit; ich möchte keineswegs übertreiben.

»Ich meine, das ist ja noch nicht mal Islington«, brabbelte ich, jetzt bereits diminuendo, »schon eher Newington Green, wenn Sie mich fragen. Ich meine, was für ein lächerlicher .«

Ich hatte gerade bemerkt, dass im Inneren des zufällig vorbeigekommenen Taxis einiges von der üblichen Ausstattung wie ein Aushang mit den Fahrpreisen, Reklame oder Türgriffe fehlte. Was es dagegen gab, waren ein Funksprechgerät und eine einzelne, an einer Ringschraube im Boden befestigte Handschelle. Ich verstummte.

Sie schienen nicht der Ansicht zu sein, dass sie die Handschelle brauchen würden; sie saßen einfach da und betrachteten mich nachdenklich,...

»Ein elegant geschriebenes, spannendes Werk voller bizarrer Einfälle (...).«, Schweizer Familie (CH), 17.11.2016

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