Monsieur Pamplemousse und das verschwundene Soufflé

 
 
Bastei Lübbe (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 13. November 2018
  • |
  • 241 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7325-6310-4 (ISBN)
 
Monsieur Pamplemousse ist im Urlaub am Genfer See und kehrt in das exklusive Sterne-Restaurant Les Cinq Parfaits ein. Dort macht er eine erschütternde Entdeckung: Auf der Speisekarte fehlt das Soufflé Surprise - sein Lieblingsgericht! Offenbar ist der Chefkoch spurlos verschwunden - wurde er entführt? Zusammen mit seinem vierbeinigem Begleiter Pommes Frites, einem pensionierten Bluthund aus Polizeibeständen mit einem besonders feinen Gaumen, beginnt der ehemalige Inspektor zu ermitteln ...

Ein kulinarischer Cosy-Krimi für Fans des englischen Humors und der französischen Küche. Jetzt als eBook bei beTHRILLED - mörderisch gute Unterhaltung.

Dieser Krimi ist in einer früheren Ausgabe unter dem Titel "Monsieur Pamplemousse greift ein" erschienen.

"Jede Seite entlockt dem geneigten Leser ein seliges Lächeln, ein verhaltenes Kichern, und manchmal bricht man auch einfach in hemmungsloses Gelächter aus." Strand Magazine
1. Aufl. 2018
  • Deutsch
  • Köln
  • |
  • Deutschland
  • 1,76 MB
978-3-7325-6310-4 (9783732563104)

1. OPERATION SOUFFLÉ


»Verzeihung, Monsieur.«

Monsieur Pamplemousse fuhr zusammen, als plötzlich direkt neben ihm eine Gestalt in Abendkleidung auftauchte. Indem er rasch seine Taschenbuchausgabe der gesammelten Werke von Sir Arthur Conan Doyle in den Falten des schneeweißen Tischtuchs verbarg, das ihm über die Beine hing, fand er die Beherrschung wieder und vollbrachte im Bruchteil einer Sekunde den gedanklichen Sprung vom kargen Mobiliar der Baker Street 221B, London/Großbritannien, in die fraglos weitaus weniger harte Realität seiner üppigen Umgebung im Speisesaal von Les Cinq Parfaits, Haute-Savoie/Frankreich.

Er senkte den Kopf, um die Gegenwart des Kellners zur Kenntnis zu nehmen, aber nicht unbedingt willkommen zu heißen, und wandte dann seine Aufmerksamkeit mit etlichem Widerstreben von den Abenteuern des Sherlock Holmes ab, um sich auf eine crèmefarbene Karte zu konzentrieren, auf der die verschiedenen Genüsse des menu gastronomique verzeichnet waren. Während er die Speisekarte betrachtete, war er sich nur allzu bewusst, dass ein weiteres Augenpaar auf der anderen Seite des großen Panoramafensters zu seiner Rechten jede seiner Bewegungen verfolgte, und er verrückte seinen Stuhl ein Stückchen gegen den Uhrzeigersinn, um dem beharrlichen Blick zu entrinnen.

Fast augenblicklich stürzte, auf ein kaum wahrnehmbares Signal des maître d'hôtel, ein ganzer Schwarm von Unterkellnern zu seinem Tisch, legte das Besteck wieder symmetrisch vor ihm auf, drehte den Teller, so dass das Parfait-Logo wieder gerade stand, schob die Blumen in der Vase ein wenig zurecht und zog dann den dunkelgrünen Samtvorhang ein paar Zentimeter nach links, womit der Ausblick auf einen Teil des Genfer Sees, auf das diesig verhangene Vorgebirge des Massivs dahinter und einen wenig ansehnlichen Zaungast im Vordergrund versperrt war.

So rasch wie die Entourage herbeigeeilt war, trat sie auch wieder diskret in den Hintergrund zurück, doch rascher noch erschien auf der anderen Seite des Fensters wieder die große, feuchte, frisch mit Vaseline eingeriebene Schnauze und stupste energisch gegen einen neuen Abschnitt der Glasscheibe.

Monsieur Pamplemousse seufzte. An diesem Abend war Pommes Frites mehr als nur »ein bisschen schwierig«. Mit Schaudern dachte er daran, wie die Fensterscheibe aussehen würde, wenn erst die Strahlen der Morgensonne hindurchschienen.

»Pardon, Monsieur.« Der maître d'hôtel beugte sich ein wenig vor. »Darf ich Sie auf eine geringfügige Änderung der Speisekarte hinweisen? Das Soufflé Surprise ist aus.«

»Das Soufflé Surprise ist aus?« Langsam wiederholte Monsieur Pamplemousse die Worte, als könne er seinen Ohren nicht recht trauen. »Aber das ist unmöglich.«

Zu behaupten, er habe sich durch die sechs oder sieben vorigen Gänge mühsam und nur mit einem einzigen Ziel im Sinn hindurchgearbeitet, nämlich jene Kreation zu kosten, für die Les Cinq Parfaits weithin berühmt war, wäre gewiss krass untertrieben, ja eine unverzeihliche Beleidigung gewesen. Jeder Gang war die pure Perfektion: nicht nur ein einzelner Höhepunkt, sondern eine ganze Kette großartiger Gipfel; jede Speise war per se der Inbegriff der Vollkommenheit und bot gleichermaßen Befriedigung und lustvoll-quälenden Vorgeschmack auf die Genüsse, die da noch kommen sollten. Würde er seine Mahlzeit an dieser Stelle beenden, so gäbe es kaum Grund zur Beschwerde. Es war ein denkwürdiges dîner gewesen. Dennoch, und um die Gebirgsanalogie noch weiter auf die Spitze zu treiben: es gab eben nur einen Mount Everest. So weit gereist zu sein, ohne den höchsten Gipfel erklommen zu haben, den das Soufflé Surprise nun einmal verkörperte, wäre denn doch eine arge Enttäuschung.

Er war versucht, zu fragen, warum man ihm, wenn es denn aus sei, eine Speisekarte vorlege, auf der in deutlichen Druckbuchstaben zwischen fromage und café die beiden Worte Soufflé und Surprise zu lesen seien. Damit streute man ja obendrein noch Salz in die Wunde.

Er sah sich in dem gut besetzten Restaurant um. »Da wird es heute Abend in Les Cinq Parfaits viele betrübte Gesichter geben.«

»Oui, Monsieur.« Der Ober teilte seinen Kummer sichtlich.

»Was haben Sie also stattdessen?«

Mit einer Miene, die, falls dies möglich war, noch etwas verlegener schien als zuvor, wies der Ober auf einen großen Servierwagen, der gerade in ihre Richtung heranrollte.

»Wir haben eine Reihe von Sorbets nach Art des Hauses. Monsieur könnte ein panaché nehmen - eine ganze Auswahl, wenn es beliebt.«

»Aber ich habe schon ein Sorbet gehabt«, erwiderte Monsieur Pamplemousse leicht verstimmt. »Das war zwischen dem omble und den quenelles de veau.«

Und es war auch ganz ausgezeichnet gewesen - ein granité au vin de Saint-Émilion, hergestellt mit etwas weit Besserem als dem vin ordinaire, wenn ihn sein Urteil nicht trog, mit einem Grand Cru Classé, außerdem hatte man Orange und Zitrone hinzugefügt, und die Garnitur des Desserts war ein frischer, heller, mit Minzeblättern aromatisierter Pfirsich gewesen. Ein Gaumentupfer ersten Ranges. Auf dem Notizblock, den er in einer Falte des rechten Hosenbeins verborgen hielt, hatte er ihm die volle Punktezahl verliehen.

»Vielleicht fruits de saison? Wir haben wilde framboises ... die Mädchen aus dem Dorf haben sie eben erst bei Sonnenuntergang am Berghang gepflückt. Sie sind von ihren Schürzen noch ganz warm ...«

»Fruits de saison?« Ohne die Stimme zu heben, gelang es Monsieur Pamplemousse, genau die richtige Portion von Verachtung darin anklingen zu lassen.

»Vielleicht eine crème caramel, Monsieur?« In die Stimme des Obers legte sich bereits ein erster Anflug von Verzweiflung. »Aus den Eiern unserer eigenen Hühner, die seit dem Tag ihrer Geburt mit nichts anderem gefüttert werden als nur dem ...«

»Eine crème caramel?« Als Monsieur Pamplemousse bewusst wurde, dass er sich langsam anhörte wie ein alternder Schauspieler, der jeden Satz der Komik halber zunächst einmal nachäffte, versuchte er es auf einem anderen Weg. »Haben Sie denn nichts mit dem Wort pâtisserie dabei?«

Schon als er die Frage stellte, kannte er die Antwort. So erklärte sich auch das Fehlen vieler der sonst üblichen Leckerbissen im Verlaufe dieser Mahlzeit. Ein Mangel, den er zuvor allerdings mit einer gewissen Erleichterung registriert hatte, da er sich bei jeder Schlacht, in der sein Geist gegen das Stoffliche antrat, vor deren Ausgang fürchtete.

Der Ober beugte sich über den Tisch, um einen imaginären Brotkrümel zu entfernen. »Ich bedaure, Monsieur, aber die pâtisserie ist heute Abend nicht von der Qualität, die wir von Les Cinq Parfaits unseren Gästen zu servieren uns in der Lage sehen.« Er senkte die Stimme noch etwas mehr. »Was das Soufflé Surprise angeht ... pfff!« Ein leises Pfeifgeräusch, das ein wenig an einen unrühmlich in sich zusammenfallenden Heißluftballon denken ließ, entrang sich seinen Lippen. Einen Moment lang sah es so aus, als wollte er noch etwas hinzufügen, doch er entschied sich dagegen, wohl weil ihm klar geworden war, dass er ohnehin schon zuviel gesagt und seine Vertrauensstellung missbraucht haben könnte.

Monsieur Pamplemousse beschloss, nicht weiter in ihn zu dringen. Er bestellte die framboises und machte es sich bequem, um die Angelegenheit zu durchdenken. Ganz offenkundig stand es nicht zum Besten in den Küchenräumen von Les Cinq Parfaits, und wenn es dort nicht zum Besten stand, dann brachte ihn dies in ein Dilemma.

Eigentlich war er ja nur in halboffizieller Funktion hier, es war eine Art Belohnung seitens seiner Chefs, der Verleger von Le Guide. Der Aufenthalt war nach dem erfolgreichen Abschluss eines Auftrags im Loire-Tal von seinem dankbaren Direktor für ihn arrangiert worden. Trotzdem verstand sich der Besuch von Les Cinq Parfaits selbstverständlich inklusive seiner Beurteilung des Restaurants; man wünschte zudem seine Meinung in einer Sache zu hören, die bereits seit einiger Zeit die Überlegungen seiner Vorgesetzten in Anspruch nahm. Für ihn war die Arbeit nicht mehr weit, wenn Essen auf dem Tisch stand.

Ebenso wie Le Guide den Ruf des Doyens der französischen Gastronomieführer hatte, so galt gemeinhin Les Cinq Parfaits auch als das beste der besten Restaurants in Frankreich, was in den Augen der meisten Menschen gleichbedeutend war mit: das beste der Welt.

Wie ein Juwel lag es in den Hügeln östlich von Évian und bot eine wunderschöne Aussicht über den See; an den Wänden hingen Fotografien von den Großen und Bedeutenden, den Reichen und Berühmten der Welt, die alle ihre Pilgerfahrt zu seinen allzeit geöffneten Türen unternommen hatten. Präsidenten...

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