Monsieur Pamplemousse und das Geheimnis des Zeppelins

 
 
beTHRILLED (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 21. Dezember 2018
  • |
  • 227 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7325-6312-8 (ISBN)
 

Monsieur Pampelmousse macht sich zusammen mit seinem Hund Pommes Frites auf den Weg in die Bretagne. Dort soll er den Jungfernflug eines luxuriös ausgestatteten Luftschiffes begleiten, bei dem auch eine Menge wichtiger Politiker mitfliegen. Doch schon bald nach seiner Ankunft überschlagen sich die Ereignisse: Ein international gesuchter Terrorist droht den Zeppelin in die Luft zu sprengen. Aber mit Hilfe von Pommes Frites feiner Nase kommt Pamplemousse dem Bösewicht auf die Spur ...

Eine kulinarische Cosy-Krimi-Reihe für Fans des englischen Humors und der französischen Küche. Jetzt als eBook bei beTHRILLED - mörderisch gute Unterhaltung.

Dieser Krimi ist in einer früheren Ausgabe unter dem Titel "Monsieur Pamplemousse hebt ab" erschienen.

"Monsieur Pamplemousse und sein treuer Hund Pommes Frites sind wirklich komische und ganz bezaubernde Erfindungen." The Guardian



1. Aufl. 2018
  • Deutsch
  • Deutschland
  • 1,07 MB
978-3-7325-6312-8 (9783732563128)

2. NONNEN ÜBER NONNEN


Monsieur Pamplemousse richtete seine Leica auf die Breitseite des 2CV, oder vielmehr auf das bisschen, was davon aus dem Straßengraben herausragte, und betätigte mehrmals den Auslöser. Dabei stellte er, nicht zum ersten Mal in seinem Leben, Betrachtungen über die Unabänderlichkeit des Schicksals an. Mitunter kam man, immer nach einer Reihe von scheinbar nicht miteinander verknüpften Ereignissen, zu einer ganz bestimmten Zeit an einem ganz bestimmten Ort, keine Sekunde zu früh und keine Sekunde zu spät, in - manchmal mehr, manchmal weniger erfreuliche - Situationen, die alle Merkmale der Vorbestimmung in sich trugen.

Seine momentane Lage gehörte eindeutig zu den weniger erfreulichen. Falls das Schicksal tatsächlich seine Hand im Spiel haben sollte, dann meinte es jemand, jemand sehr hoch oben, nicht gut mit ihm. Seine Sterne standen eindeutig nicht eben günstig.

Er zitterte ein wenig, teils wegen des erst jetzt einsetzenden Schocks und teils wegen des kalten Windes, der vom Meer herüberwehte. Er leckte sich die Lippen. Sie schmeckten nach Salz. Als er aufblickte, bemerkte er, dass der Wind auch etliche mächtige Regenwolken herantrieb, und er konnte nur hoffen, dass es sich nur um einen kurzen Wolkenbruch handeln würde. Der Himmel im Westen sah immer noch relativ freundlich aus, und der Wetterbericht war eigentlich recht gut gewesen, aber selbst ein kurzer Schauer wäre in seiner gegenwärtigen Situation äußerst unerfreulich. Unterstellen konnte er sich nirgends, wenn man von der Möglichkeit absah, dass er ins Auto zurückkroch - was wegen der Schieflage gar nicht so einfach wäre. Wenigstens Pommes Frites war versorgt. Er hatte seine aufblasbare Hütte, doch darin war nicht genug Platz für zwei.

Wäre er nur nicht einer momentanen Eingebung gefolgt und bei Guérande auf die D99 abgebogen. Es war nicht einmal eine Abkürzung, sondern eine Route, die er eher aus Nostalgie denn aus Entdeckerlust eingeschlagen hatte, eine Tour der schönen Erinnerungen. Wenn er auf der Hauptstraße geblieben wäre, hätte er Port Saint-Augustin längst erreicht und würde bereits Proben der Cuisine Régionale Naturelle verkosten.

Und das Mittagessen lag schon lange zurück.

Nicht dass er diese Mahlzeit bereute, doch sie hatte sich wesentlich länger hingezogen als beabsichtigt. In seinem Fach in der Zentrale hatte Monsieur Pamplemousse nämlich eine Nachricht seines Kollegen Glandier vorgefunden, in der ihm dieser ein kleines Restaurant am Ufer eines der vielen Loire-Nebenflüsschen empfahl, auf das er zufällig gestoßen war. Da man Glandiers Empfehlungen getrost vertrauen konnte, hatte er den kleinen Umweg in Kauf genommen.

Der Lohn dieser Mühe hatte all seine Erwartungen weit übertroffen. Bei einem Kir aus eiskaltem aligoté, den man ihm an einem kleinen Tisch unter einem schattigen Baum am Fluss servierte, hatte er den Vorbereitungen in der Küche direkt zusehen und dabei auch erste Notizen machen können, die während des Essens immer umfangreicher wurden.

Schon der erste Gang - ein Gurkensalat - war einfach perfekt gewesen. Die Gurke war geschält, halbiert, von den Kernen befreit und in hauchdünne Scheiben geschnitten, die man dann mit Salz bestreut hatte, um ihnen das überschüssige Wasser zu entziehen, so dass sie nach dem Abtupfen weich, aber doch herrlich knackig waren. Essig und Öl in der Marinade waren von erlesener Qualität und mit gerade genug Zucker versetzt, um die natürliche Bitterkeit zu kompensieren. Was das Gericht jedoch weit über das Übliche hinaushob, war die Beigabe von einigen Flusskrebsen.

Dazu ein Korb frisches, knuspriges Brot, und zum Hinunterspülen gab es ein oder zwei Gläser moussierenden Vouvray; er hatte schon gute Lust gehabt, es damit bewenden zu lassen. Es war eine erfrischende Pause auf der langen und ansonsten recht eintönigen Fahrt. Dann jedoch sah er, wie jemand, den er vorher am Flussufer beim Angeln beobachtet hatte, zur Hintertür des Restaurants kam und dort eine Forelle abgab, und er konnte der Versuchung, die Speisekarte doch noch weiter zu erforschen, nicht widerstehen.

Dies war ein weiser Entschluss gewesen.

Die mit Öl bestrichene und in Mehl gewendete truite wurde in brodelnd heißer Butter angebraten - schnell genug, dass sie nicht an der Pfanne anbuk, aber nicht so heiß, dass das Mehl eine Kruste bilden konnte. Goldbraun kam der Fisch auf den Tisch. Die Butter, die man kurz vor dem Servieren goldgelb schäumend über die Forelle gegossen hatte, war mit ein wenig Zitronensaft und frisch blanchierter Petersilie gewürzt worden. Die Röstkartoffeln als Beilage waren vollkommen gewesen.

Als pièce de résistance konnte jedoch zweifellos das Dessert gelten. Als Monsieur Pamplemousse zusah, wie sich an einem Nachbartisch jemand - offenbar ein Stammgast - mit unverkennbarem Appetit über ein Konfitüre-Omelett hermachte und sich dabei dermaßen heftig die Lippen mit der Serviette abtupfte, dass es fast wie eine Kabarettnummer wirkte, gab er der Versuchung nach.

Wie schon zuvor die Forelle kam das omelette genau im rechten Augenblick auf den Tisch. Der über den dampfend heißen Teig gestreute Zucker war mit einem glühenden Spieß zu einem Zickzackmuster karamellisiert, und die confiture im Innern war von einer Qualität, die ahnen ließ, dass sie noch nicht einmal das Innere eines Ladens gesehen hatte, geschweige denn das einer Marmeladefabrik. Er schmeckte sie jetzt noch, Stunden später.

Selbst Pommes Frites, normalerweise kein großer Freund von Konfitüre, hatte eine beifällige Miene aufgesetzt, und das war tatsächlich ein Lob. Sein Gesichtsausdruck, als sein Herr ihm einen Löffel voll gegeben hatte, war ganz unmissverständlich gewesen. Da sie aber noch eine lange Fahrt vor sich hatten, war es eine unverantwortliche Dummheit gewesen, sich auch noch eine zweite Portion zu genehmigen. Während des letzten Abschnitts ihrer Fahrt hatte sich bald nach dem Aufbruch eine bleierne Müdigkeit ausgebreitet. Lange bevor sie auch nur die N23 erreicht hatten, drang lautes Schnarchen vom Rücksitz des 2CV.

Während er so dahinfuhr, hatte Monsieur Pamplemousse diversen Gedanken über seine Arbeit nachgehangen, und dies hatte seine Reaktionen noch mehr verlangsamt. Tief in seinem Innern brodelte der übliche Konflikt, in den er immer wieder von neuem geriet, wenn er ein gutes Restaurant entdeckt hatte: ein Widerstreit zwischen dem Wunsch, seine Freude mit anderen zu teilen, und dem egoistischen Impuls, das Geheimnis für sich zu behalten. Er war sicher, dass Glandier ebenso empfand. Oft kam mit der Entdeckung und einer Nennung in Le Guide der Erfolg, doch der Erfolg brachte dann andere Zwänge und nur allzu häufig auch negative Veränderungen mit sich. Es wäre traurig, bei einem späteren Besuch feststellen zu müssen, dass sich die lauschige Wiese neben dem Hotel in einen nach Auspuffgasen stinkenden Parkplatz verwandelt hatte, die Ruhe und der Frieden dieses wunderschönen Provinznestes durch aufheulende Motoren und knallende Autotüren gestört würden. Aber man konnte eben nicht beides haben.

Mit einem Seufzer betrachtete er seinen 2CV. Auch in diesem Fall hatte er nicht beides haben können. Normalerweise war er stolz auf seine Fahrkünste und sein Reaktionsvermögen, doch diese Talente hatte das viele Essen stark gedämpft; das viele Essen und, wie er sich eingestehen musste, vielleicht auch ein Glas Wein zu viel.

Andererseits: Wer hätte denn auch in einer Gegend wie dem Marais Salant - einem ausgedehnten, eintönigen Mosaik aus grauen Salzwiesen, flach wie ein Pfannkuchen, so weit das Auge reichte - damit rechnen können, einem Auto zu begegnen, das auf der falschen Straßenseite fuhr? Monsieur Pamplemousse war zutiefst verärgert. Denn dieses Auto war keineswegs von einem idiotischen englischen Touristen gelenkt worden, der die Landschaft bewunderte - das wäre ja noch eine gewisse Entschuldigung gewesen. Nein, in dem Auto hatten lauter Nonnen gesessen. Nonnen, denen die wichtigsten Grundsätze ihrer Berufung so weit abhandengekommen waren, dass sie nicht einmal kurz angehalten hatten, um nachzusehen, ob ihm auch nichts passiert war. Ebenso gut hätte er ja auch der Letzten Ölung bedürfen können. Dass sie bemerkt haben mussten, wie er in den Graben fuhr, war völlig sicher; im letzten Moment hatte er noch gesehen, wie sich im Rückfenster des Wagens zwei weiße Gesichter nach ihm umdrehten, ehe dieser in einer Staubwolke verschwand.

Er fragte sich, was nur mit der Welt los war. Einige wohlformulierte Worte ins Ohr der Äbtissin wären wohl angebracht gewesen, doch er war von dem ganzen Vorfall derart überrumpelt, dass er nicht auf das Kennzeichen des Wagens - eines alten Peugeot 404 - geachtet hatte. Bei seiner Erfahrung und Ausbildung war das unverzeihlich. Er wurde wohl langsam alt.

Wirklich wütend an der ganzen Sache machte ihn, dass er das Auto schon von weitem auf sich hatte zukommen sehen: Anfangs war es ein winziger Punkt am Horizont gewesen, der langsam an Größe zugenommen und in der Kurve schon geradezu riesig gewirkt hatte, aber weiterhin mit unverminderter...

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