Dead End - Lacey Flint 2

Thriller
 
 
Manhattan (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 13. Mai 2013
  • |
  • 448 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-09231-3 (ISBN)
 
Du kannst ihn nicht sehen. Du kannst ihn nicht hören. Aber er beobachtet dich - und er kennt deine schlimmsten Ängste .

Zwanzig Selbstmorde in fünf Jahren. Meist sind es junge Frauen, die sich auf höchst ungewöhnliche Art das Leben nehmen. Zuletzt versuchte die 19-jährige Bryony Carter sich zu verbrennen. Nicht nur die Polizei vermutet, dass irgendetwas an der ehrwürdigen Universität Cambridge nicht mit rechten Dingen zugeht. Auch die Psychiaterin Evi Oliver ist besorgt. Nun soll sich DC Lacey Flint im Auftrag von DI Mark Joesbury als verletzlich-depressive Studentin ausgeben und den Lockvogel spielen. Doch je tiefer sie mit Evi Olivers Unterstützung in die Selbstmordserie eintaucht, desto bedrohlicher wird die Situation für beide Frauen. Als Lacey schließlich unter denselben Albträumen leidet, von denen die jungen Frauen in den Tod getrieben wurden, weiß sie: Sie ist die Nächste.

  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
  • 1,55 MB
978-3-641-09231-3 (9783641092313)
weitere Ausgaben werden ermittelt

18

Montag, 14. Januar (vor acht Tagen)

»Und das hier ist der Second Court, Miss Farrow«, verkündete der Pedell.

»Der ist ja schön«, staunte ich, weil ich wusste, dass irgendetwas von mir erwartet wurde. Was ich wirklich sagen wollte, war, dass der Innenhof überwältigend war.

Ich fand ganz Cambridge überwältigend, die ganze Stadt. Die Pracht der alten Gebäude, die geheimen Gärten und die Plaketten mit den berühmten Namen an den Mauern. Die Jungen auf den Fahrrädern mit ihren achtlos um den Hals geschlungenen Collegeschals und die Mädchen mit den runden Gesichtern und der reinen Haut, den langen Gliedmaßen und klugen Augen. Alles kündete von einer Welt, die ich niemals wirklich verstehen würde, zu der zu gehören für mich nicht einmal denkbar war. Und den hellblau-rot-marineblau gestreiften Collegeschal trug ich um den Hals, als hätte ich ihn gestohlen.

Vor wenigen Minuten hatte ich mich am Haupttor des Colleges gemeldet, in dem ich studieren sollte: St. John’s. Es war eines der ältesten und prestigeträchtigsten der Universität. Der diensthabende Pedell, ein Mann mittleren Alters mit sauber gekämmtem Haar und makelloser Uniform, der sich als George vorstellte, hatte mich erwartet.

»Die meisten Studenten müssen diesen langen Marsch nicht machen«, erklärte er, als wir durch etwas hindurchschritten, was aussah wie das Torhaus eines Schlosses, in Wirklichkeit jedoch einfach nur ein Durchgang von einem Court in den nächsten war. »Zu Semesterbeginn organisieren wir immer eine Art Gepäckdienst, aber jetzt war es leichter, Ihnen einfach beim Tragen zu helfen.«

Ich warf einen raschen Blick nach hinten und lächelte einem jüngeren Mann zu, der zwei meiner Taschen schleppte. Eine davon war voller Bücher und ganz schön schwer. Die andere enthielt meine neue Studentengarderobe. Ich trug die Tasche mit meinem brandneuen Scotland-Yard-Laptop, meinen persönlichen Habseligkeiten und Büromaterial. George hatte darauf bestanden, meine Sporttasche zu nehmen.

»Hier gibt’s aber eine Menge Pedelle«, stellte ich fest, als ein weiterer Mann in ebenso schmucker Uniform wie George an uns vorbeiging und ihn mit Namen grüßte.

»Sind ja auch viele Studenten«, gab George zurück. »Wir sind eines der größten Colleges der Universität.«

Das wusste ich bereits. Gestern Abend war Dana Tulloch ziemlich spät in Scotland Yard aufgekreuzt. Nachdem sie Joesbury böse angefunkelt hatte, hatte sie versucht, mir das Verhältnis zwischen der Universität und den Colleges zu erklären.

»Die Universität ist wie ein Schirm«, hatte sie gesagt. »Sie kümmert sich um die Lehre, hauptsächlich in Form von Vorlesungen, nimmt die Prüfungen ab und verleiht die Diplome. Außerdem stellt sie andere gemeinschaftliche Einrichtungen wie Sportplätze, die Hauptbibliothek und so weiter.«

Ich hatte genickt. So weit, so gut.

»Die Colleges dagegen sind wie Heime«, hatte Tulloch weiterdoziert. »Es gibt einunddreißig. Jedes hat eine Kapelle für die spirituellen Bedürfnisse und einen Speisesaal für die leiblichen, Gemeinschaftsräume zum Entspannen, große Zimmer für die Dozenten und die Fellows, und kleine für die Studenten.«

»Dozenten und Fellows«, hatte ich wiederholt und überlegt, ob ich mir Notizen machen sollte.

»Das College stellt jedem Studenten einen Tutor, der fast in loco parentis fungiert«, fuhr Dana fort. »Ihr Tutor beaufsichtigt Ihre Studien, kümmert sich aber auch um Ihr Wohlergehen. Ihr Tutor bei dieser Übung wird meine Freundin Evi sein.«

Ich hatte Evi noch nicht kennengelernt. »Arbeiten Sie schon lange hier?«, fragte ich George.

»Rechts ist die Bibliothek«, verkündete er, als wir irgendwelche Gebäude an der Westseite des Hofes betraten. Wir gingen hindurch und kamen bei einer überdachten Steinbrücke wieder heraus. Unter uns war der Fluss. »Ich bin hier der neueste Mitarbeiter«, meinte er dann. »Ich springe nur für einen von den dienstälteren Pedellen ein, der sich krankgemeldet hat. Und jetzt sind wir im New Court, 1831 im gotischen Stil fertiggestellt.«

Bis zu diesem Moment hätte ich nicht sagen können, was gotisch bedeutete, doch als ich mich auf dem New Court umsah, wurde mir klar, dass gotisch bombastisch bedeutete. Türmchen wie aus dem Märchen, kunstvolle Verzierungen, die eher zu einer Hochzeitstorte zu passen schienen als zu einem steinernen Gemäuer. Wir kamen durch einen weiteren Durchgang und sahen uns sehr viel neueren Gebäuden gegenüber.

»Hier wohnen die meisten Studenten«, sagte George, als wir auf ein Vordach am Eingang des neuen Heims zusteuerten. »Wie sagen wir immer, Tom?« Er wandte sich an den Mann, der uns mit meinen Taschen folgte.

»Lasst sie hinten anfangen«, antwortete Tom, ein Mann Mitte dreißig mit dunklem Haar und freundlichen braunen Augen. »Dann im zweiten Jahr weiter nach vorn, und dann fürs letzte Jahr in den Final Court. Dann sind sie direkt vor der Haustür, und man kann sie leichter rausschmeißen.«

Ich bedachte die beiden mit dem Lächeln, von dem ich wusste, dass es von mir erwartet wurde.

Wir betraten den Neubau, stiegen eine Treppe hinauf und gingen einen Flur entlang, der mich an ein Krankenhaus erinnerte oder an eine große Polizeiwache. Als wir fast am Ende angekommen waren, schloss George eine Tür auf und trat zurück, um mich zuerst eintreten zu lassen.

»Ihr Schlüssel ist hier«, sagte er und legte ihn auf einen Schreibtisch an der einen Wand. »Im Pedellzimmer haben wir einen Ersatzschlüssel, und Ihre Mitbewohnerin hat auch einen. Nettes Mädchen, allerdings kriegen wir sie nicht oft zu sehen. Also, kein Lärm zwischen elf Uhr abends und sieben Uhr früh, Partys müssen von einem Tutor genehmigt werden, und Ihr Zimmerputzdienst wird uns alles Unerwünschte melden.«

Das Zimmer war vielleicht vier mal vier Meter groß. Zwei Schreibtische zogen sich an den gegenüberliegenden Wänden entlang. Es gab zwei Sessel, zwei Schreibtischstühle, zwei an den Wänden befestigte Bücherregale. Zwei Türen führten von dem Raum weg. Eine davon stand offen, und dahinter konnte ich ein kleines Schlafzimmer sehen.

George hatte mitbekommen, wie ich mich umblickte. »Am Anfang findet jeder das komisch«, sagte er, »aber Sie werden sich bald daran gewöhnen. Sie haben eine Stunde Zeit bis zum Abendessen.«

Ich blinzelte heftig. Ich hatte Tränen in den Augen gehabt, und George hatte sie gesehen.

»Schön, Sie hier in St. John’s zu haben, Miss Farrow«, sagte er. »Sie wissen ja, wo wir sind, wenn Sie uns brauchen.«

Ich lauschte, während ihre Schritte den Flur hinunter verhallten, und kam mir angesichts ihrer Freundlichkeit erst recht wie eine Hochstaplerin vor.

»Gewöhn dich lieber dran«, sagte ich mir und machte mich ans Auspacken.

Eine Stunde später wusste ich, dass ich mich nie daran gewöhnen würde. Ich war in einer Blase aus Lärm gefangen, aus selbstsicheren Stimmen und dem unaufhörlichen Klirren von Besteck. Blasse Gesichter über schwarzen Roben. Kerzen und Blumenarrangements umgaben mich, die Kristallkelche auf dem gestärkten Leinen erinnerten an Regenbögen. Und das alles in einem jahrhundertealten Speisesaal, in dem Wordsworth und Wilberforce keine historischen Figuren waren, sondern ehemalige Studenten.

»Ich glaube, die Blumen da sollten eigentlich fast die ganze Woche halten«, bemerkte der rothaarige Junge mit dem schmalen Gesicht, der mir gegenübersaß. Ich blickte auf die Blütenblätter hinab, die ich, ohne es zu merken, einer gelben Blume ausgerupft hatte, und schaute dann wieder den Jungen an, der mit achtzehn Lebensjahren und der Sorte selbstsicherer Gelassenheit aufwarten konnte, die ich nie haben würde.

»Die Lady ist zum ersten Mal in der Hall, also sei nicht so streng mit ihr«, sagte der Physikstudent im dritten Semester zu meiner Rechten. Er hatte sich vorhin meiner erbarmt, als ich in dem gewölbten Türrahmen aus bemaltem Stein gestanden hatte und mir in meinem geliehenen Talar wie ein Statist in einem Harry-Potter-Film vorgekommen war. Er hatte mich in den Saal gelotst, einen Platz für mich gefunden und sich alle Mühe gegeben, Konversation zu machen. Nach zwanzig Minuten hatte er aufgegeben. Ich war so nervös, dass ich mich überhaupt nicht mehr an meine offizielle Coverstory erinnern konnte, und hatte jede seiner Fragen extrem einsilbig beantwortet. Eigentlich hatte ich Hunger gehabt, doch als ich mich mit einem von Kellnerinnen servierten Drei-Gänge-Menü konfrontiert sah, stellte ich fest, dass ich nichts essen konnte. Ich brauchte etwas zu trinken, traute mich jedoch nicht, den unglaublich zarten Kristallkelch in die Hand zu nehmen. Mir war klar, dass ich mit diesen Leuten Bekanntschaft schließen musste, und mir fiel überhaupt nichts ein, was ich sagen könnte.

Ich vermasselte alles. Jeder, der mich sah, würde wissen, dass ich nicht hierhergehörte. Joesbury hatte einen Riesenfehler gemacht, als er mich hergeschickt hatte, und ich hatte einen noch viel größeren gemacht, als ich zugestimmt hatte. So überfordert, wie ich in dieser Umgebung war, hätte ich ebenso gut auf dem Mars sein können. Dabei war heute Montagabend, Herrgott noch mal. Normalerweise gehe ich montags nach der Arbeit kurz ins Fitnessstudio und schiebe mir zu Hause ein Fertiggericht aus dem Supermarkt in die Mikrowelle.

Als das Kaffeegeschirr endlich abgetragen war und die Leute allmählich den Saal verließen, stand ich auf und schlüpfte rasch durch die Menge. Ich würde ihn anrufen und ihm sagen, dass das ganze Unternehmen keinen Sinn hatte.

»Laura!« Eine Hand...

"gut geschrieben und hebt sich wohltuend ab vom Serienkiller-Einerlei!"
 
»Ist es möglich, jemanden zu Tode zu eschrecken? In diesem Roman sucht Sharon Bolton die Antwort.«
 
»Geradezu hypnotisierend.«
 
"Nervenkitzel, der jeden anderen Thriller alt aussehen lässt"
 
»Mehr als verstörend.«
 
»Überzeugende Figuren, ein atmosphärischer Schauplatz und eine erschreckende Gruppe von Sadisten machen Sharon Boltons neuen Thriller zu einem großartigen, hochspannenden Leseerlebnis.«
 
"Dieses Buch geht mehr unter die Haut als jeder Splatterthriller"
 
"Schlau konstruiert und toll geschrieben"
 
"Gruselig ist der Krimi der Britin Bolton. Und wirklich sehr gut."

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