Die Springflut

Roman
 
 
btb (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 26. August 2013
  • |
  • 592 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-10673-7 (ISBN)
 
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Die berühmtesten Krimi-Drehbuchautoren Schwedens mit ihrem ersten Roman


Eine laue Sommernacht im Jahre 1987. Es ist Vollmond im schwedischen Nordkoster. In der Nacht wird es eine Springflut geben - und einen brutalen Mord. Das Opfer: eine junge, hochschwangere Frau. Ihre Identität: unbekannt. Tom Stilton, der ermittelnde Polizeibeamte, zerbricht an diesem Fall. Er kann weder Motiv noch aussagekräftige Spuren finden. Die Tat bleibt ungesühnt ...

23 Jahre später: Eine Serie von feigen Angriffen auf Obdachlose erschüttert die Hauptstadt Stockholm. Die Ermittlungen verlaufen schleppend. Olivia Rönning, angehende Polizistin im zweiten Jahr ihrer Ausbildung, beobachtet das Geschehen aus der Distanz. Sie ist mit anderen Dingen beschäftigt. Sie soll einen »Cold Case« knacken - den Tod einer jungen Frau an einem Strand vor vielen Jahren klären. Ihr ist klar: Sie muss Tom Stilton finden. Doch der ist wie vom Erdboden verschluckt ...

  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
btb
  • 1,83 MB
978-3-641-10673-7 (9783641106737)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Cilla und Rolf Börjlind gelten als Schwedens wichtigste und bekannteste Drehbuchschreiber für Kino und Fernsehen. Ihrer mittlerweile fünfbändigen Serie um Polizistin Olivia Rönning und Kommissar Tom Stilton wurde sehr erfolgreich für das ZDF verfilmt. Nach "Die Springflut" folgt demnächst die zweite Staffel. Mit "Wundbrand", dem aktuellen Roman der Reihe, standen sie wochenlang auf Platz 1 der SPIEGEL-Bestsellerliste.

Die Decke war heruntergerutscht und ihr nackter Oberschenkel entblößt. Eine warme, raue Zunge leckte sich nach oben. Sie bewegte sich im Schlaf und spürte ein Kitzeln. Als aus dem Lecken ein sanfter Biss in ihren Schenkel wurde, schoss sie hoch und verscheuchte den Kater.

»Nein!«

Mit dem Ausruf war allerdings nicht der Kater, sondern ihr Wecker gemeint. Sie hatte verschlafen, und zwar gründlich. Außerdem war ihr Kaugummi, das sie an den Bettpfosten gepappt hatte, abgegangen und hatte es sich in ihren langen, schwarzen Haaren bequem gemacht. Die Lage war ernst.

Sie sprang aus dem Bett.

Durch die einstündige Verspätung mussten sämtliche morgendlichen Prozeduren unter Zeitdruck absolviert werden. Ihre Fähigkeit, simultan zu handeln, wurde, vor allem in der Küche, auf eine harte Probe gestellt: Die Milch für den Kaffee kochte fast über, gleichzeitig begannen die Toastbrote zu rußen, und ihr nackter rechter Fuß trat in farbloses Erbrochenes, während sie gleichzeitig am Telefon von einem unerträglich aufdringlichen Verkäufer zugetextet wurde, der sie mit ihrem Vornamen ansprach und ihr garantierte, er habe nicht vor, ihr etwas aufzuschwatzen, er wolle sie nur zu einem Kurs in Finanzberatung einladen.

Die Lage war katastrophal.

Als Olivia Rönning aus dem Mietshaus in der Skånegatan eilte, war sie immer noch ziemlich gestresst. Sie war ungeschminkt und hatte ihre langen Haare hastig zu etwas hochgesteckt, was an einen Dutt erinnerte. Ihre dünne Kunstlederjacke stand offen, darunter lugte ein gelbes T-Shirt hervor, das unten etwas ausgefranst war. Ihre verwaschene Jeans endete in einem Paar ausgelatschter Sandalen.

Auch an diesem Tag schien wieder die Sonne.

Sie überlegte kurz, für welchen Weg sie sich entscheiden sollte. Welcher war schneller? Der rechte. Sie hastete im Laufschritt los und warf am Supermarkt einen hastigen Blick auf die Schlagzeilen der Zeitungen: »WIEDER EIN OBDACHLOSER SCHWER MISSHANDELT«.

Olivia lief weiter.

Sie war auf dem Weg zu ihrem Auto, denn sie musste nach Sörentorp in Ulriksdal nördlich der Stadt. Zur Polizeischule. Sie war dreiundzwanzig Jahre alt und im dritten Semester. In sechs Monaten würde sie sich bei einem Revier in Stockholm und Umgebung als Polizeianwärterin bewerben.

Ein halbes Jahr später würde sie dann eine fertig ausgebildete Polizistin sein.

Etwas außer Atem erreichte sie den weißen Mustang und zog die Schlüssel aus der Tasche. Den Wagen hatte sie von ihrem Vater Arne geerbt, der vier Jahre zuvor an Krebs gestorben war. Es war ein Cabriolet. Jahrgang 1988, rote Ledersitze, Automatikgetriebe und glatte vier Zylinder, die wie ein V 8 röhrten. Viele Jahre war der Mustang der Augenstern ihres Vaters gewesen, und jetzt gehörte er ihr. Neuwertig war er nicht gerade, die Heckscheibe musste sie von Zeit zu Zeit mit Klebeband befestigen, und der Lack hatte ein paar Kratzer abbekommen. Aber bei der Hauptuntersuchung lief es fast immer tadellos.

Sie liebte ihr Auto.

Mit ein paar simplen Bewegungen öffnete sie das Verdeck und setzte sich ans Steuer. Dort nahm sie, nur für zwei Sekunden, fast immer das Gleiche wahr: einen Duft. Nicht den der Sitze, sondern den Geruch ihres Vaters, das Coupé roch nach Arne. Zwei Sekunden nur, dann war er verflogen.

Sie steckte die Ohrstöpsel ins Handy, ließ Bon Iver laufen, drehte den Zündschlüssel, schaltete auf Drive und fuhr los.

Bald würden die Sommerferien beginnen.

*

Eine neue Ausgabe von Situation Stockholm, der Stockholmer Obdachlosenzeitung, war gerade frisch erschienen. Nummer 166. Mit Prinzessin Victoria auf dem Cover und Interviews mit den Sahara Hotnights und Jens Lapidus. Die Redaktion in der Krukmakargatan 34 war deshalb voller obdachloser Verkäufer, die sich ihre Exemplare der neuen Ausgabe abholen wollten. Sie durften sie zum halben Preis, also zwanzig Kronen, kaufen und den Rest behalten, wenn sie ihre Exemplare absetzten.

Ein simples Geschäft, das für viele von ihnen dennoch von entscheidender Bedeutung war. Der Erlös aus dem Verkauf der Zeitungen hielt sie über Wasser. Einige gaben den Gewinn für Drogen oder Alkohol aus, andere dafür, Schulden zurückzuzahlen. Die meisten brauchten es schlichtweg, um sich etwas zum Essen zu kaufen.

Und um ihr Selbstwertgefühl zu stärken.

Schließlich war es trotz allem eine Arbeit, für die sie bezahlt wurden. Sie schnorrten nicht, klauten nichts und überfielen auch keine Rentner. Das taten sie nur, wenn es richtig schlecht lief. Zumindest einige von ihnen. Jedenfalls betrachteten die meisten es als eine Frage der Ehre, ihren Job als Verkäufer gut zu machen.

Einen ziemlich harten Job.

An manchen Tagen standen sie zehn oder zwölf Stunden an ihren festen Verkaufsstellen und schafften es mit Mühe und Not, eine einzige Zeitung loszuwerden. Bei schlechtem Wetter und eisiger Kälte. Dann war es nicht besonders spaßig, mit leerem Magen in irgendeinen Müllkeller zu kriechen und zu versuchen einzuschlafen, bevor sich Alpträume in die Gedanken drängten.

An diesem Tag jedoch wurde eine neue Ausgabe verteilt, was für alle Anwesenden normalerweise ein feierlicher Moment war, denn mit etwas Glück konnte man bereits am ersten Tag einen ordentlichen Stapel loswerden. Diesmal herrschte allerdings keine fröhliche Stimmung im Raum.

Im Gegenteil.

Es war eine Krisensitzung.

Am Vorabend war wieder einer ihrer Kameraden schwer misshandelt worden. Benseman, der Nordschwede, der so unglaublich viel gelesen hatte. Ihm waren viele Knochen gebrochen worden. Seine Milz war gerissen, und die Ärzte hatten die ganze Nacht gegen starke innere Blutungen gekämpft. Der Mann am Empfang war am Morgen im Krankenhaus gewesen.

»Er wird es überleben . aber es wird sicher noch eine ganze Weile dauern, bis wir ihn wieder bei uns haben.«

Die Anwesenden nickten kurz. Mitfühlend. Angespannt. Es war nicht das erste Mal, dass einer von ihnen in der letzten Zeit zusammengeschlagen worden war, es war bereits der vierte Fall, und die Opfer waren ausnahmslos Obdachlose gewesen. Die Taten liefen immer nach dem gleichen Muster ab. Zwei junge Burschen tauchten an einem ihrer Treffpunkte auf, suchten sich ein Opfer, nahmen es in die Mangel, filmten das Ganze und stellten es anschließend ins Internet.

Das war fast noch das Schlimmste an dem Ganzen.

Es war so unglaublich erniedrigend, als wären sie bloß Prügelknaben in einer Dokusoap über Gewalt in Filmen und Videospielen.

Fast genauso bedrückend war die Tatsache, dass alle vier Misshandelten Verkäufer von Situation Stockholm waren. War das ein Zufall? Es gab ungefähr fünftausend Obdachlose in Stockholm, aber nur ein Bruchteil von ihnen verkaufte die Zeitung.

»Picken die sich ausgerechnet uns heraus?!«

»Warum zum Teufel sollten sie das tun?!«

Darauf gab es natürlich keine Antwort, jedenfalls nicht im Moment. Aber es reichte, um die ohnehin erschütterte Schar im Raum noch nervöser zu machen.

»Also, ich habe mir Reizgas besorgt«, meldete sich Bo Fast zu Wort. Die anderen sahen ihn an. Er hielt sein Spray für alle sichtbar hoch.

»Du weißt schon, dass das illegal ist?«, wollte Jelle wissen.

»Was denn?«

»Na, so ein Spray?«

»Na und? Wie legal ist es denn, zusammengeschlagen zu werden?«

Darauf fiel Jelle keine gute Antwort ein. Er lehnte neben Arvo Pärt an der Wand. Ein paar Meter weiter stand Vera, die ausnahmsweise den Mund hielt. Als Pärt angerufen und erzählt hatte, was nur wenige Minuten, nachdem sie und Jelle den Park verlassen hatten, mit Benseman passiert war, hatte sie das völlig fertiggemacht. Wenn sie geblieben wären, hätten sie es verhindern können, davon war sie überzeugt, aber Jelle war anderer Meinung.

»Was hättest du denn getan?«

»Mich mit ihnen geschlagen! Du weißt doch, wie ich die Typen fertiggemacht habe, die in Midsommarkransen unsere Handys klauen wollten!«

»Die waren total besoffen, und einer von ihnen war ein Gnom.«

»Dann hättest du mir eben ein bisschen helfen müssen!?«

Nach dem Telefonat hatten sie sich für die Nacht getrennt, und nun standen sie hier. Und Vera war still. Sie kaufte einen Stapel Zeitungen, Pärt kaufte einen Stapel, Jelle konnte sich nur fünf Stück leisten.

Als sie gemeinsam auf die Straße hinaustraten, brach Pärt plötzlich in Tränen aus. Er lehnte sich gegen die raue Fassade und hielt sich eine schmutzige Hand vors Gesicht. Jelle und Vera betrachteten ihn. Sie begriffen, was in ihm vorging. Er war dort gewesen, hatte alles gesehen und trotzdem nichts tun können.

Vera legte behutsam einen Arm um Pärt und zog seinen Kopf auf ihre Schulter. Pärt war ein zerbrechlicher Mann.

Eigentlich hieß er Silon Karp, stammte aus Eskilstuna und war der Sohn zweier estnischer Flüchtlinge, aber während eines nächtlichen Heroinrausches auf einem Dachboden in der Brunnsgatan war sein Blick zufällig auf eine alte Zeitung mit dem Bild des scheuen estnischen Komponisten gefallen, und daraufhin war er sich schlagartig der ungeheuren Ähnlichkeit bewusst geworden. Zwischen Karp und Pärt. Er hatte seinen Doppelgänger gesehen. Und einen Schuss später war er in seinen Doppelgänger geglitten, und die beiden waren eins geworden. Er war Arvo Pärt und nannte sich seither Pärt. Und da es seinen Bekannten völlig egal war, wie wer wirklich hieß, wurde er zu...

"Es ist eine großartig stille Spannung in diesem Roman, die sich langsam anschleicht beim Lesen, wie es sich für einen wirklich guten Krimi gehört."
 
"Fast sechshundert Seiten dauert es bis zum Showdown und keine Seite davon ist langweilig."
 
"Wie geht das jetzt weiter, will man wissen. Genialer Cliffhanger, aber keine Panik die Fortsetzung der Geschichte ist schon in der Mache."
 
"... ein erstklassiger, sehr spannender Krimi, in dem nichts so ist, wie es scheint."

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