Geheimkommando Ciupaga

Erzählung
 
 
Bild und Heimat Verlag
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 1. August 2018
  • |
  • 240 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-95958-770-9 (ISBN)
 
Herbst 1944. Über polnischem Gebiet, südöstlich von Kraków, springen eines Nachts aus einer "Nebelkrähe" zwei Fallschirmspringer ab; dabei werden sie von deutschen Alarmeinheiten und polnischen Einwohnern beobachtet. Wird es den beiden gelingen, der Treibjagd zu entgehen? Wer sind sie überhaupt? Handeln sie im Auftrage der Roten Armee, oder planen sie eine Provokation des faschistischen Sicherheitsdienstes? Auf alle Fälle haben sie die unglaublichsten Abenteuer zu bestehen: Unverhofft tauchen sie als Gäste einer polnischen Bauernhochzeit auf, wo sie gute Miene zum bösen Spiel machen müssen, später treffen wir den einen auf dem Weg zur Exekution, während der andere mit einer Partisanin durchs Gebirge hetzt, um den Freund zu retten. Heimlich auf dem Dachboden einer Villa einquartiert, in der der deutsche Verwalter eines Sägewerkes wohnt, gelingt es ihnen, Kontakt zu polnischen Partisanen zu finden.
"Geheimkommando Ciopaga" lief vor einiger Zeit als Fernsehfilm über unseren Bildschirm und wurde ob seiner spannenden Handlung mit großem Interesse aufgenommen. Die vorliegende Erzählung unternimmt es, das Filmgeschehen in einem breiter angelegten Handlungsrahmen literarisch nachzuzeichnen.
  • Deutsch
  • Berlin
  • |
  • Deutschland
  • 1,00 MB
978-3-95958-770-9 (9783959587709)
weitere Ausgaben werden ermittelt

Das Flugzeug gleitet durch die Nacht. Wolken liegen über dem weiten polnischen Land östlich der Weichsel. Manchmal wird das wässrig-trübe Grau unterbrochen von einem tiefen Dunkel, das ins Unendliche zu gehen scheint. Wenn man an den wolkenfreien Stellen genauer hinunterschaut, entdeckt man bisweilen ein aufblitzendes Licht, das aber sofort wieder erlischt. Werner Schütt weiß, dort unten herrscht emsige Geschäftigkeit. Die Lampen abgeblendet und die Geräusche gedämpft, bewegen sich lange Kolonnen westwärts. Panzer, Geschütze, Lastwagen, Tausende, Zehntausende. Sie unterstehen dem Kommando des Marschalls Konjew und rücken in ihre Bereitstellungsräume für den nächsten Vorstoß ein. Wann werden sie über die Weichsel setzen?

Wann deutsches Gebiet erreichen? Sicher ist nur eins - Toni und er müssen vor ihnen dort sein!

Werner Schütt wendet sich seinem Begleiter Toni Burian zu, der sich zurückgelehnt und die Augen geschlossen hat.

Er hat recht, ein bisschen zu entspannen, denkt Werner Schütt. Toni ist überhaupt ein richtiger Tat- und Gegenwartsmensch. Er vermeidet sinnlose Grübeleien und packt zu, wo er gebraucht wird. Was helfen alle Klagen über das Schicksal der deutschen Landsleute, die in ihrer Not Hilfe brauchen, über die Genossen und Freunde, die im Untergrund kämpfen oder die in Kerkern und Konzentrationslagern gequält und gemordet werden, über die vielen Irregeleiteten, die im guten Glauben einer schlechten Sache dienen. Auch von den sowjetischen Soldaten, die dort unten marschieren, werden Tausende Berlin nicht erreichen. Die Zahl der Opfer zu verringern sind wir unterwegs. Ja, auch deswegen.

»Du schläfst doch nicht? Wir überfliegen bald die Weichsel!«

Toni atmet tief ein, öffnet die Augen und erwidert nach einer Pause: »'n Katzensprung, und man wäre zu Hause - in Berlin. Wie's da jetzt aussehen mag? Meine Hilde schläft sicher schon . Oder sie sitzt mit ihrem Köfferchen im Luftschutzkeller, das kleine Murkel.« Er lächelt.

»In einer halben Stunde springen wir«, stellt Werner sachlich fest und schaut prüfend aus dem Fenster, als wolle er feststellen, ob die Luft noch so lange trägt.

»Verdammt, da reißt die Wolkendecke auf. Das gibt ein Fressen für die Flak.«

»Aus dieser Höhe spucken wir darauf!«, winkt Werner ab. Er ist überzeugt, dass die beiden Piloten sie schon heil hinüberbringen werden.

Tatsächlich reißt die Wolkendecke umso mehr auf, je näher sie der Weichsel kommen. Der Kopilot wendet sich lächelnd den beiden zu und fordert sie auf, sich festzuhalten, denn es werde ein Tänzchen geben.

»Da hörst du es«, bemerkt Toni mit Genugtuung.

»Ihr könnt vorher aussteigen«, ruft der Kopilot den beiden schmunzelnd zu.

»Bitte nach euch«, kontert Werner.

»Gäste haben den Vortritt«, erwidert der sowjetische Flieger. Dann aber zwingt ihn das einsetzende Flakfeuer zu voller Konzentration. Die Maschine wird von den explodierenden Geschossen heftig geschüttelt.

»Für Ersatzreserve zwei schießen die verdammt gut«, kommentiert Toni.

Endlich haben sie die Flaksperre hinter sich gelassen. Aber das Motorengeräusch klingt verändert. Werner und Toni gehen zur Kanzel, um zu hören, was passiert ist.

Die beiden sehen den Piloten fragend an. Der Flugzeugführer arbeitet voll konzentriert und kümmert sich nicht um sie. Er hat offenbar zu tun, die Maschine unter Kon­trolle zu bringen. Auch der Kopilot ist ernst geworden. Das Flugzeug verliert an Höhe. Der Pilot fordert Werner und Toni auf, sich wieder zu setzen. Schweigend gehen die beiden auf ihre Plätze zurück.

»Mir legt sich so was immer auf den Magen. Da ist nischt zu machen«, sagt Toni und streicht über die Gurte des Fallschirms, als wolle er prüfen, ob alles in Ordnung ist.

»Wenn's dich tröstet, mir auch«, pflichtet ihm Werner bei.

»Das hilft, mir ist gleich wohler«, versucht Toni mit Galgenhumor den Ernst der Situation zu überspielen. Er nestelt immer noch an einem seiner Fallschirmgurte herum. Der Stern seiner Feldwebelschulterklappe hat sich verhakt, und er macht ihn frei.

Werner sieht ihm nachdenklich dabei zu, dann sagt er: »So ähnlich haben wir schon mal zusammengesessen, in diesem gottverdammten Schuppen. So lange ist das noch gar nicht her. Knapp zwei Monate. Man möcht's kaum glauben.«

Toni nickt. »Ja, jeder ein paar Stricke um die Händchen, aber wir haben's überlebt, Gottvater sei Dank.«

»Boris, unserm alten Kumpel Boris sei Dank! Ohne ihn säßen wir eine Etage höher«, dabei schaut er mit gerunzelter Stirn zur Decke des Flugzeugs. Ihre Lage erinnert sie an ihren letzten Einsatz. Keiner sagt etwas, und doch haben beide die gleichen Bilder vor Augen, wie zwei Menschen, die nebeneinander im Kino sitzen. Es begann mit einem Funkspruch von Oberstleutnant Schellner, der mit etwa zweihundert deutschen Soldaten hinter den Linien der Roten Armee in einem ausgedehnten Waldgebiet festsaß. Dem Rufe folgend, quälten sich Werner, Toni und Boris im Auftrage des Nationalkomitees »Freies Deutschland« und von der anderen Seite Maschmann, Essberger und der Exilrusse Sergej im Auftrage des Reichssicherheitshauptamtes der SS durch das sumpfige Gelände. Und ausgerechnet Werner und Toni mussten der sowjetischen Miliz eines abgelegenen Ortes in die Hände fallen. Gefesselt lagen sie in einem Schuppen, während ihre Rivalen frei operieren konnten. »Damals hat uns Boris rausgehauen; hier oben hilft kein Gott, kein Kaiser und Tribun«, murmelt Werner vor sich hin.

Toni versucht ihn zu trösten: »Die beiden da vorn sind auch keine heurigen Hasen. Wirst sehen, in einer Viertelstunde steigen wir der lädierten Dame aus dem Bauch und fallen - vom Himmel hoch, da komm ich her - dem alten Boris direkt um den Hals.«

Es vergeht aber keine Minute, bis der Kopilot nach hinten kommt und ihnen eröffnet: »Es hilft nichts, wir müssen zurückfliegen!«

»Was?«, fragt Werner ungläubig.

Der Flieger hebt bedauernd die Schultern und erläutert ihnen die Lage: »Wir haben zu viel Höhe verloren, und überdies ist eine Treibstoffleitung beschädigt. Wenn wir Glück haben, reicht's gerade noch, hinter die Weichsel zurückzurutschen. Haltet euch fest, wir wenden.«

Damit schickt sich der Pilot an, in die Kanzel zurückzuklettern. Toni hält ihn an der Schulter fest. Der sowjetische Offizier sieht erst Toni, dann Werner fragend an. Werner weiß, was Tonis Geste bedeutet. Kann man das riskieren? Einen Atemzug lang blickt Werner seinen Freund an. Er scheint nicht davor zurückzuschrecken, mitten in der Nacht im Wipfel einer Tanne zu landen oder, was schlimmer wäre, vor den MPi-Läufen der Feldgendarmen. Wenn wir zurückfliegen, ist das Unternehmen für diesmal geplatzt. Und später ist es womöglich zu spät.

»Wir springen, auf Biegen oder Brechen!«, sagt Werner dem Piloten, und Toni unterstreicht das durch einen Klaps auf die Schulter des sowjetischen Freundes, die er bis dahin festgehalten hatte. Der wiegt den Kopf, was offenbar bedeuten soll: Das ist eure Sache. Ihr müsst wissen, was ihr tun wollt. Er steigt in die Kanzel und unterrichtet den Flugzeugführer. Auch der wendet sich kurz um und scheint mit einem Blick zu fragen: Habt ihr euch das auch gut überlegt?

Werner nickt ihm zu.

»Macht euch fertig«, ruft der Flugzeugführer.

Werner und Toni fassen ihr Sprunggepäck, prüfen den Sitz der Fallschirme und gehen nach vorn zu den beiden Fliegern. Sie drücken ihnen dankbar die Hände.

»Kommt gut rüber!«

»Kommt gut runter!«

Der Kopilot begleitet sie zur Ausstiegluke. Sie klinken die Karabinerhaken der Reißleine ihrer Fallschirme an ein Drahtseil, das über der Ausstiegluke gespannt ist. Sie blicken hinaus. Es sind kaum noch Wolken zu sehen. Die Nacht ist klar, aber unter ihnen ist alles dunkel. Sie haben keine Ahnung, wo sie landen werden. Toni murmelt: »Der Himmel ist verdammt hell. Wir schaukeln wie die Glühwürmchen durch die Nacht und sehen selbst nicht die Bohne!«

»Im September fliegen keine Glühwürmchen mehr«, tröstet Werner seinen Genossen sarkastisch. Dann fügt er sachlich hinzu: »Dicht zusammenbleiben, das kann unten wichtig sein. Ich springe zuerst. Du mit deinem Gewicht überholst mich spielend. Ab geht's!«

Unmittelbar danach springt Toni. Der sowjetische Genosse brummt vor sich hin: »Macht's gut, Jungs!« Dann schließt er die Luke, nimmt seinen Platz ein, und die Maschine wendet mit einer weiten Kurve.

Sie ist längst verschwunden, als Werner und Toni auf einer buschbestandenen Waldwiese aufsetzen. Während sie ihre Fallschirme zusammenraffen, hören sie ziemlich nah eigenartige metallische Klänge. Nein, Glocken sind es nicht, eher Schmiedegeräusche. Aber der Rhythmus der Schläge hat mit einem Gehämmer nichts gemein. Plötzlich hören sie diese Geräusche auch aus anderen Richtungen. Das sind offenbar Alarmsignale, die ihr Absprung ausgelöst hat. Schnell entledigen sie sich ihrer Fallschirme und scharren sie unter einem Gebüsch ein. Dann rennen sie, von diesen merkwürdigen Tönen beunruhigt, in den Wald. Ein Stück Weges laufen sie durch einen Bach, für den Fall, dass sie von Spurenhunden verfolgt werden sollten. Am Fuße eines mit Sträuchern bewachsenen Berghanges bleiben sie stehen und verschnaufen. Gedeckt von einem dichten Gebüsch horchen sie, ob ihnen Verfolger auf den Fersen sind. Sie bemerken nichts Verdächtiges. Erschöpft lassen sie sich zu Boden fallen und ruhen sich von der atemberaubenden Flucht aus.

»Wohin mögen die uns bloß gescheucht haben?«, fragt Werner...

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