Treasury und Risikocontrolling in Banken

Organisation, Aufgaben und aktuelle Herausforderungen
 
 
Schäffer Poeschel (Verlag)
  • erschienen am 6. September 2017
  • |
  • 160 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7910-4046-2 (ISBN)
 

Das Bankenumfeld ist von hohem Wettbewerbsdruck, sinkenden Margen in einem Niedrigzinsumfeld und intensiver Regulierung geprägt. Häufig versuchen Banken dabei, Gewinne durch das Eingehen erhöhter Risiken zu stabilisieren. Dieses Spannungsfeld erfordert eine bewusste Auseinandersetzung mit der Entstehung, der Messung und der Steuerung von Finanzrisiken. Die Treasurer und Risikocontroller müssen den internen und regulatorischen Anforderungen gerecht werden, durch Transferpreise die richtigen Anreize setzen und zukunftsgerichtet die Struktur der Bilanz managen.


Die Autoren arbeiten die Bedeutung des finanziellen Risikomanagements aus bankstrategischer Sicht heraus, erörtern die organisatorische Einbettung von Treasury und Risikocontrolling und zeigen übergreifend adäquate Risikomessmethoden und Risikomanagementstrategien auf.


Gesamtüberblick über die Rolle, das Mandat und die Gestaltungsmöglichkeiten eines modernen Bank-Treasury und -Risikocontrollings.

1. Auflage 2017
  • Deutsch
  • Stuttgart
Schäffer-Poeschel
  • 3,76 MB
978-3-7910-4046-2 (9783791040462)
3791040464 (3791040464)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Sebastian Bodemer, Mitgründer und Partner bei Finyon Consulting AG, Zürich, Dozent an verschiedenen Hochschulen.

Geschäftsmodell »Bank« verstehen

Treasury und Risikocontrolling: Mandat und Governance

Bilanzstruktur- und finanzielles Risikomanagement

2   Treasury und Risikocontrolling: Mandat und Governance


Das zweite Kapitel erklärt die Ziele, Aufgaben und damit das Mandat sowie die organisatorische Einbettung des Treasury und Risikocontrolling innerhalb der Bank. Das Kapitel ist auf das Minimum reduziert und lässt sich unabhängig von Kapitel 1 lesen. Der Fokus liegt auf Fragen der Governance. Risikomessmethoden und detaillierte Aspekte der Operationalisierung von Treasury und Risikocontrolling folgen in Kapitel 3.

2.1   Abgrenzung der Begrifflichkeiten


In der Bankpraxis werden unterschiedliche Begriffe wie "Treasury", "Risikocontrolling", "Risikomanagement" und "Gesamtbanksteuerung" verwendet, die teilweise synonym zu verstehen sind. Daher hilft eine erste Abgrenzung der Begriffe wie sie im Sinne dieses Buches verwendet werden. Einzelne Banken bzw. Länder können von diesen Begriffsdefinitionen leicht abweichen, was jedoch für das Grundverständnis der Funktionsweise von Treasury und Risikocontrolling unwesentlich ist.

Der Begriff Treasury geht zurück auf den englischen Begriff "Treasure", Schatz, und kann mit dem heute noch in Sportvereinen vorhandenen Schatzmeister bzw. Kassenwart gleichgesetzt werden. Ursprünglich war der Treasurer derjenige, der den Zahlungsverkehr zunächst über die physische Kasse, später über Konten abgewickelt hat. "Cash Management" wäre hier das Schlagwort. Im Bankensektor hat sich der Begriff jedoch weiterentwickelt.

Merke

Das Treasury steht für die Abteilung, die die finanziellen Risikoarten und die Struktur der Bankbilanz steuert.

Sie schließt bei Bedarf Maßnahmen wie beispielsweise den Kauf einer Zinsoption zur Sicherung des Zinsrisikos ab. Das Treasury ist zumeist eine Abteilung des Finanzvorstands (Chief Finance Officer (CFO)). Neben der Risikosteuerung ist das Risiko zu quantifizieren und zu überwachen. Diese Rolle nimmt das Risikocontrolling ein. Controlling wird hierbei gleichgesetzt mit überwachen, beaufsichtigen und überprüfen.

Merke

Das Risikocontrolling ist hingegen die Abteilung, die für die Risikomessung und die Risikoüberwachung verantwortlich ist.

Sie definiert die Risikomessmethoden, quantifiziert die Risiken, überwacht die Einhaltung von Limiten und rapportiert die Risikosituation an die relevanten Verantwortlichen. Zudem ist sie auch häufig für die Risikoberichterstattung gegenüber dem Regulator verantwortlich. Das Risikocontrolling fällt daher unter den Verantwortungsbereich des Risikovorstands (Chief Risk Officer (CRO)), der in der Regel Mitglied der Geschäftsleitung ist.

In der Praxis - insbesondere im Angelsächsischen - wird der Begriff des "Risikomanagements" häufig anstelle des Begriffs "Risikocontrolling" verwendet. Die Bezeichnung des "Risikomanagements" entstammt mitunter aus der Zeit als eine strikte Trennung zwischen Treasury und Risikocontrolling nicht vorgenommen wurde. Nach Meinung der Autoren kann der Begriff des Risikomanagements daher irreführend sein, da "Management" mit "Steuerung" assoziiert werden kann. Die eigentliche Steuerung der finanziellen Risiken im Sinne der Vorgaben obliegt jedoch dem Treasury. Im Folgenden wird daher der Begriff des Risikocontrollings im Sinne der Risikokontrolle bzw. Risikoüberwachung verwendet.

Ein weiterer Begriff der insbesondere im deutschsprachigen Raum im Zusammenhang mit dem Treasury und Risikocontrolling steht, ist der Begriff der "Gesamtbanksteuerung". Auch hier gehen die Definitionen in der Praxis teilweise auseinander. Bartetzky (2016) unterscheidet Gesamtbanksteuerung nach dem liquiditätsmäßig finanziellen und dem technisch organisatorischen Sinne. Letzterer umfasst die strategischen Aspekte wie Vertriebs-, IT- und Personalstrategie. Ersterer hingegen ist die Risiko-Ertragssteuerung, die vom Treasury und Risikocontrolling abgedeckt wird. Der Begriff Gesamtbanksteuerung könnte jedoch noch umfassendere Aspekte berücksichtigen wie Steuerung der Erträge, Risiken und Kosten in allen Bereichen der Bank, Einhaltung aufsichtsrechtlicher Vorgaben wie MaRisk, aber auch Geldwäsche, bilanzielle Anforderungen, Kapital-, Liquiditäts- und Refinanzierungsaspekte. Damit wäre eine Beschränkung auf das Treasury und Risikocontrolling als Gesamtbanksteuerung nicht mehr gegeben. Die Autoren unterstützen Bartetzkys Definition, wonach die Gesamtbanksteuerung die Einheit aus Methoden, Prozessen, Reports und Gremien ist und daher nicht allein mit der Treasury- und Risikocontrolling-Funktion verbunden ist.

Des Weiteren ist die Risikosteuerung aus Sicht des Treasury und Risikocontrollings zur Thematik des Enterprise Risk Management (ERM) und der Compliance-Funktion abzugrenzen.

Merke

Ein Enterprise Risk Management (ERM) ist verantwortlich für den Aufbau unternehmensweiter Richtlinien und Standards, koordiniert das Risikomanagement für alle Geschäftsbereiche und Funktionen und bietet eine Gesamtrisikoüberwachung für die Geschäftsleitung sowie den Verwaltungsrat an. Die Compliance-Abteilung ist eine koordinierende Stelle der Bank, die die Umsetzungregulatorischer Vorgaben und interner Richtlinien gewährleistet.

Das Ziel ist die ganzheitliche Risikosicht und die Vermeidung des Denkens in Silos. Die Compliance-Abteilung in einer Bank ist mitunter eine koordinierende Stelle innerhalb der Bank, die gewährleistet, dass regulatorische Anforderungen umgesetzt und gelebt werden und Mitarbeiter im Sinne des "ehrenhaften" Kaufmanns handeln. Vereinfacht gesprochen ist Compliance (vgl. Wolberg, 2014)

  • die Gesamtheit aller Maßnahmen, die das regelkonforme Verhalten eines Unternehmens, seiner Organe und Mitarbeiter im Hinblick auf

  • die Einhaltung von Gesetzen und Richtlinien,

  • die Erfu?llung von selbst gesetzten Standards und Anforderungen umfasst sowie

  • dem Handeln in Übereinstimmung mit den eigenen Wertvorstellungen und

  • der Durchsetzung einer guten Unternehmensverfassung ("Good Governance") dient.

2.2   Mandate von Treasury und Risikocontrolling


Das Mandat definiert den Auftrag, den das Treasury bzw. das Risikocontrolling innerhalb der Bank hat und gibt damit Einblick in die Ziele und Aufgaben der jeweiligen Abteilung. In Richtlinien bzw. im Risikohandbuch einer Bank (engl. Risk Management Policy) wird das Mandat der beiden Abteilungen beschrieben. Die hier dargestellte Sichtweise des Mandats ist auf regional tätige Banken ausgelegt. Globale Kreditinstitute beachten weitere Aspekte wie zentrale oder dezentrale Ausrichtung der Treasury-Einheit. Das Treasury-Mandat berücksichtigt folgende übergeordneten Aufträge im Sinne der Banksteuerung:

  1. Jederzeitige Sicherstellung einer adäquaten Kapital- und Liquiditätsausstattung,

  2. Bereitstellung verlässlicher und transparenter Informationen an Stakeholder und

    Abb. 2.1: Mandat des Treasury (Quelle: Eigene Darstellung)

  3. Optimierung der Finanzmittel aus Risiko- und Ertragsüberlegungen.

Abbildung 2.1 spezifiziert das Mandat des Treasury weiter.

Das Mandat des Risikocontrolling hingegen kann wie folgt zusammengefasst werden:

  1. Entwicklung, Validierung und Anwendung von Risikomessverfahren unter Berücksichtigung ökonomischer und regulatorischer Aspekte.

  2. Sicherstellung der jederzeitigen Berichterstattung inklusive Limitenüberwachung zu Händen interner und externer Stakeholder inklusive der Aufsichtsbehörden.

    Abb. 2.2: Mandat des Risikocontrolling (Quelle: Eigene Darstellung)

  3. Analog dem Treasury können diese generellen Aufgaben weiter spezifiziert werden (Abb. 2.2).

Die Trennung zwischen Treasury und Risikocontrolling wird anhand der jeweiligen Mandate deutlich.

Merke

Während das Treasury mandatsbedingt Eigenhandelsaktivitäten verantwortet (Geschäfte im Namen der Bank auf Rechnung der Bank), ist das Risikocontrolling als unabhängige Kontrollfunktion etabliert.

Diese Unabhängigkeit bzw. Funktionstrennung ist organisatorisch in der Regel bis zur Geschäftsleitung umzusetzen, wie Kapitel 2.3 darstellt. Die Gründe sind primär in der Vermeidung von Interessenkonflikten, insbesondere bei Ausrichtung des Treasury als Profit-Center, zu finden. In Folge der Mandate lassen sich auch die Risikoarten, die das Treasury steuert und das Risikocontrolling misst, ableiten (Abb. 2.3).

Abb. 2.3: Treasury und Risikocontrolling (Quelle: Eigene Darstellung)

Die Spezifizierung der Mandate wird in Abbildung 2.4 für das Treasury und in 2.5 für das Risikocontrolling weiter ausgeführt.

Nachdem das Treasury-Mandat näher beschrieben wurde, vermag ein Aspekt fehlen: das Cash-Management bzw. die Abwicklung des Zahlungsverkehrs. Tatsächlich obliegt diese Aufgabe zumeist nicht dem Treasury selbst, sondern ist der Abteilung "Finance Operations", teilweise auch eine Unterabteilung von Treasury zugeordnet. Der Fokus liegt hierbei auf einer effizienten Abwicklung und damit auf Prozessmethoden und Digitalisierung. Zugleich sind jedoch auch Liquiditätsaspekte zu beachten: So ist das Treasury für die Vorhaltung ausreichender Liquidität inklusive möglicher...

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