Was auch immer war

 
 
Alabama-Reihe (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 7. Dezember 2017
  • |
  • 250 Seiten
 
E-Book | ePUB ohne DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-96215-035-8 (ISBN)
 
Einfach von vorne anfangen und alles hinter sich lassen. Genau das macht Maya, als sie eines Abends ihre Sachen packt, sich eine neue Handy-Nummer zulegt und in eine fremde Stadt zieht und die Uni wechselt. Ihre Mitbewohnerin Anna wird ihr schnell eine gute Freundin und so kann sich Maya voll und ganz auf ihr neues Leben konzentrieren. Von Männern hat sie eigentlich die Nase voll, doch sie fühlt sich mehr und mehr zu dem wortkargen Jacob hingezogen. Und was läuft da eigentlich zwischen Anna und ihrem besten Freund? Maya genießt ihre neuen Erfahrungen in vollen Zügen und merkt gar nicht, dass sie von jemandem beobachtet wird...
  • Deutsch
Edel Elements
  • 0,65 MB
978-3-96215-035-8 (9783962150358)

Kapitel 2


MAYA

Die Nacht war lang, und der Alkohol hat mir eindeutig zu einem traumlosen Schlaf verholfen. Aber jetzt brauche ich einen Kaffee und vielleicht auch etwas zu essen. Das entscheide ich aber besser erst, wenn ich weiß, was mein Magen zu Kaffee sagt. Annas Zimmertür ist noch geschlossen. In der Küche finde ich mich recht schnell mit der Kaffeemaschine zurecht. Die ist mir schon bei unserem ersten Gespräch aufgefallen und hat mich hoffen lassen, dass ich dieses Zimmer bekomme. Ein schicker Vollautomat, der mir neben einem stinknormalen Kaffee aus frisch gemahlenen Bohnen bei Bedarf auch einen Espresso macht oder dank Milchaufschäumer auch Cappuccino und Latte Macchiato. Heute Morgen reicht mir aber erst mal einfacher Kaffee, die Milch kann ich mir schon selbst und unaufgeschäumt reintun.

Mit meiner Tasse sitze ich auf dem Sofa und schaue mich zum ersten Mal in aller Ruhe hier um. Anna hat eindeutig ein Händchen dafür, eine Wohnung gemütlich einzurichten. In der Mitte des Wohnzimmers steht ein bequemes Ecksofa mit reichlich Kissen und Decken. Die Kissen sind farblich genau aufeinander abgestimmt und passen mit den hellen Grau- und Rosatönen zu dem ebenfalls hellgrauen Sofa. Außerdem liegen zwei kuschelig aussehende Decken darauf. Vom Sofa aus kann man perfekt aus dem Fenster oder auf den Fernseher schauen, der auf einer weißen Kommode mit vielen Schubladen steht. Das Bücherregal beherbergt neben Büchern und Ordnern ein paar Bilder, Kerzen und eine Grünpflanze. Dieser Raum verspricht gemütliche Filmabende bei Popcorn und Eis.

Ich glaube, hier könnte ich mich tatsächlich zu Hause und sicher fühlen.

Annas Zimmertür öffnet sich und eine sehr müde ausschauende und zottelige Mitbewohnerin kommt auf mich zu und wirft sich neben mich aufs Sofa.

»Guten Morgen!«

»Mhpf.«

»Na, Sonnenschein? Kaffee?«

»Mhmh.«

Okay, da gehört jemand eindeutig zur Gruppe der Morgenmuffel, aber das ist nichts, womit ich nicht umgehen könnte. Eine Tasse Kaffee mit Milchschaum und einer Prise Schokopulver wird uns beide schon wach und munter bekommen.

Als Anna ihren Kaffee etwa zur Hälfte getrunken hat, kommt langsam Leben in sie.

»Dir ist schon klar, dass du jetzt immer mit dem passenden Getränk parat stehen musst, wenn ich eine Tür öffne?«

»Das hättest du wohl gerne«, kontere ich und schmeiße mit einem Kissen nach ihr.

»Ey, der gute Kaffee hätte verschüttet werden können!«

»Keine Angst, ich kann zielen«, antworte ich mit einem Zwinkern und bekomme prompt ein Kissen an den Kopf. Wie kleine Kinder bewerfen wir uns mit den vielen Kissen auf dem Sofa, immer darauf bedacht, dass unser Lebenselixier Kaffee nicht verschüttet wird.

Nach unserer Kissenschlacht und einem ausgiebigen Frühstück machen wir uns beide fertig. Wir müssen noch ein paar Lebensmittel für das restliche Wochenende einkaufen.

Aufgrund unserer spontanen Aktion gestern haben wir definitiv nichts mehr im Haus, um uns heute Abend in Stimmung zu bringen, und ich befürchte, dass meine Nudelkreation von gestern nicht ganz die Art von Essen ist, die Anna vorschwebt. Zumindest hat sie vorhin skeptisch in die Töpfe geschaut. Wenn ich mir die Sammlung an Gewürzen und Ölen in den Schränken so anschaue, scheint Anna wenigstens gelegentlich sehr aufwendig zu kochen.

Tatsächlich wandern diverse Zutaten in den Einkaufswagen, die ein leckeres Essen vermuten lassen.

»Sag mal, Anna, kann es sein, dass du ziemlich gut kochen kannst?«

»Ziemlich gut würde ich jetzt nicht sagen, aber ziemlich gern. Unter der Woche habe ich zwar keine Zeit dafür, aber wenigstens einmal am Wochenende koche ich was Richtiges. Ich verspreche dir, deine Nudeln mit Soße wirst du ganz schnell vergessen.«

Ich sehe schon, wo unsere jeweiligen Stärken liegen.

»Wunderbar, dann bist du ab jetzt fürs gute Essen zuständig und ich für die Getränke. Wir haben also beide unsere Stärken, die sich ganz wunderbar ergänzen.«

Da müssen wir beide lachen und ernten schiefe Blicke von den Leuten um uns herum. Ich weiß gar nicht, wann ich das letzte Mal so viel gelacht habe wie in den nicht mal vierundzwanzig Stunden, die ich mit Anna verbracht habe. Ich kann mich kaum daran erinnern, wann ich überhaupt zuletzt richtig herzlich gelacht habe.

Aber Neuanfänge sind dazu da, um das alte Leben hinter sich zu lassen und nicht mehr zurückzuschauen oder Vergleiche zu ziehen. Mein neues Leben möchte ich möglichst unbeschwert und glücklich verbringen und daher steht viel lachen ab sofort mit auf der Tagesordnung.

Zu Hause angekommen packen wir die Einkaufstüten aus und alles, was nicht gleich von Anna fürs Kochen benötigt wird, räume ich in den Kühlschrank oder die anderen Schränke. Neben mir wird schon fleißig geschnippelt, werden Töpfe rausgeholt und die ersten Sachen angebraten.

»Was kochst du da eigentlich Leckeres für uns?«, frage ich Anna.

»Lass dich überraschen! Würdest du schon mal den Tisch decken? Und wenn du magst, kannst du auch schon duschen gehen, dann können wir uns nach dem Essen langsam für unsere wilde Partynacht fertig machen.«

Als ich alles vorbereitet habe, mache ich mich ab ins Bad. Während ich unter der Dusche stehe und mir die Haare wasche, frage ich mich unwillkürlich, wie es heute Abend wohl werden wird. Gedankenverloren berühre ich die kleine Narbe an meinen Rippen, die nur böse Erinnerungen in mir weckt, und ich bekomme Gänsehaut am ganzen Körper. Wie dumm ich doch war! Blind vor Liebe, wie ich glaubte. Doch das war keine Liebe. Das waren hirnverbrannte Gefühle, die ich fälschlicherweise für Liebe gehalten habe. Eigentlich sehr traurig, wie sehr ich mich nach jemandem gesehnt habe, der mich lieben könnte, dass ich Marc für diesen Jemand gehalten habe. Und das Einzige, was ich von meinem Irrglauben zurückbehalten habe, ist diese kleine Narbe an meinen Rippen. Doch selbst als diese Wunde frisch war, habe ich noch immer geglaubt, dass das alles Liebe sei. Wirklich sehr, sehr traurig. In mir macht sich ein Gefühl von Hilflosigkeit und Traurigkeit breit. Wie unendlich dumm ich doch bin. Nein, war! Ich war dumm! Und für diese Gefühle und diese Gedanken ist ab jetzt kein Platz mehr da!

Mit Anna wird das heute bestimmt lustig und ich werde mir nicht von schlechten Erinnerungen den Abend verderben lassen. Von Männern habe ich erst mal die Nase mehr als gestrichen voll und das werden die Kerle bestimmt schnell kapieren. Wenn doch einer aufdringlich werden sollte, habe ich immer noch Anna an meiner Seite, und im Notfall gibt es da ja auch garantiert Securities.

Ach, ich mach mir auch schon wieder viel zu viele Gedanken um Was-wäre-wenn-Situationen. Ich werde einen tollen Abend haben und die Kerle werden schon verstehen, wenn ich kein Interesse habe. Und nun schnell raus aus der Dusche, bevor Anna noch denkt, ich tue sonst was hier. Außerdem bekomm ich langsam echt großen Hunger und es riecht schon sehr, sehr lecker da draußen.

Die Teller sind sogar schon gefüllt mit etwas, das nicht nur gut riecht, sondern auch ungemein appetitlich aussieht.

»Wow! Das duftet ja wunderbar! Was ist das?«, frage ich Anna, als ich mich hinsetze.

»Lamm-Ragout mit Ofengemüse und Gnocchi. Ich hoffe, du magst Lamm. Ich hab ganz vergessen zu fragen.«

»Klar, ich bin da unkompliziert. Ich esse, was auf den Teller kommt.«

»Sehr gut, dann kann ich ja in Zukunft schön an dir experimentieren. Und jetzt schaffen wir uns mal eine Grundlage, damit wir eine wilde Partynacht durchstehen. Wir wollen schließlich ein paar Drinks abstauben und nicht direkt schlappmachen.«

Später spüle ich ab, während Anna unter die Dusche geht. Als sie aus dem Bad kommt, schleppt sie diverse Sachen mit raus: Glätteisen, Lockenstab, Bürsten und Haarspray kann ich erkennen und einen Kosmetikbeutel, in dem bestimmt diverse Schminkutensilien drin sind. Ich habe auch schon meine Kosmetikartikel zusammengesucht und bin sehr froh, dass ich alles mitgenommen habe, schließlich sind die Sachen ein kleines Vermögen wert. Und bei der Menge, die ich in meinem Besitz habe, brauche ich in naher Zukunft nichts Neues kaufen. Marc mochte gern immer perfektes Make-up an mir, das für die meisten nur für den Abend angemessen wäre. Dezent war nicht seine Vorliebe. Und die Haare mussten lang sein, sehr lang. Weil meine Haare irgendwann dünner wurden, je länger sie wurden, hatte ich bald Extensions drin. Super pflegeintensiv und gar nicht mein Fall, aber nach mir ging es selten in unserer Beziehung. Die Extensions habe ich mir auf dem Weg hierher in einem kleinen Friseursalon entfernen lassen. Auch dieses starke Make-up jeden Tag entsprach nicht meinem Geschmack, von der Kleidung will ich gar nicht erst anfangen. Deswegen habe ich nur wenig von den ganzen Klamotten mitgenommen. Das war nicht ich, das hätte hier ein falsches Bild von mir vermittelt. Doch einige Party-Teile habe ich noch.

Anna kommt gerade grinsend aus meinem Zimmer und verteilt ein paar Kleider und Oberteile auf dem Sofa.

»Meine Güte, ich weiß gar nicht, was ich dir heute aus dem Schrank klauen soll. Du hast da wirklich superheiße Teile! Ich hätte gar nicht gedacht, dass du so eine Partymaus bist.«

»Bin ich auch nicht, aber manchmal geh ich schon ganz gern tanzen und da will man ja auch hübsch sein«, sage ich mit einem Lächeln und Augenzwinkern. Doch ich verschweige, dass ich jedes Wochenende quasi im Club meines Exfreunds gelebt habe, der mir diese Outfits auf dem Sofa nie hätte durchgehen lassen. Zu angezogen, nicht sexy genug seiner Meinung nach. Mich schüttelt es innerlich, wenn ich an...

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