Ascheherz

 
 
cbj (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 21. Januar 2011
  • |
  • 544 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-05284-3 (ISBN)
 
Ihr Kuss meint Tod, ihre Liebe Leben

Seit einem Unfall ist Summers Gedächtnis wie ausgelöscht. Sie weiß nur eines: Der Blutmann, der sie in ihren Albträumen verfolgt, ist nun in ihr Leben getreten und will sie töten. Und er scheint nicht der Einzige zu sein, der sie verfolgt. Der geheimnisvolle, engelhaft schöne Anzej rettet ihr das Leben. Auf ihrer gemeinsamen Flucht in das ferne Nordland muss Summer erkennen, welchen Verrat sie vor Jahrhunderten begangen hat: Einst gehörte sie zu den Zorya, deren Kuss den Sterblichen den Tod bringt. Doch einem Mann mit sanften Augen, der in ihren Armen sterben sollte, schenkte sie die Ewigkeit. Nun fordert Lady Mars, die Herrin des Todes, das Leben zurück, um das sie betrogen wurde. Kann Summer den Tod ein weiteres Mal überlisten oder muss sie ihre Liebe opfern, um selbst Lady Mars tödlichem Kuss zu entgehen?

Aufregende Mischung aus moderner Welt und zeitloser Todesmystik.

Romantisch und düster, fesselnd und geheimnisvoll.

  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
  • 0,52 MB
978-3-641-05284-3 (9783641052843)
364105284X (364105284X)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Nina Blazon, geboren in Koper bei Triest, las schon als Jugendliche mit Begeisterung Fantasy-Literatur. Selbst zu schreiben begann sie während ihres Germanistik-Studiums. Ihr erster Fantasy-Jugendroman wurde mit dem Wolfgang-Hohlbein-Preis und dem Deutschen Phantastik Preis ausgezeichnet. Seither haben Nina Blazons Bücher zahlreiche Preise erhalten, zuletzt 2016 den Seraph für Der Winter der schwarzen Rosen. Die erfolgreiche Kinder- und Jugendbuchautorin lebt in Stuttgart.
theater der nacht Mit den Raubkatzen war in dieser Nacht nicht zu spaßen; die Dompteure hatten alle Hände voll zu tun. Ein gutes Zeichen, denn es bedeutete nicht nur, dass der Zuschauerraum voll war, sondern auch, dass vor und hinter den Kulissen eine besondere Anspannung herrschte. Es war gut für das Stück, das vor allem vom Auftritt der Tiere lebte, und gut für das Spiel der menschlichen Darsteller. Denn jetzt, in den ungewöhnlich heißen Tagen eines schläfrigen Herbstes, drohte sich auch bei der Theatertruppe eine gewisse Trägheit einzuschleichen. »Ist er endlich da?«, flüsterte Mort Summer zu. Obwohl der alte Theaterdirektor versuchte, seine Nervosität zu verbergen, musste Summer nur auf seine vernarbten Hände schauen, um zu wissen, wie ihm zumute war: Schmerzhaft straff lag die Haut über jeder Knöchelwölbung und jeder Sehne, so fest umklammerte er die Peitsche und den Schlangenstock. Summer wandte rasch den Blick von seinen Händen ab und trat zu dem Sichtspalt im Vorhang. Inzwischen war die Stimmung da draußen auf eine fast aggressive Art angeheizt - ein Funkenregen von Emotionen, der Summer einhüllte wie ein warmer Mantel. Die Lücke im Vorhang gab den Blick auf die mittleren Zuschauerreihen frei. Noch war die Beleuchtung hell genug, dass Summer die Besucher gut erkennen konnte - es waren viele Stadtgesichter, glatt, weißhäutig, die Männer sorgfältig rasiert, die Frauen mit hell gepuderter Haut. Der betont gleichgültige Gesichtsausdruck ließ sie einander ähnlich werden wie Geschwister. Aber es drängten sich auch viele Fremde im Theater, die in diesen Tagen zum ersten (und vielleicht zum letzten) Mal eine so große Stadt wie Maymara kennenlernen durften. Seit einigen Wochen schon überschwemmten sie die Stadt: Abenteurer, Verlorene oder einfach Leute, die sich von den Gerüchten über irgendeinen fernen Krieg hatten zur Küste locken lassen. Diese Gäste verrieten sich allein schon durch die Art, sich neugierig den Hals zu verrenken und ständig ihre Nebensitzer in die Rippen zu stoßen, um sie auf Besonderheiten aufmerksam zu machen - auf das riesenhafte Halbrund der Bühne, die von einem Sonnensymbol gekrönt wurde, und die beiden Nebenbühnen an den Seiten, deren einziger Schmuck weiße Leinwände waren. Beim Anblick der vielen offenen Münder musste Summer lächeln. Es war noch nicht lange her, da hatte sie ebenso über Maymaras Attraktionen gestaunt. Mitten im Gedränge nahm gerade der Ehrengast dieser Nacht Platz: Bator Sel, der reichste Reeder der Stadt. Summer hatte einen kräftigen, beeindruckenden Mann erwartet, nun aber war sie etwas enttäuscht, einen schmächtigen, farblosen Alten zu sehen, dem sein teurer Mantel zu groß schien. Nur die ehrfurchtsvollen Blicke der Einheimischen und das Schiffswappen auf seiner Schulter verrieten seinen hohen Stand. Summer war noch nicht lange bei der Schauspieltruppe, aber selbst sie wusste, dass das Theater der Nacht manche Geldflaute nur deshalb überstanden hatte, weil Bator Sel das Futter für die Tiere bezahlte. Die Mehrzahl der Raubtiere gehörte ohnehin ihm, schließlich waren sie auf seinen Schiffen aus fremden Ländern gekommen, einzig und allein zu dem Zweck, hier vorgeführt zu werden. Aber es gab auch einige Chimären aus den versteckten Laboren in der Vorstadt: Missgestalten wie der zweiköpfige Fuchs, der dem Publikum besonders gefiel, und die Stute mit Tigerfell. »Was ist jetzt?«, drängte Mort. »Ist Bator da?« Summer trat vom Vorhangspalt zurück und nickte dem alten Mann zu. Inzwischen war ihm der Schweiß ausgebrochen, das schüttere blauschwarz gefärbte Haar klebte über seiner Halbglatze. Schweißperlen sammelten sich über gewaltigen Augenbrauen, die Mort selbst wie eine Bestie erscheinen ließen, wenn er finster dreinblickte. Doch Summer ließ sich durch seine Grobheit nicht täuschen. Er war zwar mürrisch und geizig und hätte seine Schauspieler am liebsten wie seine Tiere mit Peitsche und Stock über die Bühne getrieben. Aber um das altmodische Theater, das er vor einigen Jahren mit den Ersparnissen eines ganzen Lebens gekauft hatte, bangte er Abend für Abend wie um einen geliebten Menschen. »Bator hat seinen Platz eingenommen«, raunte ihm Summer beruhigend zu. »Wir können anfangen.« Als wäre ihr Flüstern ein Schlachtruf gewesen, reckte Mort die Peitsche in die Höhe. Augenblicklich wallte hinter der Bühne Bewegung auf. Bühnenarbeiter rannten zu ihren Plätzen, was die Schneekatzen zum Fauchen und die zahmen Vögel zum Flattern brachte. Helferinnen eilten zu den Kleidertruhen. Eine Leiter knarzte, während der dickliche Lichtmeister in den Bühnenboden hoch über ihren Köpfen kletterte. Und aus dem Augenwinkel sah Summer, wie Mort zu seinem Glücksbringer trat - eine Gesichtsmaske aus schwarzem Stoff, die an einem Stützbalken aufgehängt war. Als einziger Schmuck prangte auf der Stirn ein silberner Katzenkopf, der von Morts allabendlicher Berührung schon ganz blank gerieben war. »Summer, trödel nicht herum, komm her!«, rief Spring. Aufgeregt winkte sie Summer zu. Wie immer war sie auch heute die Erste, die ihr Kostüm und sogar ihre Maske bereits trug. Aber auch tagsüber, wenn sie das Frühlingskostüm aus rosenfarbenen Schuppen, die vielleicht Blütenblätter, vielleicht auch Schlangenhaut darstellen sollten, noch nicht angelegt hatte, schien sie zu leuchten: ein etwas rundliches strohblondes Mädchen mit der marktschreierischen Schönheit einer Sirene. Im wirklichen Leben hieß Spring allerdings Ana und stammte aus Kamsí, einem kleinen Bergdorf irgendwo im Osten des Landes. »Eine Sekunde noch!«, flüsterte Summer zurück. Sie wandte sich wieder zum Vorhang um, schloss die Augen und stand einfach nur da. Ruhig und geborgen im Auge des Sturms konnte sie die Menge spüren, als stünde sie selbst inmitten der Schaulustigen: das Vibrieren ihrer Atemzüge, das heiser-schleifende Geräusch von Sohlen, die ungeduldig über den Boden scharrten, knarrende Stühle, ein Lachen hier und da. Das war der Augenblick, der nur ihr gehörte. Unsichtbar im Schatten zu stehen und allem doch so nahe zu sein, Haut an Haut mit Hunderten von schlagenden Herzen, Schicksalen und Träumen - auch wenn viele dieser Träume sich um Wein und Weiber drehten und keinen zweiten Blick wert sein mochten. Einer der Panther fauchte. Der Raubtiergeruch aus den Käfigen der Nebenbühne stach Summer heute besonders deutlich in die Nase, aber da war auch der Duft von teurem Parfüm, durchsetzt vom scharfen Aroma von Schweiß und dem Branntwein, der in den Hafenkneipen ausgeschenkt wurde. Vermutlich reizte dieser Geruch die Katzen. »Na, hast du schon Lampenfieber, Schöne?« Wie immer hatte Finn sich lautlos angepirscht. Sie spürte seine Worte als warmen Luftstrom an ihrem Hals, noch bevor seine Hände sich auf ihre Schultern legten. Bei seiner Berührung zuckte sie zusammen, doch dann musste sie doch lächeln. Behutsam entwand sie sich ihm. Im staubigen Streiflicht, das durch den Vorhangspalt fiel, zeichnete sich Finns rechte Gesichtshälfte scharf gegen den dunklen Hintergrund ab. Er war geschminkt, goldene, graue und schwarze Schattierungen gaben seinem sanften Gesicht die kantigeren Heldenzüge von Geron Sonnensohn, den er auf der Bühne verkörperte. Das glatt zurückgekämmte helle Haar verstärkte diesen Eindruck noch. Nur das Lächeln, Finns verschmitztes Lächeln, wollte nicht zu der tragischen Figur passen. »Los! Zur Bühne!«, befahl der Lichtmeister von oben. Finn kümmerte sich nicht darum. »Soll Bator doch warten«, raunte er Summer verschwörerisch zu. »Für einen Kuss haben wir alle Zeit der Welt. Also?« Als er sich vorbeugte, unterdrückte sie den Impuls, ihm auszuweichen. Sie lachte und schüttelte den Kopf. »Versuch dein Glück bei Ana oder Charisse, Geron Herzensdieb.« Als sie flink zur Seite glitt und im Bogen an ihm vorbeieilen wollte, schloss sich seine Hand plötzlich um ihre rechte. »Kalte Hände, kaltes Herz«, flüsterte er mit der dramatischen Wehmut, die er auf der Bühne besonders gut beherrschte. Er überrumpelte sie damit, dass er ihre Hand an die Lippen zog und sie mit einer Sanftheit küsste, die Summer verharren ließ. »Eigentlich solltest du meine Wintergeliebte spielen, nicht Charisse. Dein Eis ist wenigstens echt.« »Hier ist doch gar nichts echt, Finn«, erwiderte Summer spöttisch und entwand ihm mit einer schnellen Drehung ihre Hand. »Das hier ist nur ein altes Rumpelkammertheater aus dem letzten Jahrhundert. Du bist kein Held und ich nicht deine Geliebte. Aber spielen wir nicht alle stets die Rolle am besten, die uns am fremdesten ist?« »Autsch!« Er grinste. »Na, freu dich nicht zu früh, heute küsse ich dich!« »Und hoffentlich haut Summer dir dafür eine runter«, fuhr Mort ihn an. »Mach, dass du auf die Bühne kommst oder ich treibe dich mit der Ochsenpeitsche raus!« Auf Morts Wink wurde das Licht im Zuschauerraum dunkel. Das Publikum verstummte schlagartig und die Bühne erstrahlte im knatternden Licht des alten Filmprojektors, der einen schwarzweißen Himmel auf die Leinwände zauberte. Ein erstauntes Raunen ging durch die Menge. Über der Bühne setzte sich die hölzerne Sonne in Bewegung und sank von unsichtbaren Seilen gezogen dem Boden entgegen. Summer wusste, dass die beiden Männer, die dafür zuständig waren, die beiden Sonnenstiere auf die Bühne zu treiben, jetzt zu schwitzen begannen. Flötenmusik setzte ein, überlagerte das Stampfen der Stierklauen. Die klagende Melodie untermalte den Sonnenuntergang. Summer wich gerade noch rechtzeitig zurück, bevor der Vorhang aufschwang, und beeilte sich, zu den anderen hinter die...

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