Die Tätowierungen der jungen Tanja W.

Seit wann schenkt denn ein Mädchen einem Mann rote Rosen? 3. Auflage
 
 
Books on Demand (Verlag)
  • 3. Auflage
  • |
  • erschienen am 1. August 2018
  • |
  • 132 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7528-5407-7 (ISBN)
 
Hat sie sich insgeheim mit der Einmaligkeit dieser Körpermalerei schön gemacht, um sich damit zu bestrafen? /
Geschlossene Augen zu zeichnen oder zu malen ist sehr, sehr schwer./
So wie sie jetzt schaute, zog sie ein schauspielerisches Training ab./
Ich kann nicht sagen, wie lange ihr Anfall diesmal gedauert hat, aber wenn er vorüber ist, schnappt sie sich immer den Hund und heult in sein Fell. Ist das nicht rührend? Das ist doch süß, oder?/
Sie bewegte den ganzen Körper, wenn sie sprach./
'Seit wann schenkt denn ein Mädchen einem Mann rote Rosen?' 'Warum denn nicht? Ich lieb' ihn, und das soll er wissen.'/
Was Tanja nicht wusste und was ihr immer verborgen bleiben würde, war die ungewöhnliche Ausstrahlung ihres Gesichtes, dieser Sonne, die sie mit sich herumtrug und die jeden berührte./
Ich sagte zu ihm: Streichel mich. Ich bekam einen Orgasmus.
3. Auflage
  • Deutsch
  • 0,36 MB
978-3-7528-5407-7 (9783752854077)
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Harald Birgfeld, geb. 1938, lebt seit 2001 in Heitersheim im Breisgau. Von Hause aus Dipl.-Ingenieur, befasst er sich seit 1980 mit Malerei, Lyrik und Prosa. Seine Gedichte erscheinen seit Jahren z.B. in mindestens 27 Anthologien.

II.


Mein Alltag sah nun so aus: wenn ich arbeitete, konnte ich mir fremde Gedanken gut vom Leibe halten. Ich dachte nicht an meine begonnenen Bilder und nicht an dieses Mädchen. Ich war ganz bei der Sache, so sehr, dass man mich manchmal ansprach, ob ich denn wirklich meine Arbeit so sehr liebte, dass ich darin aufzugehen schien. Das machte mich stutzig, weil ich doch wusste, dass ich mich damit nur vor den anderen Gedanken, an meine Bilder und an das Mädchen rettete. Und das konnte nur klappen, wenn ich mich ausschließlich um meine Arbeit kümmerte. Näherte sich aber der Feierabend, so erfuhr ich meine innere Unruhe neu. Sie ließ mich wieder an meine begonnenen Bilder denken. Saß ich schließlich zu Hause am Brett, an einem Bild, einer Zeichnung, dann kam ich nicht voran, weil ich an dieses Mädchen denken musste. Vor den Gedanken an das Mädchen floh ich am nächsten Tag in die Arbeit, von dort am Abend wieder in meine Bilder, zu denen ich wegen meiner Gedanken an das Mädchen nicht kam und deswegen wieder an den nächsten Tag dachte und so weiter und so weiter.

Immer, wenn ich mir über diesen Kreislauf Klarheit verschafft hatte, kam das Herzklopfen dazu. Ich konnte es nicht verstehen. Eines war sicher, meine innere Enge wuchs, und ich musste den wohl unbequemeren Umweg über die Mutter gehen und versuchen, durch sie an das Mädchen heranzukommen.

Es vergingen etliche Wochen der Warterei, weil ich erfahren hatte, dass die Mutter sich im Urlaub befand. Gleich nach dem Urlaub wäre sie zwar für mich erreichbar gewesen, inzwischen hatte mich aber der Mut, sie zu fragen, wieder verlassen.

Eine kleine Aussicht hatte ich dennoch, nämlich ein bevorstehendes Weihnachtsfest sollte in den Räumen der Behörde stattfinden. Dort könnte ich sie ansprechen, dort könnte ich ihr auch erklären, dass mich an dem Mädchen so ungewollt viel beschäftigte, und dass ich voll unruhiger Neugier mit der Tochter in ein Gespräch kommen wollte. Diese Aussicht beruhigte mich ein wenig.

Die Feier rückte näher. Ich war immer noch sehr unentschlossen. Meiner Absichten war ich mir selbst immer noch nicht sicher, und es war unklar, wie ich sie der Mutter gegenüber formulieren sollte.

Eigentlich brauchte ich sie ja nur nach der Adresse des Mädchens zu fragen. Eine scheinbare Begründung musste reichen: ,Ich möchte Ihre Tochter nach den Tätowierungen befragen, nach den Gründen dafür, und so weiter, aus reiner Neugier. Ich möchte Sie im Grunde nur als meine Fürsprecherin gewinnen'. Ja, das hörte sich gut an, so könnte ich es machen.

Am späten Nachmittag fand die Feier statt. Die Mutter war mit Handreichungen und allem möglichen unentwegt beschäftigt, so dass ich sie in nichts verwickeln konnte. Plötzlich aber, als hätte sie ein Engel dahin geschoben, setzte sie sich völlig ermattet direkt neben mir auf einen Stuhl. Ich sah die erhoffte Gelegenheit, mit ihr ins Gespräch zu kommen und versuchte es auch sofort.

"Frau W., ich hatte schon seit längerer Zeit vor, sie noch ein wenig nach ihrer Tochter auszufragen. Sie wissen doch, dass ich so sehr neugierig auf die Gründe für die Tätowierungen bin".

"Ach das sind doch ganz fürchterliche Geschichten. Ich wünschte zu oft, dass es die gar nicht gäbe".

"Wissen Sie, wenn es meine Tochter wäre, würde ich sicher ganz genau so darüber denken wie Sie, aber so, als Außenstehender, finde ich das alles auch hoch interessant".

"Das ist nicht interessant, sondern das ist für uns mit der Tatsache verbunden, dass wir uns bemühen müssen, dieses Kind langsam ernst zu nehmen".

Das erstaunte mich sehr. Ich wäre doch nicht auf den Gedanken gekommen, dass die Eltern dieses Mädchen nicht ernst nehmen konnten. Die Mutter fuhr fort: "Und erst recht, wo sie doch nicht mehr bei uns wohnt".

Ich sah meine Gelegenheit, sie nach der Wohnung des Mädchens zu befragen: "Meinen Sie, dass ich sie 'mal anrufen und vielleicht in ihrer Wohnung besuchen könnte, vielleicht sogar mit Ihnen?"

"Sie haben eine ganz falsche Vorstellung. Die hat keine Wohnung. Wir wissen nicht, wo sie sich aufhält. Wir wissen nur, dass sie mit einem verrückten Österreicher, so einem ,charmingboy' zusammenlebt. Der ist auch noch elegant und sehr freundlich. Den will sie heiraten. Also für uns ist das alles ganz, ganz schrecklich. Wir sind richtig unglücklich".

Die Frau hatte eine weiße Bluse an. Die war bis oben zu, vorne geknöpft, ganz niedlich, mit einem Hauch von Hausfraulichkeit, weil der Stoff so gut gebügelt zu sein schien. Sie war ziemlich durchsichtig aber wieder nicht zu durchscheinend. Es war vielleicht besonders dünnes Leinen oder eine besondere Art Kunstfasergewebe. Ich wurde durch sie irritiert. Normalerweise sieht man durch dünne weiße Blusen die Unterwäsche.

Irgend so ein Trägerchen schimmert immer hindurch. Das war bei dieser Bluse nicht der Fall. Sie hatte einen groben, spitzenbesetzten Kragen. Dazu trug die Frau eine kleine Kette am Hals. Daran war ein Anhänger.

Ganz eng am Hals hatte sie noch eine Perlenkette. Ein Schloss konnte ich nicht erkennen. Die Bluse hatte lange Ärmel. Das nahm ihr viel vom Reiz. Ich konnte kein Hemdchen durch die Bluse hindurch schimmern sehen. Andererseits musste sie Unterwäsche tragen, weil ich nichts von der Brust der Frau durch den Stoff erkennen konnte. Ich hatte meine Logik und verstand hier etwas nicht. Während unseres Gespräches musste ich immer wieder darüber nachdenken und hinschauen, und wurde davon ständig aus dem Konzept gebracht.

Ich fing neu an: "Im Grunde genommen möchte ich Sie gerne als Fürsprecherin bei Ihrer Tochter für mich gewinnen".

Darauf ging sie nicht ein, das schien sie sowieso als selbstverständlich angenommen zu haben.

Sie fragte deswegen auch nicht nach. Ich glaube, dass sie einfach froh war, dass sich jemand für ihre Probleme interessierte. Das hatte ich aber gar nicht vor. Obwohl sie als Frau eher unattraktiv war, strahlte sie während der Unterhaltung viel Wärme, Persönlichkeit und Eigenart aus. Das nahm mich mehr und mehr von ihr gefangen. Ihr Äußeres wurde immer unwichtiger. Wenn nur nicht die Bluse gewesen wäre. Immer wieder musste ich darauf schauen. Selbst wenn sie hautfarbene Unterwäsche getragen hätte, müsste doch wenigstens, bei derartig dünnem Stoff, eine Einschnürung auf der Schulter, im Rücken oder aber oberhalb der Brust zu sehen gewesen sein. Ich konnte aber keine finden. Ich musste der Mutter klarmachen, dass mein Interesse in erster Linie ihrer Tochter galt und nicht ihr selbst.

Ich fragte deshalb so spontan, wie möglich: "Wie alt ist eigentlich Ihre Tochter?"

"Die? Die ist jetzt zweiundzwanzig".

Das hatte ich nicht vermutet. Da hatte ich mich neulich in der Kantine, ganz schön verschätzt. Das sagte ich der Mutter aber nicht. Ich sagte nur: "Das ist ja noch recht jung".

"Ja, das sollte man denken. Sie hat aber für ihr Alter einen ziemlichen Verschleiß an Männern. Das sind wir von ihr so gewohnt. Deswegen haben wir sie auch nicht so recht ernst genommen. Dass sie den nun aber heiraten will, zwingt uns, sie ernst zu nehmen. Das schlimmste ist, dass er so viel älter ist als sie. Sie sagt, und das muss man sich mal vorstellen, dass sie das Gefühl hat, dass der sie wirklich braucht. Sie sagt, wissen Sie, ich mag das gar nicht aussprechen, weil es so banal klingt, weil es wie aus einem schlechten Roman zu kommen scheint. Sie sagt: ,Ich glaube, jetzt weiß ich, dass ich mein ganzes Leben nur für ihn da sein möchte'.

Sie möchte nur noch für ihn da sein. Und das muss ich mir anhören. Sie betreibt das mit einer Sturheit, die wir an ihr nicht kennen. Er ist immerhin schon sechsunddreißig".

Mir schien er ein junger Springer zu sein, weil ich an mein eigenes Alter denken musste. Der Mutter aber musste ich einen größeren Abstand zu den Dingen bestätigen. Sie sah ganz klar, dass dieser Mann für ihre Tochter zu alt war. Die Mutter hegte ganz andere Vorstellungen.

Ich sagte: "Ich habe den Eindruck, dass ihre Tochter".

"Sie heißt Tanja".

"Aha, ein schöner Name. Tanja also".

Ich war wieder aus dem Rhythmus gekommen. Diesmal hatte es aber einen anderen Grund. Ich musste einen Augenblick über den Namen nachdenken. Eine Tanja hatte ich als Braut gekannt. Nicht als eigene sondern als fremde. Das Brautpaar hatte parallel zu seiner eigenen Hochzeit noch Hochzeitswerbeaufnahmen im Geschäft meiner Schwester, einem gutgehenden Juweliergeschäft, machen sollen. Daraus wurde aber nichts. Die Fotos, allerdings von und mit dem Paar, hatte dann mein Sohn gemacht, und ich hatte mir spontan vorgenommen, von dem Gesicht des Mädchens, welches er mit wunderbar niedergeschlagenen großen Augenlidern fotografiert hatte, eine Zeichnung zu machen. Natürlich, da war die Verbindung: Tanja... niedergeschlagene Augen... zeichnen... Bild.

Die Verbindung der beiden war aber nach nur einem Jahr der gegenseitigen Verletzungen in die Brüche...

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