Sasel, Geschichte eines Außenlagers

Geschichte eines Außenlagers, KZ-Sasel. Vers-Epos
 
 
Books on Demand (Verlag)
  • 3. Auflage
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  • erschienen am 13. Mai 2020
  • |
  • 140 Seiten
 
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978-3-7519-4526-4 (ISBN)
 
Im vorliegenden Band wird auf 140 Seiten in Anlehnung an Geschichte eines Außenlagers KZ Sasel der Hamburger Behörde für Schule, 1982, nacherzählt, was sich im KZ Sasel in den letzten Kriegsjahren ereignet hat. Es ist wichtig, insbesondere der Jugend, immer wieder darüber zu berichten.
Nichts davon darf in Vergessenheit geraten! Das Vers-Epos scheint eine dauerhafte Fassung zu sein.
Der vorliegende Band ist im Laufe von Jahren mit vielen Gesprächen, Recherchen und Rückfragen entstanden. 2014 war die erste scheinbar endgültige Fassung fertig, dann hat der Autor aber Überarbeitungen und vor allen Dingen lektorische Korrekturen vorgenommen. Jetzt, 2020, möchte der Autor den Text der Öffentlichkeit endgültig vorstellen.
3. Auflage
  • Deutsch
  • 0,25 MB
978-3-7519-4526-4 (9783751945264)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Harald Birgfeld, geb. in Rostock, lebt seit 2001 in Heitersheim.
Von Hause aus Dipl.-Ingenieur, befasst er sich seit 1980 mit Lyrik. 53 Veröffentlichungen online, davon 27 im Buchhandel und als E-Book sowie 2 Bände in Prosa erschienen von ihm. In mindestens 28 Anthologien ist er vertreten. Harald Birgfeld schrieb seine Gedichte, inzwischen mehr als 12.000 Strophen, überwiegend während der Fahrten in der Hamburger S-Bahn zur und von der Arbeit.
Die Vielzahl der Veröffentlichungen erfolgte im Verlag:
Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik. e.V. Leipzig, unter ISBN: 3-937264.
Veröffentlichungen von Harald Birgfeld, wie im vorliegenden Band, erfolgten auch in Druck und Herstellung bei Books on Demand GmbH, 22848 Norderstedt und online.

Erster Tag


Frau U., die Lehrerin

Steht auch am Zaun,

Und die Gespräche gehen durcheinander,

Sie berichtet aus der Zeit,

Das ist die Zeit, von der wird hier berichtet,

Als die tausend Jahre

Sich schon zu dem Ende neigten,

Und das tiefe Schwarz

Der Winzigpunkte schwarzer Hemden,

Die einst ineinander liefen,

Sich im Raster wieder aufzulösen schienen,

"Damals", sagt sie, "hatte ich die Wahl

Und hatte keine Wahl

Und hatte längst gewählt

Und war ein junges Mädchen,

Das versteckte seine Reize ordentlich,

Und meine Wahl galt nicht,

Und eine andre Wahl in meinem Herzen

Durfte ich nicht einmal mit dem Mund berühren.

Ich war noch im Studium,

Da fragte mich ein Schwarzhemd mit dem Rutenbündel,

Und es war sehr freundlich,

Und es war ein Mann.

Ich hatte oft von dem Versteck

In seinem Arm gehört

Und wählte aus der Wahl, die er mir gab:

Die war das Kettenwerk der Munitionsfabrik

Am Bahnhof Ochsenzoll,

Um Kriegseinsatz zu leisten,

Und ich brauchte so nicht in den Krieg,

Und andrerseits als Schaffnerin

Auf einer Straßenbahn,

Die hatte keinen Bunker,

Und ich würde meine Angst spazieren fahren.

Und ich ging mit anderen in die Fabrik,

Dort hatte man die Angst vor uns,

Weil wir noch gar nichts wussten,

Und man lehrte uns

Die Hände zu gebrauchen,

Und das, was wir selber hätten lehren können,

Zu vergessen,

Und wir lernten schnell

Und produzierten endlich

Hülsen für Granaten".

Andrerseits vom Zaun

Erinnert sich die Jugend nicht.

Sie wurde nie getötet,

Nie befreit,

Sie wurde nie beraubt,

Beplündert mit Gesetz und Ordnung,

Und man wird noch viel, viel schreiben müssen,

Um am Ende nichts zu schreiben,

Weil man's dann versteht

Und endlich kennenlernt

Und das Erkennen lernt.

Frau U. berichtet später über diese Angelegenheit,

Die sie betraf,

Noch ganz ausführlich,

Und es ist nicht nur die Angelegenheit,

Die sie betraf.

Sie leben in Ansorge

Und in einem Garten,

Der erlaubt nur junge Menschen,

Lebten fast in einem Paradies,

Wenn sie nicht wüssten, was hier vorher war.

Auch haben sie es nicht gelernt

Sich gegenseitig zu vermissen,

Weil sie, gänzlich ohne alle Sorgen,

Niemals umeinander Sorge hatten finden können,

Ja, sie möchten sich vermissen lernen.

Und ihr Heim liegt mitten in der grünen Landschaft,

Die ist gar nicht grün für sie,

Weil sie das tote Grau des Grauens

Überhaupt nicht kennen,

Und sie leben in dem Alstertal

Und gehen an den Gartenzaun

Und horchen auf die Steine

Und auf die Gespräche dieser Steine,

Die befinden sich noch

In dem ersten Echo,

Sind noch nicht so alt,

Man kann sie gut vernehmen,

Und die jungen Menschen schreiben alles in der Eile auf,

Die kommt nun fast zu spät

Und rettet doch noch alles,

Was sich schon auf das Vergessen werden vorbereitete.

Die Hast von damals taucht vor ihnen auf,

Und wo sie stehen,

Stand zuvor ein Lager,

Das war aufgestanden

Und zerfallen bis auf einen Rest

Und einen Stein, der wurd' behauen

Und ist nass von immer neuen Tränen,

Und er ist so grau,

Dass man das Grün um ihn herum erkennen kann.

Das alles steht am Zaun von Sasel,

Darin liegt das Alstertal,

Das ist nichts weiter als Geschichte,

Die man vor dem Untergang

Noch schnell befragt,

Und so viel weiß man noch genau,

Das Grau, von dem sie sprachen,

Wird sich schrecklich

Mit dem Rot vermischen,

Dass man auf das Grün,

Um dessentwillen man mit Steinen spricht,

Wird kaum noch hoffen können.

Die, die leben

Und die überlebten

Werden an den Zaun gerufen und befragt.

Sie geben gleich als erstes

Eine Totenliste ab,

Die haben sie in Bergstedt

Unter einem Stein gefunden,

Und sie wird lebendig

Ohne einen Gruß zu übermitteln.

Keiner kann sich dem Bericht entziehen,

Keiner der dort spricht

Vermag mit seinem wahren Namen

Wahre Namen aufzusagen,

Und man kürzt sie alle ab.

Es spricht Frau I., Herr X., Frau H.,

Und Bilder die man machen möchte,

Werden nicht belichtet,

Das ist schrecklich wahr,

Weil eine wahre Sonne ihnen,

Nach nun fünfzig Jahren

Der Geburt der Schwarzhelmtyrannei,

Noch nicht zu scheinen scheint.

Von keiner Seite wirft man einen Stein,

Es steht ja auch der Zaun dazwischen,

Und die einen sind zu jung,

Die anderen vielleicht zu müde,

Und das Steine werfen, sieht man ein,

Trifft ausnahmslos die Falschen,

Und sich selbst bewirft man nicht,

Und Spiegel stellte keiner auf.

Die jungen Leute haben eine Amtsperson,

Die übersetzt die Steingespräche,

Das ist aus Liszkowski in die Gegenwart.

Und sie diktiert aus den Gesprächen

Von dem Tage der Geburt,

Die war vor fünfzig Jahren.

Die Geburt war eine Sonnenfinsternis,

Die fing mit einer Sonnwendfeier an

Und ließ die Feuerräder von den Bergen laufen.

Damals staunten viele über diese Wende.

Wenige von ihnen waren später

Noch als Zeugen zu befragen

Wie Herr X., Frau I., Frau H.

Die gaben auch nur von dem Ende

Den Bericht.

Vor fünfzig Jahren hatten die,

Die in der Krippe lagen,

Sich als Wunder der Natur allein gezeugt,

Allein aus sich heraus geboren,

Sich allein genährt,

Dann in der Folge rascher Dieberei

Die Brüste junger Mütter andrer Kinder

Ausgetrunken und sie, wenn die Mütter schrien,

Gezwungen sie zu säugen,

Bis zu deren Tod,

Und tranken auch die Muttermilch,

Wenn sie nicht mehr zu trinken war.

Sie wählten sich alleine aus

Und hatten sich ein Zeichen ausgewählt,

Das war die Axt,

Die trugen sie versteckt im Rutenbündel,

Das entdeckten die, die auf sie trafen,

Viel zu spät.

Die anderen entdeckten nichts

Und sahen nicht in das Versteck.

Die Ausgewählten kamen schon bekleidet auf die Welt

Und trugen unter ihrer Haut

Die schwarzen Hemden,

Als ein Fruchtbarkeitssymbol,

Das legten sie nie ab,

Das war ein Panzer, der das Überleben

Garantieren sollte,

Und der die Verbreitung sicherte,

Und ihren Fortbestand.

Den planten sie sofort

Auf über tausend Jahre.

Am Zaun kommt man nicht weiter,

Und man fragt nun in die Steine.

Steine kann man nicht befragen,

Und man muss auf die Gespräche lauschen,

Die sie miteinander führen,

Und für Steine, die hier liegen,

Gibt es neben ihren Urgesprächen,

Auch die frischen Narben.

Für den Stein sind tausend Jahre gar nichts,

Und sie lachten,

Als sie von den schwarzen Hemden hörten,

Die an tausend Jahre dachten.

Aus den Steinen nimmt die Jugend den Bericht,

Den muss sie von den Urgesprächen trennen

Und dann übersetzen lassen,

Und er wird verlesen:

"Wir, die Steine, lagen nahe beieinander,

Und wir lagen an dem Türeingang der Villa,

Und wir hörten alles.

In der Villa lebten neben den Bewachern

Auch die schwarzen Hemden,

Die mit eignen Schwarzhemdfrauen schliefen.

Über den Bewachern wohnten ihre Wachen

Und drei Könige, Herr P., Herr T., Herr T.,

Und täglich zogen sie zu den Baracken

Hinter einem Stacheldraht,

Ein Aufenthalt für fünf mal hundert Frauen,

Um sich abzulösen.

Und die Insassinnen dort

Belebten, nicht bewohnten,

Und bestarben sechs Baracken.

Einmal lag auf einem Stein, auf uns,

Ein Schwarzpapier,

Das kam von dem Kommando Neuengamme,

Und die Insassinnen, hätten Heime zu errichten,

Heime für die Not,

Die breitete sich aus,

Und Arbeit in der Ziegelei zu machen

Und die Trümmer zu beseitigen;

Sie selbst, so schrieb man,

Seien in dem Falle ihres Todes zu beseitigen,

Und die Bevölkerung,

Die lebte gar nicht weit entfernt,

Sei streng von ihnen abzuschnüren,

Und man drohte ihr und ihnen

Harte Strafen an.

Das Lager",

Wussten diese Steine zu berichten,

"Nahm im späten Sommer, erstmals im

August des Jahres '44,

Und es war der letzte

Dieses Tausendjahrereiches,

Seine Menschen auf

Und war kein Arbeitslager,

Und im Wonnemonat Mai darauf,

Der konnte keinem mehr

Ein Wonnemonat sein

Und wurde doch zur Wonne dieser Tage,

Wieder abgerissen

Und dem Boden gleichgemacht.

In dieser Zeit errichteten die...

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