Biker Tales: Verloren in der Finsternis

 
 
Biker Tales (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 14. Februar 2020
  • |
  • 220 Seiten
 
E-Book | ePUB ohne DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-96215-345-8 (ISBN)
 
Teil 4 der beliebten Biker-Tales-Reihe! Emma ist am Boden zerstört - ihre Familie, der MC, hat sie rausgeworfen, weil der Mann, den sie liebt, es so verlangt hat. Jedoch weigert sie sich, seine Entscheidung hinzunehmen, denn sie weiß, Scar schickt sie nicht aus Boshaftigkeit fort. Er steckt in Schwierigkeiten und will Emma auf diese Weise beschützen. Sie kann jetzt nicht einfach gehen und ihn im Stich lassen. Fest entschlossen, für ihn zu kämpfen, schnüffelt sie in seiner düsteren Vergangenheit herum und stößt dabei auf einige sprichwörtliche Leichen in seinem Keller, die besser vergraben geblieben wären und die nicht nur Scar und Emma in große Gefahr bringen.
  • Deutsch
Edel Elements
  • 1,61 MB
978-3-96215-345-8 (9783962153458)

Chapter Nine - Burning With Curiosity


Tief durchatmend blickte Emma aus dem Autofenster auf die Filiale der Western Union Bank. Ihr kam es vor, als befände sie sich in einem schrägen Traum, der sich zwar schmerzlich nach Realität anfühlte, aber derart verquer war, dass es einfach nicht echt sein konnte.

»Das wäre der perfekte Moment, um aufzuwachen«, murmelte sie, das Bild vor ihren Augen löste sich jedoch nicht auf, und sie spürte auch kein weiches Kissen unter ihrem Kopf. Nein, das war die Realität. Ihre Realität. So schräg und verquer sie auch aussehen mochte.

Der Mann, den sie für ihren besten Freund gehalten hatte, der Mann, der sie angeblich liebte, und viel schlimmer, den sie liebte, verbannte sie aus der Stadt. Zwang sie damit, einen Typen um Hilfe zu bitten, der nichts als Missbilligung für sie übrighatte. Ihr Magen drehte sich um, wenn sie daran dachte, dass sie nun in die Bank gehen und das Geld abholen musste, das Tyler ihr geschickt hatte. Sie würde gerne sagen, sie hätte sich nie zuvor derart jämmerlich gefühlt, aber das stimmte leider nicht. Ihr Leben schien nicht mehr als eine Aneinanderreihung von peinlichen und Stolz brechenden Situationen zu sein.

So konnte es nicht weitergehen. Scar ließ sich nicht helfen, und wenn Emma nicht wollte, dass sich die Jungs gegenseitig an die Gurgel gingen, musste sie tun, was er verlangte: verschwinden und kein großes Drama daraus machen. Daher blieb ihr nichts anderes übrig, als alle Zelte abzubrechen und irgendwo einen Neuanfang zu versuchen.

Blaze war am vergangenen Abend sogar noch bei ihr aufgekreuzt und hatte sie so lange genervt, bis sie ihm versprach, vorerst zum Vegas-Chapter zu gehen. Nur bis sich die Dinge in Wolfville geklärt hatten, wie er sich ausdrückte. Emma hatte zugestimmt, damit er endlich Ruhe gab und verschwand, jedoch hatte sie keinesfalls vor, wirklich nach Vegas zu gehen. Sie würde sich nicht wie ein abgelegtes Club-Groupie von einem Chapter ins andere abschieben lassen. Das ertrug sie nicht.

Stundenlang hatte sie gegrübelt, versucht, eine andere Lösung zu finden, aber ihr war nichts eingefallen. Inzwischen war sie schlicht zu erschöpft, um weiter darüber nachzudenken. Wenn sie nicht bleiben und nicht nach Vegas gehen konnte, blieb ihr nur noch die Flucht nach vorn. Daher hatte sie sich entschieden, das Erbe ihres Großvaters anzunehmen und nach Reno zu fahren. Dort fand sie sicherlich eine Unterkunft und einen Job.

Dass sie in ein paar Stunden bereits in ihrer neuen Heimat ankommen würde, ging ihr aber schlichtweg nicht in den Kopf. Vor allem, weil sie nicht aus Wolfville wegwollte. So wenig und so vehement, dass sie am liebsten mit dem Fuß aufgestampft hätte, wie das kleine Mädchen, das sie längst nicht mehr war. Und dessen Träume einmal mehr zerbrachen. Doch es half nichts, irgendetwas musste sie tun.

Pat war der Einzige, von dem sie sich verabschiedet hatte. Obwohl er wie alle anderen dachte, sie ziehe bloß nach Vegas, behandelte er Emma, als würden sie sich nie wiedersehen. Der sonst so lustige Ire, dem für gewöhnlich nichts die Stimmung verhageln konnte, war erschreckend wütend auf Scar. Emma hoffte nur, er würde sich bald beruhigen. Denn sie war sicher, er hatte es nur halb im Scherz gemeint, als er vorschlug, seinen Bruder bei der nächsten Ausfahrt zu schneiden, damit Scar >aus Versehen< die Klippen hinunterstürzte.

Pat konnte nicht verstehen, was passiert war. Wie auch? Emma begriff es selbst nicht. Sie versprach ihm allerdings, nur solange in Vegas zu bleiben, bis sein >Bro wieder zur Vernunft kam<. So viele Lügen ...

Konnte denn keiner sehen, wie falsch das alles war? Verstand denn niemand, dass Emma sich so schlecht fühlte, weil die Familie, zu der sie gehören wollte, sie einfach so fortschicken durfte, ohne Grund? Es war nun schon die zweite Familie, die sie rauswarf. Und sie hatte es so satt. Sie war es müde, nirgends richtig dazuzugehören.

Du bist nicht für diese Welt gemacht, Süße. Du wirst immer das gleiche, schwache Mädchen sein, das sich von allen herumschubsen lässt.

Die Erinnerung an Mishas Worte schnitt sich wie ein Messer in Emmas Brust. Pres' old Lady hatte sie nie akzeptiert und ihr so oft prophezeit, was geschehen würde, wenn die Jungs hier in Wolfville mit ihr fertig waren. Emma hasste sie dafür, recht gehabt zu haben.

Schnaubend schüttelte sie den Kopf. So wütend sie war, und so viele triftige Gründe sie fand, um fortzugehen, da war etwas tief in ihrem Inneren, was sie gerade davon abhielt, in diese Bank zu marschieren. Diese verdammte leise Stimme, die ihr wiederholt zuflüsterte, dass Scar sie nicht aus Bosheit, sondern aus Angst und Sorge weggeschickt hatte, und er in Wahrheit Hilfe brauchte. Trotz allem hatte sie das bittere Gefühl, ihn im Stich zu lassen.

Gib ihn nicht auf. Er braucht dich. Er weiß es nur nicht immer.

Es waren Pats Worte, die ihr neben Mishas nicht mehr aus dem Sinn gingen. Was, wenn sie die Stadt verließ und Scar etwas Schlimmes zustieß?

Sie waren sich ähnlicher, als man auf den ersten Blick meinen konnte. Sie wollten beide das Beste für den anderen. Leider schien das, was sie für das jeweils Beste hielten, nicht miteinander vereinbar.

Alles in Emma drängte danach zu erfahren, was Scar so hartnäckig versuchte, vor ihr zu verstecken. Er hatte Probleme. Und eine wahre Freundin würde sich nicht einfach umdrehen und gehen, auch wenn er das verlangte. Oder?

Emma atmete einmal mehr tief durch, dann zwang sie sich, auszusteigen und auf das Bankgebäude zuzugehen. Sie holte jetzt dieses Geld ab und fuhr nach Reno, so wie sie es entschieden hatte. Herrgott noch mal, das konnte doch nicht so schwer sein.

Als sie den Schalterraum betrat, hätte sie am liebsten gleich wieder umgedreht. Die Boxen in den Ecken waren zwar auf unaufdringliche Hintergrundlautstärke eingestellt, aber Emma hörte Dolly Partons weinerliche Stimme trotzdem überdeutlich. In ihrem Song »Jolene« flehte sie ebenjene an, ihr den Mann nicht wegzunehmen. Ausgerechnet!

Emma erinnerte sich dabei nicht nur schmerzlich daran, dass sie wie Jo von einem Chapter ins nächste abgeschoben wurde, sie hatte auch sofort die Szene vor Augen, in der Scar seine Hand an ihren Rücken legte. Ihr Herz wurde schwer beim Refrain ...

Scar war zwar nicht ihr Mann, nicht einmal ihr Freund, also konnte von wegnehmen keine Rede sein, dennoch tat der Gedanke, Jo schlage von jetzt an ihre Klauen in ihn, höllisch weh. Kein Wunder, dass sie glaubte, in diesem Moment seine Stimme zu hören.

»Prüfen Sie es noch einmal nach.«

Ähm, nein, es war gar keine Einbildung. Scar stand am Schalter, in seiner ganzen furchteinflößenden Düsternis, und diskutierte mit der Angestellten.

Emmas Herz flatterte in ihrer Brust, während ihr restlicher Körper erstarrte. Obwohl sie ihn nur ein paar Tage nicht gesehen hatte, kam es ihr vor, als seien Jahre vergangen. Er stand mit dem Rücken zu ihr, die noch neuen Patches auf seiner Kutte strahlten ihr förmlich entgegen, und er beugte sich zu der Dame am Schalter hinunter, sodass Emma sein Gesicht nicht sehen konnte. Allerdings zeugte seine gesamte Haltung von Anspannung.

Die Bankmitarbeiterin drückte sich in die Rückenlehne ihres Stuhls, zog den Kopf ein und schaute mit großen Augen zu ihm auf. Emma vergaß oft, wie bedrohlich der Mann auf andere wirkte. Dafür kannte sie ihn zu gut. Oder vielmehr hatte sie geglaubt, ihn gut zu kennen. Anscheinend hatte Scar aber mehr Geheimnisse als alle Repräsentanten des Weißen Hauses zusammen.

»Es tut mir leid, Sir«, sagte die Frau. »Ich werde ... Ich schaue noch einmal nach. Tut mir leid ...«

Scar richtete sich auf und drehte den Kopf zur Seite, da erwachte Emma aus ihrer Starre. Sie huschte hinter den älteren Mann, der am Schalter offenbar ungeduldig darauf wartete, dass der Outlaw endlich fertig wurde. Geduckt drängte sie sich an seinen Rücken und schielte über dessen Schulter.

»Ich muss nur wissen, ob die Adresse rausgegeben wurde oder nicht.« Scars samtene Stimme strich über Emmas Haut. Wie hatte sie dieses sanfte Raunen vermisst! »Ich komme jeden Monat hier her, das muss irgendwo dokumentiert sein.«

»Es tut mir sehr leid, Mister Greenwood, aber ich kann in dem Datensatz nichts erkennen.« Die Angestellte hatte sichtlich Angst vor dem schwarzgekleideten Mann mit der Narbe im Gesicht. Ihre Finger zitterten, als sie ein Blatt Papier aus dem Drucker nahm und es vor ihm ablegte. »Schauen Sie, so sieht es aus, mehr sehe ich nicht.«

Der ältere Herr räusperte sich und zuckte mit der Schulter, da merkte Emma erst, dass sie vor Spannung die Hände an seinen Rücken gelegt hatte.

»Entschuldigung«, murmelte sie und trat einen Schritt zurück.

»Kann ich davon ausgehen, dass der Empfänger das Gleiche sieht wie wir beide?« Scar bemühte sich offenbar um einen ruhigen Tonfall, damit er die arme Frau nicht noch restlich aus der Fassung brachte. »Taucht in den Unterlagen irgendwo die Adresse dieser Filiale auf? In irgendeiner Zahlung der letzten Monate?«

Emma konnte nicht mehr verstehen, was die Angestellte murmelte, und Scar war wie immer nicht anzusehen, was er dachte. Von hinten sowieso nicht. Schließlich nickte er, machte auf dem Absatz kehrt und marschierte zum Ausgang.

Emma duckte sich hinter den älteren Herrn, umrundete ihn dann und huschte zum Schalter.

»Hey, Miss! Was soll denn das?«, beschwerte sich dieser.

»Tut mir ehrlich leid, Sir!« Emma bedachte ihn mit einem entschuldigenden Lächeln, stellte sich vor die Angestellte und legte unauffällig eine Hand auf den Ausdruck, den Scar liegengelassen hatte. Die Frau war noch damit beschäftigt, Scar...

Dateiformat: EPUB
Kopierschutz: ohne DRM (Digital Rights Management)

Systemvoraussetzungen:

Computer (Windows; MacOS X; Linux): Verwenden Sie eine Lese-Software, die das Dateiformat EPUB verarbeiten kann: z.B. Adobe Digital Editions oder FBReader - beide kostenlos (siehe E-Book Hilfe).

Tablet/Smartphone (Android; iOS): Installieren Sie bereits vor dem Download die kostenlose App Adobe Digital Editions (siehe E-Book Hilfe).

E-Book-Reader: Bookeen, Kobo, Pocketbook, Sony, Tolino u.v.a.m. (nicht Kindle)

Das Dateiformat EPUB ist sehr gut für Romane und Sachbücher geeignet - also für "glatten" Text ohne komplexes Layout. Bei E-Readern oder Smartphones passt sich der Zeilen- und Seitenumbruch automatisch den kleinen Displays an. Ein Kopierschutz bzw. Digital Rights Management wird bei diesem E-Book nicht eingesetzt.

Weitere Informationen finden Sie in unserer E-Book Hilfe.


Download (sofort verfügbar)

2,99 €
inkl. 7% MwSt.
Download / Einzel-Lizenz
ePUB ohne DRM
siehe Systemvoraussetzungen
E-Book bestellen