Hedgehogging

Zeitlose Investment-Weisheiten einer Wall-Street-Legende
 
 
Wiley-VCH (Verlag)
  • erschienen am 5. April 2016
  • |
  • 471 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Adobe-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-527-80473-3 (ISBN)
 
Hedgefonds sind geringer regulierte, aktiv gemanagte Investmentfonds, die eine hohe Rendite in Aussicht stellen, aber auch ein hohes Verlustrisiko aufweisen. Die Manager dieser Fonds werden nicht nur wegen Namensähnlichkeit im angelsächsischen Raum auch gerne mit Igeln ("Hedgehogs") verglichen: befremdliche, unsichere, aber faszinierenden Charaktere, die im (finanziellen) Überlebenskampf auch ihre Artgenossen ausrauben.
In "Hedgehogging" gibt Wall-Street-Legende Barton Biggs auf unterhaltsame Art und Einweise Einblicke hinter die Kulissen des großen Geldes. Biggs geht zum einen auf seine Zeit bei Morgan Stanley ein, zum anderen berichtet er von den Erfahrungen, die er während der Gründung seines eigenen Hedgefonds gesammelt hat.
1. Auflage
  • Deutsch
  • Berlin
  • |
  • Deutschland
  • 0,71 MB
978-3-527-80473-3 (9783527804733)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Barton Biggs war eine Wall-Street-Legende. Sein Name wird in der Finanzbranche in einem Atemzug genannt mit Größen wie Warren Buffett, John Bogle oder George Sorros. Er war 30 Jahre lang Seniorpartner bei Morgan Stanley. In dieser Zeit gestaltete er das als führend geltende Research Department, baute als Chairman Morgan Stanleys Investment-Management-Geschäft auf und wurde der führende Experte für globale Strategie.
Als sich Morgan Stanley 1996 mit Dean Witter zusammenschloss, war Barton Biggs Mitglied der fünfköpfigen Geschäftsführung. Im Jahr 2003 verließ er Morgan Stanley, um mit zwei weiteren Partnern Traxis Partners, den damals größten neuen Hedgefonds, zu gründen.
Barton Biggs hat Reden in jedem wichtigen Land der Welt gehalten, hat mehrere Bücher geschrieben und war über 300 mal im Fernsehen zu sehen. Er starb im Juli 2012 im Alter von 79 Jahren.
  • Intro
  • Titelei
  • Inhaltsverzeichnis
  • Was die Börse spannend macht!
  • Einleitung
  • 1 Das Triangle Investment Club Dinner
  • 2 Die neuen Hedgehogs waren vielleicht Goldjungen, ihr Blut ist aber trotzdem rot
  • 3 Leerverkauf von Öl
  • 4 Leerverkäufe sind nichts für Feiglinge
  • 5 Der Start eines Hedgefonds - eine wahre Odyssee
  • 6 Roadshow heißt Plackerei
  • 7 Am Start - ABER heimgesucht von Erinnerungen und Zweifeln
  • 8 Hedgehogs gibt es in allen Größen und Formen
  • 9 Die Heftigkeit säkularer Marktzyklen
  • 10 Der Überlebenskampf im Investmentgeschäft
  • 11 Von einer Generation zur nächsten
  • 12 Die Mystik der Natur und Gruppendenken ist ein Übel
  • 13 Die Internetblase
  • 14 Erfolgreiche Investmentmanager sind leidenschaftliche, disziplinierte Verrückte
  • 15 Man wird nur so geliebt wie seine letzte Performance
  • 16 Wie kann man ein Vermögen bewahren, wenn man erst mal eines hat?
  • 17 Drei Investmentreligionen
  • 18 Das Problem mit der Größe
  • 19 Blasen und wahre Gläubige
  • 20 Göttliche Intervention oder Insider-Information?
  • 21 John Maynard Keynes
  • Schlussbemerkung
  • Leseempfehlungen
  • Glossar
  • Stichwortverzeichnis
  • End User License Agreement

Einleitung


In den drei Jahren, seit ich Hedgehogging geschrieben habe, ist in der Welt der Hedgefonds eine Menge passiert, aber die Menschen und die verschlingenden Gefühle von Angst und Gier, von denen die Spieler, über die ich in diesem Buch schreibe, gequält werden und die sie zu ihrem manischen Verhalten treiben, sind immer noch dieselben. Weltweit sind rund eine Billion Dollar Kapital in aktienorientierten Hedgefonds investiert (gegenüber 300 Milliarden Dollar vor sechs Jahren), wobei das Brutto-Engagement in Long- und Short-Positionen irgendwo zwischen 1,5 und 2 Billionen Dollar liegt. Die Gesamtperformance nach Gebühren war mäßig (was in Anbetracht der starken Märkte seit 2002 nicht verwundert).

Sowohl die Geburten- als auch die Sterberaten sind nach wie vor astronomisch. Niemand kennt genaue Zahlen, aber mindestens 2000 Hedgefonds wurden seit Ende 2004 geschlossen und wahrscheinlich 2500 neue Fonds gegründet. Es gab Triumphe und Tragödien, und einige glückliche Männer (so weit ich weiß, gibt es keine sehr reichen Hedgefondsgründerinnen) sind obszön reich geworden, während viele andere Unglückliche - manchmal auf brutale Weise - auf der Folterbank der Performance und des vernachlässigten Marketings gebrochen wurden.

Seit ich dieses Buch geschrieben habe, sind Dachfonds ein noch wichtigerer Faktor in diesem Geschäft geworden. Im vergangenen Jahrzehnt waren Dachfonds die größten Gewinner der gesamten Vermögensverwaltungsbranche; ihre Vermögenswerte sind seit 1999 um das Zehnfache gestiegen, wobei die Steigerungsrate in den letzten drei Jahren exorbitante 25 Prozent jährlich betrug. Es gibt jetzt schätzungsweise 2500 solcher Fonds, gegenüber 500 vor sieben Jahren. Die Dachfonds machen jetzt fast 40 Prozent der gesamten Vermögenswerte aller Hedgefonds aus, was weit über dem 22-Prozent-Anteil der »High Net Worth Individuals« liegt. Die fünf größten Dachfonds kontrollieren etwa ein Drittel der Branche, und sie können von jetzt auf gleich 150 Millionen US-Dollar in einen Hedgefonds rein- oder rausschnippen. Veranstaltungen, bei denen sich die Branche selbst beweihräuchert, wie die von mir beschriebene Konferenz im Breakers, finden immer öfter statt.

Und welche Trends gab es sonst noch? Erstens wurden Hedgefonds von Pensionsfonds und Stiftungen zunehmend als unkorrelierte Anlageklasse anerkannt. Eine steigende Zahl von Treuhändern und Trägern von Pensionsplänen glauben, dass Hedgefonds in Bullenmärkten mindesten 80 Prozent der Rendite des Standard & Poor's 500 Aktienindex einbringen und in Bärenmärkten nicht nur kein Geld verlieren, sondern sogar geringe Gewinne erzielen sollten. Daher sind sie zu bevorzugten Instrumenten der Diversifizierung und in großen Multi-Asset-Portfolios zum Ersatz für festverzinsliche Papiere geworden.

Zweitens haben die Anzahl von Zwischenfällen bei Fonds und die öffentliche Aufmerksamkeit, die diese erregten, viele Käufer verängstigt. Die Volatilität und die hohen Verluste haben die einst sakrosankten quantitativen Fonds erschüttert und der Zusammenbruch einiger sehr großer Fonds - insbesondere Amaranth, Bear Stearns und Sowood - hat Investmentkommissionen, Hedgefondsberater und Treuhänder Gottesfurcht eingeflößt. Infolgedessen fließt neues Geld von institutionellen Anlegern zunehmend in die sehr großen, etablierten sogenannten Multistrategie-Hedgefonds. Anders ausgedrückt: Die Großen werden noch größer.

Gleichzeitig suchen Treuhänder nach Sicherheit. Sie wollen sich den Ärger und die Gerichtsprozesse ersparen, die daraus resultieren, dass ein von ihnen ausgewählter Fonds ihnen um die Ohren fliegt. Das macht Dachfonds noch attraktiver, weil sie eine Art treuhänderischen Schutz bieten.

Das Gute an Dachfonds ist, dass sie von professionellen Experten betrieben werden, die viel Zeit damit verbringen, Hedgefonds zu durchleuchten. Sie analysieren eingehend, welche Quellen der Performance von Hedgefonds zugrundeliegen und prüfen sehr genau, wie viel Risiko die einzelnen Hedgefonds eingehen. Sie beobachten und verfolgen Portfolios und sind nicht anfällig für Promotion-Sch**.

Darüber hinaus achten sie, wie ich in diesem Buch erörtern werde, sehr genau darauf, ob sich die Anzeichen mehren, die auf einen Fall von Selbstüberschätzung hindeuten. Subtile Hinweise darauf, dass ein Manager dabei sein könnte, das Wesentliche aus den Augen zu verlieren, sind ein sinkendes Golf-Handicap, eine Scheidung, der Kauf mehrerer Ferienhäuser, eine Vielzahl ausländischer Kindermädchen und steigende Aufmerksamkeit im Umfeld von Gesellschaft und Wohltätigkeit. Anders ausgedrückt, Dachfonds sind professionell.

Das Schlechte an Dachfonds ist die Tatsache, dass sie Schwankungen der Performance und sogenannte Drawdowns hassen. Drawdown bedeutet, dass ein Fonds für einen Bewertungszeitraum ein Sinken des Nettoinventarwerts meldet. Ein gelegentlicher monatlicher Drawdown wird toleriert, aber ein großer Quartals-Drawdown kann schnell Rückgaben auslösen. Außerdem neigen Dachfonds dazu, der Performance hinterherzujagen. Diese Praktiken führen dazu, dass Hedgefondsmanager sehr darauf bedacht sind, kein Geld zu verlieren; sie versuchen, sich beim ersten Anzeichen von nachgebenden Kursen in Sicherheit zu bringen und erleiden dabei oft einen doppelten Verlust. Mit anderen Worten, sie laufen dem Trend hinterher. Meiner Meinung nach kann man langfristig keine guten Ergebnisse erzielen, wenn man zulässt, dass geschäftliche Überlegungen gute Investitionsentscheidungen dominieren.

Die Achillesferse der Dachfonds ist vielleicht ihre Gebührenstruktur. Sie verlangen oft eine feste Gebühr von einem Prozent plus zehn Prozent der Gewinne. Wenn man dann noch die Gebühren von Hedgefonds dazu nimmt, die zwei Prozent und 20 Prozent ansetzen, hat der Investor ziemlich happige Hürden zu nehmen. Wenn große Geldsummen verwaltet und hohe Gebühren verlangt werden, bedeutet das möglicherweise eine enttäuschende Performance. Ich wette, dass die Hedgefondsgebühren in fünf Jahren beträchtlich niedriger sein werden als heute.

Der dritte Trend bezieht sich auf das Desaster der großen quantitativen Fonds vom August 2007. Lange Zeit schien es mit dem computergestützten, automatisierten Handel unermüdlich aufwärts zu gehen. Seltsame, eigenbrötlerische, bärtige Doktoranden der Physik, die mit leistungsfähigen Computern mühelos komplexe Daten generieren konnten, waren der letzte Schrei. Erfahrene Investoren mit Urteilsvermögen und Intuition, die auf das wirtschaftliche Geschehen komplex reagierten, galten als Dinosaurier. Es erschien alles so einfach: Simulationen auf Grundlage historischer Werte erstellen, die Daten ein wenig durchkneten, Muster entdecken und dann auf der Grundlage fundamentaler Bewertungskriterien billige Aktien kaufen und teure leer verkaufen. Noch ein bisschen Momentumanalyse für das Timing und ein wenig Hebelwirkung für die Performance hinzufügen, und das Portfolio wurde bestimmt ein Renner, ganz egal, was der Gesamtmarkt machte.

Dann kam der Sommer 2007. Die Volatilität nahm zu, und plötzlich hatten die Quant-Fonds mehr Hebelwirkung, als ihr Risikobudget erlaubte. Infolgedessen begannen sie, ihre Positionen zu verkleinern, indem sie ihre Long-Positionen verkauften und ihre Short-Positionen eindeckten (zurückkauften). Das Problem war, dass ihre Modelle im Allgemeinen auf dieselben Aktien zurückgriffen, und deshalb waren es dieselben Unternehmen, deren Aktien sie verkaufen oder zurückkaufen mussten. Erschwerend kam hinzu, dass diese großen Fonds denselben Hang zu kleinen und mittleren Aktien hatten. Dieser Prozess bewirkte eine wunderbare Aufwärtsdynamik, als die Quant-Fonds mit frischen Geldern überschwemmt wurden, wurde aber zu einem Teufelskreis, als sie ihre Portfolios verkleinern mussten. Sie mussten die Aktien verkaufen, die sie besaßen und diejenigen zurückkaufen, die sie leer verkauft hatten, was logischerweise dazu führte, dass ihre Long-Positionen an Wert verloren und ihre Shorts stiegen.

Das Ergebnis war ein verheerender Crash im Juli und August 2007. Die großen, renommierten Quant-Fonds erlebten plötzlich einen katastrophalen Wertverlust. Als verängstigte Anleger Kapital abzogen, beschleunigte sich die Abwärtsspirale noch weiter. Kursrückgänge von 20 bis 30 Prozent in einem Moment waren die Regel, was zu panischen Kündigungen vonseiten der Anleger führte.

All das zog zahlreiche weitere Konsequenzen nach sich. Der Fondsmanager eines Quant-Fonds aus dem Mittleren Westen, der den Spitznamen Super Cruncher trug und dafür bekannt war, im Büro T-Shirts zu tragen, litt plötzlich an Bell'scher Parese. Dabei bekommt man rasende Kopfschmerzen, die Augen tränen, die Zunge schwillt an und eine Gesichtshälfte ist gelähmt - nicht gerade der Zustand, in dem man sich befinden will, wenn man in äußerst schwierigen Zeiten Kundengespräche führt. Es wurden Gerüchte laut, dass er einen Schlaganfall erlitten hätte, und die Kündigungen nahmen zu.

Ein anderer bekannter Fondsmanager, ein relativ junger Mann, der sich selbst gern...

Dateiformat: ePUB
Kopierschutz: Adobe-DRM (Digital Rights Management)

Systemvoraussetzungen:

Computer (Windows; MacOS X; Linux): Installieren Sie bereits vor dem Download die kostenlose Software Adobe Digital Editions (siehe E-Book Hilfe).

Tablet/Smartphone (Android; iOS): Installieren Sie bereits vor dem Download die kostenlose App Adobe Digital Editions (siehe E-Book Hilfe).

E-Book-Reader: Bookeen, Kobo, Pocketbook, Sony, Tolino u.v.a.m. (nicht Kindle)

Das Dateiformat ePUB ist sehr gut für Romane und Sachbücher geeignet - also für "fließenden" Text ohne komplexes Layout. Bei E-Readern oder Smartphones passt sich der Zeilen- und Seitenumbruch automatisch den kleinen Displays an. Mit Adobe-DRM wird hier ein "harter" Kopierschutz verwendet. Wenn die notwendigen Voraussetzungen nicht vorliegen, können Sie das E-Book leider nicht öffnen. Daher müssen Sie bereits vor dem Download Ihre Lese-Hardware vorbereiten.

Bitte beachten Sie bei der Verwendung der Lese-Software Adobe Digital Editions: wir empfehlen Ihnen unbedingt nach Installation der Lese-Software diese mit Ihrer persönlichen Adobe-ID zu autorisieren!

Weitere Informationen finden Sie in unserer E-Book Hilfe.


Download (sofort verfügbar)

35,99 €
inkl. 7% MwSt.
Download / Einzel-Lizenz
ePUB mit Adobe-DRM
siehe Systemvoraussetzungen
E-Book bestellen