Ein Millionär - und Traumprinz?

 
 
HarperCollins Germany (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 6. November 2011
  • |
  • 144 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Adobe DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-86349-812-2 (ISBN)
 
So stellt sie sich ihren Traumprinzen vor: Stark, reich, ein begnadeter Liebhaber! In ihrem Roman hat Autorin Violet Tandy den perfekten Mann geschaffen - und kann es kaum fassen, als Gavin Mason vor ihr steht und empört behauptet, dass alle Welt ihn für diesen Mann hält. Sie habe seinem Ruf geschadet und soll sich öffentlich zu ihrem Fehler bekennen! Aber Violet begegnet ihm zum ersten Mal - obwohl er durchaus gewisse Ähnlichkeit mit ihrem Romanhelden hat. Ist es nur Zufall, oder hat das Schicksal die Autorin und den Millionär zusammengeführt?
  • Deutsch
  • Hamburg
  • 0,35 MB
978-3-86349-812-2 (9783863498122)
3863498127 (3863498127)

1. KAPITEL

Alles, wonach Violet Tandy sich sehnte, war ein echtes Zuhause. Ein eigenes Heim, und nicht eine der Aufbewahrungsanstalten, in denen sie als Kind hatte leben müssen. Ein Haus wie aus einem alten Film. Mit weißen Fenstersimsen, schwarzen Fensterläden und großen Walnussbäumen im Vorgarten. Es musste einen weißen Lattenzaun geben und eine umlaufende Veranda mit Schaukelstuhl, wo sie noch einmal alle Bücher lesen würde, die sie als junges Mädchen förmlich verschlungen hatte. "Jane Eyre" und "Vom Winde verweht", "Lassie" und "Daddy Langbein". Nur dass die Bücher ihr diesmal gehören würden und nicht wie damals aus der Bücherei stammen würden.

Im Garten würden Rosensträucher und Flieder ihren betörenden Duft verbreiten, Prunkwinde würde sich bis zum Schornstein hochranken, und am Geländer der Veranda wüchsen zarte, wohlriechende Glyzinien empor. Luftig gestrickte Pullover würden unter ihren Händen entstehen, und immer stünde ein leckerer selbst gemachter Kuchen auf dem Tisch. Leben und leben lassen wäre ihre Devise, und sie würde zufrieden sein mit ihrem Leben, auch wenn sie es mit niemandem teilen könnte.

Und niemals würde sie irgendjemandem etwas zuleide tun. Ein ruhiges, unspektakuläres Leben in einem gemütlichen, sauberen Haus, das ihr gehörte. Das war alles, was Violet Tandy sich wünschte.

Und deshalb hatte sie die Memoiren eines superscharfen Luxus-Callgirls geschrieben.

Natürlich war Violet kein Luxus-Callgirl, und auch keines der billigeren Sorte. Und die Memoiren waren keine Autobiografie, sondern frei erfunden. Sie hatte einen Roman geschrieben, der sich wie eine selbst erlebte Geschichte las. Ein Trend, den sie in den Buchhandlungen entdeckt hatte und der offenbar bei den Lesern unglaublich gut ankam. Die Lektorin bei Rockcastle-Books Gracie Ledbetter war von der Story hingerissen. Anfangs war es ihr schwer gefallen zu glauben, dass Violet tatsächlich einen Roman verfasst und nicht etwa ihre persönlichen Erlebnisse niedergeschrieben hatte. Als sie mit dem Vertragsangebot zu Violet gekommen war, hatte sie ihr gestanden, dass sie die Geschichte für absolut wahr gehalten hätte, hätte sie es nicht mittlerweile besser gewusst.

Und Tatsache war, dass Gracie beileibe nicht aufgehört hatte, von dem Roman zu sprechen, als handelte es sich um eine Autobiografie. Ganz so, als sei sie immer noch nicht wirklich überzeugt, dass das Buch reine Erfindung war. Selbst jetzt, ein Jahr nachdem Violet den Vertrag für das fertige Manuskript unterschrieben hatte und das Buch bereits seit ein paar Wochen in den Buchhandlungen lag, fragte Gracie immer noch Dinge wie: "Fühlt man sich in der Prinzessinnen-Suite im 'Ambassador Hotel' in Chicago wirklich wie eine Prinzessin, wenn man im Bett liegt und das Deckengemälde mit dem Märchenschloss anschaut?"

Na ja, woher sollte Violet das wissen? Der einzige Grund, aus dem sie die Prinzessinnen-Suite im "Ambassador" jemals betreten hatte, war, um sie zu putzen und das Bett frisch zu beziehen, denn sie war als Zimmermädchen angestellt gewesen. Wenn sie Gracie jedoch daran erinnerte, rief sie jedes Mal: "Oh, ja, richtig! Sie haben dort als Zimmermädchen gearbeitet, und nicht als . Sie wissen schon." Was sie sagte, klang allerdings nicht ganz aufrichtig, und das nervte Violet.

Einmal hatte Gracie auch gefragt, ob das Croque Monsieur mit Trüffelsauce bei "Chez Alain" wirklich so satt mache, dass man drei Tage nichts mehr zu essen brauchte. Zumindest hatte das ein Restaurantkritiker behauptet.

Doch Violet hatte keine Ahnung, denn sie hatte das Croque Monsieur mit Trüffelsauce nur probiert. Bei "Chez Alain" hatte sie als Bedienung gearbeitet, und dort bekamen alle Angestellten einen Bissen von neuen Kreationen - informationshalber. Geduldig hatte sie es Gracie erklärt, und diese hatte hektisch genickt, während sie erwiderte: "Oh, natürlich, Sie haben dort als Kellnerin gearbeitet, und nicht als . Sie wissen schon." Und auch dabei hatte sie nicht ganz überzeugt geklungen.

Egal. Violet sagte sich, dass Gracie wahrscheinlich einfach so hingerissen von dem Roman war, dass sie zwischen Wahrheit und Fiktion nicht mehr unterscheiden konnte. Wenn sie Glück hatte, reagierten die Leserinnen und Leser genauso und das Buch war im Nu unter den Top Ten der New-York-Times-Bestsellerliste. Bald würde es Dollars regnen, und Violet könnte sich endlich das kleine, gemütliche Haus in der Vorstadt von Chicago leisten, von dem sie immer geträumt hatte.

Der Vorschuss für den Roman war nicht besonders hoch gewesen, doch immerhin war die Cheflektorin von der überarbeiteten Version des Manuskripts so angetan gewesen, dass sie die Erstauflage erhöht und den Titel in "High Heels, Champagne and Sex - Oh, My!" geändert hatte. Dann hatte sie Violet überredet, sich ein Pseudonym zuzulegen, das zu dem Buch passte. Raven French. Bei "French" hatte Violet zunächst gezögert, doch schließlich war sie einverstanden gewesen. Das Ergebnis konnte sich sehen lassen, denn schon nach der ersten Woche war "High Heels" auf Platz neunundzwanzig der Bestsellerliste gelandet und sofort in die zweite Auflage gegangen. In der zweiten Woche war es vier Plätze nach oben geklettert, und jetzt stand es kurz davor, unter den ersten fünfzehn gelistet zu werden. Die dritte Auflage war unterwegs, und nun konnte der Siegeszug erst richtig beginnen.

Aus diesem Grund saß Violet Tandy alias Raven French jetzt in einer Buchhandlung auf der Michigan Avenue hinter einem Stapel ihrer Romane am Tisch. Vor ihr dicht besetzte Stuhlreihen aufmerksamer Zuhörerinnen und Zuhörer, alles potenzielle Käufer ihres Buches. Es war ein sonniger Oktobernachmittag, und Violet war entspannt - bis ihr Blick den eines Mannes traf, der in der letzten Reihe saß. So blaue Augen hatte sie noch nie gesehen. Und - oh, Gott - sah der Typ gut aus! Warum er allerdings so unverwandt und grimmig herüberstarrte, konnte sich Violet nicht erklären. Langsam machte er sie nervös, ganz abgesehen davon, dass sie ihn einfach umwerfend fand. Er war groß und überragte sowohl die anwesenden Frauen als auch die Handvoll Männer, die zu der Lesung erschienen waren. Sein Haar schien sogar noch schwärzer zu sein als Violets, doch sie trug es lang, während sein kurzer, sportlich-eleganter Schnitt eindeutig das Werk eines Starfriseurs war. Am aufregendsten jedoch waren seine Augen. Hell, klar, durchdringender Blick und umrahmt von dichten schwarzen Wimpern. Selbst heute, am Samstag, trug er einen dunklen Anzug und hob sich damit vom Rest des eher leger gekleideten Publikums ab.

Selbst Violet beziehungsweise Raven hatte sich nicht übertrieben in Schale geworfen. Marie, die Public-Relations-Managerin, die Rockcastle-Books für sie abgestellt hatte, beriet Violet bei allen öffentlichen Auftritten. Sie hatte ihr ein Outfit verpasst, das dem Anlass angemessen war - eine schwarze Hose, ein enges Top mit V-Ausschnitt und Dreiviertelärmeln, dazu atemberaubend hohe Riemchensandaletten. Alle Teile stammten von den besten Designern, schließlich sollte Violet Tandy - oh, Verzeihung . Raven French - aussehen wie eine unglaublich erfolgreiche Autorin.

Da Violet sich solche sündhaft teuren Klamotten nicht leisten konnte, hatte Marie sie zu einer Boutique in der Michigan Avenue begleitet, wo man Haute Couture und teuren Schmuck für kurze Zeiträume mieten konnte. Auf diese Weise kamen auch normalsterbliche Frauen in den Genuss erstklassiger Bekleidung und waren in der Lage, eine Weile so zu tun, als gehörten sie zur High Society.

Heute hatte sich Violet, oder besser: Raven, für Prada entschieden sowie für Schuhe von Stuart Weitzman. Um das Outfit abzurunden, hatte Marie Schmuck von Ritani ausgewählt. Ein Set aus einer Kette mit Anhänger, Ohrringen und einem Armreif. Alles besetzt mit Diamanten und Amethysten - Letztere harmonierten perfekt mit Violets Augenfarbe, die ihr auch ihren Spitznamen eingebracht hatte.

Denn ihr wahrer Name war Candy. Sie hieß Candy Tandy. Diese Scheußlichkeit von einem Namen war das letzte Vermächtnis ihrer Mutter gewesen, ehe diese das Kind im Alter von drei Jahren vor einem Discounter ausgesetzt hatte. An Candys Sweatshirt hatte ein Zettel gehangen, auf dem gestanden hatte, sie sei ein Problemkind, das niemand jemals lieben könne.

Aber das und alles andere, was sich in den vergangenen neunundzwanzig Jahren ereignet hatte, gehörte zur Vergangenheit. Jetzt dachte Violet nur noch an ihre Zukunft. Und an ihr schönes, kuscheliges Haus voll mit Blumen und Tieren - denn: ja, sie hatte vor, lauter verlassene, streunende Tiere aufzunehmen. Ganz egal, ob es Katzen, Hunde, Hasen, Kühe oder Esel waren. Manchmal überlegte sie, ob es ihr gefallen würde, Pflegemutter zu werden. Das würde sie jedoch nur tun, wenn sie sicherstellen konnte, dass die Kinder bei ihr blieben und nicht ständig wieder weitergeschoben wurden, wie es ihr passiert war. Kinder mussten die Möglichkeit haben, Freundschaften zu schließen und diese Freunde auch zu behalten. Nur so konnten sie sich zu bindungsfähigen sozialen Wesen entwickeln. Ihr war das leider nicht vergönnt gewesen.

Bei diesem Gedanken musste sie erneut zu dem Mann mit den unglaublich blauen Augen hinübersehen, der in der letzten Reihe saß. Er starrte sie immer noch an. Warum wohl? Violet konnte sich nicht vorstellen, dass ein Mann wie er Interesse an ihrem Roman hatte. Eher wäre er ein Kandidat für eine der Figuren in ihrem Buch gewesen. Vielleicht für einen der vielen Kunden jenes Luxus-Callgirls Roxanne, das als Heldin ihres Romans...

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