Ich mach Party mit Sirtaki

Wie ich in Deutschland meine griechischen Wurzeln fand
 
 
Lübbe (Verlag)
1. Auflage | erschienen am 21. April 2011 | 256 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-8387-0633-7 (ISBN)
 
Oooopa! Und dann zwei Schlenker rechts. Oder links? Im griechischen Tanzkurs mitten in München tritt Halb-Hellenin Stella Bettermann erstmal allen auf die Füße: Denn Mikis, Adonis, Popi und die anderen Exil-Griechen im Kurs können schon tanzen wie Sorbas, der Grieche. Weil griechische Gastfreundschaft auch in München gilt, nehmen sie die Neue trotzdem auf, und nach dem Sirtaki gibts Souvlaki. Oder es geht im Münchner ¿Piergarten- bei ein paar ¿Chellen- um Unterschiede und Gemeinsamkeiten der beiden Kulturen, um Sex, Liebe, Krise(n), Geld und das Leben an sich. Doch erst beim Tanzfest auf einer griechischen Insel wird sich beweisen, ob Stella nicht nur griechisch fühlt, sondern schon so gut wie die Einheimischen tanzt!
Luebbe Digital Ebook
1. Aufl. 2011.
Deutsch
0,97 MB
978-3-8387-0633-7 (9783838706337)
3838706331 (3838706331)
weitere Ausgaben werden ermittelt
3. Stunde: Hier tanzt die Krise (S. 52-53)

Heute gibt es auch noch ein paar Teller Trachanas!«, ruft Kyria Niki, die Tavernenbesitzerin, aus der Küche. Trachanas! Ganz dunkel nur erinnere ich mich an dieses Wort. Irgendwo in meinen hintersten Gehirnwindungen, dort, wo die Erinnerungen bereits Staub ansammeln, ist es abgespeichert. Ich weiß allerdings gar nicht mehr, wie Trachanas aussieht. Oder wie er schmeckt und riecht. Ich habe heute schon vor der Tanzstunde zu Hause gegessen, deshalb habe ich nichts bestellt außer einem kleinen Hellen, das Lazaros mir umstandslos aus dem Kühlschrank hinter der Theke mitbringt: »Oriste, bitte schön, dein Chelles.« Nein, Hunger habe ich keinen. Aber ich will unbedingt Trachanas kosten. »Was ist das gleich noch, Mikis?

Ist das nicht was Süßes?« »Ochi, nicht süß! Salzig. Du kannst bei mir probieren«, sagt Mikis. Dann trägt Kyria Niki einen Suppenteller an den Tisch, darin schwimmt eine weiße, trübe Brühe mit kleinen hellen Bröckchen. Mikis schiebt mir einen Löffel davon in den Mund. Plötzlich ist alles wieder da: Ich sitze auf meinem weißroten Baststühlchen, das die griechischen Großeltern in Piräus extra für mich gekauft haben, neben mir eine weiße Wand aus Stoff: das Tischtuch, das von dem Esszimmertisch der Großen hoch über mir herabhängt. Vor mir auf dem kleinen weißroten Basttischchen ein Teller mit dampfender Suppe, Trachanas, in den Yiayia, meine Großmutter, den Löffel tunkt: »Komm, Stelliza, nur ein Löffelchen noch!« Der Löffel ist groß und silbern, ich sehe ihn genau vor mir. Der Stiel ist ziseliert, und er kommt immer näher und näher. Yiayia, die neben mir auf dem Boden kauert, ist zwar fast blind, doch führt sie ihn mit der instinktiven Routine einer erfahrenen Großmutter, und die Suppe ergießt sich in meinen Mund.

Trachanas, etwas mehlig, auch irgendwie leicht schafskäsig, der Geschmack einer jähen Erinnerung, die mich die Augen schließen lässt und mich entführt in die Zeit meiner frühesten Kindheit. Lange koste ich nach. Bis Mikis mich in die Seite knufft: »Hallo, bist du noch da?!« »Das hat meine Yiayia auch gekocht!«, sage ich, als ich wieder auftauche. »Klar«, sagt Mikis. »Das haben alle Yiayias gekocht!« Trachanas ist Weizenschrot, den man in Suppenbrühe streut, es gibt ihn in getrockneter Form, oft ist Jogurt beigemischt. Schafsjogurt – daher das käsige Aroma. Ich muss Kyria Niki unbedingt nach dem Rezept fragen! Zweimal musste ich die Tanzstunde ausfallen lassen – erst wegen einer Grippe, dann wegen Terminen. Und heute schaffte ich es auch nur auf den allerletzten Drücker. Kein griechischer Chor mehr auf der Straße. Dafür schallen schon Lyraklänge aus dem zweiten Stock auf die Straße.

Die Gruppe tanzt bereits. »Wo warst du so lange?«, ruft Lazaros aus, als ich den Raum betrete. »Wir haben uns die Augen nach dir ausgeweint.« Er freut sich wirklich, dass ich nun da bin, und lacht über das ganze Gesicht. Und ich freue mich auch! Takis und Mimi befinden sich immer noch in der Trauerzeit, deshalb ist die Gruppe wieder klein, und Mikis tanzt immer genau vor mir: Es klappt gut heute, trotz der langen Pause. Ich erkenne die Melodien wieder, und meine Beine erinnern sich noch an die Schrittfolgen.

Und ich schaue auf Nitsa. Meistens schaue ich auf Nitsa, jedenfalls viel öfter als auf Mikis. Nitsa tanzt sehr gut, immer als Zweite neben Carla, immer schrittsicher. Kleine braune Freizeitschuhe, die den Dreh raushaben. »Du sollst nicht auf Nitsa schauen!«, ruft Mikis. »Warum?!«, frage ich. »Schau auf mich!«, sagt Mikis. Er ist schließlich der Lehrer, klar. Es ist aber gar nicht so einfach, sich an ihm zu orientieren. Nitsa tanzt immerhin so, dass man sich einfach die Schritte abschauen kann. Simpler.

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