Griechisches Geheimnis

Kommissar Nick Zakos ermittelt
 
 
Ullstein Taschenbuchverlag
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 12. Mai 2017
  • |
  • 240 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-8437-1518-8 (ISBN)
 

Kommissar Nick Zakos erhält eine unschöne Nachricht: Die Frau seines Vaters wurde verhaftet. Als Staatsanwältin hat Dora in Athen mit einem Tabakschmuggel- und Kunstraubskandal zu tun. Der gegnerische Staatsanwalt in der Sache ist tot und Dora wird beschuldigt. Zakos eilt sofort nach Griechenland, wo ihn Heimtücken und Machtspiele bis auf die Kleinen Kykladen führen. Als die geheimnisvolle Reporterin Martina Beos auftaucht, reist sogar Zakos' Chef Albrecht Zickler für diesen gefährlichen Fall an ...

1. Auflage
  • Deutsch
  • Berlin
  • |
  • Deutschland
  • 1,92 MB
978-3-8437-1518-8 (9783843715188)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Stella Bettermann ist Halbgriechin und lebt mit ihrer Familie in München, wo sie als Journalistin und Autorin arbeitet. Ihre Griechenlandbücher Ich trink Ouzo, was trinkst du so? und Ich mach Party mit Sirtaki waren Spiegel-Bestseller. Griechischer Abschied war ihr Krimi-Debüt.

Kapitel 2

Beim Landeanflug wurde es bereits Abend und der Himmel über Athen verwandelte sich in die übliche Postkartenansicht aus tiefrot untergehender Sonne und rosafarbenem Häusermeer. Konstantinos sah kaum hin. Er kaute auf seiner Unterlippe und umklammerte mit den Händen die beiden Seitenlehnen seines Sitzes derart fest, dass die Handknöchel weiß hervortraten.

»Baba, alles wird sich aufklären«, sagte Zakos neben ihm in beruhigendem Ton. Er hatte das den Flug über mantraartig wiederholt - in unterschiedlichen Formulierungen: Es konnte sich nur um ein Missverständnis handeln, vielleicht eine Verwechslung. Floskeln, das war ihm schon klar, reine Beschwichtigungen. Sie perlten an Konstantinos regelrecht ab. Er wirkte, als sei er gar nicht ganz da, und verschmähte Sandwich und Kaffee, die bei dem Flug gereicht wurden, und Zakos musste ihn fast nötigen, wenigstens ein Glas Wasser zu sich zu nehmen. Zakos selbst verspeiste - ein wenig verschämt, weil er im Gegensatz zu seinem Vater durchaus Appetit hatte - sein eigenes und auch noch dessen Brötchen und dachte wehmütig an den Lammbraten, den er zuvor wegen der Übelkeit nicht gegessen hatte. Wenigstens diese war in der Aufregung abgeklungen.

Es war Anitas Idee gewesen, dass Zakos seinen Vater begleiten sollte. Sie war die Einzige, die nach dem Anruf einen klaren Kopf bewahrt hatte.

»Am besten, ihr verliert keine Zeit. Ich kümmere mich hier um alles.« Sie hatte eine Handbewegung gemacht, die die irritiert blickenden Taufgäste ebenso umschloss wie den Familientisch mit Konstantinos' jüngeren Kindern - Philippos, der ungläubig vor sich hin starrte, und Vasso, die in erschrockenes Schluchzen ausgebrochen war. Im Fortgehen hörte Zakos noch, wie seine Mutter ihrerseits mit einer Gabel an ein Glas schlug, um sich Gehör zu verschaffen.

»Liebe Gäste, es hat eine Änderung gegeben, aber keine Sorge, unsere Feier .«

Dann war er bereits auf der Straße und sperrte seinen Wagen auf, und sie waren direkt zum Flughafen gefahren.

Es machte Sinn, dass Zakos seinen Vater begleitete, denn er hatte ganz gute Kontakte zur Athener Polizei. Doch besonders erfreut war er nicht - eigentlich hatte er ein ganz anderes Reiseziel im Auge gehabt. Am Tag nach der Taufe wollte er mit dem Wagen nach Italien reisen, allein und ohne Plan, außer dem Vorsatz, viel zu schwimmen und endlich jeden Tag auszuschlafen. Aber aus Italien wurde nun wohl nichts und aus Erholung ebenso wenig, wie ihm dämmerte. Dabei hätte er sie absolut nötig gehabt, nicht nur wegen der Taufe und dem ganzen Brimborium, sondern wegen der Arbeit: Nach dem Amoklauf am Olympiazentrum und all den diversen Terrorwarnungen war im Kommissariat kaum Ruhe eingekehrt, und auch wenn Zakos nicht direkt mit diesen Fällen befasst war, hatte doch die allgemeine Arbeitsbelastung zugenommen, weil Kollegen aus ihrer Abteilung abgezogen worden waren. Zum Beispiel musste Astrid, die junge Kommissarsanwärterin in Zakos' Team, längere Zeit einem anderen Ressort zuarbeiten.

Nun war sogar die Urlaubsplanung von den aktuellen Ereignissen betroffen - wenn auch indirekt. Heinrich Baumgartner, Zakos' Chef, hatte seine komplette Abteilung ersucht, möglichst noch im August freizunehmen, denn später, zur Wiesnzeit, herrschte Urlaubssperre - neuerdings auch in ihrer Abteilung. Zakos war's recht, er hatte ohnehin geplant, schnellstmöglich ein paar Tage freizunehmen, aber andere Kollegen waren sauer über die Bevormundung - insbesondere sein Freund Albrecht Zickler.

»Jetzt muss ich ausgerechnet in den Schulferien verreisen, wo's überall am teuersten und vollsten ist. So ein verdammter Mist!« Er hatte sich maßlos aufgeregt, auch noch, nachdem er einen durchaus bezahlbaren Flug nach Kreta gefunden hatte.

Der Betrag für einen Flug von München nach Athen für sich und seinen Sohn, den Konstantinos heute mit reglosem Gesicht am Flughafen von seiner Kreditkarte hatte abbuchen lassen, war gut fünfmal so hoch wie der für Zicklers Kretaflug. Aber dafür hob die Maschine bereits sechzig Minuten später ab und landete am frühen Abend in der griechischen Hauptstadt, zu einer Uhrzeit, in der die Taufgäste - wenn alles nach Plan gegangen war - in München in Mimis' Taverne höchstwahrscheinlich gerade zur Party übergingen: Mimis hatte griechische Musiker engagiert, das war sein Geschenk als Taufpate, denn er wollte, dass Elias' Taufe so ausufernd und fröhlich gefeiert wurde wie üblicherweise die Taufen in Griechenland. Nur er als Vater des Kindes war jetzt nicht dabei, dachte Zakos mit leiser Wehmut, und Konstantinos, der Papous, der alles initiiert hatte, ebenso wenig. Statt in Mimis' Mini-Greece in Untergiesing zu tanzen und zu feiern, befand sich Zakos nun unvermittelt im echten Griechenland. So richtig hatte er das noch gar nicht kapiert.

Richtig bewusst wurde Zakos der Ortswechsel schließlich, als sie nach der Landung aus dem klimaanlagengekühlten Flughafengebäude traten und ihn die Hitze draußen wie ein Schlag traf. Das hier besaß schon eine ganz andere Dimension als das laue Lüftchen in München, und Zakos, der noch im dunklen Anzug steckte und Budapester an den Füßen trug, fing auf der Stelle an, zu schwitzen. Ja, das war nun wirklich etwas ganz anderes.

Konstantinos winkte ein Taxi heran. Der Fahrer war wortkarg, rauchte Kette - trotz des auch hier überall herrschenden Rauchverbots - und bretterte mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit über die Autobahn. Schließlich erreichten sie die Stadt und die ihr ganz typische Geräuschkulisse: dieses ohrenbetäubende Knattern und Hupen auf den Straßen, das Aufjaulen des für Zakos irgendwie immer fremdländisch klingenden griechischen Martinshorns in der Ferne, die orientalischen Musikfetzen, die aus anderen Autofenstern und vorbeigleitenden Lokalen zu ihnen hereinwehten, und den unverkennbaren Geruch aus aufgeheiztem Beton und beißendem Kohlenmonoxid. Bei Zakos löste dieses Potpourri der Eindrücke trotz der ernsten Situation eine unerwartete Euphorie aus, und er streckte den Kopf ein Stück aus dem Autofenster und ließ sich einen Moment lang durchpusten. Dann erst fühlte er sich angekommen.

Es war fast elf, als sie in Doras Kanzlei eintrafen, dem einzigen hell erleuchteten Bereich in einem ansonsten komplett dunkel daliegenden modernen Gebäudekomplex. Christos, Doras Kompagnon, erwartete sie bereits, gemeinsam mit einem weiteren Anwalt, einem blassen jungen Kollegen namens Stavros mit schmalem Gesicht und sich bereits lichtendem Haar.

Christos selbst war ein grauhaariger Mittfünfziger mit beachtlichem Leibesumfang, der trotz des warmen Abends und der fortgeschrittenen Uhrzeit in hochgeschlossenem Hemd und Krawatte dasaß. Er hatte sogar noch eine Sekretärin einbestellt, Kyria Kiki, eine mütterlich wirkende Dame, die ihnen ein Tablett mit von Kälte beschlagenen Softdrinks und eine Schale Pistazien auf den Tisch stellte und sich dann mit einem Notizblock dazusetzte.

Konstantinos schien diese unaufgeregte Professionalität zu beruhigen - er wirkte gefasster. Überhaupt war sein Vater auf griechischem Boden ein anderer, fand Zakos. In Deutschland überspielte er sprachliche Unsicherheiten mit clownesken Grimassen, und die Fehler in Aussprache und Grammatik verstärkten den Eindruck, er sei ein komischer Vogel. Zu Hause war er wieder der teuer gekleidete, seriöse ältere Herr, der er war. Selbst seine Stimme klang anders: weicher, aber auch einen Tick arroganter.

»Christos, tu das nie wieder mit mir«, sagte er nun, sehr ernst und mit etwas beleidigtem Tonfall. »Spann mich nie wieder derart auf die Folter. Ich bin auf dem Flug fast durchgedreht .« Doras Kompagnon hatte Konstantinos am Telefon nur das Allernötigste verraten wollen. Nun blickte er etwas schuldbewusst drein: »Es tut mir leid, aber du warst immerhin dreitausend Kilometer entfernt, und ich konnte nicht einschätzen, wie du reagieren würdest. Ich habe natürlich nicht vor, dir was zu verschweigen, das ginge auch gar nicht, weil sich mittlerweile schon die Bluthunde von der Sensationspresse in die Sache verbissen haben. Bei uns zu Hause kampieren die Presseleute vor der Tür, sagt meine Frau. Bei euch in Kastela haben sie sich bestimmt ebenfalls bereits auf die Lauer gelegt, du wirst sehen! Aber wir sprechen mit niemandem!«

»Du machst mich nervös - nun sag endlich, was passiert ist!«, forderte Zakos' Vater. »Wer ist . wer war überhaupt der Tote? Ein Mandant?«

» Es war Charalambidis«, antwortete Christos, und Konstantinos sog scharf die Luft ein. Nur Zakos blickte verständnislos in die Runde.

»Sokratis Charalambidis war der Staatsanwalt in dem Fall, mit dem Dora derzeit beschäftigt war«, wandte sich Christos erklärend an Zakos. »Wir kennen bis dato leider erst ein paar Eckpfeiler der Angelegenheit: Offenbar wurde Dora in seinem Arbeitszimmer in seiner Wohnung aufgegriffen, wie auf frischer Tat ertappt .«, fuhr er fort, und dann, nach einem Blick auf Konstantinos entsetztes Gesicht: »Zumindest sollte es wohl so aussehen, aber das heißt ja nicht .«

»Natürlich nicht!«, unterbrach Konstantinos ihn empört. »Aber jetzt möchte ich zu ihr, also lasst uns aufbrechen, wir vergeuden hier nur unsere Zeit!« Er stand auf, doch Christos macht ihm ein Zeichen, sich wieder hinzusetzen.

»Vergiss es, mein Lieber, sie lassen uns frühestens morgen Vormittag zu ihr, und außerdem müsst ihr euch nach dem Flug sicher erst mal ausruhen, und in der Zwischenzeit kümmern sich .«

»Moment, Moment!«, unterbrach Zakos, der auf Beschwichtigungen gerade keine...

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