Unabhängigkeitserklärung

Warum mir niemand mehr vorschreibt, was ich sage, denke oder tue
 
 
Ariston (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 2. September 2013
  • |
  • 288 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-10810-6 (ISBN)
 
Wer hat gesagt, du musst?

Tagtäglich begeben wir uns in innere und äußere Abhängigkeiten, weil wir meinen, wir müssten Dinge sagen und tun, wie andere es von uns verlangen. Glücklich macht das nicht. Martin Betschart lebt anders - er hat sich dank seiner Unabhängigkeitserklärung von allen Zwängen befreit und führt heute ein glücklicheres und erfolgreicheres Leben denn je!

Sich anpassen, Ja sagen, wenn man Nein meint, es allen recht machen wollen: Martin Betschart, erfolgreicher Keynote-Speaker und Seminarleiter, lebte wie die meisten von uns ein fremdbestimmtes Leben - bis zu seinem persönlichen Befreiungsschlag, der auch vor äußeren Konventionen, Statussymbolen und unausgesprochenen Erwartungen anderer nicht haltgemacht hat. Mit seiner unkonventionellen Geschichte und seinem leidenschaftlichen Plädoyer für ein selbstbestimmtes Leben inspiriert er dazu, endlich auszubrechen und seinen eigenen Weg zu gehen!

  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
  • 1,90 MB
978-3-641-10810-6 (9783641108106)
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Kapitel 2

Das Dagobert-Syndrom

Es könnte so leicht sein: Jede Woche einen Tipp abgeben, und nach rechnerisch 2,7 Millionen Jahren hat man endlich die sechs Richtigen plus Zusatzzahl. Dann gehen alle Träume in Erfüllung. Endlich raus aus dem Reihenhäuschen und eine Finca an der Costa Brava gekauft. In der Vierer-Garage steht neben dem Porsche Cabrio ein Ferrari. Und im Keller stapeln sich die Champagnerflaschen. Endlich ist man ganz vorne mit dabei. Endlich geht das Leben richtig los!

40 Prozent der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland setzen mindestens einmal im Jahr Geld auf Lottozahlen. Die Hälfte von ihnen, also rund 20 Millionen Deutsche, tippen mindestens einmal im Monat - mit durchschnittlich 30 Euro Einsatz. Allein diese regelmäßigen Tipper füttern die gigantische Geldumverteilungsmaschine mit 600 Millionen Euro pro Jahr. Diese braucht eine Menge Schmieröl, rund 50 Prozent der Einsätze werden als Gewinne wieder ausgeschüttet. 10 Prozent gehen in die Verwaltung, den Rest holen sich die Bundesländer. Eigentlich könnte ein Lottospieler gleich 15 Euro seines monatlichen 30-Euro-Einsatzes dem erstbesten Passanten, der ihm entgegenkommt, in die Hand drücken und die anderen 15 Euro dem örtlichen Sportverein zukommen lassen. Das wäre wahrscheinlich sinnvoller.

Sechs Richtige und ein falsches Leben

Warum spielen Leute eigentlich Lotto? Es geht um Träume. Jeder Mensch hat Wünsche, und die meisten von ihnen scheitern - weil nicht genug Bares zur Verfügung steht. Der Traum davon, einmal reich zu sein, ist übermächtig. Einmal in die Vollen gehen können, es den anderen zeigen. »Träumen Sie davon, auf einer eigenen Segeljacht die Ozeane durchqueren oder auf einer einsamen Insel unter Palmen ein eigenes Haus zu besitzen? Wollen Sie sich schon lange einen Sportwagen oder ein Reitpferd kaufen? Wünschen Sie sich ein eigenes Haus mit großem Garten und Pool oder ein Ferienhaus in den Schweizer Alpen? Natürlich kann man sich all dies nicht einfach so leisten - außer man gewinnt beim Lottospiel!« So steht es auf einer Internetseite, die auch dem Begriffsstutzigsten die verschiedenen Glücksspiele erklärt und ihn dazu animiert, sein Geld aus dem Fenster zu werfen.

Schöner Schein, böses Erwachen! Ein Geheimnis kann das nicht mehr sein. Spätestens seitdem im Reality-TV neben Schuldnerberatern und Erziehungsprofis auch Lottomillionär-Trainer aus ihrem Leben plaudern, ist klar: Selbst wenn es einmal mit dem warmen Geldregen klappen sollte, ist eher ein Absturz vorprogrammiert. Die Zahl der Lottomillionäre, die nur wenige Jahre nach dem großen Los von Freunden und Familie verlassen einsam dahinvegetieren, möchte man nicht zählen. Stuart Donnelly zum Beispiel, der 1997 mit 17 Jahren 1,9 Millionen Pfund im Lotto gewann und so zum jüngsten Jackpot-Gewinner Großbritanniens wurde. Um seinen Lottoschein einlösen zu können, musste er sich erst mal Geld für ein Busticket leihen. Doch die Heerscharen der mehr oder weniger guten Bekannten, die sogar in seinem Vorgarten zelteten, um etwas vom großen Kuchen abzubekommen, trieben ihn immer weiter in die Einsamkeit. Zwölf Jahre später starb er allein in seinem abgelegenen Haus - mit 29 Jahren. Den meisten Gewinnern bleibt noch nicht einmal mehr das Geld. Wie dem Bremer Postbeamten, der 1994 1,7 Millionen Mark gewann. Die Beziehung zu seiner Freundin, der er eine halbe Million schenkte, ging in die Brüche. Seine Projekte scheiterten. Heute hält er sich mit Hartz IV und einem 1-Euro-Job über Wasser und lebt in einer Sozialunterkunft auf zwölf Quadratmetern.

Schon 1978 zeigten die Psychologen Brickman, Coates und Janoff-Bulman, dass sich die gefühlte Lebenszufriedenheit von Lottogewinnern einige Zeit nach ihrem Millionengewinn auf einem Niveau befindet, das dem von Unfallopfern gleicht, die mit einer Querschnittslähmung zurechtkommen müssen. Bei dem einen senkt sich das gefühlte Glücksniveau nach der ersten Freude über den Hauptgewinn schnell wieder auf Normalniveau und darunter ab: »Wie schaffe ich es, meinem Mann, von dem ich mich scheiden lassen will, nichts abgeben zu müssen? Wie mache ich aus den 5 Millionen 10? Mit welchen Kniffen kann ich möglichst viele Steuern sparen?« Bei den anderen erreicht die Lebenszufriedenheit nach dem ersten Entsetzen ebenfalls wieder einen Wert ähnlich dem, den sie schon vor dem einschneidenden Ereignis spürten.

Und trotzdem wirkt das magische Raunen im Kopf: Wenn ich erst mal genug Geld habe, dann sind alle meine Probleme gelöst. Dann kann ich mir alles kaufen, was ich will. Geld ist aber kein Heilmittel. Kurzfristig ist es natürlich eine große Erleichterung, endlich das Dach neu decken lassen zu können und auch keine Angst mehr davor haben zu müssen, dass das Auto den Geist aufgibt. Doch Wünsche sind wie Sternschnuppen - hat man eine gesehen, will man schon wieder gleich die nächste im Himmel entdecken. Dem einen Wunsch folgen gleich zehn weitere Wünsche. Und die Jagd nach dem schnellen Geld verdrängt alles andere. So wie ich es einmal in Las Vegas erlebt habe.

Ein dringendes Bedürfnis

Spielautomaten waren schon in meiner Kindheit präsent. In dem kleinen Ort, in dem ich aufgewachsen bin, gab es ein Lokal. Hier war die Informationszentrale des Ortes, hier traf man sich und saß gemütlich beieinander. Wir Kinder waren manchmal unsichtbar mit dabei. Wir hörten zu, lernten, schwammen mit. Einen Spielautomaten gab es, er war neben der Garderobe an der Wand montiert. Manchmal spendierte einer der Erwachsenen uns Kindern ein paar Rappen, um zu spielen. »Zum Üben«, sagte er dann. Das glänzende Geldstück in dem Schlitz auf Nimmerwiedersehen zu versenken, war mir aber suspekt. Ich kann mich auch nicht erinnern, dass einer von uns Kindern jemals seinen Einsatz zurückbekommen hätte. Schon damals habe ich die Finger vom Glücksspiel gelassen.

Als ich einmal in Las Vegas war, besuchte ich die berühmten Casinos. In riesigen Hallen standen die einarmigen Banditen in schier unendlichen Massen. Die Geräuschkulisse war unglaublich. In aller Ruhe ging ich durch die Reihen, schaute den Spielern zu, wie sie mit stierem Blick an den Hebeln zogen und wie ferngesteuert auf Knöpfen herumhämmerten. Sie nahmen nichts mehr von ihrer Umwelt wahr, waren total fokussiert auf das Gerät, vor dem sie hockten. Für mich war es faszinierend zuzuschauen. Das alles war mir so fremd, als würde ich einem Stamm auf Papua-Neuguinea bei rituellen Tänzen zuschauen. Die Leute waren wie vergiftet, schmissen händeweise Münzen in die gefräßigen Schlitze. Auf allen Stirnen war es zu lesen: »Lieber Gott, lass mich doch auch mal was gewinnen, ich hab's doch verdient!«

Ein Spieler fiel mir in dieser Umgebung besonders auf. Unruhig wippte er auf seinem Sitz herum, rutschte mit seinem Hintern hin und her, ließ aber immer weiter ein Geldstück nach dem anderen in der Maschine verschwinden. Während er förmlich am Automaten klebte, warf er wie ein in die Enge getriebenes Tier verzweifelte Blicke um sich. Ich blieb stehen und beobachtete ihn. Er war völlig aufgelöst. Der Grund: Er musste auf die Toilette. Dringend. Aber er wollte um keinen Preis die Maschine verlassen. Denn er hatte ja schon so viel eingeworfen, dass seiner Rechnung nach die Gewinnausschüttung nicht mehr lange auf sich warten lassen konnte. Für ihn ein Albtraum! Dollar um Dollar eingeworfen, kurz auf die Toilette gegangen und ein anderer, der sich während seiner Abwesenheit an »seine« Maschine setzt, bekommt mit dem ersten eingeworfenen Geldstück einen Riesenbatzen Geld. Seinen Gewinn! In seiner übergroßen Not machte er einen Deal mit einem anderen Spieler. Der sollte seinen Platz einnehmen, weiterspielen und im Fall des Gewinns einen Anteil bekommen. Wie von Hunden gehetzt rannte der Spieler dann in Richtung Waschräume.

Ich ging kopfschüttelnd weiter.

Was geht nur in den Köpfen von solchen Glücksrittern vor? Ich verstehe es einfach nicht! Wenn einer mehr Geld haben will, kann er mehr arbeiten. Oder sich fortbilden und einen besser bezahlten Job suchen. Wenn er selbstständig ist, kann er mit Inspiration neue Geschäftsfelder erschließen. Wenn er ein Unternehmen hat, kann er neue Kunden akquirieren oder außergewöhnliche Ideen entwickeln. Es gibt viele Möglichkeiten, um am Ende des Tages mehr Geld in der Kasse zu haben. Für alle. Am Spielautomaten aber, mit einem Tippschein oder am Roulettetisch habe ich doch überhaupt keinen Einfluss auf das Geschehen! Ich darf Kreuzchen machen, auf einem Knopf herumdrücken oder Plastikplättchen auf einem Tisch verteilen. Das gibt mir das trügerische Gefühl, aktiv zu sein. Doch es ist der Zufall allein, der darüber bestimmt, ob ich meinen Einsatz jemals wiedersehe.

Was ist eigentlich mit den Menschen los, die sich für ihr Geschick, ihr Lebensglück nicht selbst verantwortlich fühlen? Die sich lieber auf den Dusel verlassen, als sich selbst auf die Hinterbeine zu stellen? Eine merkwürdige Art des Denkens!

Alles meins

Ich kenne Menschen, die lassen sich ihr Mineralwasser aus Norwegen in die Schweiz einfliegen. Gletscherwasser, 1.500 Kilometer bis auf den Tisch. Der Wasserhahn in der Küche ist dagegen nur fünf Meter entfernt. Wenn es denn unbedingt in Flaschen abgefülltes Wasser sein soll, stehen weit über 20 Schweizer Quellen zur Verfügung. Und wenn man meint, es müsse unbedingt eine weltbekannte Marke sein, gäbe es immer noch die Möglichkeit, das Mineralwasser aus dem etwa 200 Kilometer entfernten Évian-les-Bains zu trinken. Doch Evian ist weniger in Zürich oder Basel hip, sondern in Thailand, wo es 9.000 Kilometer Reise hinter sich hat. Gibt es überhaupt noch ein italienisches Restaurant auf der Welt, in dem man nicht San Pellegrino bestellen kann? Als ob dadurch die Pasta oder die Pizza besser schmecken...

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