Meine Mutter tut das nicht

Roman
 
 
Langen-Müller (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 13. Januar 2017
  • |
  • 360 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7844-8285-9 (ISBN)
 
Ein Feuerwerk witziger Pointen und intelligent gesetzter Knalleffekte beschert Gunther Beth dem Leser in seinem herzerfrischenden Erstlingsroman "Meine Mutter tut das nicht!"
Heldin des köstlichen Buches ist die deutsche Bilderbuch-Hausfrau Gerda Kaufhold, gutbürgerlich verheiratet und Mutter eines erwachsenen Sohnes. Durch die Umfrage eines Boulevard-Blattes wird sie zur Mutter der Nation gewählt und sieht sich plötzlich im Mittelpunkt öffentlichen Interesses. Darüber hinaus ist mit der Wahl ein Filmvertrag gekoppelt, der sie in die Rolle eines Filmstars katapultieren soll. Sie ergreift die Chance, stürzt sich in das Abenteuer ihres Lebens, ins Reich der Filmillusion, was erstauliche Konsequenzen hat -nicht nur für den deutschen Film, sondern auch für sie selbst und das Familienleben der Kaufholds...
Das Buch entstand nach Motiven des gleichnamigen Bühnen-Bestsellers und ist aufgrund einer effektvollen Mischung von überwältigend komischen Situationen, lebendig eingefangenen flotten Dialogen und einem angenehmen Schuß Lebensweisheit mit großem Beifall aufgenommen worden, so überzeugt der Roman auf seine Weise: Höchst originell zeigt er die Verflechtung von Familie, Filmindustrie und Sensationspresse.
  • Deutsch
  • Stuttgart
  • |
  • Deutschland
  • 0,47 MB
978-3-7844-8285-9 (9783784482859)
Gunther Beth ist Schauspieler, Regisseur und Autor.
Gunther Beth veröffentlichte mit 13 Jahren seine ersten Gedichte, gründete mit 16 Jahren eine eigene Kulturzeitschrift für Schüler und gewann mit 19 Jahren den "Peter-Zenger-Preis" als bester Nachwuchsjournalist Hamburgs.Er arbeitete zunächst als Reporter, bevor er sich als Schauspieler ausbilden ließ.
Erstes Bühnenengagement 1968.
Als Drehbuchautor schrieb er Texte für Dokumentarfilme, Krimis und für den WDR die TV-Serie "Die Hupe".

Aufgalopp

1

Boy Blond war wirklich ungeheuer blond.

Wie Wüstensand schmiegten sich seine leuchtenden Locken an die bronzebraune Stirn.

Aus azurblauen Augen blitzte ein blanker Blick, und die sinnlich geschwungenen Lippen waren zu einem heimlichen Triumphbogen geschürzt. Zu diesem Bild von einem Mund richtete sich die melancholische Sehnsucht eines verzückten Teenagers, der im Hintergrund Babyspeck im Bayern-Dirndl präsentierte.

In den Armen des blonden Boy aber räkelte sich ein pudelnasser Cocker-Spaniel mit hinreißenden Dackelfalten.

Boy Blond - Ein Herz kehrt heim

Ab Freitag in diesem Theater!

Der Plakatkleber vom Gloria-Palast trat zwei Schritte zurück und widmete dem Machwerk einen derart versonnenen Blick, als wäre er mindestens die Mutter von Boy Blond.

Auch Herr Kaufhold, an der Würstchenbude gegenüber, starrte fasziniert zu der Plakatwand.

Als seine Augen schließlich wieder auf den Boden des Papptellers zurückfanden, wußte er nicht, wovon ihm übler war - von dem guten Blonden mit dem blauen Blick oder von seiner >Guten Thüringer mit Senf<.

»Schmeckt's Ihnen heut' nicht, Herr Dokter?«

»Wie bitte?«

»Vielleicht noch'n bißken Mostrich?«

»Nein danke.« Der Senf war genauso gelb wie dieser künstliche Kino-Kerl da drüben.

»In Sachsen würdense wat drum geben, wennse solche Thüringer hätten wie icke«, sagte der Wurst-Maxe selbstbewußt. »Aber ick gloobe, der Herr Dokter steht wohl doch mehr auf seine warmen Wiener, wa? - Naja, denn eben nächstet Mal wieder, wenn's recht is!«

Herr Kaufhold zwang sich krampfhaft zu einem flüchtigen Lächeln. Der Mann ging ihm mächtig auf die Nerven.

Aber warum mußte er seine Mittagspause auch hier beim Wurst-Maxe verbringen? Nur weil der ihn immer mit »Herr Dokter« titulierte? .

Arthur Kaufhold, der in der Tat für sein Leben gern ein graduierter Mediziner geworden wäre, kam sich manchmal ziemlich pubertär vor. So wie die beiden giggelnden Schulmädchen, die dicht vor ihm standen und unentwegt in ihre Fritten-Tüten keckerten.

Ein metallic-schwarzer Sportwagen schob sich jetzt auf den Gehsteig und parkte unmittelbar neben dem Wurst-Maxe. Der pfiff diskret durch die Zähne und beobachtete mit Kennerblick die Dame, die sich nun aus ihrem Schalensitz hinterm Steuer schälte.

Zweifellos eine bemerkenswerte Brünette!

Ihr Körper war ebenso angenehm anzusehen wie ihre Bewegungen.

Ein Hauch von »Eau de Private« wehte herüber, um sofort wieder hinter der schweren Wolke von Bratenfett und Curry unterzugehen.

»Donnerlittchen!« meinte Maxe und reckte den Hals. Auch Herr Kaufhold sah der attraktiven Amazone unwillkürlich nach, wie sie sich in schillerndem Satin über den Zebrastreifen wiegte und dann in der Bar vom »Hotel Eden« verschwand.

Arthur Kaufhold fühlte sich ziemlich mies. Irgendetwas piekste ihn im Rücken seines grauen Konfektionsanzuges. Irgendeine blöde Faser, die sich immer dann selbständig machte, wenn es ihrem Herrn sowieso schon unbehaglich war in seiner Haut.

Herr Kaufhold fühlte sich unwohl, gereizt und hart am Abgrund eines moralischen Tiefs.

Es fing schon heute früh an, als er aus der Zeitung erfuhr, daß sein Lieblingsverein, der I. FC Kaiserslautern, in einem vorgezogenen Bundesligaspiel mal wieder vergeigt hatte - 0:3 gegen Borussia Mönchengladbach, und das auch noch vor heimischem Publikum! Auf dem Weg zur Apotheke hatte dann sein Scheibenwischer das Zeitliche gesegnet, und zu seiner ganz besonderen Freude eröffnete ihm dann auch noch seine Kollegin, das dämliche Fräulein Dünnwald, daß sie sich in freudigen Umständen befände und ab Mitte Mai zu beurlauben sei.

Und hatte hinzugefügt: »Sie sollten auch mal wieder Ferien machen, Herr Kaufhold. Sie sehen gar nicht gut aus.« Die dumme Gans.

Urlaub! . Schon fast neun Monate seit Istanbul - und noch über zehn Wochen bis Marrakesch! .

Und kaum ist man da, ist man auch schon wieder weg. Bis zum nächsten Jahr, bis man dann schon 55 ist, bis man wieder mal »gar nicht gut aussieht«, bis man dann schon hart auf die 60 zugeht, bis man schließlich gar nicht mehr gut aussehen kann, bis man schließlich auch gar nicht mehr wegfahren kann, bis man -

»Laß man«, fuhr der Wurst-Maxe prosaisch dazwischen, »solange ick noch zwee gesunde Beene hab, brauch ick keenen Sportwagen. Aber bekieken, da bin ick janz ehrlich, bekieken tu ick mir gern sonne schnucklige Straßenkreuzer mit ordentlich PS unter der Haube - und in der Bluse! Hähähä!«

»Zahlen bitte.«

Der Mann ging Arthur heute ganz besonders auf die Nerven.

»Entschuldigense, Herr Dokter, aber wenn ick mir die Bemerkung erlauben darf: Sie gefallen mir heut gar nich.«

»Ich mir auch nicht«, sagte Herr Kaufhold schroff, legte ein Zweimarkstück auf die Glasplatte und ging. Sein neuer grüner Regenschirm blieb, traurig am Abfallkorb baumelnd, zurück.

2

Es pladderte und platschte, daß der Asphalt nur so dampfte. Der Himmel ergoß sich gewaltig über die Innenstadt.

Das kann ja heiter werden, dachte Annette .

Der Wolkenbruch hatte sie auf ihrem weiten Fußweg zum Pressehaus überrascht. Sie mußte die kalte Fassade des Finanzamtes entlang und noch am Polizeipräsidium vorbeilaufen, bis sie sich endlich in der Königstraße unterstellen konnte. Nun drückte sie sich also bibbernd im Entree einer Medizinischen Fachbuchhandlung herum, und es sah so aus, als ob es bis Weihnachten so weiter schütten würde.

Annette war eine besonders blonde Blondine, die sich normalerweise besonders wohl fühlte in ihrer besonders weiblichen Haut. Jetzt aber kam sie sich vor wie ein Rehpinscher beim Tierarzt.

Immer wieder wanderte ihr Blick vom finsteren April-Horizont zu den kaum mehr einladenden Werken im Schaufenster:

>Die Synopsis der Magenkrankheiten< und >Neurogene Blasenstörungen< lagen da zur Ansicht. Und auch das >Handbuch der Tuberkulose in fünf Bänden<.

»Wenn Sie einen Bestseller suchen, dann sind Sie hier wohl verkehrt, fürchte ich.«

Annette fuhr herum und sah direkt in die Sonne.

Es gibt ein paar Typen, die besitzen ein derart offenes Lächeln und strahlen immer eine solche ansteckend gute Laune aus, daß man das Gefühl hat, in ihrer Gesellschaft befände man sich irgendwo an einem südlichen Strand.

Der junge Stefan Kaufhold gehörte zu diesen Typen. Demzufolge hatte er es in seinem Leben immer sehr leicht gehabt. Viel leichter als in seinem Studium, besonders jetzt vor dem Physikum.

»Seh ich etwa so aus, als wäre ich aus Interesse hier?« Annette schüttelte sich.

Sie sah absolut entzückend aus. Über ihren abenteuerlich geflickten Jeans trug sie nur ein T-Shirt mit dem appetitlichen Aufdruck von zwei paradiesischen Bilderbuchäpfeln.

»Meinen Sie etwa, ich?!« Stefan zog eine eindeutige Grimasse.

Er hatte ein hochgekrempeltes Khaki-Hemd und eine helle Cordhose an. In der einen Hand hielt er seine jüngste Neuerwerbung (>Die lymphogenen Absiedlungswege des Bronchialkarzinoms<), in der anderen klimperten seine Autoschlüssel.

»Ich würde sagen, bevor Sie sich hier einen abzittern, gehen Sie lieber rein in den Laden. Drinnen ist es ein bißchen gemütlicher.« Aber dann fiel ihm ein: »Nee, das ist eigentlich gelogen. Diese Buchhandlung ist das deprimierendste Etablissement, das ich kenne. Und darum schlage ich vor, ich nehme Sie ein Stück in meinem Wagen mit. Natürlich nur, wenn Sie's eilig haben.«

Eilig hatte sie es eigentlich immer. Und trotzdem kam sie eigentlich immer und überall zu spät. Und das prädestinierte sie eigentlich gar nicht für den Job einer Pressefotografin. Aber sie besaß nun einmal diese so herrlich komplizierte Leica-Reflex-Kamera und ihren so herrlich unkomplizierten Freund, den Sensationsreporter Ketschi vom Abendecho. Und solange der ihr sagte, was und wie sie was tun sollte, war die Welt noch in Ordnung.

»Ich bin in einer Minute wieder hier«, sagte Stefan. »Ich halte kurz auf dem Bürgersteig, ein blauer Golf, okay?«

Ein blauer Golf - Annette mußte lächeln.

Heute mittag beim Frühstück hatte Ketschi ihr prophezeit, daß sie den Regenschirm getrost zu Hause lassen könne. Der Himmel bliebe heute blau wie der Golf von Amalfi.

Annette lächelte.

Da hast du ihn nun, mein lieber Ketschi, deinen Golf von Amalfi .

3

»Tja, mein lieber Ketschi, jetzt sind Sie dran! Es kann losgehen.«

Das Büro von Victor Ascheberg, seines Zeichens >Ressort-Chef Kultur< beim Abendecho, sah beileibe nicht so aus, wie man sich landläufig diese hektischen Schicksals-Schneidereien vorstellt, in denen der Stoff zugeschnitten wird, aus dem die Träume sein sollen. Wenn man Ascheberg so gegenüber saß, kam man sich eher vor wie im Leseraum eines traditionsreichen Nobelhotels.

Von den alten Stichen an den Mahagony-Paneelen bis zu den Sherry-Sets auf dem Butlertisch wirkte alles sehr viktorianisch. Fehlte nur noch ein offener Kamin.

Am viktorianischsten aber war »Sir Victor« selbst, wie ihn alle im Pressehaus nannten.

Ein seriöser Vierziger, der den unseriösen Stil seines Blattes ausgezeichnet zu...

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