Das Memphis-Dossier

Thriller
 
 
Blanvalet (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 19. August 2019
  • |
  • 448 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-24094-3 (ISBN)
 
Eine seltene Münze birgt die explosive Wahrheit über eines der brisantesten Kapitel der amerikanischen Geschichte .

In den Geschichtsbüchern steht, dass die Überwachung Martin Luther Kings durch das FBI am Tag seiner Ermordung endete. Doch nun, Jahrzehnte später, stößt Ex-Agent Cotton Malone auf geheime Dokumente, die den schicksalhaften 4. April 1968 in neuem Licht erscheinen lassen. Diese Informationen könnten Unschuldige das Leben kosten und das Erbe des größten Helden der Bürgerrechtsbewegung gefährden. Der Fall führt Malone von Mexiko bis Washington, D.C. - und zu einem Vorfall achtzehn Jahre zuvor, als ein junger Cotton Malone zwischen die Fronten des Justizministeriums und des FBIs geriet ...

  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
Blanvalet
  • 1,21 MB
978-3-641-24094-3 (9783641240943)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Steve Berry war viele Jahre als erfolgreicher Anwalt tätig, bevor er seine Leidenschaft für das Schreiben entdeckte. Mit jedem seiner hoch spannenden Thriller stürmt er in den USA die Spitzenplätze der Bestsellerlisten und begeistert Leser weltweit. Steve Berry lebt mit seiner Frau in St. Augustine, Florida.

1

Zwei Gefälligkeiten änderten den Lauf meines Lebens.

Um die erste ging es an einem warmen Dienstagmorgen. Ich fuhr den Southside Boulevard in Jacksonville, Florida, hinunter und hörte Autoradio. Ein kurzer Druck auf den »SUCHEN«-Knopf, und schon kam aus den Lautsprechern: »Warum gibt es in New York viel Müll und in Los Angeles viele Anwälte?«

»New York durfte zuerst wählen.«

Laute Lacher. Dann ging es weiter. »Wie kriegt man einen Anwalt vom Baum?«

Niemand schien die Antwort zu wissen.

»Man schneidet das Seil durch.«

»Neulich haben Terroristen ein Flugzeug voller Anwälte entführt.«

»Wie schrecklich. Was ist passiert?«

»Sie drohten, wenn ihre Forderungen nicht erfüllt werden, lassen sie jede Stunde einen Anwalt frei.«

Noch mehr Gelächter.

»Was haben Anwälte und .«

Ich schaltete das Radio aus. Die Radiomoderatoren amüsierten sich offenbar prächtig, und es war nicht weiter riskant, sich über Anwälte lustig zu machen. Wer zum Teufel sollte sich auch beschweren? Es waren ja keine Schwulenwitze, Polenkalauer und nichts, was auch nur im Entferntesten sexistisch war. Alle Welt hasste Anwälte. Jeder machte Witze über sie. Und wenn es den Anwälten nicht passte, wen kümmerte das?

Mich. Mich kümmerte es.

Denn ich war Anwalt.

Und zwar ein guter, meiner Meinung nach.

Mein Name, Harold Earl »Cotton« Malone war einer unter Tausenden anderen, die auf Anwaltslizenzen für den Staat Georgia standen, wo ich sechs Jahre zuvor mein Juraexamen abgelegt hatte. Aber ich habe nie in einer Anwaltskanzlei gearbeitet. Stattdessen war ich als Lieutenant Commander bei der US-Navy der Obersten Militärjustizbehörde zugeteilt und zurzeit im Marinestützpunkt Mayport in Florida stationiert. Heute war ich allerdings nicht als Anwalt unterwegs, sondern für einen Freund, dem ich einen Gefallen erweisen wollte - ein verzweifelter Ehemann, der gerade eine Scheidung durchmachte.

Eine Gefälligkeit, die ich allmählich zu bereuen begann.

Sue Weiler, die Ehefrau, war gerissen wie ein Diktator und schamlos wie eine Stripperin. Gestern spazierte sie in Jacksonville quasi von Wohnung zu Wohnung. Vier insgesamt. Jedes Mal traf sie sich dort mit einem Kerl zu schnellem, unverbindlichem Sex. Während ich draußen vor dem Apartment Nummer 3 wartete, überlegte ich ernsthaft, ob sie vielleicht eine Nymphomanin war, denn den nötigen Appetit hatte sie ja auf jeden Fall.

Nach einem erstaunlich kurzen Besuch im Apartment Nummer 4 faltete sie kurz nach 17 Uhr ihre langen, schlanken Beine in einen nagelneuen Cadillac und fuhr auf einen geschäftigen Boulevard. Der Wagen war in einem Weißton lackiert, der ganz leicht ins Rötliche überging, sodass der Wagen schwach rosa wirkte. Ich wusste, was dahintersteckte. Sie hatte den Wagen extra bestellt, um ihren Noch-Ehemann wütend zu machen. Diese ganze Aktion entsprach genau ihrer provozierenden Persönlichkeit.

Letzte Nacht war sie geradewegs zu einem Apartmentkomplex im Südteil der Stadt zu Lover Nummer 5 gefahren. Das Gleiche hatte sie schon vor einem Monat gemacht, und weil ich so ein guter Kumpel war, war ich ihr auch da gefolgt. Jetzt wollte der Anwalt des zukünftigen Ex-Ehemannes Fotos haben, besser noch Videos, um sie beim Scheidungstermin vor Gericht zu verwenden. Mein Kumpel war bereits zu vorläufigen Unterhaltszahlungen verdonnert worden, die teilweise als Raten für den Cadillac draufgingen. Ein Beweis ihrer Untreue hätte den Unterhaltsverpflichtungen mit Sicherheit einen Riegel vorgeschoben. Insbesondere, weil Sue bereits zweimal zu Protokoll gegeben hatte, keine Liebhaber und überhaupt so gut wie keine männlichen Freunde zu haben. Sie log wie gedruckt, und wenn ich die Wahrheit nicht mit eigenen Augen gesehen hätte, wäre ich ihr ebenfalls auf den Leim gegangen.

Gestern fiel den ganzen Nachmittag über leichter Regen und der Abend wurde so heiß und feucht, wie es für Florida im Juni typisch ist. Ich hatte die Nacht vor dem Apartment von Lover Nummer 5 Stellung bezogen und aufgepasst, dass Sue mir nicht durch die Lappen ging. Vor etwa fünfzehn Minuten ist sie herausgekommen und in ihrem Pink-Mobil davongebraust. Ich konnte mir denken, wohin sie unterwegs war. In einem Apartmentkomplex draußen am Strand wohnte Lover Nummer 6, ein Immobilienmakler, der zwanzig Kilo mehr an Muskelmasse und zwanzig Lebensjahre weniger als ihr Ehemann zu bieten hatte.

Der Morgen war klar und sonnig, die Straßen voller Leute, die zur Arbeit wollten, und der Verkehr in Jacksonville herausfordernd wie immer. Mein metallicblauer Buick Regal tauchte ins morgendliche Verkehrsgewühl, und einen pinkfarbenen Cadillac zu verfolgen erwies sich als ein Kinderspiel. Erwartungsgemäß fuhr sie dieselben Ecken und Abzweigungen quer durch die Stadt, bis sie links blinkte und der Cadillac in den nächsten Apartmentkomplex abbog.

Ich notierte die Uhrzeit.

07:58 Uhr

Lover Nummer 6 wohnte im Gebäude C, Wohnung 5, und verfügte über zwei eigene Parkplätze - einen für seinen fabrikneuen Mazda und den anderen für einen Gast. Diese Details hatte ich schon vor ein paar Wochen herausgefunden. Ich wollte noch eine halbe Stunde warten, damit ihnen reichlich Zeit blieb, in die Kiste zu steigen, und mir dann einen guten Platz suchen, um ein kleines Video aufzunehmen und ein paar Schnappschüsse ihres Cadillacs neben dem Mazda zu machen. Doch zunächst plante ich, vis-à-vis auf dem Parkplatz eines Einkaufszentrums auszuharren. Zum Zeittotschlagen hatte ich ein paar Taschenbücher dabei.

Ich wollte gerade abbiegen, als ein Ford-Pick-up auf der linken Spur an mir vorbeischoss. Er war kobaltblau lackiert und hatte einen Aufkleber auf der hinteren Stoßstange.

MEINE EX REITET JETZT AUF EINEM BESEN.

Ich wusste, wer drinsaß.

Mein Kumpel, der zukünftige Ex-Ehemann, wer sonst.

Das letzte Mal hatte ich gegen Mitternacht mit Bob Weiler gesprochen, um ihm die schlechten Nachrichten zu überbringen. Er nahm sie gar nicht gut auf. Und sein Auftauchen hier konnte nur eines bedeuten: Ärger. Ich hatte schon länger seinen wachsenden Groll gespürt. Seine Frau setzte sich sichtlich ungerührt über die Eifersucht ihres Mannes hinweg. Sie hatte Spaß daran, auf seinen Gefühlen herumzutrampeln und dann genussvoll zuzusehen, wie er vor ihren Augen zusammenbrach. Bei dieser Nummer ging es offensichtlich um Kontrolle. Er wollte ihre Liebe und sie das Vergnügen, ihn nach Belieben zappeln zu lassen. Doch solche Spielchen können riskant sein, die möglichen Konsequenzen sind den Beteiligten allerdings meistens völlig egal.

Bob in seinem Pick-up ignorierte den Gegenverkehr, kurvte mit quietschenden Reifen über die Gegenfahrbahn, verfehlte an der Einfahrt nur knapp das geschnitzte Zedernholz-Namensschild des Apartmentkomplexes The Legends und schoss dann die schmale Auffahrt hinauf. Ich wechselte sofort die Fahrspur, nahm ein paar Gaffern die Vorfahrt und machte mich an die Verfolgung. Der Gegenverkehr bremste mich kurzfristig aus, und als ich endlich in die Wohnanlage abbog, hatte Bob gute neunzig Sekunden Vorsprung.

Ich steuerte sofort auf das Gebäude C zu.

Da stand der Pick-up mit geöffneter Fahrertür, neben dem Mazda parkte der rosafarbene Cadillac, und Bob Weiler zielte mit der Waffe auf seine Frau, die zwar schon ausgestiegen, aber noch nicht ins Haus gegangen war. Ich riss das Lenkrad nach rechts und brachte den Kupplungshebel so abrupt in die Parkposition, dass es krachte. Als ich meinen .38er-Smith-&-Wesson aus dem Handschuhfach kramte, betete ich zu Gott, dass ich ihn nicht benutzen musste.

Danach stieß ich die Tür auf und rutschte hinaus. »Runter damit, Bob.«

»Vergiss es, Cotton. Ich habe es satt, mich von dieser Nutte zum Narren halten zu lassen.« Bob hielt die Waffe unverwandt auf Sue gerichtet. »Halt dich da raus. Das geht nur sie und mich was an.«

Ich blieb hinter meiner geöffneten Autotür in Deckung und warf einen kurzen Blick nach links. Mehrere Hausbewohner beobachteten die Szene von ihren Balkonen aus. Dann ein rascher Blick zu Bobs Frau, die fünfzehn Meter entfernt stand. Sie wirkte vor allem genervt, beobachtete ihren Mann allerdings sehr genau. Ihr Blick erinnerte an den einer Löwin, die ihre Beute anvisiert. Über ihrer Schulter baumelte eine stylische Chanel-Handtasche.

Jetzt richtete ich meine Aufmerksamkeit wieder auf Bob Weiler. »Leg die Waffe hin.«

»Diese Nutte nimmt mich aus und vögelt gleichzeitig jeden, den sie will.«

»Der Scheidungsrichter soll sich um sie kümmern. Wir haben jetzt genug Beweise.«

Er wandte sich zu mir. »Zum Teufel mit den Gerichten. Ich kann das gleich hier klären.«

»Was bringt dir das? Gefängnis? Sie ist es nicht wert.«

Zwei Schüsse hallten durch die Morgenluft, Bob Weiler stöhnte und sackte zu Boden. Aus zwei Löchern in seiner Brust strömte Blut. Ich sah schnell zu Sue hinüber. Sie hielt die Waffe noch in der Hand, nur dass sie sie jetzt auf mich richtete. Wieder knallte ein Schuss.

Ich hechtete in den Wagen.

Auf der Fahrerseite explodierte das Seitenfenster, wo ich gerade eben noch gehockt hatte, und mir spritzten Glassplitter entgegen.

Sie feuerte erneut.

Die Windschutzscheibe überzog sich nach dem Treffer spinnwebartig mit Bruchlinien, zersplitterte aber nicht. Ich entriegelte die Beifahrertür und ließ mich auf der anderen Seite aufs Pflaster gleiten. Jetzt war wenigstens ein ganzer Wagen zwischen uns. Ich sprang auf, legte an und schrie: »Waffe fallen...

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