Wie viel Ungleichheit verträgt die Demokratie?

Journal für politische Bildung 1/2015
 
 
Wochenschau Verlag
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 14. April 2016
  • |
  • 104 Seiten
 
E-Book | PDF mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7344-0311-8 (ISBN)
 
Die Frage nach der aktuellen Verfassung der Demokratie ist ein zentrales Anliegen politischer Bildung. Sie wird auch vom diesjährigen Bundeskongress Politische Bildung aufgegriffen, der vom 19.-21. März in Duisburg stattfindet (siehe im vorliegenden Heft die Informationen unter AugenMerk). Dabei will der Kongress den Blick vor allem auf die zunehmenden Ungleichheiten und Asymmetrien richten, die zwar das formale Regelsystem der repräsentativen Demokratie unangetastet lassen, die aber deren gesellschaftliche Basis immer deutlicher in eine brisante Schieflage bringen. Das Stichwort "Postdemokratie", das eine Art Leitmotiv des letzten Bundeskongresses vom Frühjahr 2012 bildete, stellt einen Versuch dar, diesen scheinbar irreversiblen Prozess und seine politischen
Konsequenzen auf den Begriff zu bringen.

Bei der neueren Demokratiedebatte wird immer stärker die gesellschaftliche Grundlage, speziell die Ökonomie, ins Blickfeld gerückt. Der Ökonom Thomas Piketty hat in seiner groß angelegten Studie über "Das Kapital im 21. Jahrhundert" seine sozialwissenschaftlichen Kollegen ermahnt, "das Studium ökonomischer Tatsachen nicht den Ökonomen (zu) überlassen." Für die politische Bildung dürfte diese Aufforderung in gleicher Weise gelten, wobei speziell im außerschulischen Bereich eine solche Notwendigkeit seit längerem anerkannt ist. Die "non-formale" Szene lebt ja von der Initiative der Zivilgesellschaft, und deren soziale Impulse, auch die Einsprüche und Proteste (siehe Journal 4/14), prägen das Bildungsgeschehen. Viele Träger sind hier mit Fragen der Arbeitswelt, der Qualifi zierung und berufl ichen Weiterbildung befasst, wie ja überhaupt das Ziel der "Beschäftigungsfähigkeit" für die verschiedenen Felder des Lebenslangen Lernens bildungspolitisch gesetzt ist.

Die vorliegende Ausgabe des Journals greift die einschlägigen Fragen aus dem Blickwinkel von Theorie und Praxis der außerschulischen Bildung auf. Einleitend geht Prof. Christoph Butterwegge (Universität Köln) auf den zentralen Punkt, die wachsende soziale Ungleichheit, ein, indem er eine Bilanz der jüngsten Entwicklungen im Finanzmarktkapitalismus zieht. Dem folgt ein Beitrag der beiden Politikwissenschaftler Dr. Oliver Eberl (TU Darmstadt) und Dr. David Salomon (Universität Siegen). Sie stellen die "Diagnose Postdemokratie" selber auf den Prüfstand. Dabei sehen sie Defi zite, halten aber an der Triftigkeit des grundsätzlichen Theorieansatzes fest. Prof. Helmut Bremer und Felix Ludwig (Universität Duisburg-Essen) thematisieren anschließende Inklusion und Exklusion im
politischen Feld. Sie stützen sich auf den theoretischen Ansatz des Sozialwissenschaftlers Pierre Bourdieu und bringen gleichzeitig konkrete Projekterfahrungen aus der politischen Jugendbildung ein.

Die politikwissenschaftliche Diagnose von der "immer stärker werdenden Stellung ökonomischer Akteure bei gleichzeitiger Entmachtung von Parlamenten und Öffentlichkeit" (Oberl/Salomon) hat ihr Pendant in der politischen Bildung: Das Stichwort lautet Ökonomisierung oder "Verbetriebswirtschaftlichung" der Bildungsarbeit. Prof. Christine Zeuner (Hamburg/Redaktion Journal) bringt ein aktuelles Resümee zu den Ökonomisierungsprozessen, die in der politischen Erwachsenenbildung zu verzeichnen sind. Barbara Menke und Sonja Puchelski (Bundesarbeitskreis Arbeit und Leben) schließen dann den Schwerpunkt ab, indem sie über die pädagogische Arbeit mit bildungsbenachteiligten Jugendlichen berichten.
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  • Für Beruf und Forschung
  • 13,44 MB
978-3-7344-0311-8 (9783734403118)
3734403111 (3734403111)
Uwe Berndt
Dr., arbeitet am Studienhaus Wiesneck (Institut für politische Bildung Baden-Württemberg e.V., Buchenbach bei Freiburg) und ist der dort tätige Stipendiat des Programms "Europa gestalten - Politische Bildung in Aktion". Er realisierte zusammen mit Petja Mihelic 2013/14 das deutsch-slowenische Projekt "Aus der Geschichte lernen".

Helmut Bremer
Dr., ist Professor für Erwachsenenbildung/Politische Bildung an der Universität Duisburg-Essen, Fakultät für Bildungswissenschaften;
Arbeitsschwerpunkte sind u.a. Politische Jugend- und Erwachsenenbildung, soziale Ungleichheit, Milieu- und Habitusanalyse

Christoph Butterwegge
Prof., ist Leiter des Lehr- und Forschungsbereichs Politikwissenschaft an der Humanwissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln.

Oliver Eberl
Dr., ist wissenschaftlicher Mitarbeiter für Politische Theorie und Ideengeschichte an der TU Darmstadt.

Benno Hafeneger
Prof. Dr., Philipps-Universität Marburg und Mitglied der Journal-Redaktion.

Felix Ludwig
Diplom-Pädagoge, arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Fachgebiet Erwachsenenbildung/Politische Bildung der Universität Duisburg-Essen.
Er beschäftigt sich mit politischer (Jugend-) Bildung und qualitativer Bildungs- und Sozialforschung.

Barbara Menke
ist Bundesgeschäftsführerin von Arbeit und Leben.

Petja Mihelic
realisierte zusammen mit Dr. Uwe Berndt 2013/14 das deutsch-slowenische Projekt "Aus der Geschichte lernen".

Sonja Puchelski,
MA, ist Politologin und Bildungsreferentin für Seminare und Projekte der politischen Jugendbildung und Grundbildung in der Arbeitswelt bei Arbeit und Leben.

David Salomon
David Salomon ist Lehrkraft für besondere Aufgaben im Bereich
Politische Bildung an der Universität Siegen.

Jens Schmidt
ist Bildungsreferent bei Arbeit und Leben Hamburg und dort zuständig für die politische Jugendbildung, für Projekte sowie für das Mobile Beratungsteam
gegen Rechtsextremismus und leitet außerdem das Projekt "breit aufgestellt".

Christine Zeuner
Prof. Dr., lehrt Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt Erwachsenenbildung an der Helmut-Schmidt-Universität/Universität
der Bundeswehr Hamburg und ist Mitglied der Journal-Redaktion.
Editorial

SchwerPunkt
WIE VIEL UNGLEICHHEIT VERTRÄGT DIE DEMOKRATIE?

Christoph Butterwegge
Wachsende soziale Ungleichheit - eine Gefahr für die Demokratie

Oliver Eberl, David Salomon
Soziale Krise und Demokratie
Diagnose Postdemokratie

Helmut Bremer, Felix Ludwig
Inklusion und Exklusion im politischen Feld
Einsichten und Einblicke aus der Perspektive Bourdieus

Christine Zeuner
Ökonomisierungsprozesse in der politischen Erwachsenenbildung

Barbara Menke, Sonja Puchelski
Bildungsbenachteiligung
Eine Herausforderung für Demokratie und politische Bildung

QuerDenken

Benno Hafeneger
Naturschutz als Thema von Demokratiebildung?

Jens Schmidt
Qualifi ziert handeln!
Zur Kooperation von Bundeszentrale und Trägern bei der Rechtsextremismusprävention

ÜberGrenzen

Uwe Berndt, Petja Mihelic?
"Aus der Geschichte lernen"
Reflexionen zu einem deutsch-slowenischen Projekt

VorGänge

Politische Bildung: Herbstkonferenzen / Marginalie zur Schlussredaktion / 5. Demokratie-Kongress / Wunsiedel ist bunt!

LeseZeichen

Demokratie!? / Soziologische Phantasie und Exemplarisches Lernen /
Gesellschaft im Umbruch / Demokratie und Sozialismus / Rechtsextremismus: Erscheinung und Erklärung

AugenMerk

Studie: Bürgerbeteiligung / AdB: Jungwählerprojekt / Grüne: Beteiligungsoffensive / Videoreihe: PoliWHAT?! /
Netzwerk: Politische Bildung Schwaben / KAS: TTIP / Greenpeace: Bündnis für Bildung /
DIE: Alpha-Portal / Materialien: Georg Elser / Bundeskongress Politische Bildung 2015 / Personen & Organisationen /
Veranstaltungen / Aktionstage 2015
BISAC Classifikation

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