Der Klang des Feuers

Roman
 
 
Penhaligon Verlag
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 22. November 2021
  • |
  • 416 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-26896-1 (ISBN)
 
Das große Finale der Wayfarer-Saga: Wird der Wanderer Weyd die Welt in die Dunkelheit stürzen?Der Wanderer Weyd und seine Freunde haben eine dunkle Wildnis durchreist, um die sagenumwobenen Türme des Lichts zu erreichen. Doch die drei Bauwerke sind so tödlich wie ein Waffenarsenal und verlangen den Gefährten Schreckliches ab. Das Schlimmste steht Weyd allerdings noch bevor: Wenn er das Feuer an der Turmspitze entzünden will, muss er ein unmenschliches Opfer bringen - oder sich stattdessen für ewige Finsternis entscheiden ... Das Finale der dreibändigen »Wayfarer«-Saga aus der Feder einer umwerfenden deutschen Autorin! Die Printfassung enthält exklusives digitales Bonusmaterial (Augmented Reality, AR) zum Entdecken.Alle Bände der »Wayfarer«-Saga:Das Lied der NachtDas Flüstern des ZwielichtsDer Klang des Feuers
  • Deutsch
  • München
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  • Deutschland
Penhaligon
  • 2
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  • 2 s/w Abbildungen
  • 5,94 MB
978-3-641-26896-1 (9783641268961)
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C.E. Bernard ist das Pseudonym von Christine Lehnen, die 1990 im Ruhrgebiet geboren wurde und seitdem in Kanada, den Vereinigten Staaten, Australien und Paris gelebt hat. Sie studierte die Fächer English Literatures and Cultures und Politikwissenschaft, seit 2014 lehrt sie Literarisches Schreiben an der Universität Bonn. Daneben promoviert sie an der University of Manchester über Neuerzählungen des Trojanisches Krieges, erwandert das Siebengebirge und mentoriert zukünftige Talente für PAN e. V. Ihre Kurzgeschichten wurden mit den Literaturpreisen der Jungen Akademien Europas und der Ruhrfestspiele Recklinghausen ausgezeichnet, ihre Romane waren für den RPC Fantasy Award und den Lovelybooks-Leseraward nominiert. Christine Lehnen schreibt auf Englisch - ihre auf Deutsch erschienenen Werke, darunter die Palace-Saga und zuletzt die Wayfarer-Saga, werden ins Deutsche zurückübersetzt.

1 - Auf dem Weg

Auf dem Weg

Silbern schimmerte der Graue Pfad im Schein des Mondes, im Licht der Sterne. Er wand sich durch den Norden, wo der Schnee selbst im Frühling nicht schmolz, wo schon die kleinste Laterne hell die Nacht erleuchtete, wo man die langen, finsteren Winter auch mit Feuer und Liedern kaum überlebte.

Etwas Fremdes spürte diese Straße.

Es reiste auf ihr.

Kroch auf ihr dahin.

Breitete sich aus.

Noch hatte es niemand gesehen, weder Mensch noch Tier. Zumindest niemand, der davon hätte berichten können.

Nur der Graue Pfad hatte es gesehen.

Jene Straße hatte es gesehen, die sich durch den Norden, in den Süden und gen Westen erstreckte. Jene einst so breite, stolze Straße. Jene Straße, die so weit im Norden stets einsam war, weil kaum jemand sie je bereiste. Niemand kannte sie in ihrer Gänze von Norden bis Süden.

Niemand außer ihm.

Auch jetzt war er der einzige Reisende auf dem Grauen Pfad. Ein großes, graues Pferd führte er am Zügel, und über ihm glitt eine Krähe dahin, die hin und wieder einen heiseren Schrei ausstieß. Schier undurchdringlich war der Wald um sie her, schier unerträglich die Kälte der Luft. So kalt war es, dass ihr Atem zu dichtem Nebel gefror, so kalt, dass Pferd und Mensch und Vogel zitterten. Wie eine weiße Decke hatte sich der Schnee über die kahlen Bäume gelegt, über die dunklen Nadeln der Tannen. Auch die Straße hatte er vereinnahmt, hatte aus dem Grauen Pfad wieder einen weißen gemacht. Solange der Wanderer das Lied der Nacht sang, warf der Schnee das Licht von Sternen und Mond zurück und ließ die Nacht auf seltsame Weise erstrahlen.

Weyd wickelte sich fester in seinen Mantel. Längst war dieser nicht mehr blau oder grau: Er hatte die Farben von Schlamm, Erde und Staub angenommen, von jedem Wald, durch den er gewandert, jedem Graben, in dem er in unruhigen Schlaf gesunken, jedem Bach, durch den er gewatet war.

Das Pferd an seiner Seite schnaubte.

»Ich weiß«, antwortete er. »Es dauert noch ein wenig, Blíkna. Erst kurz vor Sonnenaufgang werden wir in Hewsos sein.«

Wieder schnaubte Blíkna. Er blieb stehen. »Stimmt etwas nicht?«, fragte er leise. Wieder einmal schalt er sich dafür, nie die Sprache der Pferde gelernt zu haben. Der Wanderer sah sich auf der Straße um, konnte aber nichts Ungewöhnliches entdecken. Also trat er dichter an Blíkna heran, drückte seine Stirn an die des Hengstes und strich langsam über seinen Hals.

»Ist schon gut«, flüsterte er. »Sicher fehlt er dir sehr.«

Ein nervöses Tänzeln war die Antwort.

»Mir fehlt er auch«, fuhr er ruhig fort. »Ja, mir fehlt er auch. Es fühlt sich an, als wären wir vollkommen allein, wir beide, nachdem es doch so aussah, als sollten wir es nicht mehr sein. Wir hatten einen Gefährten. Wir hatten Freunde. Wir waren eine Gemeinschaft.«

Noch einmal streichelte er den Hals des Pferdes. »Nun müssen wir ohne sie auskommen, auch wenn wir geglaubt haben, es würde nie wieder so sein. Aber sie sind fort, und wir müssen weiter. So weit schon hast du mich über den Grauen Pfad getragen, und bald kannst du dich ausruhen, wenn wir Hewsos erreichen. Weit kann es nicht mehr sein, Urth hält bereits für uns Ausschau.«

Sein Blick ging zum Himmel, suchte nach der Krähe. Noch immer glitt sie hoch über ihnen dahin. Dann wandte er sich wieder der Straße zu. Hier im Norden war sie noch immer breit und stolz, denn sie wurde instand gehalten. Wie ein mächtiger, silberner Fluss wand sie sich durch die Landschaft.

Der Wanderer griff nach seiner Reiselaterne und machte sich wieder auf den Weg. In Gedanken war er bereits in Hewsos, der Stadt der Lichter, auf die er nun schon seit vielen Tagen zustrebte, um dort die Vorräte aufzufüllen auf seiner Suche nach dem Grauen Turm. Er sehnte sich nach ihr. Nach ihren vielen Lichtern, ihren vollen Gesängen, den alten Holzbauten und Gasthöfen, in denen jeder Stuhl und jede Stiege ächzten, sodass ihr Lied einen begleitete, wenn man sich in seinem Zimmer in ein warmes Federbett sinken ließ.

Angetrieben von seinen Gedanken ging er weiter, sang leise das Lied der Nacht. An die Bardin Caer dachte er, und an das Willkommenslicht von Briva. Er drückte eine Hand an den Stern auf seiner Brust, der selbst in tiefster Finsternis noch Licht spendete. Licht, das nun in seinen Augen strahlte, in seinem Lied und seinen Worten, auch wenn sie bei ihm stets traurig klangen. Trost spendeten sie ihm dennoch.

So zog der Wanderer dahin.

Ohne zu ahnen, dass vor ihm etwas Fremdes reiste.

Sich ausbreitete. Dahinkroch.

Über den Grauen Pfad bis nach Hewsos.

Hewsos, Stadt der Lampen, die auch in jener Nacht so hell erstrahlten. Es war die Nacht vor dem Tag der Ruhe, und in den Straßen tummelten sich die Fremden, denn in Städten trifft man ja viel öfter auf fremde Gesichter als auf vertraute Menschen. Manche von ihnen waren hier geboren worden, andere nicht. Manche waren erst vor Kurzem hier eingetroffen, nachdem die Schatten sich erhoben und mit ihren Schwertern aus kaltem Feuer alles niedergemetzelt hatten, was sie fanden. Manche waren auch schon früher gekommen.

Nun also waren sie alle in den Straßen der Stadt unterwegs, sangen leise das Lied der Nacht, ob sie nun auf dem Weg zum Theater waren, nach einem zu langen Tag in der Werkstatt heimwärts gingen oder Freunde, Schwester, Bruder, Mutter oder Vater besuchten. Sie trugen warme, mit Schafwolle gefütterte Mäntel. Pflastersteine befestigten die Pfade unter ihren Füßen, hölzerne Gebäude umgaben sie, aus Stöcken errichtete alte Tempel ragten über ihnen auf, deren spitze Giebel mit geschnitzten Pferden, Trollen, Lichtbögen und hohen, magischen Bäumen verziert waren.

Und überall hingen Lampen. In jeder Straße und auf jedem Platz reihten sich an langen Bändern die Laternen aneinander, in denen dicke, solide Kerzen brannten. Warm erhellten sie den Abend.

Überall war Licht.

Überall war Musik.

Überall wurde gelacht und zum Himmel aufgeblickt, an dem die Sterne strahlten, und der Klang unzähliger Schritte hallte von den Pflastersteinen wider.

Und oben auf den Mauern der Stadt behielt die Wache den Grauen Pfad fest im Blick, denn sie erwartete jemanden.

Sie wartete auf einen Fremden.

Die Frau, die an diesem Abend zur Wache eingeteilt war, hatte ihn noch nie gesehen. Nur gehört hatte sie vom Wanderer, in so vielen Geschichten. So vielen Liedern. Balladen, Gedichte und Legenden berichteten von ihm, wie man sie sich nur flüsternd im Dunkel der Nacht erzählte, denn sie sollten einem kalte Schauer über den Rücken jagen und das Herz wild und freudig klopfen lassen, während man sich sicher in sein Federbett kuschelte, sich mit seinen Brüdern und Schwestern um das flackernde Licht einer Kerze drängte.

Sie wusste, dass er als junger Mann über das Midlamari gesegelt und von seiner Reise mit einem Schwert zurückgekehrt war, das eines Königs würdig gewesen wäre. Mit einem Schwert und einem Herzen, in dem jede Freude erloschen war. Sie wusste, dass er dem Weg des Winters gefolgt war, ihn gut kannte. Dass er einen Versorgungstross von Turis über Briva bis nach Hewsos geführt hatte im großen Hungerwinter, als die Bhelsee zugefroren war und die Schiffe nicht mehr durchkamen mit Getreide, Früchten und Mehl. Auch von seinem großen Kampf auf dem Grauen Pfad hatte sie gehört. Hatte sich erzählen lassen, wie die Bardin und der Wanderer die Straße gegen die Eiserne Patrouille verteidigt hatten, wie sie der gesamten Armee von Schur getrotzt hatten.

Der Gedanke daran ließ ihr Herz höher schlagen.

Auch wenn sie es natürlich nicht glaubte.

Zumindest nicht alles. Geschichten mussten schließlich immer etwas ausgeschmückt werden, sonst taugten sie nichts. Sonst ließen sie das Herz nicht freudig klopfen, jagten einem keine kalten Schauer über den Rücken.

Aber sie glaubte sehr wohl, dass sie gemeinsam der Gefahr getrotzt hatten - die Bardin und der Wanderer. Und während die Bardin ihre Pfeile verschossen hatte, die Klänge gebeten hatte, sich für ihn zu verstärken, hatte er in tiefster Dunkelheit gekämpft mit seinem Schwert und dem glänzenden Silberstern an der Brust.

Sie wollte die beiden sehen. Wollte sehen, wie der Wanderer und die Bardin gemeinsam über den Grauen Pfad herankamen. Wollte wissen, ob es wahr war.

Dass sie Seite an Seite gekämpft hatten. Dass er sich ihr zugewandt und ihr seine Liebe gestanden hatte. Dass sie sich ihm zugewandt und geantwortet hatte: Was bist du doch für ein Trottel.

Nachdenklich blickte sie zu den Sternen hinauf. Hier in Hewsos trug die Wache keine Waffen, nur eine Laterne und zwei Hörner hatte sie bei sich, eines in Silber und eines in Gold, in den Farben der Sterne und der Sonne. Genauso sähen die Sterne auch in Briva aus, hatte sie gehört, sie funkelten in demselben Silberton, verharrten alle am selben Ort. Ihre Schwester lebte in Briva, arbeitete dort als Botin für Reys, die Bürgermeisterin von Briva der Blauen. Bürgermeisterin und Schwester des Wanderers.

Briva.

Belagertes Briva.

Einen kurzen Augenblick lang stellte sie sich vor, dass ihre Schwester nun in Briva ebenfalls auf der Mauer stand, dass auch sie zu diesen Sternen aufblickte.

So viel weiter im Süden blickte sie doch zu denselben Sternen hinauf.

Und auch schon vor Tausenden von Jahren hatte jemand hier gestanden und ebendiesen Himmel betrachtet.

Sie wandte sich wieder dem Grauen Pfad zu, der sich dort unten entlangzog. Behielt wieder die Straße im Blick,...

»Wortgewaltig und poetisch zugleich webt C. E. Bernard die Magie ihrer Geschichten.«
 
»Eine moderne und sprachgewaltige Fantasy-Saga - C. E. Bernard weiß, dass nicht der Umfang eine Geschichte episch macht, sondern die Größe ihrer Heldinnen und Helden. Wir werden noch viel von ihr hören.«
 
»Ein neuer Stern am Autorenhimmel.«
 
»Bernard schreibt eindringlich und hat nicht nur ein Händchen für Charaktere, sondern auch dafür, deren Umgebung plastisch wirken zu lassen.«
 
»Eine absolute Sensation in der Fantasyliteratur. Nervenkitzel und Emotionen in geballter Form. In den letzten Jahren ist nichts Vergleichbares erschienen. Wow, wow, wow!«
 
»Was mich wirklich fasziniert an C.E. Bernards Büchern, ist, wie detailgenau sie diese Welt beschreibt.«
 
»Der bildstarke Stoff ruft ganz klar: große Leinwand!«
 
»Was die >Palace<-Bücher von vielen anderen dystopischen Romanen unterscheidet, ist die Eindringlichkeit, mit der C. E. Bernard den Leser mit ihrer Heldin konfrontiert. Der Leser erlebt fast am eigenen Leib, wie es ist, nichts sehnlicher zu wollen, als jemanden berühren zu können - und es doch nicht zu dürfen. Eine spannende Buchreihe .«
 
»Eine Geschichte voller Gefühle, voller Dramatik und fesselnder Figuren. [.] Mit dem Auftaktband ist der Autorin ein großer Wurf gelungen.«
 
»Das Buch vermag es, den Leser auf allen Ebenen zu begeistern.«

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