La Dolce Kita

Roman
 
 
Ullstein Taschenbuchvlg. (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 1. Dezember 2017
  • |
  • 320 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-8437-1639-0 (ISBN)
 

Die Kinder sind das kleinste Problem

Fridi ist alleinerziehend und schafft es nicht mal regelmäßig zum Friseur. Als die Kita streikt, muss sie sich die Notbetreuung mit Karrierefrau Lea und Super-Mama Annette teilen. Und die beiden geraten ständig aneinander. Dabei hat jede der drei Frauen echte Probleme: Fridi wird im Job benachteiligt, während sich Lea und Annette mit besserwisserischen Schwiegermüttern und haushaltsfaulen Ehemännern herumschlagen. Doch die drei raufen sich zusammen und entwickeln einen Schlachtplan. Denn »Mädchen« müssen sich gar nichts gefallen lassen ...

  • Deutsch
  • Deutschland
  • 1,81 MB
978-3-8437-1639-0 (9783843716390)
3843716390 (3843716390)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Jennifer Bentz ist Jahrgang 1980, studierte Publizistik und Filmwissenschaft und lebt mit ihrem Sohn in Mainz.

1

»Frau Schmitz, wollen Sie auch etwas dazu sagen? Frau Schmiiiihiiiitz!«

»Was?« Fridi schreckte hoch.

»He, bist du grade eingenickt, oder was?«, zischelte Lea vom Platz neben ihr.

»Ähm .« Fridi setzte sich aufrecht hin und blinzelte. Nicht nur die Gruppenleiterin, sondern auch die an­deren Eltern im Stuhlkreis schauten sie an. Mit einem Mal war sie hellwach. »Äh . natürlich möchte ich was dazu sagen .« Sie hatte nur keinen Schimmer, worum es gegangen war. Das Blut schoss ihr in den Kopf. Sie blickte zu ihrer Sitznachbarin Lea, die schnell ihr Smartphone wegsteckte und offensichtlich ebenso wenig im Bilde war. Fridi räusperte sich. Zum Glück war dies nicht ihr erster Elternabend, und sie kannte ein paar Floskeln, die, pauschal in jede erdenkliche Kita-Diskussion eingeworfen, immer auf Zustimmung stießen: »Ich finde, das ist jetzt ein Punkt, mit dem man sehr sensibel umgehen muss«, begann Fridi und blickte in die Runde. »Das heißt, wir sollten einen Kompromiss finden, hinter dem wir als Eltern geschlossen stehen können. Aber sicher stimmen wir gleichzeitig darin überein, dass das Wohl der Kinder im Mittelpunkt steht und es damit das Wichtigste ist, aus ihrer Sicht die beste Lösung zu finden. Schließlich wollen wir niemanden übergehen. Also, wie schon gesagt, sehr sensibel.«

Die Eltern im Stuhlkreis starrten Fridi an. Die Gruppenleiterin legte die Stirn in Falten. »Frau Schmitz, es ging darum, ob die Schildkrötengruppe einen zusätzlichen Kleiderhaken an der Garderobe benötigt.«

»Ähm .« Fridi schluckte.

Lea gluckste.

»Ich find ja immer noch, wir ham genuch Haken!«, rief eine beleibte Dame, der sich Fridi, für ihr Einschreiten zu exakt diesem Zeitpunkt, zu Dank verpflichtet fühlte. Die Dame blickte mit einer auffallend tiefen Zornesfalte zwischen den Augen und aufeinandergepressten Lippen in die Runde, während Zeichentrick-Ente Alfred Kwak auf ihrem rechten Stuhlbein in einer Sprechblase fragte: Warum bin ich so fröhlich? So fröhlich, fröhlich, fröhlich? »Was soll die Diskussion überhaupt?«, sprach die Frau weiter. »Ab Montag soll es womöglich einen Kita-Streik geben, die meisten Eltern wüssten nicht, wohin mit ihren Kindern, und wir reden hier seit einer Viertelstunde über einen Jacken­haken?«

»Richtig«, warf Lea vom Platz neben Fridi ein. »Wir sollten über den Streik reden.« Da beide zu spät gekommen waren, hatten sie keine Stühle mehr erwischt und saßen außerhalb des Sitzkreises auf einer, laut Beschriftung, Steckspielzeug-Holzkiste für die ganz Kleinen.

»Was für ein Streik?«, flüsterte Fridi Lea zu.

»Wohnst du im Wald?«, zischelte Lea. »Lad mich doch mal an deine Feuerstelle ein. Ich bring was zum Zwitschern mit und ein Notstromaggregat, dann kriegst du sogar die Tagesschau.«

Fridi verschränkte die Arme. Als wüsste sie nicht selbst, dass sie kaum etwas von der Welt mitbekam. Vor kurzem hatte sie zwar eine Schlagzeile zu einem möglichen Streik in städtischen Kitas überflogen, hatte das Ganze aber nicht besonders ernst genommen - bei schlimmen Dingen dachte man ja immer, man sei nicht betroffen.

»Noch steht nichts offiziell fest«, sagte die Gruppenleiterin. »Sollte es tatsächlich zu einem Streik kommen, wird auch unsere Einrichtung auf unbestimmte Zeit geschlossen bleiben. In diesem Fall werden wir Sie via Handzettel darüber informieren. Eine Notfallbetreuung wäre in diesem Fall nicht organisiert.«

Unter den Eltern brach ein heftiges Getuschel aus.

»Es ist noch nicht mal offiziell.« Fridi sah Lea an. »Also wie hätte ich das wissen sollen?«

»Ich seh's seit Wochen kommen.«

»Du bist auch Journalistin.« Fridi verdrehte die Augen. Langsam kam die Information bei ihr an. »Wo bitte schön soll ich Hanna morgens hinbringen, wenn die Kita geschlossen bleibt?«

»Das fragst du mich?« Lea riss den Kopf herum. »Guten Morgen, Fridi! Wir wissen selbst nicht, wie es dann gehen soll. Es läuft jetzt schon alles ruckelig. Man muss sich eben Urlaub nehmen, die Großeltern fragen, was weiß ich.«

Fridi schluckte. Die Großeltern backpackten zurzeit durch Afrika. Oder war es Indien? Und Urlaub war unmöglich. Sie stand beruflich gerade vor dem Aufstieg, auf den sie seit Jahren hingearbeitet hatte. Fridi strich sich ihre halblangen dunkelblonden Haare aus dem Gesicht und starrte durch die offen stehende Tür in den Schildkröten-Nebenraum, in dem mehrere Schlafsäckchen ordentlich aufgereiht auf winzigen Matratzen für den Mittagsschlaf bereitlagen. Sie sprang schon trotz Vollzeitbetreuung Tag und Nacht scheinbar systemlos zwischen Meetings, Kita-Schließzeiten und Bügelwäsche hin und her und wusste manchmal nicht, wem gegenüber sie das größere schlechte Gewissen haben sollte - Hanna, die fast jeden Abend als Letzte abgeholt wurde, oder ihren Kollegen, weil sie nicht, wie alle anderen, bis lange nach Feierabend im Büro saß.

». sofern Sie also im Streikfall nicht auf familiäre Ressourcen zurückgreifen können, empfehlen wir Ihnen, sich frühzeitig um Ersatz zu bemühen und Betreuungsgruppen zu gründen. Nun würde ich gerne zum Thema zurückkehren.« Die Gruppenleiterin wandte sich Harald Groll zu, der, wie bei jedem Elternabend in einem asphaltgrauen und fachkundig gebügelten Anzug direkt neben der Gruppenleiterin saß und das ganze Prozedere mit ­unsinnigen Diskussionen in die Länge zog. »Herr Groll, wollen Sie vielleicht noch mal erläutern, warum Sie der Meinung sind, wir bräuchten einen zusätzlichen Haken?«

»Sehr gerne«, antwortete er, rückte seinen Schlips zurecht und schlug die Beine übereinander, woraufhin sein rosafarbenes, mit Lilifee-Motiven beklebtes Stühlchen drohte, nach links zu kippen. »Wobei ich Sie korrigieren muss: Ich bin der Meinung, wir bräuchten mindestens einen zusätzlichen Haken, mehrere wären selbstverständlich besser. Prinzipiell haben wir durch das staatlich zur Verfügung gestellte Kleiderhaken-Kontingent genügend Aufhängemöglichkeiten für den laufenden Betrieb des ­Tagesgeschäfts vor Ort. Was mir allerdings Sorgen bereitet, sind die Kita-Feste im Herbst und Winter im Hinblick auf das mit einem Familienausflug vergleichbare Erscheinen aller Erziehungsberechtigten. Gesetzt den Fall, dass alle Kinder und alle Eltern gleichzeitig anwesend wären, würde nach meinen Berechnungen mindestens ein Haken fehlen.«

»Das war jetzt echt das Thema?«, flüsterte Fridi Lea zu und schaute auf ihre Armbanduhr. »Der Babysitter kostet mich zehn Euro die Stunde!«

»Leute die Gesetzt den Fall sagen, sagen auch zum Bleistift oder schnakseln anstatt vögeln«, antwortete Lea, und ihr Blick fror ein, während sie Harald Groll anblickte. »O Gott, kannst du dir den Groll beim Sex vorstellen?«

»Psssst.« Fridi legte den Zeigefinger an die Lippen, während Harald Groll mit dem eventuellen Besuch der Großeltern bei Kita-Festen weiterhin für mindestens einen Zusatz-Kleiderhaken argumentierte.

Aber Lea flüsterte mit verstellter Stimme weiter: »Prinzipiell habe ich durch die staatlich zur Verfügung gestellte biologische Aufklärung im Schulunterricht genügend theoretisches Fachwissen für eine umgehende Inbetriebnahme meiner Sexualität erhalten. Was mir allerdings Sorgen bereitet, ist die praktische Umsetzung im Hinblick auf meine, mit einem altersschwachen Schleudertrockner vergleichbare erotische Ausstrahlung. Gesetzt den Fall, dass ich tatsächlich vorhätte, von der Theorie zur Tat überzugehen, würde nach meinen Berechnungen mindestens ein interessierter weiblicher Gegenpart fehlen.«

»Tzzz.« Fridi stieß Lea in die Seite, konnte ein Kichern aber nicht unterdrücken. »Er wird's schon hinkriegen, er hat schließlich ein Kind.«

»Dir ist wohl die Ähnlichkeit seiner Tochter mit dem Dietmar aus dem Vodafone-Shop entgangen?«, fragte Lea, während die Dame auf dem Entenstuhl zeterte: »Herrschaftszeiten, es ist doch kein Weltuntergang, mal zwei Jacken an einen Haken zu hängen! Abgesehen von dem Streik würde ich auch gerne mal darüber sprechen, dass offensichtlich einige Eltern der Meinung sind, es wäre okay, kranke Kinder in der Kita abzuliefern. Oder warum breitet sich das Vierundzwanzig-Stunden-Virus ungehindert aus? Und die Hand-Fuß-Mund-Krankheit! Und sämtliche Bronchialinfekte .«

»Was ist eigentlich diese Hand-Fuß-Mund-Krankheit?«, flüsterte Fridi.

»Harmloser Virus.« Lea winkte ab. »Das einzig Wissenswerte: Ihn Maul-und-Klauen-Seuche nennen und sich in Anwesenheit einer betroffenen Mutter über seinen eigenen Witz kaputtlachen, kommt nicht gut an, das hab ich getestet.«

Die Gruppenleiterin wischte sich die Schweißperlen von der Stirn. »Wenn Sie alle einverstanden sind, machen wir eine kurze Pause, vielleicht kommen wir danach zu einer Einigung, ja?«

»Moment, ich .«, begann Fridi, musste aber feststellen, dass die Frage der Gruppenleiterin viel mehr als Feststellung gedacht gewesen sein musste, da sie bereits in großen Schritten den Gruppenraum der Schildkröten verließ. Fridi seufzte und blickte sich um. Lea zückte ihr Handy und scrollte durch ihre WhatsApp-Nachrichten. Harald Groll nestelte an seiner Krawatte herum. Die Dame auf dem Entenstuhl war in irgendein benachbartes medita­tives Nirwana abgedriftet und summte mit geschlossenen Augen vor sich hin. Fridi nickte ein paar Eltern zu, die sich auf dem Weg zur Terrasse des Gruppenraums an ihr vorbeiquetschten. Sie lächelte Sabine Matuschek zu, sie war im...

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