Himmelsjäger

Roman
 
 
Heyne (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 14. Oktober 2013
  • |
  • 544 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-11331-5 (ISBN)
 
Der erste Griff nach den Sternen

Die Zukunft. Erstmals seit Menschengedenken soll ein Raumschiff unser Sonnensystem verlassen und einen benachbarten Stern erforschen. Doch im interstellaren Raum macht die Crew der SunSeeker eine unglaubliche Entdeckung: Ein künstliches, schalenförmiges Objekt mit einem eigenen Stern in der Mitte bewegt sich ebenfalls auf ihr Ziel zu - und es ist bewohnt! Ein Erkundungstrupp wird ausgeschickt, und was den Menschen dort begegnet, verändert den Blick auf alles, was man bislang über das Universum zu wissen glaubte .

  • Deutsch
  • München
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  • Deutschland
Heyne
  • 2
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  • 1,30 MB
978-3-641-11331-5 (9783641113315)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Gregory Benford, Jahrgang 1941, studierte Theoretische Physik in Deutschland und Kalifornien, bevor er 1965 mit seiner ersten SF-Story Furore machte. Mit dem 1980 erschienen Roman "Zeitschaft", der mittlerweile zu den großen Klassikern der Science Fiction gezählt wird, gewann er den Nebula-Award. Er lehrt und forscht als Professor für Physik an der University of California. Larry Niven, geboren 1938, studierte Mathematik und Psychologie, bevor er sich als Autor von SF-Romanen einen Namen machte. Mit seinem "Ringwelt-Universum", einem Jahrtausende umfassenden Zukunftsentwurf, erlangte er internationale Bekanntheit und gewann den renommierten Hugo Award. Er lebt in Los Angeles.

PROLOG

»Hier am Strand bin ich gewandert, Nahrung schöpfend, tief begeistert,

Aus dem Märchenschatz des Wissens, den des Menschen Geist bemeistert.«

TENNYSON, Locksley Hall

DIE LETZTE PARTY

Cliff wandte sich von den Personen ab, die gekommen waren, um Abschied zu nehmen, und betrachtete die Welt, die er nie wiedersehen würde.

Hinter ihm ging die Party weiter: Gelächter, Rufe, hämmernde Musik. Das Lachen klang manchmal ein bisschen zu schrill, die Musik war zu laut, die Unbeschwertheit nur gespielt, denn hinter all den Stimmen steckte unruhige, nervöse Erwartung. Von den Verwandten auf der Erde hatten sie sich bereits verabschiedet. Jetzt mussten Besatzungsmitglieder und Passagiere der SunSeeker von den Baugruppen des Raumschiffs Abschied nehmen, von den Ausbildern und den politischen und wirtschaftlichen Größen, die alles getan hatten, um ihnen den Flug in die Tiefen des Alls zu ermöglichen.

Das sich Cliff darbietende Bild war scharf, in allen Einzelheiten, aber es handelte sich natürlich um einen Schirm, der die zentrifugale Drehung der Station kompensierte. Deshalb blieb die Erde an Ort und Stelle, und er konnte die kleinen silbernen Flecken der Pakete erkennen, die dem SunSeeker-Komplex entgegenschwebten. Sie stammten von den Katapulten auf dem Mond, und eine zweite Fleckenlinie reichte zurück zu den größeren Tupfen der Konstruktionsanlagen in höheren Umlaufbahnen. Ein schmuddeliger neuer Asteroid näherte sich der Erde nach einer jahrzehntelangen Reise. Er wurde bereits von silbrigen Bienenschwärmen automatischer Fabriken begleitet, die seinen felsigen Kern aushöhlten und eine Hüttenkolonie errichteten. Mit gläsernen Häuten ausgestattete Biofabriken warteten auf die Arbeitsgruppen, die sich auf das Asteroidenopfer stürzen würden. Die flüssigen Reichtümer waren unter halb durchsichtigen Kuppeln verborgen, wo sie darauf warteten, vom Sonnenlicht geweckt zu werden.

Cliff dachte erneut daran, dass Maschinen im All wie Kunstwerke aussahen. Hier unterlagen sie nicht den Beschränkungen der Gravitation und wirkten daher wie verzerrte Abstraktionen euklidischer Geometrie: Würfel, Ellipsoide und stumpfe Zylinder, die Mobiles ohne Fäden bildeten. Mit der langsamen Eleganz von Gletschern bewegten sie sich vor dem Hintergrund der Sterne.

Im geostationären Orbit blieben Satelliten selbst dann Punkte, wenn er den Schirm auf maximale Vergrößerung schaltete. Dafür mangelte es in diesem hohen Bereich nicht an Luxushotels für sehr alte Menschen, zweihundert und mehr Jahre alt. Es gab zahlreiche religiöse Kolonien, die aber meistens wesentlich spartanischer ausgestattet waren als die Hotels; zwischen ihnen flogen Schiffe und Shuttles wie glitzernder Staub - das alles war Teil eines maschinellen Schwarms, der die Erde umgab.

Cliff beugte sich zur Seite und bemerkte den Glanz der Fresnel-Linse am L1-Punkt; von seiner Position aus konnte er sie nur als eine dünne Scheibe wahrnehmen. Sie hing zwischen Erde und Sonne und lenkte Licht vom immer noch überhitzten Planeten ab. Justiersegmente funkelten in matter Pracht.

»Es wird alles in Ordnung gebracht sein, noch bevor wir erwachen«, erklang Beths weiche Stimme hinter ihm.

Cliff drehte sich um und lächelte. »Aber wir werden überhaupt nicht älter sein.«

Beth blinzelte, lächelte ebenfalls und gab ihm einen Kuss. »Es ist schwer, einen Optimisten nicht zu lieben.«

»Ich hätte mich nicht auf das hier eingelassen, wenn ich nicht glauben würde, dass wir wieder erwachen.«

Sie trug ein Futteralkleid, das sie ganz sicher nicht nach Glory mitnehmen würde. Es schmiegte sich eng an ihren schlanken Körper, schloss sich um den Hals und reichte bis zu den bernsteinfarbenen Armbändern an den Handgelenken. Die rechte Seite zeigte nackte Haut in der Farbe von Chardonnay, als das Kleid die Polarisation wechselte und Cliff einen Blick auf Beths Körper gestattete. Opazität und Farbe variierten, ließen sich vermutlich mithilfe der Armbänder kontrollieren. Er hoffte, dass sie diese Show für ihn veranstaltete. Die Leute in der Nähe gaben vor, davon ebenso wenig zu bemerken wie von den tiefen Dekolletés, die man überall bewundern konnte, den eingebauten Push-up-BHs, Pailletten, Federn, Schlitzen und Lochmustern. Hinzu kamen Hosenbeutel bei einigen Jungs, Muscleshirts und Falkenmützen, die Männern etwas Animalisches gaben.

»Hier werden reichlich Signale verteilt, die nicht unbedingt subtiler Natur sind«, kommentierte Beth trocken.

Cliffs Stil war das nicht. »Alles nur Angeberei.« Er nahm Beth einfach in die Arme und küsste sie. Das funktionierte am besten, wie er schon früh gelernt hatte, insbesondere dann, wenn ihm nichts Originelles einfiel. Die meisten dieser Leute würde er ohnehin nie wiedersehen.

Ein über die Decke rollendes Spruchband unterstrich diesen Gedanken. Es stammte von den Montagegruppen, die bei Bau und Ausrüstung der SunSeeker jahrelang mit der Crew zusammengearbeitet hatten.

HOFFENTLICH HAT ES EUCH GEFALLEN, UNS AUF TRAB ZU HALTEN.

SO WIE ES UNS GEFÄLLT, EUCH AUF DIE REISE ZU SCHICKEN.

Terry und Fred, auf dem Weg zur Bar, blieben bei Cliff und Beth stehen, deuteten zum Spruchband und lachten. »Komisch«, sagte Terry. »Wir fliegen nach Glory, und diese Leute beginnen morgen mit der Arbeit am nächsten Ramscoop. Und doch feiern sie ausgelassener als wir.«

»Ja«, erwiderte Fred. »Seltsam. Wir freuen uns auf den Flug, aber ihre Freude darüber, dass wir losfliegen, scheint noch größer zu sein.«

»Menschen wie wir sind Mangelware«, sagte Terry. »Alle Psycher vertreten diese Ansicht. Warum ergreifen nicht alle die Chance, eine ganz neue, unberührte Welt kennenzulernen?«

»Anstatt hierzubleiben und die in Ordnung zu bringen, die wir verhunzt haben?«, fragte Cliff. Es war ein altes Thema für sie alle, aber ihm brannte es noch immer unter den Nägeln.

Beth zuckte die Schultern. »Wir überlisten das Klima, oder das Klima überlistet uns.«

»Es hat Übung darin«, sagte Terry. »Die früheren Generationen haben sich die Erde untertan gemacht, und dann hat sich die Erde gerächt. Jetzt sind wir dran, und uns steht ein ganz neuer Planet zur Verfügung.«

Ein großer Serviertisch kroch vorbei - schwebende Tabletts konnte man bei niedriger Drehgravitation nicht verwenden. Beladen war er mit exotischen Delikatessen in solcher Fülle, dass die Partygäste selbst in hundert Jahren nicht alle Teller leeren konnten. Fred gesellte sich ihnen zu und Terry ebenfalls; er zwängte sich einfach zwischen die anderen.

»Sieh an, sieh an«, sagte Beth herzlich. »Äh . vielleicht sollten wir jetzt gehen?«

Cliff blickte über die Menge. Ein hoher Beamter von der Erde führte einen Hund an der Leine, ein Geschöpf, das aussah wie ein Frühstücksgebäck mit Haaren. Der Hund war damit beschäftigt, Erbrochenes aufzulecken. Drei in der Nähe stehende Partygäste lachten bei dem Anblick. Cliff gewann den Eindruck, dass sich alle anderen mehr amüsierten als er.

Und wenn schon. Erneut dachte er daran, dass er die meisten von ihnen hier zum letzten Mal sah: die Konstrukteure der SunSeeker, die nervigen Beamten, die sich so aufspielten, als hätten sie bei dem Projekt tatkräftige Hilfe geleistet, all die Psycher und Ingenieure und Probelauf-Teilnehmer, die nie eine fremde Sonne sehen würden . Cliff verzog das Gesicht und genoss den kurzen Moment. Nun, alle Momente waren kurz, aber manche mehr und manche weniger. »Mein Herz ist voll, aber mein Glas ist leer.«

Beth nickte reumütig. »An Bord der SunSeeker gibt's keinen Alkohol.«

»Während des Flugs? Ich schätze, Captain Redwing hätte was dagegen.«

»Ich schätze, er hätte nicht nur was dagegen. Mir erscheint er wie jemand, der fähig ist, Leuten Fußeisen anlegen zu lassen.«

Ihre scherzhafte Bemerkung wies sie beide darauf hin, dass sie Ablenkung brauchten - Ablenkung von den Zweifeln, den Ängsten und einem Gefühl ohne Namen. So sei es.

Arm in Arm standen sie da und beobachteten, wie sich die Erde langsam und majestätisch drehte. Die SunSeeker glitt in ihr Blickfeld wie ein schlanker, hungriger Hai.

Ja, ein Hai, der darauf wartete, in den Ozean der Nacht hinauszuschwimmen. Der magnetische Trichter bildete das große Maul - er wartete darauf, entfaltet und aktiviert zu werden, mit der Beschleunigung zu beginnen, die das Schiff aus dem Sonnensystem tragen würde. Cliff stellte sich vor, wie das Schiff zunächst in Richtung Sonne fiel, wie der Schlund des Bussardkollektors Teile des Sonnenwinds aufnahm und ersten Treibstoff daraus herstellte. Hinter dem Bugkomplex wölbte sich der rubinrot glühende Reif des Kontrolldecks. Winzige Gestalten in Montagekapseln überprüften noch einmal den langen, rotierenden Zylinder des Habitats und des Kryozentrums, wie eingequetscht zwischen den großen Lagergewölben mit der Ausrüstung. Dann kamen die zerknitterten,...

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