Die Töchter von Lorenden House

Roman
 
 
dotbooks Verlag
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 1. April 2021
  • |
  • 774 Seiten
 
E-Book | ePUB ohne DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-96655-368-1 (ISBN)
 
Kann dieses Erbe sie wieder zu Schwestern machen? Der Schicksalsroman »Die Töchter von Lorenden House« von Nina Bell jetzt als eBook bei dotbooks. Drei ungleiche Schwestern, die vom Schicksal wieder zusammengeführt werden ... Schon lange haben sich Felicity, Helena und Lavinia Beaumont nichts mehr zu sagen - doch dann stirbt ihr Vater und vermacht ihnen sein Gestüt Lorenden zu gleichen Teilen. Lavinia, die dort seit Jahren mit ihrer Tochter lebt und Lorenden über alles liebt, ist voller Angst, nun ihre Heimat zu verlieren: Helena, die als erfolgreiches Model mit dem Gestüt nichts mehr zu tun hat, pocht darauf, es zu verkaufen. Und Felicity? Die würde am liebsten vor der schweren Entscheidung und ihren Erinnerungen davonlaufen, so wie sie es immer tut. Zum ersten Mal seit vielen Jahren müssen die Schwestern lernen, aufeinander zuzugehen - aber können sie nach allem, was geschehen ist, die Familienbande neu knüpfen? Jetzt als eBook kaufen und genießen: Der bewegende Roman »Die Töchter von Lorenden House« von Nina Bell: ein Lesevergnügen für alle, die Familienromane und Pferde lieben! Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks - der eBook-Verlag.
  • Deutsch
  • 2,03 MB
978-3-96655-368-1 (9783966553681)
Nina Bell ist Journalistin und hat zahlreiche Artikel für bekannte englische Zeitungen und Magazine verfasst. Außerdem schrieb sie Sachbücher über Inneneinrichtung sowie Hörspiele für den britischen Sender Radio 4. Sie lebt mit ihrem Mann und zwei Kindern in Kent. Bei dotbooks erscheinen von Nina Bell: »Die Töchter von Lorenden House« »Das Glück von Fox Hollow«

Kapitel 2


Durch einen Alptraum wurde Helena Harris um sechs aus dem Schlaf gerissen.

Schweißgebadet lag sie im Bett, besiegte jedoch ihre panische Angst und entschied sich aufzustehen, denn schließlich gab es genug zu tun. Schon oft hatte sie sich überlegt, dass es eine Menge Zeit und Arbeit sparen würde, wenn alle ihr Frühstück abends vor dem Schlafengehen einnehmen könnten statt frühmorgens, wenn so viel anderes zu erledigen war.

Für halb zehn hatten sich ein Fotograf und eine Journalistin angesagt. Fabulous Homes wollte einen großen Artikel über ihr Haus bringen. In Gegenwart einer freien Mitarbeiterin von House & Garden hatte Helena einige verlockende Bemerkungen über ihre jüngsten Renovierungsarbeiten fallen lassen: schwarze Böden, schwarz gestrichene Balken und ein moderner Einsatz historischer Farbtöne. Allerdings konnte das Mädchen nur einen Auftrag von Fabulous Homes ergattern, was Helena doch etwas enttäuschend fand. Wie dem auch sei, jede Art von Berichterstattung hielt Helenas Namen in Umlauf, und immerhin bestand die Möglichkeit ... sollte es mit der Schauspielerei einmal nicht mehr so ... na, daran wollte sie lieber gar nicht denken. Aber selbst erfolgreiche Schauspielerinnen mussten auf etwas zurückgreifen können ... und sie könnte sich immer noch einen Namen als Innenarchitektin machen.

Sie brauchte fast eine Stunde, um den richtigen modisch, aber leger wirkenden Look zu finden. Dann überprüfte sie, wie sie von hinten aussah, wählte passende Schuhe aus, entfernte jegliche Schminkutensilien von ihrem Frisiertisch und nahm schließlich das Familienbad in Angriff. Das Haus groß herausbringen zu lassen war mit so verflixt viel Arbeit verbunden, dass sie sich manchmal selbst fragte, ob sich der Aufwand überhaupt lohnte.

Selbstverständlich lohnte er sich, sagte sie zum Spiegel, während sie die Träger ihres babyblauen Seidenmieders einhakte und dafür sorgte, dass die farblich dazu passende Kaschmirstrickjacke schön natürlich fiel. Blau war die Farbe des Geistigen. Außerdem stand sie ihr gut zu ihrem typisch englisch rosigen, dezent gebräunten und ein wenig sommersprossigen Teint. Aber wirkte sie nicht ein wenig unterkühlt? Sie sah hinaus, wie das Wetter war. Rings ums Haus lag dichter, undurchdringlicher Nebel, und plötzlich fühlte sie sich isoliert und aufs Neue verängstigt. Brauchte ihr Haar vielleicht noch einen letzten Schliff? Der strenge Bob, der ihr das Aussehen einer Künstlerin verlieh, war zu ihrem Markenzeichen geworden - wie bei Mary Quant oder Anna Wintour. Allerdings erforderte diese Frisur immer frischen Schwung und tiefen Glanz. Sie warf einen Blick auf die Armbanduhr. Ihr Haar musste genügen, wie es war.

Auch Ollie stand Blau sehr gut. Er besaß ein wundervolles, etwas verwaschenes, leicht ins Lila gehendes blaues Hemd, ganz bauschig und verwegen, in dem er ihr ausnehmend gut gefiel. Seine haselnussbraunen Augen und sein braunes Haar, das er wie die Helden in alten Mantel- und Degenfilmen trug, wurden durch dieses Hemd besonders hervorgehoben.

»Hier, dein Piratenhemd«, rief sie und warf es ihm in das an ihr Schlafzimmer angrenzende Bad. »Du musst hier raus, die Dingsda kommt jeden Moment. Und wir müssen diesen Raum fotografieren.«

»Um Gottes willen.« Oliver Cooper war über die Unterbrechung alles andere als erfreut. Im Bad kamen ihm immer die besten Ideen, und Helena wollte einfach nicht einsehen, dass er nichts zu Papier bringen konnte, wenn er zu Tagesbeginn nicht eine Zeit lang absolute Ruhe und seine Privatsphäre hinter der verschlossenen Badezimmertür hatte. Er brauchte mindestens eine halbe Stunde.

Ollie zog sich rasch an und öffnete die Schlafzimmertür, um zu sehen, wo Helena steckte. Dann lief er die Treppe hinab und hob die Post auf. Mit einem flüchtigen Blick nach oben - für den Fall, dass Helena gerade übers Treppengeländer sah - durchstöberte er die Briefe und steckte zwei davon in die Tasche. Die übrigen ließ er wieder auf die Fußmatte fallen, so als wären sie eben erst eingeworfen worden.

Helena war viel zu beschäftigt, um das mitzubekommen. Sie überlegte, was ihre Kinder heute zu tun hatten. Eddie hatte gesagt, er könnte zu Hause bleiben und lernen, und die Zwillinge würden eben etwas später zur Schule gehen. Sie waren erst fünf und würden nichts Wesentliches verpassen.

»Anja!«, rief Helena nach oben, wo die Kinderzimmer lagen. »Kannst du dafür sorgen, dass alle in Blau-, Weiß- und Cremetönen gekleidet sind? Das sieht edel aus, wenn wir ähnliche Farben tragen.«

Auf der obersten Stufe tauchte das Au-pair-Mädchen auf. »Was ist?«

»Ruby und Roly. Kannst du ihnen etwas Hübsches in Blau anziehen? Oder in Blau-Weiß? Nicht zu schick, ganz leger. Die kleinen Baumwollsweater sehen hübsch aus.« Sie war sich nicht sicher, wie viel Anja verstand. Am besten würde sie selbst hochgehen und sich darum kümmern. »Wenn du willst, dass etwas getan wird, bitte eine vielbeschäftigte Frau darum«, sagte sie leise zu niemand Bestimmtem.

»Eddie, bist du schon aus den Federn?« Sie stieg die nächste Treppe hinauf und versuchte, das Ziehen im Knie zu ignorieren, das durch ein kleines Problem mit dem Knorpel verursacht wurde. Große Londoner Häuser hielten einen fit. Sie klopfte bei ihrem Ältesten an und schob die Tür auf.

Eddie, der wunderbare Eddie, den sie mehr liebte als sonst jemanden auf der ganzen Welt, stützte sich auf die Ellbogen, schüttelte die zerzausten Locken und blinzelte in das plötzliche Licht. Manchmal hielten die Leute ihn fälschlicherweise für Ollies Sohn; also musste Helena sich eingestehen, dass sie auf einen ganz bestimmten Typ Mann flog. Braunäugige, sonnengebräunte Freibeuter oder Zigeuner. Böse Buben. Nicht, dass Tim Harris ein ausgesprochen böser Bube gewesen wäre - eher zu ehrgeizig, um im Geschäft zu bleiben. Und auch Ollie konnte man nicht wirklich als böse bezeichnen, nur als markant genug, um interessant zu sein.

Eddie hatte dunkelbraune Augen mit einem seelenvollen Blick, gesäumt von langen Wimpern und überschattet von kräftigen, dunklen Brauen. Hin und wieder war ihr der Gedanke gekommen, mit solchen Augen hätte er lieber ein Mädchen werden sollen. Doch dann dachte sie jedes Mal, dass er als Mädchen nicht ihr Liebling Eddie wäre.

»Wir sollen heute zu Hause bleiben und lernen, Mum, das weißt du doch.« Er log seine Mutter nur ungern an, doch manchmal ging es nicht anders.

»Gleich kommt ein Fotograf.«

Eddie stöhnte und ließ sich in das dicke, warme Bettzeug fallen. »Warum tust du uns das an, Mum. Weshalb müssen wir ständig fotografiert werden?«

»Nicht ständig, nur ab und zu. Und außerdem ist das wichtig für meinen Job. Mir bleibt nichts anderes übrig, wenn ich auch weiterhin berühmt sein will. Du hast doch sicher keine Lust, nach Earls Court zurückzuziehen und wieder arm zu sein, oder?«

»Würde mir nichts ausmachen«, murmelte er. »Mir hat es da gefallen.«

Ihr ebenfalls, auch wenn es ihr damals nicht bewusst gewesen war. Die quälenden Geldsorgen und das ständige Gefühl, zu kurz zu kommen, sowie die bange Frage, ob etwas aus ihrer Karriere werden würde, hatten sie immer wieder heruntergezogen. Im Rückblick aber schwelgte sie in der Erinnerung an ein bittersüßes Glück. Nur sie und Eddie in der Souterrainwohnung. Der so gut aussehende, so erfolgreiche und so gut gelaunte Tim Harris war damals mit der Doppelbelastung des Vaterdaseins und dem Rausschmiss aus einer bekannten Fernsehserie nicht fertig geworden. Er war nach Hollywood gegangen. Helena und Eddie bekamen nur wenig Post von ihm und überhaupt kein Geld. Sie mussten von der Arbeitslosenunterstützung leben und von einem gelegentlichen Fünfzig-Pfund-Schein, den Edward Beaumont seiner Tochter zusteckte.

Sie und Eddie waren alles füreinander gewesen. Wenn sie zum Vorsprechen ging, übernahm die Polin Katinka aus der Wohnung über ihnen für ein paar Pfund das Babysitten. Zu Partys aber nahm Helena ihren Eddie grundsätzlich hinten auf dem Fahrrad mit. Damals hatte sonst keiner Kinder, und eine Weile wurde ziemlich viel Aufhebens um Eddie gemacht, bis er schließlich auf dem Mantelberg einschlief oder sich mit zugekifften Produzenten und Schauspielern nicht jugendfreie Videos ansah. Manchmal blieb er auch bei dem Großvater, nach dem er benannt worden war.

»Er hat das Zeug zu einem ausgezeichneten kleinen Reiter«, war Edwards Ansicht gewesen, und Helena hatte Eddie eng an sich gedrückt. Niemals, nicht einmal ihren Schwestern gegenüber, hatte sie zugegeben, dass sie Pferde furchterregend und gefährlich fand. Und sie wollte um keinen Preis, dass Eddie sich in diese Welt hineinziehen ließ. Was später Dominic Kelly passiert war, hatte ihr recht gegeben.

Ein paar Jahre lang hatte es so ausgesehen, als könnten Dom und Bramble den Erfolg ihres Vaters in der Military-Welt wiederholen. Einmal hatte Dom sogar in Burghley gewonnen, und Bramble landete am selben Tag auf Platz zehn. Beide waren auf dem Titelblatt von Horse & Hound erschienen, Dom dreimal und Bramble einmal. Man sprach damals von einer >magischen Partnerschaft<. Nach und nach hatten sie echte Sponsoren angezogen, und zwei ihrer Pferde galten als außergewöhnlich begabt. Dom war der extrovertierte Typ: ein umtriebiger, tatkräftiger Mann mit offenem Lachen und sicherem Gespür dafür, wie er zu jedem, dem er begegnete, eine enge Beziehung aufbauen konnte. Er ritt, als wären ihm die Höllenhunde auf den Fersen. Hin und wieder tuschelten die Leute, er sei allzu schnell. Er sei sogar offiziell verwarnt worden, behauptete einmal jemand.

Dann war er ums Leben gekommen. Für den Unfall hatte es keinen richtigen Grund gegeben. Es war ein schöner, sonniger Tag...

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