Supervision und Coaching

Grundlagen, Techniken, Perspektiven
 
 
C.H. Beck (Verlag)
  • 5. Auflage
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  • erschienen am 18. September 2018
  • |
  • 127 Seiten
 
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978-3-406-72796-2 (ISBN)
 
Supervision und Coaching werden schon seit langem in Pädagogik, Wirtschaft, Verwaltung und Politik, im Gesundheits- und Sozialwesen sowie im Sport als Formen der psychosozialen Unterstützung, Begleitung und Reflexion eingesetzt. In dieser inzwischen zum Klassiker gewordenen praxisbezogenen Einführung bietet ein renommierter Fachmann einen ebenso sachkundigen wie gut verständlichen Einblick über die Entwicklung und Möglichkeiten von Supervision und Coaching. Er erläutert die ihr zugrunde liegenden Erkenntnisse aus den verschiedenen Bezugswissenschaften und vermittelt ein differenziertes Bild von der professionellen Arbeit des Supervisors bzw. Coachs.
  • Deutsch
  • München
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  • Deutschland
mit 2 Abbildungen
  • 2,76 MB
978-3-406-72796-2 (9783406727962)
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Nando Belardi ist Sozialwissenschaftler, Psychotherapeut (HPG), Supervisor (FPI) und em. Lehrstuhlinhaber für Sozialpädagogik an der Philosophischen Fakultät der TU Chemnitz. Seine Publikationen über Beratung und Supervision wurden bisher in sechs Sprachen übersetzt.

Inhalt Vorwort I. Weshalb die Dienstleistungsgesellschaft Supervision und Coaching benötigt 1. Arbeit verändert sich 2. Der Reflexionscharakter der Arbeit nimmt zu 3. Folgen des Strukturwandels von Arbeit II. Entwicklung von Supervision 12 1. Unterscheidung: Supervision und Coaching 2. Begriffsklärung 3. Vorgeschichte der Supervision 4. Supervision kommt aus der Sozialarbeit 5. Psychoanalyse ermöglicht Beziehungsreflexion 6. Die Balint-Gruppe 7. Pädagogik und Supervision III. Supervision und Coaching nach dem Zweiten Weltkrieg 1. Die Supervision beginnt 2. Begriffsverschiebungen, Überschneidungen und Gemeinsamkeiten IV. Was ist Coaching? 1. Weshalb kommtmanzumCoaching? 2. Der Supervisions- und Coaching-Markt 3. Handlungspraktische Ausrichtungen: Methodenmix 4. Supervision und Coaching international 5. Das Allerwelts-Coaching oder Die Entgrenzung des Coaching-Begriffs V. Funktionen von Supervision und Coaching Beratung · Psychotherapie · Monitoring · Aus und

Weiterbildung · Personalentwicklung · 360-Grad-

Feedback · Assessment Center · Qualitätssicherung

und Qualitätszirkel Training · Kommunikations- und

Beziehungsprobleme meistern Selbstvergewisserung ermöglichen

Moderation und Präsentation · Counselling· Mentoring· Hilfe beim «Schlechte-Nachrichten-Gespräch»· Krisen bewältigen· Gefahr der Emotionalisierung von Arbeit · Burn-out vermeiden· Helfersyndrom abbauen· Mobbing verhindern· Mediation· Containing· Psychohygiene fördern VI. Supervision und Coaching als Prozess 1. Feldkompetenz, interne und externe Beratung 2. Die Prozess-Beratung 3. Anlässe und Beginn 4. Das Erstgespräch 5. Kontakt und Kontrakt 6. Dreiecksverhandlungen 7. Der idealtypische Prozess 8. Methodik 9. Abschluss von Supervision und Coaching VII. Modalitäten oder Settings von Supervision und Coaching 1. Einzelsupervision bzw. Einzelcoaching 2. Etwas über Gruppenarbeit 3. Supervision und Coaching ohne formelle Leitung 4. Coaching mit Zweier- oder Dreierspitzen 5. Möglichkeiten der Teamsupervision 6. Vergleich von Supervision und Coaching VIII. Zur Wirksamkeit von Supervision und Coaching 1. Der Nutzen von Supervision 2. Was kann in der Supervision falsch laufen? 3. DerNutzen vomCoaching 4. Was kann beim Coaching falsch laufen? IX. Theorien und Methoden von Supervision und Coaching X. Schlussbemerkung XI. Anhang 1. Lesehinweise 2. Fachverbände 3. Literaturverzeichnis

II. Entwicklung von Supervision


Die Supervision als Beratungs- und Reflexionsverfahren von helfenden, gesundheitlichen und pädagogischen Berufen war in ihrer Entwicklung seit 1883 länger, vielfältiger und materialreicher als das Coaching. Das Coaching entstand mehr als hundert Jahre später, vor allem seit den 1990er Jahren, als Beratungs- und Reflexionsinstrument für Leitungskräfte. Dort, wo Supervision und Coaching sich ähneln, werden sie hier gemeinsam vorgestellt. Die begriffliche und inhaltliche Nähe wird auch dadurch gefördert, dass viele Supervisorinnen auch Coaching anbieten. Ansonsten betone ich die Besonderheiten des Coachings in Abgrenzung zur Supervision. Gleichzeitig soll dargestellt werden, dass Supervision und Coaching inzwischen sehr verwandte und sich teilweise überschneidende interdisziplinäre Beratungs- und Reflexionsverfahren für berufliche Zusammenhänge geworden sind. Sie bieten für verschiedene Personen und Gruppierungen in nahezu allen Berufen und Institutionen interessante Hilfestellungen an. Das gilt auch für ehrenamtliche Tätigkeiten in Vereinen oder Selbsthilfegruppen.

1. Unterscheidung: Supervision und Coaching


Beide Weiterbildungsformate beziehen sich auf die Reflexion von Berufsarbeit. Sowohl von den Arbeitsformen als auch den Methoden her ergeben sich viele Ähnlichkeiten und wechselseitige Anleihen. Aber die Unterschiede in Klientel, Aufgaben und Zielen sind beträchtlich. Die Supervision stammt aus der Sozialarbeit und Psychotherapie. Hier geht es darum, die Helfer zu unterstützen, damit sie ihre Arbeit mit den Klienten verbessern können. Dabei handelt es sich meistens um persönliche Probleme der Klienten, weshalb es häufig zu Beziehungsarbeit kommt; aber auch Team- und Organisationsfragen müssen besprochen werden. Oft sind die Ergebnisse offen und selten existiert ein Entscheidungsdruck.

Letzteres kann hingegen oft beim Coaching der Fall sein. Denn hier sollen gut ausgebildete Menschen in Leitungspositionen im Wohlfahrtsbereich, der Verwaltung, dem Handel, bei den Dienstleistungen oder in der Industrie in die Lage versetzt werden, ihre Aufgaben zu bewältigen sowie die Fähigkeit, Menschen zu führen und zu kontrollieren, zu verbessern.

Beide Formate finden auch in unterschiedlichen Kulturen statt: In der Supervision (wie auch in der Psychotherapie) dominiert die Helfer- und Verständniskultur. Supervision findet vorwiegend in Form der Teamsupervision statt. Die Nutzer von Coaching haben es dagegen viel stärker mit Hierarchie, Wettbewerb, Rivalität, Macht, Entscheidungsdruck und größtenteils auch mit Gewinnerzielung zu tun. Hier ist das Einzelcoaching am stärksten nachgefragt.

2. Begriffsklärung


Der Begriff «Supervision» scheint erstmals seit Mitte des 16. Jahrhunderts im Sinne von «Leitung» und «Kontrolle» bei juristischen und kirchlichen Texten verwendet worden zu sein. So versteht man unter «super» im Lateinischen «über», «von oben» oder «darüber». «Visio» kann man mit dem «Sehen», dem «Anblick» oder der «Erscheinung» übersetzen (Huppertz 1975, S. 6f.). Demgemäß bedeutet «Supervision»: Überblick, Übersicht oder Kontrolle. In Europa verwendet man diesen Begriff auch im Sinne von Hilfestellung, Wissensvermittlung, Reflexionshilfe oder Anpassung an die vorgegebenen Arbeitsbedingungen. Damit gehört Supervision wie Coaching in den Bereich der berufsbezogenen (und nicht privat-persönlichen) Beratung.

Im englischen Sprachraum, vor allem in der amerikanisch geprägten Wirtschaftswelt, existiert jedoch ein anderes Begriffsverständnis. Denn hier ist der Supervisor auch der unmittelbare Vorgesetzte, der Aufsichtsführende und Anleiter. Diese amerikanische Begriffsverwendung findet inzwischen auch im deutschen Sprachraum Verwendung.

In diesem Buch soll das im deutschen wie auch im kontinentaleuropäischen Sprachraum verwendete psychosoziale und pädagogische Verständnis von Supervision im Vordergrund stehen:

Unter dem Oberbegriff Supervision versteht man Weiterbildungs-, Beratungs- und Reflexionsverfahren für berufliche Zusammenhänge. Das allgemeine Ziel der Supervision ist es, die Arbeit der Ratsuchenden (Supervisanden) zu verbessern. Damit sind sowohl die Arbeitsergebnisse als auch die Arbeitsbeziehungen zu den Kollegen und Kunden wie auch organisatorische Zusammenhänge gemeint.

Bis zu einer späteren ausführlichen Diskussion von Coaching (S. 42 ff.) soll folgende Kurzdefinition genügen: Coaching wird in diesem Buch definiert als professionelle Beratung, Begleitung und Unterstützung von Personen mit Führungs- bzw. Steuerungsfunktionen in Organisationen und von (oft einsam arbeitenden) Spezialisten. Manchmal werden auch die Begriffe Business-Coaching oder Management-Coaching verwendet.

Es soll auf zwei Einschränkungen hingewiesen werden:

  1. Es geht bei Supervision (und Coaching) schwerpunktmäßig nicht um Psychotherapie oder Beratung in privaten Angelegenheiten, also nicht um persönliche und/oder familiäre Probleme.

  2. In der deutschsprachigen Supervision spielen Aufsicht, Kontrolle oder rein fachliche Fragen des jeweiligen Berufes eine untergeordnete Rolle.

Demgegenüber hat Supervision die vorrangige Aufgabe, die im gegenwärtigen Arbeitsleben immer häufiger auftretende schwierige Kommunikation und Beziehungsgestaltung zu verbessern.

Deshalb kann Supervision (und in diesem Falle auch Coaching) auf den folgenden drei Reflexionsebenen helfen:

  1. Klientenebene, dazu gehören die Abnehmer (z.B. Kunden, Klienten oder Patienten) eigener Leistungen. Dabei geht es meistens um die Reflexion der Arbeitsbeziehung, des Kunden- bzw. Klientenkontakts oder, wie man in den psychosozialen Berufen sagt, der Fallarbeit.

  2. Mitarbeiterebene, also den Kollegen, Teammitgliedern, Untergebenen oder Vorgesetzten gegenüber. Hierbei steht die Zusammenarbeit untereinander im Vordergrund; es geht dabei um Selbstreflexion.

  3. Organisationsebene, also bei Fragen, die mit der optimalen Gestaltung von organisatorischen Abläufen (z.B. Teamarbeit, Binnenorganisation, interne Kommunikation, humane und flache Hierarchie) zu tun haben. In diesem Bereich bestehen fließende Übergänge zur Institutions- oder Organisationsberatung. (Rappe-Giesecke 1994, S. 5)

Abschließend noch eine Begriffsklärung: Supervisor ist jemand, der Supervisionsleistungen anbietet. Supervisand wird eine Person genannt, die Supervisionsleistungen in Anspruch nimmt, beispielsweise ein Sozialarbeiter, Psychologe, Lehrer. Mit Klient oder Kunde wird die Person bezeichnet, die beim Supervisanden eine Beratung erhält. In diesem Sinne sind die Sozialhilfeempfänger die Klienten der Sozialarbeiter. Das Ehepaar, welches zu einer psychologischen Beratungsstelle kommt, ist die Klientel des Psychologen. Einen Schüler kann man als Klienten des Lehrers bezeichnen. Der Verkaufsmanager hat es mit einem Kunden zu tun.

Wichtig ist: Die Supervisorin bzw. der Supervisor oder Coach als Berater einer Leitungskraft hat es nie direkt mit den Klienten, Mitarbeitern oder Kunden zu tun. In der Fachsprache nennt man das eine «Beratung zweiter Ordnung» oder ein «Metaconsulting». Das ist ein wichtiger Unterschied zum «Allerwelts-Coaching» (S. 53 ff.).

3. Vorgeschichte der Supervision


Das, was als Supervision (und in einem weiteren Sinne als Coaching) bezeichnet wird, hat eine vieltausendjährige Vorgeschichte. Diese beginnt mit dem Zeitpunkt, als die Menschen erstmals über ihre sozialen Beziehungen nachdachten und miteinander über ihre Zusammenarbeit kommunizieren mussten (Selbst- und Fremdreflexion).

  1. Aus dem antiken Athen ist uns der Sokratische Dialog bekannt. Nach dem philosophisch-pädagogischen Modell des Sokrates verweigerte ein erfahrener Lehrer das übliche «Frage-Antwort-Spiel» und reagierte auf die Fragen der Schüler mit Gegenfragen. Es galt: «Das...

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