Der Tote im Ferienhaus. Ostfrieslandkrimi

 
 
Kommissar Steen ermittelt (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 1. April 2021
  • |
  • 200 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-96586-335-4 (ISBN)
 

Ernesto Reichert liegt erschossen in einem Ferienhaus am Großen Meer. Die Szene deutet auf ein Revolverduell wie im Wilden Westen hin: Auch das Opfer hatte einen Schuss abgegeben und trug außerdem eine kugelsichere Weste. Um dem Mörder auf die Spur zu kommen, müssen Kommissar Steen und sein Team von der Kripo Emden zunächst das Geheimnis um die wahre Identität des Toten lösen. Laut seinen Papieren stammt Ernesto Reichert aus Paraguay, aber die ostfriesische Ferienhaus-Vermieterin ist sich sicher: Der Mann sprach wie einer von hier. Zudem hatte er eine lokale Todesanzeige bei sich. Die Verstorbene Addina Gebrecht soll morgen in Suurhusen beerdigt werden. Welche Verbindung besteht zwischen dem mysteriösen Paraguayer und der verstorbenen Ostfriesin? Kommissar Steen macht sich auf nach Suurhusen und stößt auf dramatische Ereignisse der Vergangenheit...

1. Auflage
  • Deutsch
Klarant
  • 0,38 MB
978-3-96586-335-4 (9783965863354)
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Kapitel 2


 

»Nun fahr doch endlich!«, entfuhr es Altje Remels. Die korpulente Polizeimeisterin schnaufte hörbar, verdrehte die Augen und schlug dann mit den Handballen genervt gegen das Lenkrad des Dienstfahrzeugs.

»Immer mit der Ruhe«, lautete demgegenüber der Kommen­tar von Kriminalhauptkommissar Ebbo Steen von der Kripo Emden, der auf dem Beifahrersitz Platz genommen hatte.

Die beiden waren auf dem Weg zum Großen Meer und befanden sich nun irgendwo auf der von Bäumen gesäumten Landstraße zwischen Emden und Aurich.

Ein dienstlicher Ausflug.

In einem Ferienhaus an dem malerischen Binnensee hatte man nämlich einen Toten gefunden, der mit großer Wahrscheinlichkeit ermordet worden war. Zumindest legte eine Schussverletzung am Kopf diesen Schluss nahe. Und so waren Steen und Altje unterwegs, um mit der Aufklärung dieses Verbrechens zu beginnen.

Ihre Kollegen Ulfert Jansen und Johnny Volkerts waren bereits etwas früher aufgebrochen. Nicht viel früher. Nur ungefähr eine Viertelstunde früher, denn Steen hatte zunächst noch ein Telefonat mit einem Vertreter des Innenministeriums in Hannover führen müssen. Dringender Einsatz hin oder her - einen Vertreter des Innenministeriums, das ja für die Aufsicht der Polizei zuständig war, konnte man nicht so einfach abwürgen. Das galt selbst für jemanden wie Steen.

Abgesehen davon hatte Steen wohl auch gedacht: Tot ist tot und in einer Viertelstunde wird jemand nicht toter. Und da ja bereits zwei Kollegen vorausgefahren waren, hielt sich die Dringlichkeit der Sache in Grenzen.

Aber jetzt schien sich das zu rächen.

Steen hatte nicht ahnen können, dass ein sogenanntes landwirtschaftliches Nutzfahrzeug ausgerechnet in jenem Zeitfenster den Verkehr auf der Straße zwischen Emden und Aurich ins Stocken geraten ließ, in dem sie normalerweise binnen weniger Minuten das letzte Stück bis zum Großen Meer zurückgelegt hätten.

»Ja, geht's noch! Ein bisschen mehr Gas kannst du doch geben, du Bauer!«, rief Altje. »Oder ist dir der Fuß einge­schlafen?«

»Das wundert mich jetzt aber schon«, sagte Steen.

»Was wundert dich?«

»Dass du so wenig Verständnis für den Treckerfahrer hast - wo du doch selbst so eine Art Nebenerwerbslandwirtin bist!«

»Das ist was anderes!«

»Wieso ist das was anderes, Altje?«

Altjes Gesicht war dunkelrot geworden. Der Treckerfahrer wurde nun noch etwas langsamer als bisher. Und dazu verbreitete sich ein würziger Landduft, der wohl von dem Güllewagen ausging, den der Bauer hinter seinen Trecker gespannt hatte. »Das riecht ja, als wenn unsere dicke Berta gefurzt hat«, stieß sie hervor.

»Ist das eine Verwandte von euch?«, fragte Steen.

»Das ist eine der Kühe auf unserem Hof«, meinte Altje. Genau genommen war es der Hof ihrer Eltern, aber Altje wohnte dort und half auch kräftig mit. Im Grunde hatte sie damit zwei Jobs, was sie hin und wieder auch etwas überforderte. »Sag bloß, du riechst gar nichts, Steen!«

»Bin eben nicht so empfindlich«, meinte Steen gelassen.

»Ein Königreich für eine Wäscheklammer!«

»Gehört leider nicht zu unserer offiziellen Dienstausrüstung, Altje!«

Altje öffnete ihre Uniform ein Stück, um besser Luft holen zu können. Ihre Dienstmütze warf sie auf den Rücksitz. Dabei zog sich eine Haarsträhne aus der Frisur ihrer blonden Haare und legte sich jetzt über Stirn und Augen bis hinter zum Kinn und kitzelte.

Mit einer ärgerlichen Handbewegung versuchte sie, diese Strähne wieder aus dem Gesicht zu bekommen. Aber da Altje etwas schwitzte, klebte die Strähne teilweise fest.

»Jetzt sag bloß nicht nochmal >Immer mit der Ruhe, Altje!<«, brauste sie dann auf.

»Ja, wenn du schon weißt, was ich sagen wollte, brauche ich es ja auch nicht mehr zu sagen«, gab Steen zurück.

»Soon Schiet!«, schimpfte Altje, nachdem auch der dritte und noch deutlich hektischere Versuch, die kitzelnde Haarsträhne aus ihrem Gesicht zu vertreiben, erstmal gescheitert war. Stattdessen klebten ihr einige Haare jetzt kreuz und quer über der linken Wange.

Altje ließ jetzt das Steuerrad los und sorgte mit weiteren, noch hektischeren Bewegungen dafür, dass das Problem erstmal provisorisch gelöst wurde.

Aber nächste Schrecken ließen nicht lange auf sich warten.

Das Dienstfahrzeug, mit dem Kommissar Steen und Altje Remels zum aktuellen Tatort unterwegs waren, näherte sich in einem moderaten Tempo von fünfundzwanzig Stundenkilo­metern der Abzweigung, die zum Großen Meer führte. Doch gerade als sie das Hinweisschild »Zum Großen Meer« passiert hatten, deutete sich an, dass auch der Trecker mit dem Güllewagen hier abbiegen wollte.

»Das darf doch nicht wahr sein!«, entfuhr es Altje. »Jetzt aber Martinshorn und Blaulicht, Steen.«

»Das wäre am Ende nicht begründbar«, sagte Steen. »Ob wir da etwas früher oder später ankommen, spielt doch gar keine Rolle. Außerdem sind Johnny und Ulfert ja vor Ort.«

»Und du denkst, für uns bleibt weniger Arbeit übrig, wenn die schon mal lange genug fleißig waren?«, gab Altje zurück.

»Man muss auch anderen die Möglichkeit geben, sich zu bewähren«, erklärte Steen. »So etwas nennt man Team-Gedanke.«

Der Trecker mit dem angehängten Güllewagen bog nun also ab.

Nur das Dienstfahrzeug der Emder Kripo folgte ihm.

Alle anderen, die vielleicht die Absicht hatten, ebenfalls Richtung Großes Meer zu fahren, schienen zu der Überzeu­gung gelangt zu sein, dass sie wahrscheinlich schneller ans Ziel kamen, wenn sie einen Umweg in Kauf nahmen.

Allerdings stellte sich der Bauer als sehr rücksichtsvoll heraus. Er fuhr bei nächster Gelegenheit an den Rand, sodass es möglich war, ihn auf der schmalen Straße zu überholen.

»Na endlich!«, schimpfte Altje und ließ das Dienstfahrzeug an ihm vorbeibrausen.

 

*

 

Als Kommissar Steen und seine Kollegin wenig später das Ferienhaus erreichten, in dem der Tote gefunden worden war, stand das Dienstfahrzeug, mit dem Ulfert Jansen und Johnny Volkerts hierher gelangt waren, bereits in der Einfahrt. Altje parkte also am Straßenrand. Gut zwei Dutzend Personen standen in der Nähe herum und sahen sich an, was nun geschehen würde.

Altje stieg schon mal aus, nachdem sie es schließlich geschafft hatte, ihre Dienstmütze von der Rückbank zu fischen, wozu die Länge ihres Armes gerade ausreichte.

»Moin!«, grüßte sie die Leute mit ihrer durchdringenden Stimme und setzte dabei ihre Mütze auf.

Steen wollte auch aussteigen, blieb aber dann doch erstmal sitzen, als ihn ein Anruf erreichte.

Eine Mitarbeiterin der Außenstelle des Landeskriminalamtes in Oldenburg meldete sich.

»Moin«, sagte Steen. »Was kann ich für Sie tun?«

»Spreche ich mit Kriminalhauptkommissar Ulfert Jansen?«

»Nein.«

»Vorhin hatte ich Ihren Kollegen, Herrn Kriminalhaupt­kommissar Jansen, am Telefon.«

»Nun, ich bin Steen«, erwiderte Steen etwas ratlos.

»Aber wieso spreche ich jetzt nicht mit Herrn Ulfert Jansen?«

»Ich nehme an deshalb, weil Sie nicht seine Nummer, sondern meine gewählt haben. Was ist denn Ihr Anliegen?«

»Es geht um den Mordfall in dem Ferienhaus in der Gemeinde Südbrookmerland am Großen Meer. Ihr Kollege Herr Jansen hatte uns deswegen verständigt.«

»Ja, und?«

»Sind Sie denn darüber im Bilde, worum es geht, Herr Steen?«

»Ich bin der Chef. Darum bin ich über alles im Bilde«, sagte Steen - immer noch erstaunlich gelassen in Anbetracht der äußerst umständlichen Art, in der die Mitarbeiterin des LKA in Oldenburg mit ihm sprach. Schnell und direkt ist was anderes, dachte Steen. Aber so waren die Menschen nun mal. Nicht in jedem Büro saß ein geborenes Kommunikationstalent am Telefon.

»Wie schon gesagt, ich hatte eigentlich erwartet, Herrn Jansen am Apparat zu haben.«

»Ja, wenn Sie Herrn Jansen am Apparat haben wollen, dann müssen Sie auch Herrn Jansen anrufen - und nicht meine Nummer«, sagte Steen. »Aber da Sie mich jetzt schon angerufen haben, können Sie mir ebenso gut auch gleich sagen, worum es geht, dann werde ich Herrn Jansen darüber unterrichten.«

»Es geht darum, dass der Gerichtsmediziner und der Leichenwagen erst etwas später kommen. Es gab hier gewisse Umstände .«

Diese Umstände wollte Steen gar nicht wissen.

Es lief nämlich immer auf dieselben Faktoren hinaus: Entweder ein Stau auf der Autobahn oder ein Einsatzfahrzeug war kurzfristig nicht verfügbar gewesen oder der eingeteilte Gerichtsmediziner war gerade aus irgendeinem...

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