
Wenn ich nicht Urlaub mache, macht es jemand anderes
Beschreibung
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Giulia Becker ist die Königin des Grotesken, des Überdrehten. In ihrem neuen, zweiten Buch strickt sie einen ganzen Kosmos aus kleinen Alltagsbeobachtungen. Ein Urlaub im Wellnesshotel, die Therapieplatzsuche in Deutschland, als Detektivin in Aktion – Giulia Beckers Geschichten beginnen harmlos und nehmen dann die unerwartetsten Wendungen.
Sie erzählt die ganze Wahrheit über Katzen und Gitarren und schreibt das einzig gültige Horoskop. Becker entlarvt in ihren Texten unsere täglichen Herausforderungen als das, was sie sind: eine Aneinanderreihung von Absurditäten, die in ihrer Summe vor allem urkomisch sind.
Rezensionen / Stimmen
"Ihre Kurzgeschichten feiern das Skurrile im Gewöhnlichen. Mit Humor und Feingefühl bringt die "Drinnies"-Host und Bestsellerautorin Giulia Becker den Leser zum Lachen – und Nachdenken."
"Wahnsinn! Ich habe das Buch dreimal gekauft, damit ich es dreimal lesen kann. Es steht auch jetzt schon fest, ich werde mir ein viertes kaufen." KURT KRÖMER
"Giulia ist einer der lustigsten Menschen, die ich kenne. Ich liebe ihren Blick auf unsere Welt." CAROLIN KEBEKUS
"Wer Giulia Becker nicht liest, hat Giulia Becker nicht verdient!" JAN BÖHMERMANN
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Person
Giulia Becker, geboren 1991, lebt in der Nähe von Köln. Zusammen mit Autor Chris Sommer ist sie Host des erfolgreichen Podcasts Drinnies, der seit 2021 drei Mal mit dem Deutschen Podcast Preis ausgezeichnet wurde. Sie arbeitete unter anderem im Autor:innenteam von Jan Böhmermann, als Drehbuchautorin für die ZDF-Sitcom Ruby und ist regelmäßig mit ihren eigenen Sketchen in der Carolin-Kebekus-Show zu sehen. 2019 erschien ihr Roman Das Leben ist eins der Härtesten, für den sie mit dem Debütpreis der lit.Cologne ausgezeichnet wurde.
Inhalt
Tod
Drei Dinge hat mich das Leben gelehrt: Zweifeln heißt Nein, die reichsten Leute haben die kleinsten Geldbeutel, und Blut sollte man immer mit kaltem Wasser auswaschen. Ansonsten bin ich relativ ahnungslos. Mir ist schleierhaft, warum ich existiere, aber ich ?nde es großartig, dass die Zeitspanne meiner Existenz mit der von kabellosen Staubsaugern und Brause-Ufos überlappt. Und Adam Driver!
Falls ich reinkarniert sein sollte, muss ich in meinem früheren Leben irgendetwas richtig gemacht haben. Nichts Weltbewegendes, so toll ist mein Leben jetzt auch nicht. Mein Zahnarzt verdient ein Vermögen an mir, und morgens sieht mein Gesicht aus, als hätte es jemand mit der linken Hand gezeichnet. Ich habe in meinem früheren Leben sicherlich kein Kleinkind vor dem Ertrinken gerettet oder das Penicillin entdeckt. Vielleicht habe ich im Zugabteil nur Geruchloses gegessen oder an der Supermarktkasse immer passend gezahlt. Das gibt zwar nicht übermäßig viele Karmapunkte, aber Kleinvieh macht ja bekanntlich auch Mist. So konnte ich mir wahrscheinlich über die Jahre ein solides Karma-Knax-Sparbuch aufbauen, gerade so viel, dass ich in meinem aktuellen Leben einhändig Fahrrad fahren kann und mir offene Sandalen stehen. Ich bin zufrieden.
Dem Tod stehe ich mit einer gesunden Gleichgültigkeit gegenüber. Am Ende des Tages sind wir nicht mehr als ein siedender Wassertropfen auf dem Ceranfeld des Universums, eine kosmische Anomalie, ?üchtige Materie, die atmet, heiß duscht und in unregelmäßigen Abständen Minigolf spielt. Wir sind da, bis wir es nicht mehr sind. Diese Tatsache wird nie aufhören, sich für mich tröstlich anzufühlen.
Ich habe mir schon oft vorgestellt, wie es wäre, ewig zu leben. Ich hätte genug Zeit, alle Menschen auf der Welt kennenzulernen. Das wären fast acht Milliarden Gespräche, also mindestens sechs Milliarden unbeholfene Verabschiedungen, unsicher, ob man sich die Hand geben soll oder nicht. Das wäre wirklich unangenehm, andererseits käme ich in den Genuss einer unglaublichen Bandbreite an Geschichten und Inspiration. Ich könnte endlich mal mit einem echten Königskrabben?scher aus dem Nordwesten der USA sprechen und ihn fragen, ob sein Job wirklich der gefährlichste des Landes ist oder ob sie nur so tun, weil ja eh niemand dabei ist, der es überprüfen kann. Ich würde de?nitiv alle Sprachen lernen, die es gibt, damit ich überall auf der Welt problemlos alle Unterhaltungen belauschen kann. Auch Latein. (Falls ich mal jemanden im Vatikan belauschen will. Ehrlich gesagt, will ich das aber lieber nicht.) Vielleicht würde ich auch das ein oder andere Experiment wagen, zum Beispiel eine einzelne Haarsträhne achthundert Jahre lang wachsen lassen oder einen Hermannteig ansetzen, den ich so lange füttern, teilen und verschenken würde, bis ein Ableger bei Taylor Swift ankommt. Meine Hoffnung ist, dass sie den Hermann dann vielleicht in einem ihrer Songtexte erwähnt. Wenn wir ewig leben, ist die Chance auch gar nicht mal so gering, dass das passiert, denn wenn Taylor Swift trotzdem weiter in ihrem Tempo Alben rausballern würde, dann würden ihr spätestens nach ein paar hundert Jahren die Themen ausgehen. Da wird mein Hermann-Sauerteigansatz wie gerufen kommen.
Ich würde jeden Tag einen Cent zur Seite legen, sodass ich nach hundert Millionen Tagen Millionärin wäre, ohne mich dafür angestrengt zu haben. Mit dem Geld würde ich die Entwicklung eines Fußnagelschneideroboters in Auftrag geben, denn ich habe echt keinen Bock, mir unendlich oft die Fußnägel zu schneiden. Niemand würde sich noch «bis dass der Tod uns scheidet» trauen lassen, sondern nur noch «bis ich deine Visage nicht mehr ertrage» - ein begrüßenswerter Fortschritt. Auch Silvester würde endlich keine Rolle mehr spielen, denn ob jetzt ein einziges lächerliches Jahr vorbeigegangen ist oder nicht, wäre allen komplett egal. Man würde sich darauf einigen, nur noch die Jahrtausendwechsel zu feiern, aber dann richtig, und alle dürfen böllern. Auch die Hunde. Denn die leben jetzt ja auch ewig und kennen deswegen keine Todesangst mehr.
So gern ich auch mal mit einem Chow-Chow ordentlich was wegböllern würde, die Vorstellung eines endlosen Lebens ist unterm Strich leider doch nicht sehr vielversprechend. Die ganze Scheiße mit der Steuererklärung würde einfach weitergehen, für immer. Ebenso die Fast-and-Furious-Filme und das Problem mit den Haaren im Duschab?uss. Leonardo DiCaprio würde irgendwann fünf Milliarden Jahre alt sein und seine Freundin trotzdem vierundzwanzig. Alle würden in der permanenten Angst leben, in eine Straftat verwickelt und zu lebenslanger Haft verurteilt zu werden, denn das wäre dann echt lang.
Irgendwann wäre alles langweilig, keine Träume mehr, keine Vorfreude, keine ersten Male. Wir hätten alles gelebt, gelernt, gegessen. Alle würden nur noch ziellos in der Gegend irrlichtern, Sauce hollandaise direkt aus dem Tetrapak trinken und sich insgeheim wünschen, die Welt würde endlich als Feuerball verglühen. Ich habe das schon sehr früh verstanden: Der Tod ist auf unserer Seite. Aber am Timing könnte er trotzdem feilen. Ich ?nde, 83,2 Jahre Durchschnittsdauer für ein menschliches Leben sind ein schlechter Scherz. Es gibt im tibetanischen Hochplateau ein Laubmoos, das 165 Millionen Jahre alt ist. Und das hat rein gar nichts zu tun, nicht ein einziges Hobby. Wir dagegen sollen innerhalb kürzester Zeit die ganze Welt bereisen, Kinder kriegen, vierzig Stunden die Woche ackern und eine authentische Bolognese kochen. (Mit Soffritto!)
Ich ?nde, dreihundert Jahre wären ein guter Kompromiss. Das wäre genug Zeit, um fünf bis zehn Instrumente zu lernen und eine Eiche zu p?anzen und komplett aufwachsen zu sehen, aber noch nicht so viel Zeit, dass man aus Verzwei?ung alle Folgen Two and a Half Men guckt. Wir könnten Käse länger reifen lassen, unglaublich viele Paybackpunkte sammeln und massenhaft Kinder bekommen, die fünfzehn Jahre lang in der Pubertät wären und mit sechzig ausziehen. Gut, wenn ich die Idee beim Universum pitchen müsste, würde ich das mit den Kindern vielleicht weglassen.
Fakt ist, das Leben ist zu kurz, und das lässt sich nicht ändern. Mir ist das mit zwölf Jahren klar geworden, als ich dem Tod knapp von der Schippe gesprungen bin. In einer anmutigen Bewegung wollte ich damals von einer Picknickdecke aufstehen und habe mich dabei mit dem linken Handgelenk unwissentlich auf einer Wespe abgestützt. News?ash: Wespen sind gar nicht mal so große Fans davon, wenn man sich mit vollem Körpergewicht auf ihnen abstützt. Das Vieh hat mir dermaßen seinen Stachel ins Handgelenk gedrückt, dass er noch eine halbe Stunde später da drinsteckte und ich geheult habe wie ein Baby, als meine Schwester mir das Biest mit einer in Wodka getränkten Pinzette entfernt hat.
Am nächsten Tag saß ich so benommen im Biologieunterricht, dass meine Lehrerin mir besorgt die Stirn betastet und sofort hohes Fieber attestiert hat. Ich murmelte etwas von «Scheißwespeaua», und Darwin sei Dank hatte die Frau Biologie studiert. Sie schaute sich meinen Arm an und stellte sofort den Zusammenhang her. Ich musste auf der Stelle ins Krankenhaus, denn mein Oberarm war bis zur Mitte feuerrot angelaufen, und plötzlich waren alle seltsam alarmiert. Ich weiß noch, dass ich mich innerlich gefreut habe, nicht mehr in der Schule zu sein, weil ich die Bio-Hausaufgaben nicht gemacht hatte. Yep, den Stich hatte ich de?nitiv verdient. Als der Arzt mir erklärte, dass die Wespe mich wohl in die Hauptschlagader gestochen und ich eine Blutvergiftung hätte, war ich gleichermaßen überrascht und fasziniert. Als er dann noch hinzufügte, dass ich tot wäre, wenn ich nur wenig später gekommen wäre, war ich fassungslos. Ich, tot? Ich bin zwölf. Es hätte so dermaßen zu mir gepasst, mit zwölf bei einem Picknick zu sterben. Ein junger Heldinnentod. Seit diesem Tag bin ich mir bewusst, dass ich jederzeit sterben kann, mit zwölf, mit fünfunddreißig, während eines Picknicks, beim Rückwärtseinparken oder dem Versuch, den letzten Pringle aus der Dose zu ?schen. Es liegt nicht in meiner Hand. Sondern in der von Wespen, Automobilherstellern und spitzen Gegenständen. Die Art und Weise, wie ich gerne von dieser Welt scheiden würde, hat am Ende wahrscheinlich rein gar nichts damit zu tun, wie ich tatsächlich versterbe. Dazu ein kurzer Überblick.
Wie ich gerne sterben würde:
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Totlachen, weil im Supermarkt ein Hund in Sandalen den Moonwalk macht
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Herzinfarkt, als mein Verlag mir mitteilt, wie unglaublich oft mein neues Buch verkauft wurde
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Friedlich auf der Couch einschlafen, während «Die Reise der Pinguine» im Fernsehen läuft
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An einem belebten Flughafen eine Bombe entschärfen, danach bei einer Gruppenumarmung von der dankbaren Menge mit Liebe erdrückt werden
Wie ich wahrscheinlich sterben werde:
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Während eines Pranks, bei dem ich meinen Tod nur vortäuschen wollte
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Beim Stagediving bei einer Lesung im Autokino
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Beim Aufstellen eines «ACHTUNG, Rutschgefahr!»-Schildes ausrutschen
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An Karneval im Camou?ageanzug verkleidet von einem Bus übersehen werden
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Bei einer zehntägigen Geiselnahme in einer Tankstelle verdursten, weil ich mich weigere, Eistee mit Kohlensäure zu trinken
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Bei Wer wird Millionär? vom Stuhl fallen und ungünstig mit dem Kopf auf dem Display aufschlagen - noch...
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