Die Rache der Verführerin

Historischer Liebesroman
 
 
Books on Demand (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 12. November 2018
  • |
  • 372 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7481-3583-8 (ISBN)
 
Eine grenzüberschreitende Suche nach Liebe ...

Ein facettenreiches Spiel um Macht, Beherrschen und Unterwerfen ...

Duisburg 1416: Katharine von Volden lebt unter dem Joch ihres geizigen und kränkelnden Vaters. Während sie alles daran setzt, dessen Weinhandel weiterzuführen, verlangt der Vater ihre Vermählung mit einem mächtigen, aber flatterhaften Kaufherrn. Katharine sieht nur eine Chance: Sie muss einen schroffen Landadeligen für sich gewinnen, dessen gefährliche Begierde sie in ihre eigenen Abgründe blicken lässt.

Anna Schäfer wird in ihrem Elternhaus zur Ader gelassen - angeblich damit ihr cholerisches Temperament besänftigt werden soll. Von Zorn und Zweifeln geplagt, sucht sie in Duisburg Zuflucht. Beim Versuch, sich von unehrlichem Gesindel fernzuhalten, trifft sie folgenreiche Entscheidungen, denen nicht nur ihre Ehre zum Opfer zu fallen droht.
1. Auflage
  • Deutsch
  • 0,62 MB
978-3-7481-3583-8 (9783748135838)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Jennifer Becker, Jahrgang 1979, ist gebürtige Duisburgerin und lebt seither in der Stadt. Schreiben war schon in der frühen Jugend ihre Leidenschaft. Weil das Leben als Schriftsteller*in als brotlos gilt, begann sie zunächst eine solide Berufslaufbahn im medizinischen Bereich. Parallel dazu nahm sie an Literaturwettbewerben teil, veröffentlichte Kurzgeschichten in verschiedenen Anthologien und sammelte Erfahrungen als Drehbuchautorin. Inzwischen hat sie ihre Arbeit professionalisiert und ihren Roman "Die Rache der Verführerin" veröffentlicht.

Der Autorin ist es ein besonderes Anliegen, ihren Lesern nicht nur sympathische Hauptfiguren anzubieten, sondern auch glaubwürdige und ambivalente Bösewichte - Menschen also, denen "Du und ich" im Alltag vielleicht schon begegnet sind.

Jennifer Becker freut sich über Kritik und Rezensionen sowie Besuche auf ihrer Facebook-Seite, wo Neuigkeiten und aktuelle Termine bekannt gegeben werden:
https://www.facebook.com/Autorin.JenniferBecker.3

2


Mein Vater will mich bloß erschrecken, redete Swen sich ein, damit seine Blase sich beruhigte. Es drückte und polterte darin, als wollte sie sich entleeren.

Das finstere Grau des Herbsthimmels erdrückte die Huckinger Weiden, die sich vom Schultheißenhof bis zum Steinturm des Fronherrn ausstreckten. Am Rande des Weges lud der Vater des Bauernjungen den letzten Kornsack auf den Leiterwagen. Er war der Schultheiß des Dorfes. Ein Mann mit breitem Kreuz und strohdickem, schwarzem Haar.

«Da, setz dich vor die Ladung!», befahl er seinem Sohn.

Swen schob seinen Reisebeutel an die prallen Säcke und hob sich auf die Ladefläche, denn er glaubte, wenn er gehorchte, würde sein Vater ihn wieder mit zurück nach Hause nehmen.

«Mit dem guten Mantel!», schimpfte der. Seine Worte klangen wie abgebremste Fausthiebe.

«Weil wir ja zum Fronherrn fahren», erklärte der Knabe seine Kleiderwahl und zeigte seinem Vater die Ärmel, die sauber geblieben waren.

«Die dunkelblaue Wolle ist dem Kirchgang am Sonntag vorbehalten. Die gehört in deinen Reisebeutel.»

Wieso mache ich alles falsch, fragte der Knabe sich. Seine Knie ruhten noch auf der Heckkante, als er ein Sausen hörte. Es war die Weidenrute des Vaters, die in Swens Hinterteil biss. Vor Schreck verlor er den Halt und fiel bäuchlings auf die staubigen Holzplanken.

«Die Kleidung war teuer und wird dreckig!», empörte sich der Vater. «Du machst sie kaputt, wenn du sie zur Arbeit trägst!»

Swen schaffte es kaum, Luft zu holen, da der Stock immer dieselbe Stelle traf, bevor sie sich vom Schmerz erholen konnte. Sein Körper wollte die Flucht ergreifen, doch der Knabe wusste, er musste ausharren, bis der Vater sich beruhigte. Mit der Warnung, sein Sohn solle ja keinen Aufstand machen, schloss er die Heckklappe hinterm Knaben und lief zum Kutschbock, wo Swens Mutter wartete.

Der Bauernjunge verweilte auf allen Vieren, da die Beulen, die ein Stock hinterließ, kein hartes Holz vertrugen.

«Setz dich auf deinen Allerwertesten!», wies der Vater ihn zurecht.

Swen robbte an einen halbvollen Kornsack heran, kippte ihn ein Stück und zerrte am Bauernleinen, bis ein paar Falten übereinander lagen. Behutsam sank er auf das gebaute Kissen und kauerte sich zusammen, die Beine angewinkelt und den Kopf zwischen den Händen.

«Die Getreidesäcke sind kein Spielzeug!», fluchte der Vater. «Das Gewebe verschleißt!»

«Es tut weh auf dem Holz», entschuldigte Swen sich.

«Ja, mir tut auch ständig alles weh!»

Die Mutter legte eine Hand auf den Arm des Vaters. «Lass doch», versuchte sie, ihn zu besänftigen. Sie war blass und voller Sommersprossen, und ihre Stimme säuselte sanft und leise wie ein Schlaflied.

Der Arm des Schultheißen schlug einen Haken. «Der macht alles kaputt! Und das sehe nicht nur ich so. Er muss sich mal überlegen, dass die Familie eine Gemeinschaft ist, in der wir leben, und dass sein Verhalten andere stört.»

Was stimmt nicht mit mir, fragte sich der Knabe und sank mit dem Gesäß auf die Planken. Die Beulen im Fleisch bohrten sich wie Stelzen in seine Knochen. Vor Schreck griff er ins Sackleinen, um nicht aufzuschreien. Wie an einer gütigen Strohpuppe hielt er sich fest. Ihm wurde schwummerig, und er wünschte, sich zu übergeben, als Beweis, dass es ihm elend ging und er die Wahrheit gesagt hatte. Alles wird gut, redete er sich ein, ich darf bloß nichts mehr machen, wovon was kaputt gehen könnte.

Der Karrengaul ritt an. Auf dem holperigen Feldweg kam das Fuhrwerk ins Rumpeln, sodass der Holzgrund donnerte. Swen winselte. Mit seinen Ellbogen versuchte er, sich an den Säcken abzustützen. Kornstaub stob auf und rieselte auf seinen kastanienbraunen Schopf und das zarte Gesicht mit den Stummelbrauen nieder. Der Steinhof kam näher, blassgrau und bedrohlich wie ein Gefängnisturm. Durch ein Tor im Palisadenzaun ratterte das Fuhrwerk auf den Fronhof, an Ställen und Scheunen vorbei.

In einem Unterstand sattelte ein Dienstbote ein stattliches Ross. Dem Knecht würde er nicht entfliehen, ahnte Swen, denn jener hatte eine Bärenstatur, und seine Hautbräune verlieh ihm etwas Fremdartiges und Unberechenbares. Er ließ von dem Tier ab, kam aufs Fuhrwerk zu und empfing die Familie.

«Dann komm mal!», forderte er Swen auf und humpelte voraus. «Ich bin der Frens.»

Flehend sah der Knabe seine Eltern an. Das war der Moment, an dem sie die Lektion beenden sollten, fand er. Doch sie folgten dem Dienstboten ins Vorderhaus. Ruß schwärzte die Wände der Gesindestube. Es roch nach Rauch und Schweinen. Aber statt ausgehöhlter Brotkanten, wie daheim, standen Kupferteller auf dem Holztisch, und statt einer Katze für die Mäuse döste ein Jagdhund in der Ecke.

Der Knecht eilte über die Laufplanke und verschwand im erhöhten Turmeingang. «Herr? Der Schultheiß mit seinem Eheweib - und mit meinem neuen Helfer, hoff ich», kündigte er an, worauf der Herr von Kalkum mit rasselndem Kettenhemd aus dem Turm in die Stube trat. Er war nicht nur der Fronherr, sondern auch ein Rittermönch und Hauptmann einer Adelsgesellschaft namens Sankt Michael, wusste Swen von seinem Vater.

«Wieso habe ich euren Zweitgeborenen bisher kaum zu Gesicht bekommen, Schultheiß?», fragte der Ritter.

«Der Junge ist ein bisschen eigenbrötlerisch, aber er ist kräftig genug für die Arbeiten am Hof.»

Zweifelnd musterte der Fronherr den Knaben. «Er soll 16 Winter alt sein? Wenigstens ein Jahr davon war er in Planung, und ein anderes hat er im Mutterleib verbracht.» Er beugte sich zu Swen hinab. «Wie alt bist du wirklich? 13 doch wohl eher.»

Der Ritter hatte recht, aber der Gedanke, die Wahrheit zu sagen, löste ein Ziehen in Swens Hintern aus. «So alt wie meine Eltern sagen», behauptete er mit einem Blinzeln auf den Vater.

«Kannst du dir vorstellen, mir als Knecht zu dienen? Wirst du dein Zuhause nicht vermissen?»

Swen kaute auf seinen Lippen. Wie lange sollte der Spuk noch andauern?

Der Fronherr richtete sich auf. Nach einem Seufzer entschied er: «Wir können es ja versuchen. Also, willkommen auf dem Steinhof, Swen. Wenn du dich bemühst, wirst du es hier gut haben. Und wenn du etwas auf dem Herzen hast, scheu dich nicht, es mir zu sagen.» Er zahlte den Eltern einen Beutel Gulden, überließ Swen seinem Dienstboten und zog sich in den Turm zurück.

Swen riss die Augen auf. Wie konnten seine Eltern den Handel besiegeln, obwohl er artig gewesen war? Er warf sich an seine Mutter. «Ich werd' von jetzt an anders sein, und ich mach nichts mehr falsch.» Swen heulte. «Ich trage meinen Sonntagsmantel nur noch in der Kirche, ich baue keine Kissen aus Säcken mehr.»

Der Vater schaute aus der Tür, durch die er den Wagen im Blick behielt. «Die Abgaben!», drängelte er. «Die andere Hälfte des Zehnts muss zur Kellnerei, und man liefert das pünktlich ab.»

Die Mutter löste Swens Arme von ihrem Leib und schenkte ihm einen faustgroßen Leinbeutel mit ihrer Arznei aus Johanniskraut, die sie ihm immer gab, wenn er weinte.

Swen brüllte. «Warum darf ich nicht mit zurück?»

Die Mutter sah zwischen dem grollenden Vater und ihrem weinenden Sohn hin und her, mit einem Zittern im Körper. «Was beschwerst du dich?», fuhr sie Swen an. «Du bist doch selber schuld. Du hättest nicht immer dienen Bruder schlagen sollen.»

«Ich hau Nicolaus nie mehr. Ich schwöre.»

«Mensch, du bist doch der Ältere, und da hättest auf ihn aufpassen müssen. Aber du hast ihn mit zum Weiher genommen, wo ihr nicht hingehen durftet, weil die Eisschicht zu dünn war.»

«Ich spiel nicht noch mal mit Nicolaus am Weiher!»

«Er wäre da nie allein hingegangen, und dann wäre er auch nicht durch die Eisschicht gebrochen und hätte kein Fieber bekommen.» Die Mutter eilte dem Schultheißen nach und schlug die Tür zu.

Der Dienstgenosse packte den Frischling mit seiner Bärenklaue und zerrte ihn auf die Weide. «Das Heimweh geht vorbei», tröstete er. Als sie an einem Brunnen vorbeikamen, legte er seinen Arm um Swens Schultern und zeigte grinsend auf dessen Mantel, der während der Dresche schmutzig geworden war. «Du glaubst gar nicht, was du hier Freude haben wirst. Bei meinem Herrn musst du dich sauber halten, Junge. Willst du wissen, wieso ich humpele? Manche Herren lassen ihr Ross über die Füße ihrer Knechte latschen, nur so, um klarzumachen, dass Untergebene nichts zu melden haben. Führ dir das mal zu Gemüte.»

Swens Magen ballte eine Faust und schubste den Morgenbrei zurück durch die Kehle. Der Knabe erbrach sich auf die Wiese.

«Scheiße! Verträgst du keinen Spaß?» Frens ging in die Hocke und kniff Swen in die Wange. «He, war nur ein Witz, Junge. Ich hab nicht vom Herrn von Kalkum gesprochen, sondern vom Ritter, dem ich vorher gedient hab. Du kriegst einen guten...

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