Werke

Darmstädter Ausgabe
 
 
wbg Academic in Wissenschaftliche Buchgesellschaft (WBG) (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 15. Oktober 2014
  • |
  • 441 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Adobe-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-534-73926-4 (ISBN)
 
Der geniale Forschungsreisende Alexander v. Humboldt (1769-1859) erlangte mit den Ergebnissen seiner Expeditionen Weltruhm. Neben naturwissenschaftlichen - geographischen, geologischen und biologischen - Untersuchungen erforschte Humboldt auch Herkunft, Sprache und Kultur der Völker, deren Gebiete er bereiste.
Die kommentierte Darmstädter Ausgabe umfasst die wesentlichen Schriften aus Humboldts umfangreichem Werk und wird hier in einer preisgünstigen Jubiläumsausgabe erneut aufgelegt. Die ausführlichen Einführungen und Kommentare des renommierten Humboldt-Kenners Hanno Beck reflektieren den Stand der Forschung.
  • Deutsch
  • Darmstadt
  • |
  • Deutschland
  • 1,90 MB
978-3-534-73926-4 (9783534739264)
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Hanno Beck, geb. 1923, war Professor für Geschichte der Naturwissenschaft an der Universität Bonn. Er ist Träger der goldenen Medaille der Humboldtgesellschaft und gilt als Begründer der systematischen modernen Humboldtforschung.

Alexander von Humboldt (1769 - 1859), Geograph und Naturforscher, kann in seinen Fachgebieten als Begründer einer modernen empirischen Wissenschaft gelten. Seine zahllosen Reisen, seine wissenschaftlichen Kontakte in alle Welt und sein umfangreiches Werk machten ihn bereits zu Lebzeiten zu einer Berühmtheit, deren Wirkung bis heute anhält.

Alexander von Humboldt (1769 - 1859), Geograph und Naturforscher, kann in seinen Fachgebieten als Begründer einer modernen empirischen Wissenschaft gelten. Seine zahllosen Reisen, seine wissenschaftlichen Kontakte in alle Welt und sein umfangreiches Werk machten ihn bereits zu Lebzeiten zu einer Berühmtheit, deren Wirkung bis heute anhält.

Einleitung


Zwölf Jahre sind nun verflossen, seitdem ich Europa verließ, um das Innere des Neuen Kontinents zu durchreisen. Von Jugend auf mit dem Studium der Natur beschäftigt, empfänglich für die wilde Schönheit eines mit Gebirgen und alten Wäldern bedeckten Bodens, fand ich auf dieser Reise Genüsse genug, die mich für die Entbehrungen, die mit einem arbeitsamen, oft unruhigen Leben verbunden sind, entschädigt haben. Jene Genüsse, die ich mit den Lesern meiner Betrachtungen >Über die Steppen< und meiner >Ideen zu einer Physiognomik der Gewächse< [s. Studienausgabe Band V], zu teilen versucht habe, waren indessen nicht die einzigen Früchte einer Unternehmung, deren Zweck auf die Erweiterung der physikalischen Wissenschaften gerichtet war. Seit langer Zeit hatte ich mich auf die Beobachtungen vorbereitet, die das Hauptziel meiner Reise in die heiße Zone waren. Ich war mit Instrumenten der vorzüglichsten Meister, die sich geschwind und leicht handhaben ließen, versehen; ich genoß den besonderen Schutz einer Regierung, die mir, weit davon entfernt, meinen Forschungen Hindernisse entgegenzusetzen, beständige Beweise von Anteilnahme und Vertrauen gab; ich wurde endlich durch einen Freund voll Mut und Kenntnissen unterstützt, und - was ein seltenes Glück für den Erfolg eines gemeinschaftlichen Unternehmens ist - dessen Eifer und gleichbleibender Charakter mitten unter Strapazen und Gefahren, denen wir uns zuweilen ausgesetzt sahen, niemals widerlegt worden sind.

Während wir auf diese Art unter solch günstigen Umständen Regionen durchreisten, die seit Jahrhunderten den meisten Völkern Europas, ja ich möchte sagen, selbst Spanien fast unbekannt geblieben waren, brachten wir, Herr Bonpland und ich, eine beträchtliche Menge Materialien zusammen, deren Publikation für die Historie der Völker und die Kenntnis der Natur einiges Interesse zu bieten schien. Da aber die Gegenstände unserer Forschungen sehr mannigfaltig gewesen waren, konnten wir die Resultate nicht in der gewöhnlichen Form eines Tagebuches mitteilen. Wir taten es daher in mehreren einzelnen Werken, die aber in einem Geiste bearbeitet und durch die Natur der darin abgehandelten Phänomene miteinander verbunden sind. Diese Art der Redaktion, bei der die Unvollkommenheit der einzelnen Arbeiten eher sichtbar wird, ist für die Eigenliebe des Reisenden nicht eben vorteilhafter; aber sie ist bei allen physischen und mathematischen Wissenschaften vorzuziehen, weil selten dieselbe Klasse von Lesern deren verschiedene Zweige zu betreiben pflegt.

Ich hatte mir bei der Reise, deren >Relation Historique< [den historischen (= erzählenden) Bericht] ich heute veröffentliche, ein doppeltes Ziel gesetzt. Ich wünschte, die Länder, die ich besuchte, kennenzulernen und charakteristische Tatsachen zur Erhellung einer Wissenschaft zu sammeln, die noch kaum skizziert ist und unbestimmt genug Physik der Erde, Theorie der Erde oder Physikalische Geographie genannt wird. Von diesen beiden Zielen schien mir das zweite das bedeutendste zu sein. Ich liebte die Botanik und einige Teile der Zoologie leidenschaftlich; ich durfte mir schmeicheln, daß unsere Forschungen neue Arten den schon beschriebenen hinzufügen würden. Da ich aber die Verknüpfung längst beobachteter der Kenntnis isolierter, obgleich neuer Tatsachen immer vorgezogen hatte, schien mir die Entdeckung eines unbekannten Geschlechtes weit minder wichtig als eine Beobachtung über die geographischen Beziehungen der Vegetabilien, über die Wanderungen der gesellschaftlichen Pflanzen und über die Höhengrenze, zu der sich ihre verschiedenen Stämme gegen den Gipfel der Cordilleren erheben [Hervorhebung vom Hrsg.].

Die physikalischen Wissenschaften sind durch die gleichen Bande verknüpft, die alle Erscheinungen der Natur verbinden. Die Klassifikation der Arten, die man als den grundlegenden Teil der Botanik betrachten muß und deren Studium durch die Einführung natürlicher Methoden anziehender und schöpferischer geworden ist, verhält sich zur Geographie der Pflanzen wie die beschreibende Mineralogie zum Verzeichnis der Gesteine, welche die äußere Kruste der Erde zusammensetzen. Will der Geologe die Gesetze aufstellen, welchen diese Gesteine in ihrer Lagerung folgen, will er das Alter ihrer allmählichen Bildung und ihrer Identität in den entferntesten Regionen bestimmen, so muß er vor allen Dingen die einfachen Fossilien [= Minerale] kennen, welche die Masse der Gebirge bilden, deren Charakter und Nomenklatur die Oryktognosie lehrt. Ebenso ist es mit dem Teil der Physik der Erde, der von den Beziehungen handelt, die - sei es zwischen den Pflanzen untereinander selbst, sei es zwischen ihnen und dem Boden, worauf sie wachsen, sei es zwischen ihnen und zwischen der Luft, die von ihnen eingeatmet und verändert wird - bestehen. Die Fortschritte der Geographie der Pflanzen hängen größtenteils von den Fortschritten der beschreibenden Botanik ab. Man schadet der Erweiterung der Wissenschaft, wenn man sich zu allgemeinen Ideen erheben will und dabei die einzelnen Tatsachen vernachlässigt.

Diese Betrachtungen haben mich im Lauf meiner Forschungen geleitet. Immer sind sie meinem Geist in der Zeit meiner vorbereitenden Studien gegenwärtig gewesen. Als ich die große Zahl von Reisen, die einen solch interessanten Teil der modernen Literatur ausmachen, zu lesen anfing, bedauerte ich, daß die gebildetsten Reisenden selten in den isolierten Zweigen der Naturgeschichte genügend vielfältige Kenntnisse vereint hatten, um aus allen Vorteilen den Nutzen zu ziehen, den ihre Lage ihnen darbot. Es schien mir, daß die Bedeutung der bis jetzt erhaltenen Resultate nicht gänzlich den ungeheuren Fortschritten entspräche, die in mehreren Wissenschaften, und namentlich in der Geologie, in der Geschichte der Modifikation der Atmosphäre, in der Physiologie der Tiere und der Pflanzen zu Ende des 18. Jahrhunderts gemacht worden waren. Ich bemerkte schmerzlich, und alle Gelehrten teilen dieses Gefühl mit mir, daß, während sich die Anzahl genauer Instrumente täglich vermehrte, uns doch die Höhe so vieler Gebirge und Plateaus, die periodischen Schwingungen des Luftmeers, die Grenze des ewigen Schnees unter dem Polarkreis und an den Rändern der heißen Zone, die variable Intensität der magnetischen Kraft und so viele andere gleich wichtige Erscheinungen noch völlig unbekannt geblieben waren.

See-Expeditionen, Reisen um die Welt haben mit Recht die Namen der Naturforscher und Astronomen verherrlicht, welche die Regierungen berufen haben, um die Gefahren zu teilen. Allein wenn diese Reisen auch noch so genaue Nachrichten über die äußere Bildung der Länder, über die physische Geschichte des Ozeans, über die Produkte der Inseln und der Küsten liefern, so scheinen sie gleichwohl für die Erweiterung der Geologie und anderer Teile der allgemeinen Naturkunde überhaupt weniger charakteristisch zu sein als Reisen in das Innere eines Kontinents. Bei einer Seereise wird das Interesse der Naturwissenschaften dem Interesse der Geographie und der nautischen Astronomie untergeordnet. Während einer Seefahrt von mehrern Jahren bietet sich die Erde dem Reisenden nur selten zum Beobachten dar, und wenn er ihr nach langen Wartezeiten begegnet, ist sie oft ihrer schönsten Produkte entblößt. Zuweilen bemerkt er jenseits einer kahlen Küste eine grüne Gebirgswand, deren Entfernung sie seinen Nachforschungen entzieht, und dieses Schauspiel vergrößert nur sein Bedauern.

Landreisen bieten große Schwierigkeiten für den Transport der Instrumente und Sammlungen. Aber diese Schwierigkeiten werden von reellen Vorteilen aufgewogen, deren Aufzählung hier überflüssig ist. Auf einer bloßen Küstenreise kann man gar nicht die Richtung der Gebirge und ihre geologische Constitution, weder das eigentümliche Klima jeder Zone noch seinen Einfluß auf die Formen und Gewohnheiten organisierter Wesen [Pflanzen und Tiere] erkennen. Je breiter Kontinente sind, desto mehr findet man auf der Oberfläche des Bodens den Reichtum der vegetabilischen und animalischen Hervorbringungen entwickelt; je mehr der zentrale Kern der Gebirge von den Ufern des Ozeans entfernt ist, desto mehr beobachtet man im Innern der Erde diese Mannigfaltigkeit von Gesteinsschichten, deren regelmäßige Folge uns die Geschichte unseres Planeten enthüllt. Ebenso wie jedes Wesen, isoliert betrachtet, von einem eigentümlichen Typus geprägt ist, so wird ein solcher in gleicher Weise in der Anordnung des in den Gesteinen vereinigten Rohstoffes in der Verteilung und den Wechselbeziehungen der Pflanzen und Tiere wiedererkannt. Die Bestimmung der Form dieser Typen, der Gesetze dieser Wechselbeziehungen und der ewigen Bande, welche die Erscheinungen des Lebens mit denen der unbelebten Natur verknüpfen: das ist das große Problem der Physik der Erde.

Wenn ich die Motive darlege, die mich zur Unternehmung einer Reise in das Innere eines Kontinents bewegt haben, gebe ich nur die allgemeine Richtung meiner Ideen in einem Alter an, wo man seine Kräfte noch nicht richtig zu beurteilen vermag. Indes wurden die Pläne meiner frühen Jugend nur sehr unvollkommen ausgeführt. Meine Reise erhielt nicht die gesamte Ausdehnung, die ich ihr bei meiner Abreise nach Südamerika zu geben gedachte; ebensowenig...

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