Tödlicher Verrat in Dry Fork

 
 
Uksak E-Books (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 15. Januar 2018
  • |
  • 120 Seiten
 
E-Book | ePUB ohne DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7389-1667-6 (ISBN)
 
Jack Wesson ist ein knallharter, unbestechlicher Texasranger, für den das Gesetz über allem steht, sogar über seiner jahrelangen Freundschaft mit dem Rancher Dave Hancock. Denn Wesson hat einen ganz besonderen Auftrag angenommen: Er soll eine Bande skrupelloser Bankräuber zur Strecke bringen, die mehrere Menschen auf dem Gewissen haben, darunter den Sheriff von Dallas und Jacks Verlobte. Bei der Bande soll ausgerechnet Daves Sohn Lee eine führende Rolle spielen. Daves und Jacks Freundschaft droht darüber zu zerbrechen. Als wäre dies nicht schlimm genug für Jack, macht er sich die ganze Stadt Dry Fork zu seinem Feind, denn Daves überaus beliebter Sohn soll dort das Amt des Marshals übernehmen. Jack steht auf verlorenem Posten, denn niemand glaubt ihm seine Geschichte, und die Bewohner von Dry Fork schrecken auch vor brutaler Gewalt gegen einen Texasranger nicht zurück ...
  • Deutsch
  • 0,32 MB
978-3-7389-1667-6 (9783738916676)

Roman:


Eine Hölle aus Hass und Erschrecken spiegelte sich auf dem staub- und schweißverschmierten Gesicht des Mannes beim Ziehbrunnen. Verzweifelt versuchte er sich am Pfosten der Seilwinde in die Höhe zu ziehen, sank jedoch wieder matt und ächzend gegen die hüfthohe Lehmmauer zurück. Seine Kleidung war zerschlissen, sein rechter Arm bis zum Schultergelenk hinauf von einem dicken verschmutzten Verband umwickelt. In der auf den Oberschenkel gerutschten Halfter fehlte der Revolver. "Verdammter Menschenjäger!", würgte der Mann zwischen schweren Atemzügen hervor. "Gibt es denn keine Fährte, die du jemals verlierst!" Aus flackernden Augen starrte er auf den Reiter, der so unvermittelt aus dem halbverdorrten Buschgürtel hervorgebrochen war. Dieser verharrte eine Weile wie aus Stein gehauen im Sattel, groß, aufrecht, die rechte Hand griffbereit am Kolben des tiefgeschnallten Colts. Der staubbedeckte breitkrempige Stetson beschattete das hagere Gesicht.

Es schien nichts anderes als eiserne Entschlossenheit auszudrücken. Am dunklen Hemd des Reiters hob sich deutlich der blinkende fünfzackige Stern im Silberkreis ab. Ein leichter Schenkeldruck trieb schließlich den hochbeinigen Schwarzbraunen auf den freien Sandplatz. Die Hand des Mannes mit dem Ranger-Stern rührte sich keinen Zoll von der Waffe weg. Jeder dumpfe Hufschlag schien die knochige Gestalt des Verwundeten härter gegen die Brunnenmauer zu pressen.

Dann peitschte jäh ein wilder Ruf durch das Schweigen: "Achtung, Jack! Beim Korral ."

Die Steife des Reiters schien nie existiert zu haben. Ducken, Herumschwenken und das Ziehen des Colts - alles verschmolz zu einer verwischten Bewegung. Die ganze Zeit schien er sich nur auf diese eine entscheidende Sekunde konzentriert zu haben.

Neben dem Stangenzaun des Korrals flog ein Heuhaufen auseinander. Eine mit Halmen übersäte drahtige Gestalt fuhr daraus hervor. Der Mündungsblitz schien direkt aus der hochzuckenden Faust zu springen. Auf dem Sandplatz stand das Pferd des Rangers wie mit den Hufen am Boden festgenagelt. Sein Reiter verzog keine Miene, als eine Kugel eine Handbreit an seinem Gesicht vorbeistrich. Ein helles Wölkchen stand wie ein Watteball vor der Mündung seines angeschlagenen Colts. Drüben beim Korral wurde der Bandit wie von einem unsichtbaren Faustschlag halb herumgerissen. Mit ausgebreiteten Armen, das Gesicht nach unten, fiel er in den auseinandergefetzten Heuhaufen zurück und regte sich nicht mehr.

Jack Wessons langläufiger Fünfundvierziger flirrte mit der blitzschnellen Bewegung seines Oberkörpers und deutete im nächsten Moment auf die Hüttenecke, hinter der ein Schatten hervorfiel.

"Keine Sorge, Jack!", schallte die Stimme von vorhin. "Ich hab' den Halunken bereits!"

Ein bärtiger, verwildert wirkender Bursche stolperte hinter der Ecke hervor. Er reckte die Hände in Schulterhöhe. Ein Gewehrlauf presste sich zwischen seine Schulterblätter. "Nur keine Faxen mehr, du Hundesohn, sonst geht eure verdammte Falle nochmals nach hinten los!" Als der Mann mit dem Gewehr ins grelle Sonnenlicht trat, hatte sich Jack Wesson mit dem Colt in der Faust schon wieder dem Verwundeten beim Ziehbrunnen zugewandt. Sein kantiges Gesicht hatte nichts von der steinernen Härte verloren.

"Dave - bist du es?", fragte er zur Hüttenecke hinüber, während er sein Pferd langsam weiter auf die Hofmitte zulenkte.

"Wer sonst, Jack, du alter Büffelwolf! Großer Lord, das nenne ich ein Wiedersehen nach so langer Zeit! Mit Feuerwerk und Paukenschlag, was? Wie in alten Tagen, als wir noch Bügel an Bügel geritten sind und uns keine Hölle schrecken konnte! Jack, was willst du noch mit deinem Schießeisen? Hier ist alles erledigt. Da gibt es keinen mehr, der dir aus dem Hinterhalt ein paar blaue Bohnen verpassen will. Diese Sattelgeier haben sich ausgerechnet den verkehrtesten Platz in hundert Meilen Umkreis ausgesucht, um dir eine Fahrkarte ins Jenseits zu schenken." Ein trockenes, raues Auflachen folgte, das Jack Wesson für einen Moment vergessen ließ, dass mehr als sechs Jahre zurücklagen, seit er Dave Hancock zum letzten Mal gesehen hatte.

Er schien die Worte gar nicht gehört zu haben und nur den Kerl beim Ziehbrunnen zu sehen. Dem lief der Schweiß in Strömen übers verzerrte Gesicht. Wie gebannt starrte er auf die Waffe in Jacks unbewegter Faust. "Wesson, du Teufel, bleib mir vom Leib! Steck dein Eisen weg! Verflucht, siehst du nicht, dass es aus und vorbei mit mir ist?" Seine Stimme war ein heiseres Gekrächze.

Die Hufe von Jacks Pferd stampften weiter auf ihn zu. "Wo sind die anderen, Tatum?" Die schwarze drohende Mündung senkte sich kein bisschen.

Der Bandit streckte abwehrend die gespreizten Finger seiner Linken aus. Seine verbandumwickelte Rechte hob sich mühsam. "Halt, Wesson! Ich hab' doch längst aufgegeben. Du darfst nicht ."

Das Krachen von Jacks Colt verschluckte jeden Laut. Der Körper des Mannes beim Ziehbrunnen bäumte sich auf. Seine verbundene ausgestreckte Rechte deutete wie anklagend auf den hartgesichtigen Reiter mit dem Stern.

"Jack!", brüllte Dave Hancock an der Hüttenecke entsetzt.

Der Ranger feuerte wieder. Der Bandit rutschte seitlich an der Brunnenmauer herab und blieb verkrümmt im Staub liegen.

"Um Himmels willen, Jack, was hast du da getan?", keuchte Hancock. Sein Gewehrlauf mit dem er den dritten Verbrecher in Schach gehalten hatte, war herabgesunken. Fassungslos starrte er zum Brunnen. Der Bärtige, dessen zotteliges Haar von ferne wie eine Pelzmütze aussah, warf sich mit einem heiseren Knurrlaut herum und versuchte, ihm das Gewehr zu entreißen. Sein Anprall ließ Dave Hancock gegen die Balkenwand krachen. Geistesgegenwärtig stieß er dem Burschen den Kolben gegen die Magengrube. Der Bandit taumelte zurück, bückte sich und versuchte ein Messer aus dem Stiefelschaft zu reißen. Hancock traf ihn mit einem neuen Schlag seitlich am Kopf. Der Bärtige flog wie ein Lumpenbündel auf die Erde, rollte zweimal um die eigene Achse und blieb still liegen. Mit verkniffenen Mundwinkeln stürmte Hancock auf den Hof.

Jack war vom Pferd gestiegen und hatte sich über den Mann an der Brunnenmauer gebeugt. Beim Geräusch von Hancocks Schritten richtete er sich auf. Beide Männer blickten sich an. Hancock blieb stocksteif stehen und musterte Jack wie einen Fremden. Jetzt sah Jack, dass die vergangenen sechs Jahre nicht spurlos an dem Ranger vorübergegangen waren. Hancocks Gesicht war von dunklen Linien zerfurcht, die es früher dort nicht gegeben hatte. Das Haar an seinen Schläfen glänzte silbrig. Er hielt sein Gewehr hart umklammert, als könne er so vermeiden, Jack die Hand reichen zu müssen.

"Er besaß nicht die Spur einer Chance! Jack, wie konntest du dich je so verändern, dass du ."

"Er oder ich, es gab keine andere Wahl!", unterbrach ihn der Ranger grimmig. "Tatum war so wenig verwundet wie du oder ich!" Er wich einen Schritt zur Seite und deutete mit dem Kinn auf die schlaffe Gestalt an der Brunnenmauer. Der Verband war aufgeknotet, verrutscht und teilweise in losen Schlingen abgestreift. Die rechte unverletzte Faust des Banditen umkrampfte immer noch den kurzläufigen Revolver, der unter der Mullbinde verborgen auf den Texasranger gezielt hatte.

 

*

 

Dave Hancock schluckte. Sein faltiges Gesicht lief dunkel an. Dann brach ein blitzendes Lächeln auf seiner Miene durch. "Ich hirnverbrannter Idiot! Jack, du alter Eisenfresser, es steht dir frei, mir jetzt deine Faust unters Kinn zu setzen! Nun bin ich erst richtig froh, dass ich rechtzeitig die Spuren dieser Höllensöhne aufstöberte und dir helfen konnte. Diese Narren! Mussten die sich ausgerechnet mein Ranchland aussuchen!" Er klopfte Jack auf die Schulter. "Wann wirst du endlich die Nase davon voll haben, auf solches Gelichter Jagd zu machen, Amigo? Dabei wäre es so prächtig, wenn wir beide uns wieder mal zusammentun würden und . Na ja, reden wir später darüber! Jetzt ist wohl ein kräftiger Drink genau das, was du brauchst! Komm mit ins Haus, alter Junge! Hier draußen verbrennt einen ja die Sonne. Diese Burschen da laufen dir schon nicht mehr davon. Und ich schätze, du bist sowieso wieder mal am Ende einer Fährte."

"Nicht ganz, Dave!", murmelte Jack und lud umständlicher als nötig seinen Colt nach. Er brachte es nicht fertig, diesem ahnungslosen Mann in die Augen zu sehen. Sein Herz war wie von einer eisigen Faust umkrampft.

Der bärtige Bandit, den Hancock zuvor niedergeschlagen hatte, regte sich wieder. Der hagere Rancher lief zu ihm hinüber und zog ihn auf die Beine. "Trotz deiner harten Birne solltest du keine neuen Dummheiten mehr versuchen!" Hancock stupfte ihn drohend mit dem Gewehr an. "Los, vorwärts, ins Haus mit dir! Jack, wo bleibst du? Im Schatten und bei einem Schluck echten Bourbon kannst du ebenso gut all das aus ihm 'rauskitzeln, was du noch wissen möchtest! Ich passe schon auf, damit dieser Galgenvogel nicht davonflattert!" Er stieß den Bärtigen mit dem Gewehrlauf vor sich her zum Hütteneingang.

Jack kurbelte erst für sein durstiges Pferd einen Eimer Brunnenwasser herauf, ehe er folgte. In der dämmrigen, karg möblierten Hütte saß der bärtige Desperado mit mürrisch verkniffener Miene auf einer wurmstichigen Holzbank in der Ecke und musterte Jack mit gesenktem Kopf lauernd von unten her. Hancock hatte seinen Enfieldkarabiner auf die Tischplatte gelegt und füllte zwei Gläser aus einer bauchigen Flasche.

"Stoßen wir darauf an, dass du deinen Skalp noch möglichst lange behältst, du unverbesserlicher Banditenjäger!"

Jack schaute sich flüchtig im Raum um. "Donnerwetter, Dave! Ein Weidecamp, in dem man...

Dateiformat: EPUB
Kopierschutz: ohne DRM (Digital Rights Management)

Systemvoraussetzungen:

Computer (Windows; MacOS X; Linux): Verwenden Sie eine Lese-Software, die das Dateiformat EPUB verarbeiten kann: z.B. Adobe Digital Editions oder FBReader - beide kostenlos (siehe E-Book Hilfe).

Tablet/Smartphone (Android; iOS): Installieren Sie bereits vor dem Download die kostenlose App Adobe Digital Editions (siehe E-Book Hilfe).

E-Book-Reader: Bookeen, Kobo, Pocketbook, Sony, Tolino u.v.a.m. (nicht Kindle)

Das Dateiformat EPUB ist sehr gut für Romane und Sachbücher geeignet - also für "glatten" Text ohne komplexes Layout. Bei E-Readern oder Smartphones passt sich der Zeilen- und Seitenumbruch automatisch den kleinen Displays an. Ein Kopierschutz bzw. Digital Rights Management wird bei diesem E-Book nicht eingesetzt.

Weitere Informationen finden Sie in unserer E-Book Hilfe.


Download (sofort verfügbar)

2,99 €
inkl. 19% MwSt.
Download / Einzel-Lizenz
ePUB ohne DRM
siehe Systemvoraussetzungen
E-Book bestellen