Matthew Dunlop und die blonde Squaw

 
 
Uksak E-Books (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 31. August 2020
  • |
  • 130 Seiten
 
E-Book | ePUB ohne DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7389-4442-6 (ISBN)
 
Western von John F. Beck Der Umfang dieses Buchs entspricht 131 Taschenbuchseiten. Als Matthew Dunlop, Marshal von Dodge City, den Banditen Scobey ins Jail steckt, überfällt ihn das dumpfe Gefühl, dass etwas nicht stimmt. Er geht dem nach und stößt dabei auf Jake Marengo mit seiner Bande, der eine junge blonde Frau in Indianerkleidung bei sich hat. Matthew ist überrascht, als er erkennt, dass es Maureen ist, die seit vier Jahren bei den Indianern lebt und die Frau des Kiowa Chief ist. Ihr Vater, der befehlsgewohnte Rancher Glenfield, hatte Marengo beauftragt, seine Tochter Maureen aus dem Indianercamp zu holen - der Lohn: fünftausend Dollar! Matthew ist sich darüber im Klaren, dass er der blonden Frau helfen muss, um eine blutige Auseinandersetzung mit den Indianern zu verhindern, denn Roter Wolf will seine blonde Squaw zurück ...
  • Deutsch
  • 0,92 MB
978-3-7389-4442-6 (9783738944426)

1


Eine kräftige Hand schob die Halme des Büffelgrases auseinander. Die Augen in dem grobschlächtigen, bartumwucherten Gesicht begannen zu funkeln.

"Da ist sie, Jake", raunte Link Scobey. "Wir brauchen nur zu warten, bis sie am Fluss ist. Dann schneiden wir ihr den Rückzug ab und schnappen sie uns."

Das Gras auf der Hügelkuppe raschelte leise. Jake Marengos sehnige Gestalt schob sich neben den massig gebauten Kerl mit dem Bart. In seinem dunkelgebräunten, glatten Gesicht bewegte sich kein Muskel.

"Ich würd's nicht glauben, wenn ich es nicht selber sähe", murmelte er. Aber seine Augen blieben starr und kalt - Augen wie die einer Schlange. "Glenfields Tochter als Kiowa Squaw! Es scheint ihr bei diesen roten Stinktieren auch noch zu gefallen."

Scobey grinste siegesgewiss.

"Die Rothäute sind kein Problem. Bevor die paar ahnungslosen Kerle kapieren, was los ist, sind wir schon über alle Berge. Für die fünftausend Bucks, die Glenfield uns versprochen hat, würd' ich die Kleine auch aus einer Schlangengrube holen."

Reglos beobachteten sie die beiden jungen Frauen, die lachend und plaudernd von den bunt bemalten Büffelhautzelten des Indianerlagers zum Fluss hinabschlenderten. Jede trug einen bauchigen Tonkrug. Schlanke, anmutige Geschöpfe. In Kleidern aus weichgegerbtem, fransenverzierten Antilopenleder. Die Mokassins mit bunten Glasperlen bestickt. Ihr Haar war in dicke Zöpfe geflochten. Rabenschwarz das Indianerhaar der einen, goldblond das ihrer Gefährtin.

Zwischen den Tipis war es still. Die Sonne brannte im Zenit. Selbst die struppigen Köter hatten sich im Schatten verkrochen. Die Pferde ruhten in dem aus Lassos gespannten Corral unter knorrigen Cottonwoodbäumen. An Stangengerüsten waren Häute zum Trocknen aufgespannt. Alles ein Bild tiefsten Friedens - wenn die beiden Männer auf dem Hügel in der Flussbiegung nicht gewesen wären.

Jake Marengo, der auch hier draußen im Cimarron, an der Grenze zum Indianergebiet, in einem knapp geschneiderten, städtischen Anzug steckte, berührte Scobeys Schulter. Eine Kopfbewegung war das Zeichen. Lautlos krochen sie zurück. Auf dem vom Kiowa Camp abgewandten Hang richteten sie sich auf und liefen das letzte Stück zu den Sträuchern am Fluss. Mehrere Reiter warteten dort mit ihren gesattelten Pferden. Ein halbes Dutzend rau wirkender, derb gekleideter Burschen. Sie schleppten ein ganzes Arsenal von Gewehren, Revolvern, Messern und Patronengurten mit sich herum. Schweigend, mit gespannten Mienen blickten sie den Herankommenden entgegen. Während Marengo sich mit starrem Gesicht auf seinen Falben schwang, grinste Scobey breit.

"Es geht los!", verkündete er überflüssigerweise. Er war ein Bulle von Kerl, ganz in speckiges, abgetragenes Büffelleder gekleidet. "Die roten Bastarde da drüben fühlen sich so sicher wie Maulwürfe im Winterschlaf. Am liebsten würde ich mir auch noch die Skalps dieser Burschen holen, nachdem sie mich damals so aufs Kreuz legten, als Dunlop, dieser Hundesohn, hinter mir her war. Nun, die Bucks, die Big Boss Glenfield uns hinblättern wird, sind auch nicht zu verachten, Amigos."

Ein langbeiniger, schiefnasiger Typ mit einer Bussardfeder am Schlapphut grinste ebenfalls.

"Ist sie hübsch, die Puppe?", fragte er mit rostiger Stimme.

Marengos Kopf ruckte herum.

"Sie ist hübsch!", sagte er schneidend. "Aber wenn du deine dreckigen Pfoten nicht von ihr lässt, Walsh, dann kassierst du keinen lumpigen Penny, sondern ein Stück Blei aus meiner Kanone. Ist das klar?"

"Schon gut, Jake, schon gut! Kein Grund, gleich den wilden Mann zu spielen! Obwohl es bei so einer auch nicht mehr drauf ankäme."

Er verstummte unter Marengos eisigem Blick. Ein Blick, der bewies, wie fest der sehnige Reiter dieses wilde Rudel in der Hand hatte. Mit straff zurückgebogenen Schultern saß der Anführer im Sattel.

"Vergesst nicht, dass das Ganze ein Geschäft ist! Walsh und Scobey, ihr bleibt bei mir! Buster, du kümmerst dich mit Buckshot, ArkansasBill, Thorpe und Tennessee um die Krieger im Camp, falls überhaupt welche da sind. Gebt uns Feuerschutz! Wahrscheinlich haben wir's sowieso nur mit ein paar Leuten von Red Wolfs Clan zu tun. Fackelt nicht lange, wenn die Kerle versuchen, uns Ärger zu machen! Glenfield kommt zusätzlich für alle Spesen auf. Kein Anlass also, mit eurem Blei zu sparen."

"Worauf du dich verlassen kannst, Jake!", knurrte Buster, ein untersetzter, schnauzbärtiger Halunke.

"Dann los!", entschied Marengo und trieb sein Pferd an die Spitze der Meute.

Im Schritt ritten sie um den Hügel herum. Der Grasboden dämpfte das Pochen der beschlagenen Hufe. Jeder hielt ein Gewehr oder einen Revolver in der Faust.

Die Weite des Landes war mit flirrender Hitze erfüllt. Ein Land, das so endlos schien wie der Himmel, der sich darüberspannte. Hier, weit weg von der Eisenspur des Feuerrosses und den Rindertrails des weißen Mannes, schien die Zeit stehengeblieben zu sein.

Als die Zeltspitzen wieder im Blickfeld der Reiter auftauchten, gab Marengo ohne weiteres Zeichen oder Wort seinem Falben die Sporen. Von Scobey und Walsh gefolgt, preschte er auf das Silberband des Flusses zu. Buster und die anderen jagten ihre Gäule die sanft ansteigende Uferhöhe hinauf, über der die offenen Rauchklappen der Büffelhautzelte in den wolkenlosen Himmel ragten.

Die beiden Frauen hatten die Krüge gefüllt. Sie standen noch bis zu den Knien im Wasser, als das dumpfe Trommeln der Hufe sie herumriss. Entsetzen weitete ihre Augen. Die junge Indianerin stieß einen Schrei aus. Dann ließen sie die Krüge fallen und versuchten zu fliehen.

Die Indianerin wandte sich zuerst in Richtung Camp. Ihre weiße Begleiterin, die bereits die parallel zum Fluss auf der Anhöhe galoppierenden Kerle entdeckt hatte, schrie ihr eine Warnung zu. Im hoch aufspritzenden, seichten Uferwasser rannten sie vor den tief geduckt heranstürmenden Reitern davon.

Auf dem grasbewachsenen Kamm über dem Fluss krachten Schüsse. Hunde begannen zu kläffen. Aufgeregte Schreie kamen aus dem Zeltlager. Buster und seine Kumpane rasten grölend und wild feuernd auf der Böschung hin und her. Die flüchtende Indianerin stolperte, stürzte im Wasser, raffte sich wieder auf und winkte der Blonden, die zu ihr zurückwollte, verzweifelt, sich nicht um sie zu kümmern. Marengo, Scobey und Walsh waren nun ebenfalls im Fluss.

Scobey lachte und schoss in die Luft. Die Jagd bereitete ihm einen Höllenspass. Für ihn und Walsh war es eine Art Wettrennen, wer die Frauen zuerst einholte. Marengo war ihnen eine Pferdelänge voraus.

Gehetzt warf die weiße Frau einen Blick über die Schulter. Wieder schrie sie ihrer indianischen Gefährtin etwas zu. Dann floh sie vom Ufer weg tiefer in den Fluss. Als das Wasser ihr bis über die Hüften reichte, warf sie sich vorwärts, um schwimmend die andere Seite zu erreichen. Schnaubend und prustend stampfte Marengos Falbe im spitzen Winkel auf sie zu.

"Schnapp' sie, Jake, schnapp' sie!", brüllte Scobey begeistert. "He, Walsh, die Rothaut gehört mir!"

"Der Teufel holt dich, wenn du sie vor mir erwischt!", johlte der Lange. Er schlug mit seinem federgeschmückten Hut auf das Pferd ein. Lachend feuerte Scobey neben der verzweifelt schwimmenden Kiowa ein paar Kugeln ins Wasser, um sie noch mehr in Panik zu versetzen.

Die Kerle auf der Uferhöhe waren in Pulverqualm gehüllt. Kugeln zerfetzten die Zelthäute, streckten die im Corral hin und her rennenden Mustangs nieder. Frauen und Kinder schrien. Es waren Minuten eines Wirklichkeit gewordenen Alptraums.

Marengos Pferd versperrte der fliehenden Blonden plötzlich den Weg. Wie eine Stahlklammer schnappte die Faust des Reiters zu. Die junge Frau schrie, als er sie vor sich aufs Pferd riss. Mit aller Kraft versuchte sie sich zu befreien. Marengo bog den Kopf weg, als ihre Nägel nach seinem Gesicht krallten.

"Hören Sie auf mit dem Blödsinn, Ma'am! Ihr Vater schickt mich. Er will Sie zurückhaben."

"Loslassen, Sie Schuft!" Die Frau wehrte sich noch immer. "Ich will hier nicht weg! Sie sollen mich loslassen, Sie gemeiner Teufel!"

Sie war machtlos gegen seinen eisernen Griff. Er presste sie an sich, zerrte das stampfende Pferd herum und trieb es dem Ufer zu. Nass klebte das Lederkleid an dem biegsamen Körper seiner Gefangenen. Der triefende Kopf der Indianerin war plötzlich neben Marengos Falben. Stumm wie eine Pantherkatze griff die Kiowa Squaw den hochgewachsenen Reiter an.

Scobey und Walsh waren noch etliche Yards entfernt. Bevor sie heran waren, schlug Marengo mit dem blitzschnell gezogenen Colt zu. Die Indianerin stieß einen Schrei aus. Die Arme ausgebreitet, stürzte sie rückwärts in die Fluten. Die blonde Frau vor Marengo war starr vor Schreck, als sie den in der Strömung davontreibenden schlaffen Körper sah.

"Niosha!", stöhnte sie. "Oh mein Gott! Sie haben sie umgebracht ..."

Sie begann zu schluchzen. Marengos Gesicht war glatt und kantig. Ein Gesicht wie eine polierte Totenmaske mit Augen aus glänzendem schwarzem Stein. Als er das Ufer erreichte, knallten auf der Anhöhe noch immer vereinzelte Schüsse.

"Verschwinden wir!", schrie Marengo.

Scobeys Pferd stand noch bis zum Bauch im Wasser des Cimarron. Mit einem bedauernden Achselzucken wendete der bärtige...

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