Wasserspiele

Meranas zweiter Fall
 
 
Gmeiner-Verlag
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 11. Juli 2011
  • |
  • 374 Seiten
 
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978-3-8392-3761-8 (ISBN)
 
Salzburg zu Pfingsten. Einheimische und tausende Touristen freuen sich auf die Salzburger Pfingstfestspiele und die Attraktionen der berühmten Wasserspiele im Lustschloss Hellbrunn. Dort feiert auch der Magistratsbeamte und Societylöwe Wolfgang Rilling ein rauschendes Fest ganz im Stil der lebenslustigen Fürsterzbischöfe aus früheren Tagen. Am nächsten Morgen liegt Rilling tot im Römischen Theater der Hellbrunner Wasserspiele. Erschlagen. Kommissar Martin Merana tastet sich durch den Fall, im Umfeld barocker Lebensfreude und privater Krisen.
2011
  • Deutsch
  • 2,41 MB
978-3-8392-3761-8 (9783839237618)
3839237610 (3839237610)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Manfred Baumann, 1956 in Hallein geboren, lebt und arbeitet seit über 20 Jahren in Salzburg. Als langjähriger ORF-Journalist, derzeit im Bereich Programmgestaltung/Kreativredaktion, kennt er das Leben in dieser Stadt sehr genau. Zusätzlich ist er als Universitätsdozent, Autor, Kabarettist und Regisseur tätig. "Wasserspiele" ist nach dem Debüterfolg "Jedermanntod" sein zweiter Kriminalroman.
1 - Dunkelheit, vier Stunden nach Mitternacht [Seite 8]
2 - Pfingstsamstag [Seite 10]
3 - Pfingstsonntag [Seite 43]
4 - Pfingstmontag [Seite 93]
5 - Dienstag [Seite 124]
6 - Mittwoch [Seite 158]
7 - Donnerstag [Seite 199]
8 - Freitag [Seite 229]
9 - Samstag [Seite 260]
10 - Sonntag [Seite 310]

Pfingstsamstag


»My Goood!«

Die Stimme der rothaarigen Amerikanerin in dem grässlichen blümchenbesetzten Sommerkleid überschlug sich, als aus den Mäulern der beiden großen Hirschköpfe und den Enden der Geweihe an der Schlossmauer plötzlich Wasserstrahlen schossen. Dann versuchte die Frau mit hysterischem Gekreische den schmalen Wasserfontänen auszuweichen und rammte dabei dem zierlichen Japaner hinter ihr den Ellbogen in die Seite. Der wurde nur durch die dicke Fototasche, die er umgehängt hatte, vor gröberem Schaden bewahrt. »Ahhh, Salzburg is so funny!«

Die Amerikanerin boxte dem kleinen Japaner vor Begeisterung gegen den Oberarm und deutete mit der anderen Hand zur Schlossmauer. Der freundliche Japaner zuckte zusammen, versuchte ein Lächeln, das etwas verkrampft ausfiel, und klammerte sich nervös an den Arm seiner Begleiterin. Die übrigen Besucher nahmen die Tatsache, dass aus zwei Hirschköpfen plötzlich Wasser spritzte, mit mehr Gelassenheit hin als die aufgeregte Dame aus den Vereinigten Staaten. Sie applaudierten und lachten. Ein vielstimmiges helles Geschnatter aus englischen, japanischen, deutschen, italienischen und tschechischen Wortfetzen zog durch das Areal der Wasserspiele. Die Besucher waren begeistert und zeigten es auch, aber so aus dem Häuschen wie die Rothaarige gebärdete sich hier keiner. Schließlich war es keine Viertelstunde her, dass die Besuchergruppe bereits im Römischen Theater am Eingang des Geländes erlebt hatte, wie Wasser aus allen nur erdenk­lichen Nischen gespritzt war, sogar aus einem Tisch und zehn steinernen Hockern. Nach diesem beeindruckenden Spektakel gleich zu Beginn der Führung erwarteten die Besucher nun an jedem Weiher, in jeder Grotte, an jeder Steinfigur die wunderlichsten Dinge.

Die Stimme der rothaarigen Amerikanerin krähte immer noch im scheußlichen Falsett. »Andrew, darling, look! The deer heads! How funny!«

Der mit >Andrew darling< angesprochene, etwas zu dick geratene zwölfjährige Junge neben ihr schaute kurz zu den wasserspritzenden Hirschgeweihen hoch, grunzte etwas Unverständliches und beschäftigte sich dann wieder intensiv mit seinem Smartphone, wo es galt, im Abknallen von Weltraummonstern einen neuen Highscore aufzustellen. Alles andere interessierte ihn herzlich wenig. Mitten in der bunt zusammengewürfelten Schar fröhlicher Besucher aus aller Welt, die an diesem Pfingstsamstag die berühmten Hellbrunner Wasserspiele in der Nähe der Stadt Salzburg besuchten, stand vor der Neptungrotte, in unmittelbarer Nähe zur aufgebrachten Amerikanerin ein Mann, der sich weit weg wünschte: Kommissar Martin Merana. Es war nicht so, dass der Leiter der Fachabteilung Mord/Gewaltverbrechen der Bundespolizeidirektion Salzburg sich sonst leicht aus der Ruhe bringen ließ. Unter anderen Umständen hätte die Dame im geschmacklosen Blümchenkleid mit ihrem hysterischen Getue Merana nur ein kurzes Achselzucken gekostet. Er hätte sich umgedreht und wäre einfach zur Grotte der Venus mit ihrem wasserspeienden Delfin vorausgegangen. Er hätte dort die Besonderheit dieses magischen Ortes fernab des Rummels für sich allein genossen, wie er es schon öfter getan hatte. Aber die exaltierte Dame aus den USA war Lynn Randolph. Der wie besessen auf seinem Smartphone herumdrückende Junge war Andrew, ihr Sohn. Und der Typ im aschgrauen Sportsakko, der mit säuerlich blassem Gesicht neben den beiden stand, war Deron Randolph, das Familienoberhaupt. Alle drei waren seit gestern Abend in Salzburg, als Gäste von Birgit Moser. Birgit war Meranas Freundin, die Frau, mit der er seit einigen Jahren so etwas Ähnliches wie ein Verhältnis hatte. Deshalb war Merana hier, um zusammen mit Birgit den >nice friends< aus Connecticut die Schönheiten von Salzburg zu zeigen, die besonderen Schauplätze, die touristischen Attraktionen. Also konnte Merana zwar mit den Achseln zucken und sich immer wieder mit gequältem Gesichtsausdruck abwenden, aber Birgit mit den drei Amis einfach stehen lassen, was im Augenblick sein sehnlichster Wunsch war, konnte er dann doch nicht. Dass ihm das verwehrt war, bereitete ihm körperliche Schmerzen. Er spürte, wie sich knapp oberhalb seiner Milz etwas zu verkrampfen begann. Leichte Übelkeit stieg in ihm auf. Das konnte nicht am Weißwein liegen, den sie vor einer halben Stunde im Innenhof des Schlosses zu sich genommen hatten. Der Morillon aus der Südsteiermark mit dem wunderbaren Duft nach reifen Birnen war in Ordnung gewesen. Die immer stärker spürbare Verstimmung musste eine andere Ursache haben. Merana war auch klar, welche. Die Ursache trug ein dottergelbes Kleid mit grünem Margeritenmuster und ließ sich in diesem Augenblick von der jungen Frau, die die Gruppe durch die Wasserspiele führte, zum wiederholten Mal zum Weitergehen überreden. Was ihr schwer fiel, denn Lynn Randolph wollte nicht von den spritzenden Hirschköpfen weichen. Merana liebte Hellbrunn, diese wunderbare Anlage etwas außerhalb der Stadt Salzburg, mit ihren Gärten und Weihern, mit Lustschloss und den berühmten Wasserspielen. Der Salzburger Fürsterzbischof Markus Sittikus hatte diesen riesigen Zauberkasten vor 400 Jahren erbauen lassen. Meranas Arbeitsplatz in der Bundespolizeidirektion Salzburg war kaum zwei Kilometer Luftlinie entfernt. Wann immer er zwischen Arbeitsmeetings und Bürostress Zeit fand, kam er hierher, um wenigstens für eine halbe Stunde zu verweilen und Energie aufzutanken. Er machte es genauso wie in früheren Epochen die Salzburger Fürsterzbischöfe. Die hatte es auch regelmäßig zu diesem Ort der Zerstreuung gezogen, um sich vom mühseligen Alltag des Regierens abzulenken. Hellbrunn war wie eine italienische Villa Suburbana, ein Landhaus in Stadtnähe. Diese suchte man für eine kurze Zeit der Ablenkung auf, oft nur für einen Tag, um der Stadt und ihrer Geschäftigkeit zu entfliehen. Ein kleines Fest, ein fröhliches Mahl, Spaziergänge im Grünen, das war Labsal für die Seelen der Renaissance-Herrschaften in gehobenen Kreisen. Solche Ablenkungen hatten, wie man heute sagen würde, therapeutische Wirkung. Das spürte auch Merana, wenn er bei seinen kurzen Abstechern an den von steinernen Tritonen und Einhörnern bewachten Weihern entlang schlenderte und den großen Goldfischen und dunklen majestätischen Stören zuschaute, die in den Teichen des Wasserparterres still und ruhig ihre Kreise zogen. Allein wenn er das Schloss betrachtete, die ockerfarbene Fassade mit den elf Fensterachsen und der vorgebauten Freitreppe, erinnerte ihn das an die Märchenbücher seiner Kindheit. Dabei wurde es ihm warm ums Herz. Man hatte in Hellbrunn immer das Gefühl, sich in einer anderen Welt zu befinden. Man erwartete ständig, dass hinter den alten Bäumen im Park ein Faun hervorsprang und Flöte spielte; man wäre nicht überrascht gewesen, wenn plötzlich die zarte Hand einer Elfe aus einer Grotte lockte oder eine Göttin im weißen Schleier über den Teichen schwebte. Hellbrunn war seit jeher beides: ein Ort der Ruhe aber auch der Heiterkeit, sowohl der inneren Einkehr als auch der fröhlichen Ausgelassenheit. Aber die übermütige Stimmung entstand aus tief empfundener Freude und hatte nichts mit dem affektierten Gekreische einer aufgetakelten Hysterikerin zu tun. Birgits amerikanische Gäste hatten es tatsächlich geschafft, Meranas gewohnte Herzenslust an Hellbrunn innerhalb von wenigen Minuten zu trüben. In Wahrheit nervten ihn die drei schon, seit er sie zusammen mit Birgit vor knapp vier Stunden vom Hotel abgeholt hatte, für einen kleinen >Sightseeing-walk< in der Altstadt. Dieses Geplärre, als sie vor Mozarts Geburtshaus standen, dieses übertriebene Gefuchtel mit den Händen beim Anblick des Doms und der Festung waren kaum auszuhalten.

Dabei hatte der Tag wunderbar angefangen. Er hatte sich mit Birgit in der Innenstadt getroffen. Sie hatten gemeinsam im >Demel< zwischen Residenzplatz und Mozartplatz im Freien gefrühstückt. Er hatte seinen Stuhl so ausgerichtet, dass er das Treiben auf den Plätzen mitbekam, den Aufmarsch der Gäste und Einheimischen, die die steinernen Kulissen mit Leben füllten. Den ganzen Vormittag über war die flirrende Aufregung des beginnenden Pfingstwochenendes zu spüren gewesen. Die Fiaker hatten ihre adretten Kutschen noch einmal besonders auf Hochglanz gebracht. Morgen Vormittag würden zweitausend Firmlinge samt Eltern und Paten aus dem Dom strömen. Wer nicht gleich zum Mittagessen musste oder zur Dult am Stadtrand, der würde in eine der Kutschen steigen. Eine Fiakerfahrt durch die festlich herausgeputzte Altstadt gehörte einfach zu einer Salzburger Firmung am Pfingstsonntag. Und am Nachmittag würde dann die ganze Stadt klingen, wie sie wohl noch selten geklungen hatte. 7.000 Chorsänger aus allen Teilen der Welt würden sich auf die verschiedenen Plätze verteilen und die gesamte Stadt mit Musik erfüllen.

Inzwischen war es der Führerin, mit nicht unerheblicher Hilfe von Birgit, tatsächlich gelungen, die patschnasse Amerikanerin zum Eintritt in die Neptungrotte zu bewegen. Doch vielleicht wäre es besser gewesen, sie hätten Lynn Randolph draußen im Sprühregen der Hirschgeweihe stehen lassen. Denn eine der verspielten Attraktionen dieser künstlichen Höhle war das sogenannte >Germaul<, eine Kupfermaske mit groteskem Gesicht und übergroßen Ohren. Angetrieben von versteckter Wassermechanik verdrehte die Maske in einem fort die Augen und streckte dazu dem Betrachter die Zunge heraus. Zunächst kreischte Lynn Randolph nur, als sie das sah. Doch dann erblödete sie sich tatsächlich, es dem >Germaul< gleichzutun. Und als Merana sah, wie Lynns fette, breite, mit weißen Pusteln überzogene Zunge aus dem lilageschminkten Mund hervorschnellte wie ein leprakranker Grottenolm, und die Amerikanerin durch rollende Augen und zusätzliches Armkreisen ihre...

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