In eisigem Wasser

Island-Krimi
 
Quentin Bates (Autor)
 
Lübbe (Verlag)
1. Auflage | erschienen am 16. September 2011 | 360 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-8387-0524-8 (ISBN)
 
Ein Toter wird im Hafen von Hvalvík, einem Provinznest nördlich von Reykjavík, entdeckt. Kommissarin Gunnhildur, bislang nur mit Verkehrsdelikten betraut, nimmt sich des Falles an. Außer ihr scheint niemand daran interessiert, den Mord an dem jungen Mann aufzuklären. Gunnhildur lässt sich jedoch nicht beirren, und schon bald ermittelt sie gegen dubiose Geschäftsmänner und korrupte Politiker. Angefeindet und nicht willkommen in der Welt des großen Geldes versucht Gunnhildur herauszufinden, wer sicher gehen wollte, dass ein junge Mann hundert Kilometer von seiner Heimat in stockdunkler Nacht ertrinkt - und warum ...
Luebbe Digital Ebook
1. Aufl. 2011
Gabi Reichart-Schmitz
Deutsch
1,18 MB
978-3-8387-0524-8 (9783838705248)
3838705246 (3838705246)
weitere Ausgaben werden ermittelt
"32. KAPITEL (S. 265-266)

Dienstag, 30. September

Birna Ólofsdóttir lehnte sich so weit zurück, wie es ging, und schloss die Augen. Doch aus Rücksicht auf die Menschen in der Reihe hinter ihr beließ sie den Sitz in der aufrechten Sitzposition. Der Rest der Gruppe saß im Flugzeug verteilt. Das war der Preis für die kurzfristige Umbuchung ihrer Flüge. Sie war erleichtert, zwischen Fremden zu sitzen, fern von ihren Kollegen und deren Bedürfnis, über die Arbeit zu reden. Sie war nicht traurig, dass die Reise nach Berlin abgekürzt worden war, obwohl sie sich Mühe gab, es nach außen nicht zu zeigen. Ein Staatsbediensteter ist genau das, dachte sie, ein Bediensteter, der während der Arbeitszeit eine bestimmte Rolle spielt.

Ihre persönlichen Ansichten spielten keine Rolle, und außerdem war sie insgeheim stolz darauf, eine deutliche Trennung zwischen Beruf und Privatleben zu wahren. Der Minister und seine Begleiter hätten eigentlich erst am Freitag nach Reykjavík zurückkehren sollen. Nach der obligatorischen Cocktailparty am Donnerstagabend und dem formellen Dinner danach wäre der Rückflug für Freitagmorgen geplant gewesen. Die Cocktailparty und das Dinner wären Birna erspart geblieben.

Der Minister hätte ohne sie den Alkohol trinken und die Zigarren rauchen können, die ihm seine Frau zu Hause nicht erlaubte. Sie hatte sich für Donnerstagabend in Berlin nichts vorgenommen. Sie wollte sich ihr Essen aufs Zimmer bringen lassen, ein langes Bad nehmen und dann noch ein oder zwei Stunden vor dem Fernseher verbringen. Alles in allem waren der Spaziergang auf dem Kurfürstendamm gestern Morgen und ein Kaffeetrinken mit einigen alten Freunden, die sie ganz zufällig getroffen hatte, während der Minister noch mit den Folgen des Brandys vom Vorabend kämpfte, so vergnüglich gewesen, dass die Reise für sie unter dem Strich recht angenehm verlaufen war.

Ein Streifenwagen stand bereits in der Einfahrt von Sigurjónas und Bjarni Jóns unauffälliger Villa in Seltjarnarnes, als Gunna dort eintraf. Sie blickte finster und fragte sich, was vor sich ging, als sie auf dem knirschenden Kiesweg durch den ersten Frost des Herbsts zur Tür ging, um zu klingeln. Eine junge Polizistin mit asiatischen Gesichtszügen öffnete ihr. Gunna erkannte sie und suchte in ihrem Gedächtnis nach dem Namen der jungen Frau. »Edda, nicht wahr?«, sagte sie aufs Geratewohl.

»Ja, ich bin Edda Sif. Und du bist aus Hvalvík, stimmts? Gunnhildur? Was führt dich hierher?« Gunna trat einen Schritt zurück und gab Edda Sif ein Zeichen, zu ihr herauszukommen. »Was ist hier los? Hier wohnt doch Sigurjóna Huldudóttir, oder?«, fragte sie, als sie außer Hörweite der Villa waren. »Das ist richtig. Sie ist mit meinem Partner im Haus. Es wurde jemand als vermisst gemeldet, und wir sind hergeschickt worden, um unverzüglich eine Aussage aufzunehmen.

Es ist eben hilfreich, wenn der Ehemann in der Regierung ist«, fügte sie hinzu. »Wer wird denn vermisst?« »Ihre Schwester, Erna Dan. Die Friseurin, du weißt schon.« »Okay, erzähl mir das Wesentliche.« »Der Anruf kam vor einer Stunde. Offensichtlich ist ihre Schwester seit Freitagabend nicht mehr gesehen worden.« »Aber es ist doch erst Dienstag. Wir sprechen hier ja nicht von einem Kind.« »Ja, ich weiß, und es ist auch nicht so, als wäre ihre Schwester nicht schon mal hin und wieder ein paar Tage lang verschwunden. Ich habe in unserem System nachgesehen, sie ist dort registriert.«"

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