Die Spur der Katze: Anna Pigeon ermittelt - Band 1: Kriminalroman

Kriminalroman
 
 
Anna Pigeon ermittelt (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 1. August 2018
  • |
  • 300 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
E-Book | ePUB ohne DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-95824-473-3 (ISBN)
 
Die Natur ist erbarmungslos, aber das schlimmste Raubtier bleibt der Mensch! Der Krimi "Die Spur der Katze" von Nevada Barr als eBook bei dotbooks. Guadalupe Mountains, Texas. In den abgeschiedenen Gebirgszügen des Nationalparks kann die Parkhüterin Anna Pigeon endlich Abstand von ihrer schmerzlichen Vergangenheit gewinnen - bis sie auf einer ihrer Patrouillen ein Albtraum erwartet: die Leiche ihrer Kollegin, offensichtlich von Tieren zerfetzt. Aber hat hier tatsächlich die Wildnis ihr erbarmungsloses Gesicht gezeigt? Als der Todesfall ohne weitere Ermittlungen auf den Angriff eines Pumas zurückgeführt wird, kommen Anna Zweifel. Es gibt zu viele Ungereimtheiten - und zu viele Rancher, die darauf brennen, Jagd auf die "Bestien" zu machen. Anna beginnt zu ermitteln - und stößt auf eine Verschwörung, die grausamer ist, als jedes Tier es sein könnte ... Brisant und hochaktuell - der Auftakt der packenden Krimireihe um die Parkrangerin Anna Pigeon mit ihrem untrüglichen Gespür für die Abgründe menschlichen Handelns: "Barr kennt und liebt ihre Landschaft und schreibt darüber mit dem Einfühlungsvermögen einer wahren Naturfreundin." The Washington Post Jetzt als eBook kaufen und genießen: "Die Spur der Katze", Band 1 der international erfolgreichen Krimiserie von Nevada Barr, die Leser in die großartigen Nationalparks Amerikas entführt. Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks - der eBook-Verlag.
  • Deutsch
dotbooks Verlag
  • 0,82 MB
978-3-95824-473-3 (9783958244733)
Nevada Barr wurde 1952 in Yerington, Nevada geboren. Sie arbeitete als Schauspielerin, bevor ihre Liebe zur Natur sie als Rangerin in verschiedene Nationalparks führte. Dies inspirierte sie zu ihrer Serie über Anna Pigeon, die mehrfach preisgekrönt wurde - unter anderem erhielt der erste Band, "Die Spur der Katze", den renommierten Agatha-Award als bestes Debüt - und international erfolgreich ist. Nevada Barr lebt heute in Mississippi. In der Anna-Pigeon-Reihe erscheinen bei dotbooks: "Die Spur der Katze" "Einer zuviel an Bord" "Zeugen aus Stein" "Feuersturm" "Paradies in Gefahr" "Blutköder" "Wolfsspuren"

3


Sie verzog das Gesicht, weil das Wasser in den feinen Schnittwunden an Händen und Armen brannte, als sie sich in die Wanne gleiten ließ. Es war keine großartige Wanne. Mit den klauenfüßigen Badewannen waren diese verschwunden. Die Vorliebe für Duschen, die dafür gesorgt hatte, daß jetzt immer gleiche Plastikwannen in nichtssagenden Kabinen eingesetzt wurden, war Anna völlig unbegreiflich.

In New York hatte sie oft stundenlang in der Badewanne gelegen, in ihrer Küche im fünften Stock eines Hauses ohne Aufzug im Stadtteil Hell's Kitchen. Sie hatte aus den Wasserflecken an der Decke Bilder zusammenphantasiert und darauf gewartet, daß Zach nach Hause kam und ihr Warten belohnte.

Er kam immer nach Hause. Manchmal schlief er dann mit ihr und manchmal nicht.

Rogelio schlief immer mit ihr. Ob sie wollte oder nicht. Anna fragte sich, wie spät es wohl war, fragte sich, ob er kommen würde, fragte sich, ob sie das überhaupt interessierte, und trank noch einen Schluck Wein. Roter Mondavi, ihr Vin ordinaire. Er war billig, wurde in großen Flaschen verkauft, ließ sich gut im Rucksack transportieren und schmeckte außerdem gar nicht übel. Sie trank noch einen Schluck und genoß es, wie die Hitze von innen und von außen ihre Gedanken entknotete.

Piedmont saß direkt vor der Badezimmertür. Seine Augen funkelten rot im Kerzenschein. Sein dichter gelbgestreifter Schwanz lag säuberlich zusammengerollt auf den Vorderpfoten. Piedmont mochte das Geräusch von laufendem Wasser. Das kam vermutlich daher, daß er von einer wilden Mutter in der Nähe des Black River geboren war, irgendwo bei Rattlesnake Springs. Aber er hätte sich niemals in die Nähe der Wanne gewagt. Vielleicht, weil er fast in einer Überschwemmung ertrunken wäre. Nach dem schlimmen Wolkenbruch im vergangenen Juli hatte Anna ihn in einem Wirrwarr toter Zweige auf einer Baumgabel gefunden.

Der Kater schloß die Augen und versank in seine Flußmeditation.

Annas Blick folgte dem Kerzenschimmer auf der Wasseroberfläche und wanderte dann über ihren Körper. Mit ihren neununddreißig Jahren hatte sie noch immer eine knabenhafte Figur, aber ihre Haut war nicht mehr so straff wie früher. Ellbogen, Knie, Hals - alles, was gebeugt wurde, hatte Falten. Ihre Muskeln, die jetzt deutlicher ausgeprägt waren als mit zwanzig, sahen schon etwas sehnig aus. Trotzdem, sie hatte eine gute Figur. Auch wenn die einschlägigen Zeitschriften ständig neue Ideale predigten, war sie mit ihrem Körper zufrieden gewesen. Stark und robust, pflegeleicht.

Im Wasser löste sich ihr Zopf, und die kupferroten und silbergrauen Strähnen umwogten ihre Schultern wie Seegras.

Die ertrunkene Ophelia, dachte Anna, oder im Jargon der New Yorker Theateragenten, dessen sich Mollys Freitag-10-Uhr-Klient bediente: »Ein alternder Ophelia-Typ.«

Eine Tote.

Die Überreste von Sheila Drury hatte man in Mülltüten gewickelt. Der Nationalpark - gepriesen sei sein rührender Optimismus - verfügte nicht über Leichensäcke. Das schimmernde grüne Bündel, das früher einmal Dog-Canyon-Ranger Drury gewesen war, wurde auf eine Drahtbahre mit Rädern gepackt und durch den steinigen Canyon gerollt, getragen und geschoben.

Paul war betont sachlich gewesen. Anna hatte das auch versucht, aber während des langen Marsches gingen ihr mindestens hundert geschmacklose Witze durch den Kopf. Die Saisonarbeiter - zwei Naturschützer und ein Ranger -, die als Hilfspersonal mitgekommen waren, hatten sich im ganzen sehr ruhig und vernünftig verhalten. Die Naturschützer waren Männer - Craig Eastern und Manny Mankins -, der Ranger war eine Frau namens Cheryl Light.

Ein großer Prozentsatz der Angestellten im Nationalpark arbeitete nur in der Sommersaison. Im Winter reduzierte sich das Personal der Guadalupe Mountains auf ein Minimum. Die meisten Saisonarbeiter hatten eine hochqualifizierte Ausbildung, viele sogar einen akademischen Titel. Manche mußten eine Familie ernähren. Und trotzdem ließen sie ihre Jobs, ihre Familien und Ehepartner im Stich und tauschten sie gegen das Privileg, in einem Schlafsaal hausen zu dürfen und sechs Dollar vierundfünfzig pro Stunde zu verdienen, ohne Altersversicherung, ohne Krankenkasse, und die Miete wurde automatisch vom Gehalt abgezogen.

Viele hofften, eines Tages eine feste Anstellung zu bekommen, aber es gab nur wenige offene Stellen, und die waren im bürokratischen Dschungel schwer zu ergattern. Anna wußte, daß Manny schon seit vier Jahren, seit der Geburt seines Sohnes, versuchte, fest angestellt zu werden.

Craig Easterns Situation war etwas anders. Er war Herpetologe und hatte einen zweijährigen Sonderauftrag der University of Texas in El Paso. Anna war überrascht gewesen, daß Paul ihn mitbrachte. Eastern war ein nervöser, unsicherer Mann Anfang dreißig, der besser mit Klapperschlangen, Eidechsen und Kröten umgehen konnte als mit Menschen. Die Menschheit beäugte er voller Mißtrauen - sie zerstörte die Umwelt. Die Guadalupe Mountains waren die letzte Bastion unberührter Natur.

Anna mußte zugeben, daß er mit der schwierigen Situation gut zurechtgekommen war. Geradezu bewundernswert. Als Craig die Leiche auf die Bahre gehoben hatte, war Anna aufgefallen, wie muskulös er war. Weil er so nervös war, kam er einem immer viel kleiner vor, als er war. Craig Eastern machte Krafttraining - schon seit Jahren, nach seinem Aussehen zu urteilen.

Manny Mankins dagegen war drahtig und schmal - wirkte aber viel größer, als er war. »Ein Giftzwerg«, hätte Annas Schwiegermutter gesagt.

Siebzehn Tage lang hatte Anna neben diesem mageren blonden Mann gegen die Flammen gekämpft. Beim großen Foolhen-Brand in Idaho hatte er alle in Grund und Boden gearbeitet. Sie hatten zweiundzwanzig Stunden am Stück auf das Feuer eingeschlagen. Manny machte immer noch Witze und schwang seine Pulaski, als die übrige Crew nur noch matt auf den Waldboden klopfen konnte.

Das Badewasser wurde lauwarm. Anna drehte mit dem großen Zeh den Heißwasserhahn auf und goß sich aus der Flasche, die auf dem Klositz stand, noch ein Glas Wein ein. Dann lehnte sie sich wieder gemütlich zurück und ließ das Bild von Ranger Light vor ihren halbgeschlossenen Augen erscheinen.

Cheryl Light war neu im Park; erst vor zwei Wochen hatte sie angefangen zu arbeiten. Kompakt - etwa einsfünfundsechzig groß und sicher hundertvierzig Pfund schwer. Schulterlange Dauerwelle. Anna vermutete, daß Cheryl zwischen fünfunddreißig und fünfundvierzig war. Bei diesen Naturtypen konnte man das Alter schwer schätzen. Die Haut wurde von der Sonne und der Luft früh faltig, aber ihre Vitalität war ohne Alter.

Meistens lachte Cheryl viel. Ihr Lachen war ansteckend, und man begann zu kichern, auch wenn man noch gar nicht wußte, was es zu lachen gab. Heute allerdings hatte niemand gelacht.

Cheryl hatte Sheila Drurys Rucksack getragen und an schwierigen Stellen ein Ende der Trage übernommen. Sie war kräftig, aber nicht deswegen war sie Anna im Gedächtnis geblieben. Am meisten beeindruckt hatte sie, wie Cheryl ganz unaufdringlich alle in ihrer Umgebung beruhigte, tröstete und aufmunterte. Sie schien sich dabei nicht anzustrengen, vielleicht war es ihr nicht einmal bewußt. Ein Lächeln genau im richtigen Augenblick, eine Berührung, ein Schluck aus ihrer Wasserflasche.

Anna war neidisch. Nettigkeit - echte, ungekünstelte Nettigkeit - brachte sie nicht fertig.

Falls Cheryls Nettigkeit wirklich echt war, wandte Annas zynischer Teil ein. Ungekünstelte, altruistische Nettigkeit? Das gab's doch gar nicht. Aber trotzdem - Cheryl war nett.

»Ich denke zuviel, deshalb kann ich nicht nett sein«, entschuldigte sie sich bei ihrer desinteressierten Katze. Hatte Cheryl schon eine Möglichkeit gefunden, über die ganze Sache zu lachen? Sie und Craig und Manny waren vor Ort zwar sehr sachlich gewesen, aber heute abend würde man nach ein paar Bier anfangen Witze zu reißen, und Craig bekam vielleicht ein paar Alpträume. Anna würde wenig davon mitkriegen und Paul überhaupt nichts. Alle taten so, als gäbe es zwischen den Festangestellten und den Saisonarbeitern keine Mauer. Dabei wußte jeder, daß diese Mauer existierte. Ein bürokratisches Jericho, und nirgendwo ein Josua mit Trompete in Sicht. Alle waren ja nur vorübergehend hier. Die Saisonangestellten kamen und gingen wie streunende Katzen. Selbst die Festen blieben selten länger als ein paar Jahre auf einer Stelle, jedenfalls nicht, wenn sie beruflich weiterkommen wollten. Leute, die sich eine »Heimstätte« einrichteten - das heißt, die zu lange im selben Park blieben -, neigten mit der Zeit dazu, ihn als ihr Privateigentum zu betrachten; sie entwickelten eigene Vorstellungen, wie das Gelände verwaltet werden sollte. Das mochte der National Park Service nicht. Solche Leute waren nämlich weniger gefügig und weigerten sich, die Anweisungen einer weit abgelegenen Behörde zu befolgen.

Karl Johnson, der Mann, der in den Guadalupe Mountains für die Reittiere zuständig war, war seit fünfzehn Jahren beim Park Service und nie über GS-5 hinausgekommen, das Anfangsgehalt eines Saisonarbeiters. Seine Liebe zu den Guadalupe Mountains hatte ihn viel gekostet, aber manchmal fragte sich Anna, ob es sich nicht doch lohnte. In persönlicher Hinsicht bedeutete das Herumziehen ein entwurzeltes Leben, beruflich gesehen hieß es, daß sich der Verwaltungskram verdoppelte und man seine Projekte nicht abschließen konnte.

Und der Tod von Sheila Drury - war der abgeschlossen? Anna war verblüfft gewesen, wie wenig Zeit die offiziellen Ermittlungen beansprucht hatten. Benjamin Jakey, ein Sheriff aus El Paso, und einer seiner Deputys - ein Typ, der aussah wie ein Musterschüler und der von dem anstrengenden Fußmarsch die ganze...

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