Das Wasser gehört uns allen!

Wie wir den Schutz des Wassers in die öffentliche Hand nehmen können
 
 
Antje Kunstmann Verlag
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 26. August 2020
  • |
  • 160 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Adobe-DRM | Systemvoraussetzungen
E-Book | ePUB ohne DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-95614-419-6 (ISBN)
 
In diesem Buch, erklärt die international renommierte Wasseraktivistin Maude Barlow die Grundprinzipien des »Blue Communities Project« und zeigt Schritt für Schritt, was wir alle tun können, um unser Wasser zu schützen.
Das »Blue Communities Project« folgt drei grundlegenden Prinzipien: Der Zugang zu sauberem Trinkwasser ist ein Menschenrecht. Wasser gehört in die öffentliche Hand. Einwegwasserflaschen sollten an öffentlichen Orten nicht erhältlich sein. Mit diesem einfachen, zielführenden Ansatz konnte die Bewegung in den letzten zehn Jahren weltweit wachsen. Heute sind Berlin, München, Paris, Montreal und Bern nur ein paar der Städte, die sich zu »Blue Communities« gemacht haben. In Das Wasser gehört uns allen! rekapituliert die international renommierteWasseraktivistin Maude Barlow ihren jahrzehntelangen Kampf für den Schutz unseres Wassers in einer sich erwärmenden Welt und zeigt uns Schritt für Schritt, wie auch wir dazu beitragen können, unser Wasser zu schützen.
  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
  • 0,61 MB
978-3-95614-419-6 (9783956144196)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Die Kanadierin Maude Barlow ist die weltweit führende Aktivistin zum Thema Wasser; als erste wirkte sie darauf hin, Wasser als Menschenrecht in der UN-Charta zu verankern. Sie leitet den Council of Canadians sowie Food and Water Watch in Washington, ist Mitglied im World Future Council, wirkte als Beraterin der UN und wurde mit internationalen Preisen wie dem Right Livelihood Award und dem EarthCare Award ausgezeichnet. In Deutschland wurde sie durch ihr mit Tony Clarke geschriebenes Buch Blaues Gold bekannt. Maude Barlow lebt in Ottawa, Ontario.

KAPITEL EINS


DER KAMPF GEGEN DIE WASSERKONZERNE


Seit 1985 bin ich von Wasser besessen. Brian Mulroney war gerade zum kanadischen Premierminister gewählt worden. Seine politischen Verbündeten, der amerikanische Präsident Ronald Reagan und die britische Premierministerin Margaret Thatcher, waren die lautesten Globalisierungstrommler und Verfechter einer konzernfreundlichen Politik der Privatisierung, der Deregulierung und des Freihandels. Kurz nach seinem Amtsantritt hielt Premierminister Mulroney im Economic Club in New York City eine Rede vor der versammelten Wirtschaftselite. Dort verkündete er, dass Kanada »open for business« sei, lobte Präsident Reagan und versprach neue militärische Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern und ein Ende der Beschränkungen für amerikanische Investitionen in Kanada.

Es kam also nicht überraschend, dass Reagan und Mulroney schon bald Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen zwischen Kanada und den USA ankündigten, das erste der modernen Freihandelsabkommen und Muster für das spätere Nordamerikanische Freihandelsabkommen (NAFTA), die Welthandelsorganisation (WTO) und Tausende andere bilaterale Handels- und Investitionsabkommen zwischen Ländern. Anders als bei früheren Freihandelsabkommen ging es jetzt aber weniger um die Senkung von Warenzöllen - von denen die meisten ohnehin schon abgeschafft waren -, sondern mehr um den Aufbau eines integrierten nordamerikanischen Marktes, in dem die Grenzen fast völlig beseitigt wären und die Regierungen sich aus geschäftlichen Belangen heraushalten würden.

Ronald Reagan konzentrierte sich voll auf seine Agenda: erhöhte Militärausgaben, Deregulierung des Umweltschutzes, Steuererleichterungen für Reiche und Konzerne sowie Förderung des jüdisch-christlichen Weltbildes der Bevölkerungsmehrheit. Aus Angst, ein Freihandelsabkommen könne Reagan die Macht bescheren, das Sozialversicherungssystem sowie die Außen- und Rohstoffpolitik Kanadas infrage zu stellen, begannen viele Menschen, die sich für soziale Gerechtigkeit einsetzten, sich zu wehren. Wir gründeten das Council for Canadians, um unabhängige Sozial-, Rohstoff-, Kultur- und Außenpolitik für unsere Land zu unterstützen und der rechten Agenda der Regierung Reagan Widerstand zu leisten. Ein besonders sensibles Terrain war die Frage, ob das geplante Handelsabkommen den Amerikanern Zugang zu Kanadas Rohstoffen verschaffen würde - vor allem zu Energie und Wasser. Während die Auseinandersetzungen um den Zugang zu Kanadas Wasservorräten zunehmend erbitterter geführt wurde, begann ich diesen Punkt genauer zu beobachten.

Ich las den umfangreichen Text des geplanten Freihandelsabkommens und stolperte im Anhang über die Liste aller Güter, die unter die Regeln des Vertrags fielen. Zu meiner großen Überraschung waren da auch »Wasser, einschließlich [.] Mineralwasser [.] Eis und Schnee« aufgeführt. Da in dem Vertrag eindeutig festgelegt war, dass keines der Unterzeichnerländer den Handel oder Export der aufgeführten Güter einschränken könnte, läuteten bei mir sämtliche Alarmglocken. Schon seit Generationen waren immer wieder verschiedenartige Pläne bekannt geworden, große Wassermengen an die USA zu verkaufen und mit Pipelines und Aquaedukten, Tunneln und Staudämmen abzuleiten. Diese ersten Versuche zur Kommerzialisierung unserer Wasserressourcen hatten die Kanadier jedoch abgewehrt. Dass so ein Plan - die Kommerzialisierung von Wasserexporten, erlaubt und geschützt durch ein Freihandeslabkommen - wieder seine Fratze zeigte, erschreckte mich und war der Anlass, warum ich mich auf eine Entdeckungsreise nach den Hintergründen begab.

Es stellte sich heraus, dass ich recht hatte. Dieses und andere Freihandelsabkommen stellen tatsächlich eine ernste Bedrohung dar für das Wasser als öffentlichem Gut und den Schutz des Wassers an sich. Allerdings dauerte es einige Jahre, bis das offenbar wurde.

In der Zwischenzeit fragte ich mich: Wem gehört das Wasser, und wer hat die Entscheidungsgewalt über diese wertvolle Ressource? Ich hatte immer angenommen, dass das Wasser uns allen gehört. Aber ich sollte lernen, dass die Welt ihre Wasserreserven schon damals strapazierte und dass eine Anzahl privater Unternehmen sich anschickte, die wachsende Wasserknappheit zu kontrollieren und von ihr zu profitieren. Ich machte mich genau zu der Zeit auf meine Entdeckungsreise, als die weltweite Kommerzialisierung des Wassers ernste Formen anzunehmen begann.

Privatisierung von Wasserversorgern


In den späten 1980ern verkaufte Großbritanniens Premierministerin Margaret Thatcher im Rahmen des Kürzungsprogramms ihrer Regierung die öffentlichen Wasserversorgungsunternehmen von England und Wales. Seitdem sind die Wasserpreise um über 40 % gestiegen, und die Konzerne, die die Wasserversorgung übernommen hatten, wurden berüchtigt für ihre fürchterliche Verschmutzungsbilanz, ihre astronomischen Vorstandsgehälter und -boni und ihre umfangreichen Steuervermeidungstricks. Dreißig Jahre später haben laut einem Artikel im Independent vom Juni 2017 die in Großbritannien tätigen privaten Wasserunternehmen Milliarden an ihre Anteilseigner ausgeschüttet und zur Finanzierung der Gewinne ihre Staatschulden erhöht. Sie erzielten in den letzten zehn Jahren einen Gewinn nach Steuern von insgesamt fast 25 Milliarden US-Dollar. In jener Zeit wurde die Wasserprivatisierung als eine wagemutige neue Frontier der wirtschaftlichen Globalisierung betrachtet, mit der Regierungen Geld sparen würden. Thatchers Experiment löste einen weltweiten Dominoeffekt bei Wasserprivatisierungen aus.

Die Weltbank spielte schnell mit: Sie machte die Privatisierung der Wasserversorgung zu einer Bedingung für die Unterstützung armer Länder im Globalen Süden. Das gehörte zum Programm einer »Strukturanpassung«, die diesen Ländern den Zutritt zur globalen Marktwirtschaft ermöglichen sollte, indem sie im Gegenzug für einen Schuldenerlass lebenswichtige Dienstleistungen privatisierten. Im Laufe der 1990er Jahre steigerten die Weltbank und andere regionale Entwicklungsbanken die Darlehen dramatisch, die an die Verpflichtung des Empfängerlandes gekoppelt waren, Wasserwirtschaft und -versorgung zu privatisieren. In vielen Fällen wählten die Banken die privaten Wasserversorger aus - oft waren das die Wasserabteilungen der beiden französischen Großkonzerne Suez Environment und Veolia Water. Sie unterzeichneten sogar die Verträge und ließen die Regierungen vor Ort komplett außen vor.

Große Institutionen begannen, von Wasser als einer Ware zu sprechen. Auf einer Konferenz in Dublin 1992 erklärten die Vereinten Nationen zum ersten Mal, dass Wasser als »im Wettbewerb stehend« einen »ökonomischen Wert« habe und als »ökonomisches Gut« begriffen werden solle. Diese Definition benutzte die Privatwirtschaft, um für private Wasserversorgung zu werben, und sie war das erste Signal, dass die UNO sich dem Standpunkt annäherte, Wasser als Ware und nicht mehr als Gemeingut zu betrachten. Suez und Veolia schlossen sich dem UN Global Compact an - eine umstrittene Initiative, die einige der schlimmsten Umweltverschmutzer unter den Konzernen zu freiwilligen Umwelt- und Menschenrechtsstandards verpflichten will - und beteiligten sich schon bald intensiv am Entwurf der im Jahr 2000 bei einer Konferenz der Vereinten Nationen postulierten Millenniums-Entwicklungsziele.

1993 präsentierte die Weltbank mit Verweis auf den »Widerwillen« der Armen, für ihre Wasserversorgung zu bezahlen, eine neue Politik und erklärte, Wasser solle wie ein Wirtschaftsgut mit der Gewichtung auf Effizienz, Finanzdisziplin und volle Kostendeckung behandelt werden. Die Absicht war, in arme Länder investierenden Wasserunternehmen zu garantieren, dass sie sowohl ihre Investitionskosten erwirtschaften als auch ihren Investoren durch je nach Bedarf erhöhte Wasserpreise einen Gewinn bescheren konnten.

Neue Institutionen entstanden. Der Weltwasserrat, der sich selbst als internationale Denkfabrik für Wasserpolitik bezeichnet, wurde 1997 gegründet, um die Interessen der privaten Wasserunternehmen voranzutreiben. Er wird von der Weltbank sowie einigen Organisationen und Interessengruppen in der UNO finanziert, was ihm eine hohe Glaubwürdigkeit verleiht. Alle großen privaten Wasserversorger sind Gründungsmitglieder, ebenso viele Investmentbanken und die International Water Association, in der über 500 Unternehmen vereinigt sind. Alle drei Jahre veranstaltet der Weltwasserrat das Weltwasserforum, ein Vorzeigeprojekt der privaten Wasserwirtschaft. Tausende Regierungsbeamte aus aller Welt reisen an, um sich über die »Vorteile« der Wasserprivatisierung schlau zu machen.

2008 schuf die Weltbank auch die 2030 Water Resources Group, um sich von ihr zu Wasserpolitik im Globalen Süden beraten zu lassen und wie das Wasserziel für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen zu realisieren sei. Zu ihren Partnern zählen die großen Wasserversorgungsunternehmen wie Suez, die großen Flaschenwasserproduzenten Nestlé, Coca-Cola und PepsiCo, Biergiganten wie Anheuser-Busch und Chemieunternehmen wie Dow. Alle sind große...

Dateiformat: ePUB
Kopierschutz: Adobe-DRM (Digital Rights Management)

Systemvoraussetzungen:

Computer (Windows; MacOS X; Linux): Installieren Sie bereits vor dem Download die kostenlose Software Adobe Digital Editions (siehe E-Book Hilfe).

Tablet/Smartphone (Android; iOS): Installieren Sie bereits vor dem Download die kostenlose App Adobe Digital Editions (siehe E-Book Hilfe).

E-Book-Reader: Bookeen, Kobo, Pocketbook, Sony, Tolino u.v.a.m. (nicht Kindle)

Das Dateiformat ePUB ist sehr gut für Romane und Sachbücher geeignet - also für "fließenden" Text ohne komplexes Layout. Bei E-Readern oder Smartphones passt sich der Zeilen- und Seitenumbruch automatisch den kleinen Displays an. Mit Adobe-DRM wird hier ein "harter" Kopierschutz verwendet. Wenn die notwendigen Voraussetzungen nicht vorliegen, können Sie das E-Book leider nicht öffnen. Daher müssen Sie bereits vor dem Download Ihre Lese-Hardware vorbereiten.

Bitte beachten Sie bei der Verwendung der Lese-Software Adobe Digital Editions: wir empfehlen Ihnen unbedingt nach Installation der Lese-Software diese mit Ihrer persönlichen Adobe-ID zu autorisieren!

Weitere Informationen finden Sie in unserer E-Book Hilfe.


Dateiformat: ePUB
Kopierschutz: ohne DRM (Digital Rights Management)

Systemvoraussetzungen:

Computer (Windows; MacOS X; Linux): Verwenden Sie eine Lese-Software, die das Dateiformat EPUB verarbeiten kann: z.B. Adobe Digital Editions oder FBReader - beide kostenlos (siehe E-Book Hilfe).

Tablet/Smartphone (Android; iOS): Installieren Sie bereits vor dem Download die kostenlose App Adobe Digital Editions (siehe E-Book Hilfe).

E-Book-Reader: Bookeen, Kobo, Pocketbook, Sony, Tolino u.v.a.m. (nicht Kindle)

Das Dateiformat ePUB ist sehr gut für Romane und Sachbücher geeignet - also für "glatten" Text ohne komplexes Layout. Bei E-Readern oder Smartphones passt sich der Zeilen- und Seitenumbruch automatisch den kleinen Displays an. Ein Kopierschutz bzw. Digital Rights Management wird bei diesem E-Book nicht eingesetzt.

Weitere Informationen finden Sie in unserer E-Book Hilfe.


Download (sofort verfügbar)

12,99 €
inkl. 5% MwSt.
Download / Einzel-Lizenz
ePUB mit Adobe-DRM
siehe Systemvoraussetzungen
E-Book bestellen

12,99 €
inkl. 5% MwSt.
Download / Einzel-Lizenz
ePUB ohne DRM
siehe Systemvoraussetzungen
E-Book bestellen